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Fit wie Paul


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

Gesundheit

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Er wirkt überhaupt nicht erschöpft, seine Haare sind nicht mal verschwitzt. Dabei hat Paul McCartney in den letzten zweieinhalb Stunden 38 Songs auf dem legendären Glastonbury-Musikfestival gesungen. Zum Abschied verneigte er sich vor den mehr als 100 000 Zuschauern und machte noch einen kleinen Hüpfer. Auf Youtube kann man sich das Konzertende vom 25. Juni ansehen – sieben Tage vor dem Auftritt ist er 80 Jahre alt geworden. Am Abend davor und danach waren die Superstars Billie Eilish, 20, und Kendrick Lamar, 35, auf dieser Bühne, aber ihre Shows waren jeweils eine Stunde kürzer. „Paul hat den Körper eines 17-Jährigen“, hat Schauspieler Alec Baldwin mal über ihn gesagt. Sie kennen sich vom gemeinsamen Yoga. Wie schafft man das, in dem Alter noch so fit zu sein? Paul McCartney macht daraus kein Geheimnis. Hier ist sein Rezept für die (fast) ewige Jugend.

1 AUF DIE MATTE

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„Ich finde mich gar nicht sooo fit“, sagte Paul McCartney vor zwei Jahren im Podcast „Smartless“ – klares britisches Understatement. Der 80-Jährige absolviert diszipliniert, wie er betont, täglich sein Fitnessprogramm: „Ein bisschen Crosstrainer, ein bisschen Laufen, ein bisschen Kardiotraining, dann hebe ich ein paar Gewichte und mache einige Bauchmuskelübungen auf dem Gymnastikball, bevor ich auf der Turnmatte lande und mich dehne.“

Jeweils fünf bis zehn Minuten lang. Seine Fitnessroutine sei wunderbar zusammengestellt, findet Meike Hoffmeister, Professorin für Sportmedizin an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport. Es sei genau die richtige Mischung aus Ausdauer (beuge Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor) und Krafttraining, das später vor Stürzen schützt. „Es ist cool, was er macht“, sagt Professor Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule Köln. Gerade die über 40-Jährigen profitieren von so einem funktionalen Training, wie McCartney es zeigt. Auch wenn man zuvor keinen oder nur selten Sport betrieben habe, so Annette Schmidt, Professorin für Sportbiologie. Alle drei raten aber Anfängerinnen, sich erst mal in einem Studio von Profis zeigen zu lassen, wie man welche Übung richtig macht. Paul McCartney hat keinen Trainer, sagt aber, er habe sich in seinen „Fitnessstudios ein paar Dinge abgeschaut“. Seine Kombination aus Ausdauerbelastung und Kraftauf bau entspricht erstaunlich genau den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Und die 150 Minuten moderater Sport pro Woche (Tipp: Pulsfrequenz 130 bis 150), zu denen die WHO rät, dürften McCartney noch wenig vorkommen.

2 DIE WELT MAL AUF DEN KOPF STELLEN

Yoga und Meditation halten Körper und Kopf beweglich

Paul McCartney macht gerne Kopfstand, eine fortgeschrittene Yogaübung, für die man viel Gleichgewichtssinn, starke Schulter-, Arm- und Nackenmuskeln braucht. „Das Coole ist, wenn ich fünf Minuten im Kopfstand im Fitnessstudio stehe und danach die Jungs mit den dicken Muskeln zu mir kommen und sagen: ‚Wow, das war beeindruckend!‘“

