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»FITNESS IST IM DRUMMING EINE UNTERSCHÄTZTE SACHE«


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drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 07.12.2022

METAL-DRUMMER

Artikelbild für den Artikel "»FITNESS IST IM DRUMMING EINE UNTERSCHÄTZTE SACHE«" aus der Ausgabe 1/2023 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 1/2023

Ihre Anfänge liegen im Punk und Metalcore. Inzwischen pflegt die australische Band Parkway Drive einen ganz eigenen Metalstil. Im Zuge der bombastischen »Darker Still«-Stadiontour durch Europa haben wir mit Drummer BEN GORDON über die Bandentwicklung, den Fitnessfaktor beim Musizieren und die Kunst, eine gute Metalballade hinzukriegen, gesprochen.

Ben, infolge der Corona-Pandemie habt ihr lange – bis diesen September – Pause gemacht, und steht jetzt zum ersten Mal wieder auf der Bühne. Wie lief die Vorbereitung in den letzten Tagen vor der Tour?

Man ist nie wirklich hundertprozentig vorbereitet, man braucht immer mehr Zeit. Aber wir fühlen uns prächtig – vor allem, wenn man bedenkt, dass wir seit drei Jahren nicht live gespielt haben. Alles ist entspannt und professionell, und wir sind einfach froh, nach so langer Zeit wieder in Europa aufzutreten. Das Schwierige für uns ist ...

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... heutzutage, dass es bei der Showproduktion so viele einzelne Teile gibt, eine Menge Technik und Leute.

Ihr kommt direkt mit einem neuen Album zurück...

Ja, es ist wirklich aufregend, das war nicht so geplant. Die Tour war ursprünglich für 2020 vorgesehen und wurde viermal wegen COVID umgebucht. Natürlich ist sie jetzt ganz anders, auch wegen des neuen Albums. Wir sind quasi seit 17 Jahren jedes Jahr nach Europa gekommen. Das ist das erste Mal in unserer Karriere, dass wir eine große Pause einlegt haben. Es ist so schön, wieder hier zu sein. Ich liebe Deutschland, einfach nur herumzulaufen und all die Gebäude und die Menschen zu sehen.

Hast du denn auf einer Tour überhaupt immer die Chance, den Ort zu erkunden?

Unterschiedlich, aber normalerweise schon. Jeden Tag auf Tour versuche ich, mindestens ein paar Stunden herumzulaufen, nur um etwas Ruhe und frische Luft zu bekommen. Live zu spielen ist so aufregend. Es ist laut, es gibt Feuer, es ist Heavy Metal und Vollgas; als Schlagzeuger hat man eine Menge Adrenalin und Energie. Das auszugleichen ist für mich sehr wichtig. Ich meditiere, mache Yoga, bin gerne in der Natur, sitze etwa einfach unter einem Baum und lese ein paar Stunden lang ein Buch, nehme die Ruhe und den Frieden in meinen Körper und Geist auf. Wenn ich dann in die Liveumgebung komme, bin ich bereit für die hochintensiven Sachen. Das ist das Yin und Yang.

Und dazu kommt bei dir noch viel Sport und Fitnesstraining?

Fitness ist sehr wichtig für mein Drumming. Ich habe vor etwa 15 Jahren einen Film von Thomas Lang gesehen, in dem er über den athletischen Ansatz beim Drumming sprach, was ich seitdem übernommen habe. Ich sehe mich in gewisser Weise als Athlet. Du musst richtig schlafen und essen, mental und physisch vorbereitet sein; nur dann kannst du optimal performen. Wir spielen jeden Abend 90 Minuten, das ist wie ein täglicher Marathon. Wenn du ein Profisportler bist, musst du deinen Körper, deinen Geist und alles andere wie einen Tempel behandeln. Ich weiß nicht, wie die Bands das damals gemacht haben – tagelang Drogen nehmen, nicht schlafen und dann auftreten. Ich brauche gutes Essen, guten Schlaf, Ruhe – dann kann ich mein Bestes geben. Fitness ist definitiv eine sehr unterschätzte Sache, wenn es ums Schlagzeugspielen geht. Ich glaube, darüber wie wichtig es wirklich ist, sollte mehr geredet werden. Das gilt für Metal- und Rockdrumming natürlich mehr als für weniger körperlich anstrengende Sachen wie Jazz.

