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FEUERBRÄUCHE: FLAMMENDE FESTE


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.04.2019

Feuer bringen Menschen zusammen. Zum Beispiel das Johannisfeuer am 23. Juni


Artikelbild für den Artikel "FEUERBRÄUCHE: FLAMMENDE FESTE" aus der Ausgabe 3/2019 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 3/2019

Petersfeuer in Nussdorf im Chiemgau. Bei dieser Variante des Johannisfeuers wird eine Strohpuppe verbrannt


Auf einer Wiese abseits der Häuser tragen die Dorfbewohner Reisig und Äste zusammen und schichten es auf zu einem hohen Kegel. Als die Dämmerung hereinbricht, ist es Zeit, das Feuer zu entzünden. Holz beginnt zu knistern, die Glut funkelt. Flammen klettern die Äste hinauf. Der flackernde Schein bannt die Blicke der Umstehenden. Mancher wirft Zweige hinein, neue ...

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... Nahrung für die Flammen. Auf dass die feurige Feier noch lange nicht enden möge.

In vielen Gegenden Deutschlands und Europas versammeln sich Menschen am Abend des 23. Juni, der Johannisnacht, um solche Feuerstellen. Nicht allein, um sich zu wärmen in diesen noch frischen Sommernächten. Sie pflegen einen alten Brauch. Mit dem Johannisfeuer gedenken Christen seit dem 12. Jahrhundert Johannes dem Täufer, der in der Bibel Zeugnis vom Lichte Gottes gibt. Schon früher schürten Heiden zur Sommersonnenwende, die wenige Tage vorher eintritt, hohe Feuer, um ihre launischen Naturgötter gnädig zu stimmen. Die Christianisierung konnte diesen Aberglauben nie ganz verdrängen. Inzwischen sind Sonnwendtradition und Johannisfeuer vielerorts zu einem Fest verschmolzen.

Feuer beflügelt seit jeher die Fantasie der Menschen

Wer einmal ins ekstatisch züngelnde Feuer geblickt hat, kann sich gut vorstellen, wie dieses Schauspiel die Fantasie des Menschen seit jeher beflügelt. So entwickelten sich rund ums Jahr viele weitere Feuerbräuche.

Die nordfriesischen Inseln zelebrieren am 21. Februar das Biikebrennen. Einst legten Frauen entlang der Strände Feuer zur Verabschiedung ihrer Männer, die zur Waljagd in die finstere See stachen. Am Sonntag nach Aschermittwoch wird unter anderem im Schwarzwald und im Allgäu mit „Funkenfeuern“ der Winter vertrieben. Auch Ostern verheißt hitzige Nächte. In katholischen Gemeinden entzündet der Priester am Osterfeuer die Osterkerze. Zur Walpurgisnacht am 30. April wird besonders im Harz gesungen, getrunken und ums Hexenfeuer getanzt. Ist das etwas heruntergebrannt, wagen frisch verliebte Paare den Maisprung. Im Herbst danken Bauern mit Erntedankfeuern für die Früchte der Natur. Zum Martinstag enden viele Laternenumzüge vor stolzem Feuer. Und auch am letzten Tag des Jahres zückt man die Streichholzschachtel. Silvesterfeuerwerk mag kaum an gemütliche Lagerfeuer erinnern, geht aber auf germanische Riten zurück, bei denen Flammen und Krach Dämonen vom neuen Jahr fernhalten sollten.


Licht! Liebe! Leben!

Johann Gottfried Herder, deutscher Dichter


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1. Fackelschwenken beim Osterfeuer in Attendorn im Sauerland.2. Scheibenschlagen: Männer im Schwarzwald schwingen glühende Holzscheiben.3. Funkenfeuer im Allgäu am ersten Sonntag der Fastenzeit

So vielfältig wie die Anlässe zeigt sich auch die Gestalt der Brauchtumsfeuer. Da werden aus Stroh geflochtene Räder oder Puppen entflammt, bollern mit loderndem Holz beladene Wagen durch die Dörfer. Beim Scheibenschlagen werden brennende Holzscheiben in die Nacht geschleudert. In Oberbayern steigen am 23. Juni Männer in die Berge, entfachen „Johannifeuer“, lange Lichterketten, zu bewundern im fernen Tal.

Feuer leuchten weit ins Land, ihr Rauch zieht über alle Felder. Vielleicht erlangten sie auch deshalb ihren festen Platz in unserer Feierkultur: Früher brauchte man keine Einladungskarten. Loderte irgendwo ein Feuer, strömten alle herbei. Bis heute bringt es die Menschen zusammen. Und vermag neben fröstelnden Leibern auch die Herzen zu wärmen. Kommen Sie ruhig näher!