Als Anfängerin den Kopfstand bitte nicht sofort probieren und schon gar nicht ohne Anleitung, sagt die Yogalehrerin Tanja Mairhofer. Die Übung an sich empfiehlt sie aber uneingeschränkt und für jedes Alter: „Ich hab in Yogastunden schon 80-Jährige erlebt, die beweglicher waren als ich mit 40.“ Paul McCartney lernte den Kopfstand schon, als er mit den Beatles in den 60er-Jahren in Indien bei einem Guru lebte. Der zeigte ihm auch Meditationstechniken – seit mehr als 50 Jahren benutzt er dafür das gleiche Mantra. „Die Dünnhäutigkeit nimmt im Alter zu, finde ich, und man wird weniger stressresistent“, beobachtet Tanja Mairhofer, da helfe es, sich mit Meditation bewusst mal schöne Gedanken zu machen. Das Ganze sei einfacher, als viele denken: „Nur mal die Klappe halten, Augen zu, bewusst atmen. Dabei driftet jeder auch mal ab, dann einfach weitermachen.“

Sehr einfach ist auch Augenyoga, darauf schwört der Sänger ebenfalls: „Das kann verrückt aussehen, aber es ist eine verdammt gute Sache“, sagte er im Podcast „Table Manners“. Man rollt die Augen ganz bewusst nach oben, unten, links, rechts. Dass er mit 80 noch keine Brille brauche, könne an diesen Übungen liegen, glaubt er.

3 TIERISCH GUTES GEMÜSE

Vegetarische Ernährung macht das Leben besser

Vegetarische Burger mit Fleischersatz? Gab es bei Paul McCartney schon vor 30 Jahren. Seine Frau Linda war eine Pionierin der fleischlosen Ernährung und hat darüber schon damals ein Kochbuch geschrieben. Paul hat das auch nach ihrem Tod 1998 weiter praktiziert. Dazu könnte aber auch seine Mutter beigetragen haben: „Was ist das?“, habe er als Kind entsetzt gefragt, als sie eine gekochte ganze Rinderzunge auf den Tisch stellte. Dass man auch ohne Fleisch gut und lange leben kann, Paul McCartney ist dafür der beste Beweis. Studien zufolge sind Vegetarier im Schnitt schlanker. Fleischarme Ernährung, insbesondere der Verzicht auf Schweinefleisch, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagt Heribert Schunkert, Klinikdirektor des Deutschen Herzzentrums München. Für Paul McCartney ist industrielle Fleischproduktion zudem der Hauptverursacher der Klimakrise, wie er in seinem Buch „Less Meat, Less Heat“ 2019 schrieb. Im letzten Herbst veröffentlichte er mit seinen Töchtern „Linda McCartney’s Familienkochbuch: Über 90 pflanzenbasierte Rezepte, um den Planeten zu retten und die Seele zu nähren“. Auf Twitter verriet er das Rezept von seinem Lieblingsbagel: Marmite draufschmieren (gibt’s im Feinkostladen), dann ein Salatblatt als Barriere, damit nichts durchs Bagelloch tropft, darauf Hummus sowie Käse, Tomatenscheiben und Gürkchen. Nicht vergessen: Honigsenf.

„Augenyoga kann verrückt aussehen, ist aber eine gute Sache“

4 DER RITT DURCHS LEBEN

Hobbys mit Leidenschaft betreiben, Sport draußen

Paul McCartney hat einige der schönsten Lieder der Popgeschichte geschrieben, aber nicht jeder Song war ein Welthit, einige waren sogar ziemlich seltsam. Wie zum Beispiel das Lied „All You Horse Riders“ von 1980, was wohl vor allem an dem Text liegt, der nur aus schräg gesungenen Reitbefehlen besteht: „Steig aufs Pferd. Nimm die Zügel. Spring über den Bach.“ Dieses Werk darf auf jeder Beatles-Playlist fehlen, die Liebe zum Reiten könnte man sich von Paul McCartney aber ruhig abschauen. Reiten ist ein super Ganzkörpersport, so Sportmedizinerin Meike Hoffmeister. Sie steige nach jeder Reitstunde schweißnass vom Pferd. Noch mit 50 Jahren hat sie mit dem Springreiten angefangen und kennt mehrere, die ihre Pferdeliebe aus der Kindheit im Alter neu entdeckten. „Man muss bei jedem Schritt des Pferdes mit der Bewegung des Tieres mitgehen, das ist auch eine extrem gute koordinative Übung, wenn das Pferd die Richtung ändert.“ Außerdem stärke Reiten die Muskulatur im Becken, im Rücken sowie in den Knien, und auch die Sprunggelenke bleiben beweglich. Paul McCartney geht natürlich nicht in einen gewöhnlichen Reitstall, er ist bei seinen mehrstündigen Ausritten über teils selbst angelegte Feldwege nahe seiner Farm unterwegs. Streber.