Kommt’s für dich beim Metaldrumming auf Power und Härte an, oder ließe sich ein Metalsong auch mit Jazzattitüde spielen?

DU MUSST RICHTIG SCHLAFEN UND ESSEN, MENTAL UND PHYSISCH VORBEREITET SEIN; NUR DANN KANNST DU OPTIMAL PERFORMEN

Ich glaube fest daran, dass es in der Musik keine Grenzen gibt – man kann machen, was man will. Nur weil man in einer Heavy-Metal-Band spielt, heißt das nicht, dass man keine Jazz- oder Blueselemente einbauen kann. Genres sind nur von Menschen erfundene Schubladen. Ich denke, um als Hardrock- oder Metalband eingestuft zu werden, muss es nicht schnell sein; man kann auch Balladen oder langsame Parts spielen, aber normalerweise muss man mit Kraft und Energie zulangen. Das ist der entscheidende Faktor. Das gilt natürlich nicht unbedingt während des ganzen Songs oder über das gesamte Länge eines Albums – aber es muss hart und laut sein, man muss dazu headbangen können [lacht].

Apropos Balladen: Den Titeltrack des neuen Albums, »Darker Still«, könnte man als eure erste richtige Metalballade bezeichnen – oder wie siehst du das?

Da würde ich zustimmen. Was das Schlagzeug angeht, ist es sogar einer meiner Lieblingssongs auf der Platte, vor allem live. Ich sitze einfach in der Pocket und habe so viel Platz, um die großen, langsamen, Guns-N’-Roses-artigen Fills zu spielen [lacht] – nicht ständig angeben und verrückt sein. Das ist eine schöne Abwechslung. Der Song mit seiner Gitarrenlinie ist wirklich catchy – die Leute können mitpfeifen und mitsingen.

Bei einer Ballade, die mit Pfeifen anfängt, denkt man natürlich sofort an »Wind of Change« von den Scorpions…

Ja, das hat sich bei uns einfach so ergeben. Als Jeff [Ling, Gitarre] das Introriff schrieb, war es so catchy, dass wir anfingen mitzupfeifen. Dann haben wir das Pfeifen an den Anfang gesetzt, und es klang wirklich gut. Natürlich ist »Wind of Change« der wohl berühmteste Metalsong, in dem gepfiffen wird. Aber er hat ja schon 30 Jahre auf dem Buckel. Es gibt einige wenige großartige Metalballaden. Wenn man darüber nachdenkt, gibt es unter all den Metalsongs von all den Bands nicht so viele wirklich gute Balladen. Weil sie nicht so einfach hinzubekommen sind und einiges dazugehört. Für mich ist es viel einfacher, einen guten, schnellen und harten Song zu schreiben als eine Ballade. Es gibt so viel Platz, man kann sich nicht wirklich verstecken. Ich denke, »Darker Still« ist einer der interessantesten Songs, die wir je geschrieben haben.

Wie ist dein Drumpart in dem Song?

Er hat einige der langsamsten Fills, die ich je gespielt habe. Gegen Ende gibt es ein Fill vor dem Gitarrensolo, bei dem ich nur einzelne Flam-Hits auf den Toms mache [langsam demonstrierend: »blumblum-blum-blum-blum«]. Sonst mache ich viele schnellere Fills. Hier schien es passender, langsam und bedacht zu sein. Es ging auch nicht wirklich um das Schlagzeug – eher um das Balladeske, dieses Gefühl, die Gitarre und so weiter. Ich bin gerne das Rückgrat und Power im Hintergrund.

