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FIT für den Ritt?


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 10.09.2021

SPORTART REITEN

Artikelbild für den Artikel "FIT für den Ritt?" aus der Ausgabe 100/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Das Aussitzen im starken Trab ist eine sportliche Herausforderung

UNSERE EXPERTIN

DR. CHRISTINE HEIPERTZ- HENGST ist Pädagogin, Sportwissenschaftlerin und -therapeutin. Nach vielen Jahren der Tätigkeit im Therapeutischen Reiten liegen ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Sportmedizin, Rehabilitations-und Präventionssport (Initiatorin des „Gesundheitssport mit Pferd“), Leistungsphysiologie und Trainingssteuerung für Pferd und Reiter. Sie ist Autorin zahlreicher Fachbücher und wissenschaftlicher Publikationen. Als Referentin gibt sie ihr Wissen in Seminaren weiter. www.ias-institut.com www.gesundheitssport-mit-pferden.de

Reiten? Das ist doch kein Sport. Da läuft doch nur das Pferd und der Mensch wird durch die Gegend getragen.“ Gerade bei sehr guten Reitern ist es für Außenstehende schwer zu erkennen, welche tatsächliche körperliche Leistung im Sattel erbracht wird. Dass Reiten nur für das Pferd eine sportliche Anforderung stellt, ist ...

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... daher noch immer weit verbreitet. Doch, wer selber reitet, weiß es besser: Er kommt im Sattel ins Schwitzen und gerät außer Atem. Vom Ganzkörper- Muskelkater einer anstrengenden Reitstunde ganz zu schweigen.

Motorische Anforderungen

„Das Reiten fordert den ganzen Menschen und beansprucht alle großen Organsysteme“, erklärt die Sportwissenschaftlerin und -therapeutin Dr. Christine Heipertz- Hengst. Sie definiert die reittypische motorische Beanspruchung aus Sicht der Sportmedizin und Sportwissenschaft im „Handbuch Pferdewirt“ wie folgt: „Reiten ist eine überwiegend statische, allgemeine, aerobe Langzeitbelastung mit vorrangiger Beanspruchung auf sportartspezifische Koordination und Beweglichkeit.“

Das Besondere liege zum einen in den hohen Anforderungen an die dynamischelastische Statik mit ständig wechselnden Spannungsgraden. Zum anderen ginge es beim Reiten um vielfältige koordinative Beanspruchungen, welche Aktions- und Reaktionsfähigkeiten ebenso einschließen wie die Wahrnehmung des eigenen Körpers und den des Pferdes, in Raum und Zeit unter wechselnden Umwelteinflüssen. „Alle Bewegungsaufgaben für den Reiter stellen des Weiteren hohe Anforderungen an die Balancefähigkeiten in Kombination mit Rhythmus und Taktgefühl“, erklärt sie weiter. Bereits hier ist klar: Reiten ist eine komplexe Sportart.

Wer sich in den Sattel setzt, wird bereits ohne sein Zutun durch die dreidimensionalen Schwingungen des Pferderückens bewegt. „Diese Bewegungen müssen permanent ausgeglichen und der eigene Körper im gleichmäßigen und fließenden Rhythmus bewegt werden, was zu einer regelmäßigen An- und Entspannung vieler kleiner Muskeln führt“, erläutert die Diplom-Sport- und Amateurreitlehrerin.

Da der Reiter ständig damit beschäftigt ist, seinen durch die Pferdebewegung beeinflussten Schwerpunkt wiederzufinden und aktiv auf das Pferd einwirken zu lassen, hat das „Getragenwerden“ erste muskelkräftigende Effekte für den Menschen.

Dem können Sie selbst nachspüren, wenn Sie auf einem Bein oder Gymnastikball balancieren. Dann fühlen Sie die kleinen Regulationen der Muskulatur selbst ganz deutlich. Im Sattel ist es noch intensiver. Hier balanciert sich der Reiter auf seinen Gesäßknochen und im gesamten Beckenbereich aus, die dreidimensionalen Bewegungsimpulse aus dem Pferderücken übertragen sich auf den ganzen Rumpf.

