Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

FILMEN: VIDEO-FARBBEARBEITUNG: Abso-LUT filmreife Bilder


CHIP Foto-Video - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 08.05.2019

Farbbearbeitung bei Video ist schwierig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sogenannte Lookup-Tabellen, kurz LUT, gezielt einsetzen, um Ihren nächsten Filmen einen spannenden Farbstil zu verpassen.


Artikelbild für den Artikel "FILMEN: VIDEO-FARBBEARBEITUNG: Abso-LUT filmreife Bilder" aus der Ausgabe 6/2019 von CHIP Foto-Video. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: CHIP Foto-Video, Ausgabe 6/2019

Jeder Videofilmer träumt von Farben wie im Kino. Denn ein farbbearbeiteter Streifen kann wesentlich mehr als nur hübsch aussehen. Er schafft es, dem Zuschauer eine bestimmte Stimmung zu vermitteln und Gefühle zu wecken, schließlich verbinden wir Menschen Farben mit Gefühlen – zum Beispiel Rot mit Wut, Blau mit Entspannung, Orange mit Wärme und so weiter. Ein guter Filmemacher sollte also auf jeden Fall viel Wert auf ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von CHIP Foto-Video. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Die besten Fotos der Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die besten Fotos der Welt
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Neue Ansichten für Landschaftsfotos. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Neue Ansichten für Landschaftsfotos
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Mehr Wirkung durch Bildgestaltung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Mehr Wirkung durch Bildgestaltung
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Mit diesen Farbkombinationen gelingt jedes Bild. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Mit diesen Farbkombinationen gelingt jedes Bild
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Beeindruckendes Wetter für jede Landschaft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: Beeindruckendes Wetter für jede Landschaft
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: 100.000.000.000 Sterne auf einem Foto. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE: 100.000.000.000 Sterne auf einem Foto
Vorheriger Artikel
BILDIDEEN: 10 Fotos, die Sie jetzt machen können
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BILDBESPRECHUNG MIT MICHA PAWLITZKI: Bewusst mit Farben gestalten
aus dieser Ausgabe

... eine angemessene Farbbearbeitung legen.

Wer sich allerdings schon mal im „Color Grading” , sprich der Farbbearbeitung von Videomaterial, versucht hat, weiß: Es ist sehr schwer und mehr als mühsam, mithilfe all der Regler, Farbräder und Kurven das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Doch genau hier können sogenannte LUTs – kurz für „Lookup-Tables“ – helfen. Dies sind kleine Dateien, mit denen Sie auf relativ einfache Weise Ihrem Videoprojekt die gewünschte Farbe verleihen können.

Was ist ein LUT überhaupt?

Doch fangen wir ganz am Anfang an: „Nachschlage-Tabelle“ – klingt zwar etwas holprig, doch so könnte man „Lookup-Table“ durchaus übersetzen. Im Prinzip ist ein LUT auch nichts anderes: Eine Art Bibliothek für Ihren Computer. Das Programm, mit dem Sie Ihr Videomaterial bearbeiten, liest quasi den Farbwert eines bestimmten Pixels aus und schaut dann in der Tabelle nach, in welchen Wert dieser umgewandelt werden soll.

Eigentlich entspricht ein LUT nichts anderem als eine vorgefertigte, fest definierte Farbbearbeitung. Im Grunde also nur ein anderes Wort für das, was in vielen Programmen oft unter dem Begriff „Filter“ zu finden ist? Keineswegs, denn diese Definition beschreibt längst nicht alles, wozu LUTs eigentlich fähig sind. So lassen sich über Lookup-Tables sowohl der Farbton und die Helligkeit als auch die Sättigung jeder möglichen Farbe individuell anpassen oder, sofern vom Videografen gewünscht, sogar komplett verändern.

Was genau soll das bringen?