5 FRIENDS WITH BENEFITS

In der Gruppe ist man eher motiviert

Gerade wenn man Sport nicht aus Begeisterung, sondern aus reiner Vernunft macht, kann es schwer sein, sich mehrmals die Woche zu motivieren. „Das Trainieren in einer Gruppe ist wichtig, um dauerhaft dabeizubleiben“, erklärt die Sportbiologin Annette Schmidt. Und wenn man Paul McCartney ist, findet man natürlich illustre Mitsportler. Auf Reisen nutzt er gerne den Fitnessraum des jeweiligen Hotels, im „Four Seasons“ in Los Angeles sah man ihn mit Beyoncé gut gelaunt Pilates machen und anschließend gemeinsam auf dem Lauf band. Er hat zudem eine Yogagruppe mit dem nicht ganz treffenden Namen „Yoga Boys“ mit Alec Baldwin, 64, und Lorne Michaels, 77, dem Erfinder des in den USA legendären TV-Formats „Saturday Night Live“. Da der Ex-Beatle seiner eigenen Berühmtheit eher kritisch gegenübersteht, hatte er aber auch kein Problem, sich auf einem Tourstop in Santiago de Chile einer Fahrrad-Sightseeing-Tour anzuschließen. Im kanadischen Winnipeg radelte er durch ein Hochzeitsfotoshooting – um dann netterweise für Fotos mit dem überraschten Brautpaar anzuhalten. Dabei lehnte er Fotowünsche meistens ab, er fühle sich dabei „wie ein Affe im Zoo“.

6 FOREVER YOUNG Das Wichtigste: dranbleiben

Am selben Abend, als Paul Mc-Cartney mit 80 das Glastonbury Festival rockte, begeisterte 200 Kilometer entfernt in London der Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger mit 78 die Fans im ausverkauften Hyde Park. Noch so ein ungewöhnlich fitter Typ– wobei Jagger den kleinen Vorteil hat, dass sein Vater Sportlehrer war. Die beiden wären mal ein interessantes Duell für „Schlag den Star“. Aber egal, wer gewinnen würde, man darf sich beide als Vorbild nehmen. „Spazierengehen reicht nicht als sportliche Betätigung im Alter“, so Professor Stefan Schneider von der Sporthochschule Köln, „man muss ein bisschen aus der Komfortzone rauskommen.“ Die Sportmedizinerin Meike Hoffmeister betont immer wieder, wie wichtig Krafttraining jetzt ist. Gerade Frauen sollten Übungen für die Rumpfund Beckenmuskulatur machen, auch nach der Menopause und präventiv gegen Hüftgelenksarthrose, die sie viel häufiger betrifft als Männer. Aus falscher Scham würden viele zudem Bauchübungen vermeiden, weil da etwas Urin abgehen könne.

„Das Fitnessstudio ist sicher kein Ort, wo man über 60 oder 70 nicht mehr hindarf “, sagt die Sportmedizinerin. Aber wie schafft man es, im Alltag am Ball zu bleiben? Wer Motivationsprobleme habe, solle Sport wie eine finanzielle Altersvorsorge betrachten, bei der man jeden Monat etwas zurücklegt, empfiehlt Professor Stefan Schneider: „Das mag im Moment mal wehtun, aber später profitiert man enorm davon.“ Yeah, yeah, yeah.