Grundkraft erforderlich

Hinzu kommt die typische Sitzposition im Sattel, der Spreizsitz. Er dient als ideale Ausgangsstellung für eine aufrechte Haltung mit körpergerechter Wirbelsäulenschwingung und gilt als optimale Positionierung von Becken und Hüfte, so die Expertin. Dafür ist jedoch bereits in Ruhe ein guter Grundtonus der Rumpfmuskulatur erforderlich. Um die Haltung auch in jeder Bewegungsphase, in allen Gangarten und in ständiger Balance mit dem Schwerpunkt des Pferdes einzunehmen, müssen Bauch-, Brust- und Rückenmuskeln in der Lage sein, diesen Spannungsgrad gemeinsam in ständiger Anpassung aufrechtzuerhalten. Dafür bedarf es einer gewissen Grundkraft.

Die Muskulatur des Reiters im Sattel muss aber nicht nur Haltearbeit (statisch), sondern immer auch Bewegungsarbeit (dynamisch) leisten. „Dafür können sich die Muskeln verkürzen und dehnen. Hinsichtlich der Gesamtbelastung ist zwischen nur lokaler und im Gegensatz dazu allgemeiner, ganzkörperlicher Muskelarbeit zu unterscheiden“, so Dr. Heipertz-Hengst im „Handbuch Pferdewirt“ weiter. Erschwert wird die Mischung von Halte- und Bewegungsarbeit durch die Hilfengebung (aktive Einwirkung auf das Pferd), die aus fein abzustimmenden muskulären Druckimpulsen sowie Gewichts- und Gliedmaßen - verlagerungen besteht.

Dazu ein paar Beispiele: Da die Zügelhände aufrecht getragen werden sollen, sind die Arme in einer dauerhaften, latenten Grundanspannung. Sie müssen zugleich beweglich sein, um dem Pferdemaul jederzeit zu folgen. Die Hände umschließen die Zügel, müssen aber beim Annehmen oder Nachgeben desselben eine zusätzliche muskuläre Bewegung erbringen. Die Beine müssen, um an ihrem Platz zu bleiben, eine gewisse Haltearbeit verrichten, gleichzeitig aber flexibel sein, um die Pferdeschwingungen abzufedern oder aktiv eine Schenkelhilfe zu geben. Die Ausführung einer ganzen Parade betrifft kurzzeitig sogar den ganzen Körper. „Die in ständigem Wechselspiel ablaufenden Muskelaktionen des gesamten Körpers beanspruchen den Oberkörper, die oberen und die unteren Extremitäten und führen zu einem intensiven Haltungs- und Bewegungstraining“, erklärt die Sportwissenschaftlerin.

In Schwung gebracht

Auch wenn Reiten kein Kraftsport ist, stellt eine allgemeine und v.a. ausgewogene Grundkraft eine wichtige Voraussetzung für den Reitsport dar, zusätzlich können kurzfristig Spitzenbeanspruchungen für die Muskulatur auftreten (z.B. Aussitzen im starken Trab), weiß die Sporttherapeutin.

Diese werden dem Reiter besonders in den höheren Gangarten, bei Sprüngen und in hügeligem Gelände abverlangt. Ursache dafür sind die größeren Bewegungsausmaße sowie die starken Beschleunigungen, welche die Impulse, die in den Reiterkörper eingeleitet werden, erheblich verstärken. Der Reiter muss sich noch stärker ausbalancieren und braucht nicht nur ein höheres Kraft-, sondern auch Ausdauer- und Reaktionsvermögen, um den Pferdebewegungen harmonisch zu folgen.

„Im Zusammenspiel mit der Haltearbeit wird, insbesondere beim Leichttraben, die Bein- und Rumpfmuskulatur dynamisch beansprucht. Dieses rhythmische An- und Abspannen der Muskulatur im Trab bringt weitere kräftigende sowie ausdauerfördernde Effekte – idealer Weise auf einem möglichst weich schwingenden Pferd, dessen Bewegungen nicht als harte Stöße in unserem Körper ankommen“, erläutert die Sportwissenschaftlerin. Das dynamische Auf und Ab des Leichttrabens ist dabei eher mit Bewegungsarbeit, das Aussitzen dagegen mit Haltearbeit verbunden. Ähnliches gilt auch für den Galopp. „Insbesondere der leichte Sitz bringt sehr viele Muskelgruppen des Körpers in Spannung, weil er eine statische Elastizität erfordert – Sie bemerken das unter anderem durch vertiefte Atmung und hohe Pulsfrequenz.“