Das klingt ja schön und gut, aber warum sollte ich jetzt unbedingt LUTs verwenden? Gespeicherte Voreinstellungen und andere Filter leisten doch das Gleiche. Nun ja, das stimmt – zumindest fast. Allerdings sind LUTs unheimlich präzise. Jede nur denkbare Form der kreativen Farbbearbeitung lässt sich mit ihnen bewerkstelligen. Vielleicht hat Ihr Schnittprogramm ja Regler für Belichtung, Kontrast und Sättigung – vielleicht sogar noch mehr. Doch LUTs ermöglichen zudem eine besonders präzise Anpassung von Farben, die Sie mit den Einstellungs-Möglichkeiten in Ihrem Programm eventuell nie erreichen könnten.

Ein weiterer Vorteil: LUTs liefern gleichbleibende Ergebnisse. Denn wie wir schon gesehen haben, ordnen die Lookup-Tabellen jeden Farbwert, den ein Pixel annehmen kann, neu zu. LUTs liefern somit wiederholbare Ergebnisse: Sie wirken sich bei unterschiedlichem Material immer gleich aus. Dazu kommt, dass sich LUTs abspeichern und somit für unterschiedlichste Projekte verwenden lassen. Falls Sie einem Ihrer Projekte eine wirklich schöne Farbbearbeitung verleihen konnten, wäre es doch schade, diese nur in einem Video zu verwenden. Mit den meisten Videobearbeitungs-Programmen können Sie Ihren Look in Form eines LUTs exportieren. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, immer wieder darauf zurückzugreifen. Oder Sie erstellen sich einen kleinen Katalog an verschiedenen Farbbearbeitungen, die Sie je nach Projekt oder gewünschter Stimmung mit geringem Aufwand anwenden können.


Mit LUTs lässt sich jede Form der kreativen Farbbearbeitung erreichen


Der wohl wichtigste Vorteil der kleinen LUT-Dateien ist allerdings, dass sie größtenteils plattformunabhängig sind. Das heißt, selbst wenn Sie mit unterschiedlichen Programmen, wie etwa Adobe Premiere Pro, DaVinci Resolve oder gar Final Cut, arbeiten, funktionieren diese fast immer. Es spielt auch keine Rolle, welches Betriebssystem Sie verwenden. Dies macht vor allem das gemeinsame Arbeiten an einem Film sehr viel einfacher: Nehmen wir an, Sie arbeiten mit einem Freund an einem Videoprojekt. Sie kümmern sich um den Schnitt, er um die Farbbearbeitung. Mithilfe von LUTs kann er den passenden Farb-Look für den Film erstellen und Ihnen diesen als winzig kleine Datei zukommen lassen. Auf diese Art sparen Sie sich das Hin- und Herschicken von riesigen Datenmengen.

Sie brauchen aber nicht einmal einen Freund, der sich mit Farbbearbeitung auskennt. Denn es gibt ja das Internet. Da hat sich mittlerweile ein Trend etabliert, selbst erstellte Lookup-Tables zu verkaufen. Keine Sorge, es gibt sie teilweise auch gratis – und es sind sogar einige Schätze darunter – von Farbstilen berühmter Filme bis hin zu simuliertem Analog-Film; die Vielfalt an Kombinationen ist riesig.

Hat das Ganze auch Nachteile?

Ganz perfekt ist selten was: Zum einen benötigen LUTs eine enorme Menge Rechenleistung. Schließlich ist die Neuzuordnung von mehreren Millionen möglicher Farben kein leichtes Unterfangen. Das kann den einen oder anderen Rechner extrem fordern.

Außerdem sind LUTs zwar präzise, aber eben speziell. Sie können Farben ändern – das war’s aber auch schon. Andere Effekte wie Körnung, Scharf- und Weichzeichnung, Vignetten oder sonstige Stilisierungen lassen sich damit nicht beeinflussen. Dafür müssen Sie in jedem Fall andere Werkzeuge nutzen.