MUSKULÄRE UNGLEICHGEWICHTE

Verspannungen, Verkürzungen und Dysbalancen in den Muskeln beeinträchtigen die reiterliche Leistung. Es fehlt die korrekte Sitzgrundlage, aus der heraus erst feine Hilfen entstehen können. In Eckart Meyners Buch „Sitzen lernen und lehren“ (Dressur-Studien Verlag) werden mögliche Folgen aufgezeigt:

Muskelverspannungen: Besonders im Bereich von Hals und Nacken, Schultergürtel und Rücken treten häufig Verspannungen auf. So kann der Rückenstrecker im Halsund Lendenbereich zu hochgezogenen Schultern führen. Befinden sich die Schultern nicht auf gleicher Höhe, weil der Reiter eine mehr anzieht als die andere, kann als Folgeerscheinung eine falsche Beckenkippung entstehen.

Muskelverkürzungen: Der Hüftbeuger sowie die Vorder-und Rückseite der Oberschenkel neigen zu Muskelverkürzungen. Die vorderen Hüftbeuger lassen beispielsweise das Becken zu weit nach vorne kippen und erhöhen die Tendenz zum Hohlkreuz. Der Wadenmuskel ist im Gegensatz zur Schienbeinmuskulatur oft verkürzt. Die Folge? Dem Reiter fällt es schwer, mit seinem Fußgelenk nach unten zu federn.

Muskelschwächen: Bauch-, Brust-und Halsmuskulatur sind vermehrt von muskulären Schwächen betroffen. Die geraden Bauchmuskeln sind aber u.a. wichtig, um das Becken zu stabilisieren und so beispielsweise einen Trab-Schritt-Übergang einzuleiten. Gleich stark ausgeprägte Seiten der Halsmuskulatur sind ebenfalls wichtig, da es sonst zu einer Neigung des Kopfes kommt. Dadurch verändert sich die Position der Wirbelsäule, die Auswirkungen auf die Belastung der Gesäßknochen hat. Wird der Kopf z.B. unbewusst nach rechts geneigt, belastet der Reiter unter Umständen kompensatorisch seine linke Gesäßhälfte mehr.

Gelenksteifheiten: Insbesondere in den Schulter-, Hüft-, Knie-und Fußgelenken sind Steifheiten zu finden. Ist beispielsweise das Hüftgelenk blockiert, kann der Reiter den dreidimensionalen Bewegungen des Pferderückens nicht mehr mit dem Becken folgen. Ein festes Schultergelenk macht sich in verspannten Armen und festen Handgelenken bemerkbar, die wiederum zu einer gröberen Einwirkung mit den Zügeln führen.

Die größte Herausforderung guten Reitens ist jedoch die Koordination. Sie beschreibt das Zusammenwirken und die Steuerung von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur für gezielte, ökonomische, sichere und harmonische Bewegungsabläufe. „Koordination mit ihren Unterbegriffen (Geschicklichkeit, Gewandtheit, Gleichgewichtsvermögen, Reaktion, Wahrnehmung, Körpergefühl sowie Raumorientierung) ist die für den Reiter vorrangige und wichtigste Anforderung“, hebt die Expertin im „Handbuch Pferdewirt“ hervor.

Darüber hinaus ist ein gewisses Maß an Beweglichkeit im Sattel nötig. Das rhythmisch wiederholende Auf und Ab, Vor und Zurück, Seit zu Seit der Pferdebewegungen lockert einerseits die Muskulatur und erhöht die Beweglichkeit des Beckens und der Hüftgelenke, andererseits ist Beweglichkeit eine klare, aber sportartspezifische Grundanforderung an den Reiter, meint Dr. Heipertz-Hengst. Das heißt: Je feinbeweglicher der Mensch im Sattel ist, desto besser gelingt ihm das Reiten.

Eine weitere, wenn auch geringere Grundanforderung ist die Schnelligkeit. Denn beim Reiten geht es darum, Bewegungsaufgaben schnellstmöglich zu bewältigen. Dabei sind vor allem Wahrnehmungs-, Reaktions- und Aktionsschnelligkeit erforderlich.

Ausdauer ist ausbaufähig

Allein wegen der Zeitdauer der sportlichen Betätigung bedarf es beim Reiten ferner einer Grundleistungsfähigkeit in puncto Ausdauer. Das Reiten selbst trainiert bereits ein wenig die Kondition. „Beenden wir unsere erste Reitstunde vielleicht noch schwitzend und mit hochrotem Kopf, so steigert sich unsere Ausdauer mit der Zeit, und wir können auch einen mehrstündigen Ausritt im Gelände gut meistern“, sagt die Expertin. Im Bereich der Ausdauerfähigkeit befänden sich die Mittelwerte von Reitern aber oft nur gerade an, teilweise erheblich unter den Normwerten.

TRAINIEREN SIE IHRE FITNESS!

Wer etwas für seine Fitness tut, hat es viel leichter im Sattel. Dafür lassen sich Bewegungsaufgaben des Alltags ebenso nutzen wie gezielte Fitnesseinheiten mit oder ohne Pferd.

Ausdauer erhöhen

Nutzen Sie bewusst alle alltäglichen Anforderungen, welche die Ausdauer trainieren. Gehen Sie viele Wege zu Fuß oder nehmen Sie das Rad anstatt des Autos. Steigen Sie Treppen, anstatt den Fahrstuhl zu nehmen. Um die Ausdauer gezielt zu trainieren, empfiehlt Dr. Heipertz-Hengst, zwei-bis dreimal wöchentlich ca. eine halbe Stunde walken, joggen oder radeln.

Bewegungsbewusstsein

„Wer seine Bewegungen im (Pferde-)Alltag kontrolliert ausführt, kann noch mehr für sich tun“, so die Expertin. Alle Aktivitäten rund ums Pferd (ausmisten, füttern, putzen, Schubkarre schieben und umkippen, Hufe auskratzen usw.) sollten rückenfreundlich und biomechanisch korrekt ausgeführt werden. Das stärkt die Muskulatur und beugt Verspannungen, Verkürzungen und Dysbalancen vor.

Auf- und Abwärmen

Jeder sportlichen Aktivität sollte eine vorbereitende Aktivierung des Körpers vorausgehen. Das gilt auch für Reiter, die gemeinsam mit dem Pferd Sport betreiben. Beim Führen, aber auch beim Putzen und Satteln lassen sich einfache Warm-Up-Übungen integrieren, welche die Qualität des Reitens verbessern. Anschließend können Dehnübungen Muskelkater verhindern und Muskelverkürzungen vorbeugen.

Gezielte Gymnastik

Funktionsgymnastik beinhaltet verschiedene Übungen, die der Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Belastbarkeit des Reiters, insbesondere seines Bewegungsapparates, dienen. Sie können sowohl auf dem Pferd als auch ohne Pferd ausgeführt werden.

Täglich 15 Minuten reichen laut der Sportwissenschaftlerin bereits aus, um die eigenen reiterlichen Fähigkeiten zu steigern.

TIPP

Welche Übungen sich konkret für den Reitsport eignen, erfahren Sie im Handbuch „Reiten als Gesundheitssport“

www.pferd-aktuell.de

Das ist fatal. Denn je geringer die Ausdauer ist, desto schneller ermüden die Reaktionsfähigkeiten und die Muskeln, was sich wiederum negativ auf die Koordination auswirkt. Die Qualität des Reitens sinkt, das Unfallrisiko steigt. Hier besteht auf jeden Fall Nachholbedarf.

„Überraschend sind übrigens die oft erstaunlich hohen Pulswerte unter Reitbelastung. Sportmedizinische Analysen konnten nachweisen, dass sie durch die Kombination von relativ hoher statischer Belastung (durch die erforderliche Körperspannung für die Haltungsarbeit, die mit ständigen Balanceund Gleichgewichtsreaktionen verbunden ist) und einer mehr oder weniger vorhandenen psychischen Erregung zustande kommen. Die hohe Herzfrequenz wird verstärkt durch Atmungsfehler – Luftanhalten oder gar Pressatmung –, die leider weit verbreitet sind“, schreibt Dr. Christine Heipertz-Hengst im „Handbuch Pferdewirt“.

So lägen die Durchschnittspulswerte im Schritt bei ca. 80 bis 110, im Leichttraben bei 120 bis 140, im Aussitzen im Trab bei 150 bis 170, im Galopp (aussitzen) bei 160 bis 180 und im leichten Sitz bei 160 bis 190 Schlägen pro Minute.

„Die körperliche Beanspruchung des Bewegungs- und Stoffwechselsystems ist beim Reiten also überwiegend im mittleren Bereich anzusiedeln, kann aber bei Spitzenbelastungen hohe Ausschläge haben (zum Beispiel leichter Sitz in hohem Galopptempo während einer Geländeprüfung)“, weiß die Expertin. Das macht auch die prozentuale Verteilung deutlich: Beim Reiten wird vor allem die Koordinationsfähigkeit (45 Prozent) in sportarttypischer Weise beansprucht, gefolgt von einer spezifischen Beweglichkeit (30 Prozent). Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit machen zusammen die restlichen 25 Prozent aus.