Auch wenn LUTs Ihnen viel Arbeit sparen können, müssen Sie zunächst einigen Aufwand betreiben. Wer meint, mal schnell einen hübschen LUT aus dem Internet auf das Urlaubsvideo vom letzten Jahr anwenden zu können, der wird enttäuscht sein. Es gilt bereits vorab, also beim Drehen Ihres Videomaterials, ein paar Punkte im Hinterkopf zu behalten. Besonders praktisch sind da die sogenannten „flachen” Bildprofile, die in vielen modernen Kameras zum Filmen ausgewählt werden können.

LOG: Viele Kameras unterstützen das Filmen im sogenannten LOG-Format, um einen höheren Dynamikbereich und so mehr Details einzufangen. Bei der Sony Alpha 7 III finden Sie die Einstellung unter der Kamera-Spalte bei »Fotoprofil «. Hier empfiehlt es sich, »S-Log2« zu wählen, da »S-Log3« eine aufwendigere Nachbearbeitung erfordert.


Grading beginnt beim Filmen

Und das Kapitel Filmen im LOG-Format? Allein damit ließe sich schon ein ganzer Artikel füllen. Versuchen wir uns hier trotzdem mal daran. (Wem der Begriff etwas sagt, der kann durchaus schon zum nächsten Kapitel springen.) Da die meisten Consumer-Kameras Videoinformation im sogenannten 8-Bit-Verfahren abspeichern, besitzen sie einen recht kleinen Dynamikumfang. Das bedeutet, dass sie sehr helle und sehr dunkle Bereiche nicht gleichermaßen belichten können – es werden dann entweder die hellen Bereiche über- oder die dunklen unterbelichtet. Genau hier setzt das LOG-Format an.

Vereinfacht ausgedrückt, bedeutet Filmen im LOG-Format, dass Kontrast und Sättigung vermindert werden, um bei gleicher Dateigröße eine höhere Dynamik zu erreichen. Das hat den Vorteil, dass keine Farbinformationen in hellen und dunklen Bereichen verloren gehen – somit lassen sich Belichtung, Weißabgleich, Kontrast und Sättigung leichter in der Nachbearbeitung anpassen. Viele Kameras verfügen über einen solchen Modus, so zum Beispiel die Sony-Alpha-7-Reihe. Sollte Ihre Kamera diese Bildprofile dagegen nicht beherrschen, gibt es meist die Möglichkeit, diese nachträglich zu integrieren.

Aber keine Sorge, selbst wenn Ihr Kameramodell dieses Format definitiv nicht unterstützen sollte, gibt es einen Trick. Im Internet finden Sie zahllose vorgefertigte flache Farbprofile, die Sie in Ihre Kamera importieren können. Für Canon gibt es „Cinestyle“, für Nikon „Flaat“ – und noch viele weitere für Kameras anderer Hersteller. Diese Profile machen vereinfacht gesagt nichts anderes als LOG-Profile: Sie verringern den Kontrast, um eine höhere Dynamik zu erzielen.

Sie brauchen nicht zu erschrecken, wenn Sie sich Ihr LOG-Material dann anschauen. Es wird stärker rauschen als normal, wesentlich weniger Farben beinhalten und allgemein matschig aussehen. Aber das ist kein Problem – so wollen und können Sie in der Postproduktion all die schönen Farben mithilfe von LUTs wieder zum Strahlen bringen.

Und noch eine Vorwarnung: Einerseits ist Filmen im LOG/Flat-Profil kein Freifahrtschein, bei dem Sie eventuelle Fehler in Belichtung oder Weißabgleich nachträglich noch ausbessern können. Gerade hier ist eine optimale Einstellung der Kamera das A und O. Außerdem gibt Ihnen LOG zwar die Möglichkeit, Ihr Filmmaterial aufzuhübschen, allerdings müssen Sie das auch. Denn direkt aus der Kamera ist das Material zu nichts zu gebrauchen. Wenn es also mal schnell gehen soll oder Sie keine großartige Mühe in die Nachbearbeitung stecken möchten, stellen Sie das Profil Ihrer Kamera lieber auf „Normal“/„Standard“ oder „Lebhaft“.