Körperliche Belastung

Wie beanspruchend die gesamte reitsportliche Leistung für den Körper ist, hängt v.a. vom eigenen Trainingszustand, der Biomechanik des Pferdes und der Anforderung an die gemeinsame Leistung ab. „Hat der Reiter Mühe, sich im Sattel auszubalancieren, sind seine Muskeln viel tätiger als die eines Reiters, der sicher im Schwerpunkt sitzt. Ein Könner wird generell mit weniger Aufwand reiten können als ein Anfänger. Ein Pferd, das von Natur aus stark im Trab wirft, ist schwieriger muskulär auszugleichen als eines mit einer sehr weichen Bewegung. Westernpferde im Jog sind einfacher auszusitzen als ein großer Warmblüter im Mitteltrab“, zählt sie einige Beispiele auf.

Darüber hinaus spielt die Intensität, mit der dieser Sport betrieben wird, eine Rolle. „Für den reinen Freizeitreiter, der nur gelegentlich und nicht lange reitet, ist das Reiten weniger anstrengend als für einen Berufsreiter. Wir unterscheiden sportmedizinisch zudem die verschiedenen Kategorien in den Leistungsklassen, von einer niedrigen Belastung – beispielsweise in einem E-Parcours – bis zur Höchstbelastung (z.B. auf der Geländestrecke einer Vier- Sterne-Prüfung)“, erläutert die Expertin. Insofern stellt das Reiten unterschiedliche körperliche Belastungen dar.

Die oben beschriebenen Grundanforderungen aber gelten für jeden, der in den Sattel steigt. Würden diese nicht erfüllt, könne es auf allen Leistungs- und Könnensstufen zu Koordinationszwischenfällen kommen, warnt Dr. Heipertz-Hengst im „Handbuch Pferdewirt“. Eine tatsächliche Gefährdung resultiere insbesondere aus einer Langzeitbelastung unter unzureichender Konditionierung. Daraus ergebe sich zwangsläufig eine gute körperliche Gesamtverfassung, die wiederum den Bedarf nach einem ausreichend muskulären Trainingszustand erkläre.

Ergänzende Sportübungen

Durch Ergänzungssport könne man seine reiterlichen Fähigkeiten sehr verbessern, wenn dieser auf die Anforderungen des Reitens ausgerichtet ist. Bestimmte Übungen aus der Funktionsgymnastik kräftigen und dehnen die fürs Reiten erforderlichen Muskeln, erhöhen die Beweglichkeit, Balance, Koordination und Körperwahrnehmung, um feiner und präziser mit den Hilfen einwirken zu können. Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Joggen steigern die Ausdauer und verringern damit Ermüdungserscheinungen.

Darüber hinaus können viele reittypische Bewegungserfahrungen und Lernprozesse, wie z.B. die Galopphilfen, das Leichttraben, Gewichtsverlagerungen oder die treibenden Schenkelhilfen, bereits am Boden, auf einem Gymnastikball und auf dem Holzpferd erlernt und geübt werden. Sie gelingen dann auf dem Pferd schneller und leichter.

„Man sollte sich dem Pferd so erträglich – im doppelten Sinne des Wortes – wie möglich machen. Das sehe ich als ethische Anforderung an den Reiter. Ein trainierter, geschmeidig sitzender Reiter, der nicht klemmt, dehnfähig ist und mit einer fein dosierten Körperspannung arbeitet, ist viel angenehmer fürs Pferd als einer, der klemmt, nicht reagiert, in Wohnungsnot kommt, sein Gewicht nicht korrekt spürt, nicht merkt, ob er in der Hüfte einknickt“, mahnt die Expertin an.

Viel zu oft, sagt Dr. Christine Heipertz- Hengst, müssten die Pferde mit ihrer Leistung die konditionellen Schwächen des Menschen ausgleichen. Daher müsse sich der Reiter als Athlet betrachten und sich um eine bestmögliche eigene Kondition bemühen. Nur dann könne er dem Pferd ein Sportpartner auf Augenhöhe sein, so die Sportwissenschaftlerin abschließend.