Nach dem Shoot kommt der Grade

Wer sich bis hierher durch den LUT-Dschungel gekämpft und seine Kamera vorbereitet und vielleicht sogar schon etwas im LOG-Profil gefilmt hat: Hut ab! Doch der besonders spannende Teil beginnt jetzt – in der Nachbearbeitung.

Nachdem Sie Ihr Material in die Videobearbeitungssoftware Ihrer Wahl importiert haben, können Sie nun mit der Farbbearbeitung beginnen. Überlegen Sie sich zuerst, was Sie mit Ihrem fertigen Film aussagen möchten. Haben Sie einen regnerischen Tag gefilmt, eignen sich kalte Farben und ein entsättigtes Bild. Wollen Sie Ihrem Film einen fröhlichen Anstrich verpassen, sind warme Farben und eine hohe Sättigung das Stilmittel der Wahl. Prinzipiell sind die Möglichkeiten grenzenlos, doch sie sollten stets gerechtfertigt sein. Wählen Sie also einen LUT aus, der sowohl zu Ihrem Material als auch zur Stimmung passt. Probieren Sie aber auch gezielt verschiedene Dinge aus.


Wenn es um Farbbearbeitung geht, ist weniger oft mehr


Versuchen Sie hierbei schrittweise vorzugehen. Premiere und After Effects bieten Einstellungsebenen an, mit deren Hilfe Sie verschiedene Farbeffekte übereinanderstapeln können. DaVinci Resolve hingegen arbeitet mit Knotenpunkten. Beide Systeme ermöglichen ein sehr strukturiertes und differenziertes Arbeiten.

Und das ist auch wichtig. LUTs sind kein Universalwerkzeug, sondern legen nur den generellen Stil fest, den Sie Ihrem Video verleihen möchten. In manchen Situationen mag zwar allein das Verwenden eines LUTs ausreichend sein, in der Regel ist dies jedoch nicht der Fall. Belichtung, Kontrast, Sättigung und Weißabgleich werden Sie auf jeden Fall noch anpassen müssen – das kann ein LUT nämlich nicht automatisch. Tasten Sie sich langsam heran und probieren Sie einiges aus. So werden Sie LUTs in kurzer Zeit meistern.

Gerade als Anfänger neigt man beim „Color Grading” oft zu Extremen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Klar macht es Spaß, mit Stilrichtungen und Effekten zu experimentieren und vielleicht auch etwas zu übertreiben. Dennoch ist weniger oftmals mehr. Denn ein zu stark stilisiertes Bild wirkt schnell unrealistisch. Das sollten Sie jedoch besser vermeiden, schließlich soll die Geschichte Ihres Films im Vordergrund stehen – und nicht eine dramatisierende Farbbearbeitung.

Eine Anmerkung zum Schluss: Lookup-Tabellen sind keine Trickkisten, die aus langweiligem Material ein Kunstwerk zaubern – es sind Werkzeuge, die Sie gezielt anwenden, um Filmmaterial einen ansprechenden Farb-Look zu verleihen – mehr nicht. Denn ein hübscher Filter allein macht noch keinen fertigen Film. LUTs sind oft der erste Schritt der Farbbearbeitung, aber nie der letzte.

Wo bekomme ich LUTs her?

Im Internet finden Sie eine große Auswahl an englischsprachigen Homepages, die kostenlose LUTs zur Verfügung stellen. Wir haben die besten herausgesucht.

lutify.me:
Sieben verschiedene LUTs werden Ihnen hier kostenlos angeboten – allesamt mit starken Kino-Farben.

luts.iwltbap.com:
Die Seite bietet eine überschaubare, aber gute Auswahl an Kreativ-LUTs für verschiedene Stimmungen.

rocketstock.com:
Hier gibt es satte 35 Free LUTs – optimal, um sich an die Welt des Color Gradings heranzutasten.