BIOGRAFIE

Wie alle anderen Mitglieder von Parkway Drive kommt auch Ben Gordon aus der kleinen Küstenstadt Byron Bay, gelegen im Osten von Australien im Bundesstaat New South Wales. Nachdem er im Alter von elf Jahren anfing zu trommeln, wandte er sich schnell dem Punkund Metaldrumming zu und nahm nur kurz Unterricht. Er fokussierte sich von Anfang an auf schnelles und kraftvolles Spiel und spielte als Jugendlicher in diversen kleinen Bands. 2003 gründeten er und Freunde die Band Parkway Drive, die – außer zwei Bassistenwechseln in den ersten Jahren – in konstanter Besetzung Musik macht und um die Welt tourt. Die Band, die sich selbst managt, hat inklusive »Darker Still« sieben Alben veröffentlicht, wobei sie ihre Fanschar stetig vergrößern konnten und 2019 als Headliner des Wacken Open Air spielten, dokumentiert in Film und Livealbum »Viva The Underdogs«. Neben seinem schnellen und kraftvollen Spiel fiel Ben Gordon in den letzten Jahren vor allem durch seinen »Cage Of Death« auf, in dem er während des Spielens um 360 Grad gedreht wurde und kopfüber hing.

Wie kamst du zu dieser Einstellung?

Als wir anfingen, war ich 17 und dachte nur: »Lasst uns allen zeigen, wie schnell wir sein können und wie schnell ich Doublebassdrum spielen kann«. Jeff hat versucht, so schnell wie möglich zu spielen. Winston [McCall, Vocals] musste darüber screamen – es war hektisch und ohne Dynamik. Als wir älter, reifer und besser im Songwriting geworden sind, haben wir erkannt, dass es nicht um das Ego der einzelnen Spieler geht. Es geht um den Song. Als Drummer bedeutet das oft, nicht anzugeben oder ein verrücktes Fill umzusetzen, weil das vielleicht nicht in den Song passt. Man macht etwas Einfacheres, das den Gesang oder die Gitarre zur Geltung bringt. Mit der Zeit sind unsere Alben von den Drums her wahrscheinlich weniger kompliziert und technisch geworden. Aber ich denke, dass es ein ganz anderes Level der musikalischen Reife und des Verständnisses braucht, um das überhaupt zu schaffen: sich zurückhalten und seine Momente wählen. Das macht für mich einen reifen, professionellen Schlagzeuger aus – und nicht jemand, der nur angeben will; also so, wie ich früher war. Ich habe meine Rampenlichtmomente, aber es sind weniger.

Diese Zurückhaltung macht dir so gar nichts aus?

Was witzig ist: Wenn ich sage, dass ich mich zurückhalte, könnte das für viele andere Drummer immer noch Vollgas bedeuten, weil ich intensives Spiel gewohnt bin. Der erste Song auf »Darker Still«, »Ground Zero«, hat etwa auch eine Menge technischer Fills und schnelles Drumming. Es gibt einige wirklich coole Momente auf der Platte, und ich habe es durchaus genossen, catchy Drumparts zu schreiben. Ich denke, der Vergleich wäre Metallica auf ihrem »Black Album«, wo es viel »dam-dam-dadadam«-Fills oder so gibt. Solche Fills sind nicht kompliziert, aber sie bleiben im Kopf hängen. Viel mehr als Momente, die verrückt oder echt schnell sind, die man nicht verstehen kann – eher coole Air-Drumming-Momente, die irgendwie zum Song passen.

Hast du dafür dann auch deinen Drumsound angepasst?

ES IST VIEL EINFACHER, EINEN GUTEN, SCHNELLEN, HARTEN SONG ZU SCHREIBEN ALS EINE BALLADE

Wir versuchen, auf jedem Album den Sound zu ändern. Dieses Mal hatten wir einen neuen Drumtech mit viel Erfahrung, Dan Strong. Wir haben, glaube ich, vor den Aufnahmen fünf Tage lang mit Sounds experimentiert. Verschiedene Snaredrums, Drums, Mikrofone und Platzierungen. Wir wollten einen Sound, der sowohl modern als auch eine Referenz an den Sound der Neunzigerjahre ist. Diese Ära hat etwas, das authentischer und echter ist. Wir wollten nicht, dass alles quantisiert und digitalisiert wird, wie es oft der Fall ist, sondern das Gefühl und den realen Klang der Drums, sodass der Sound der Platte ein wenig authentischer ist. Früher habe ich bei jeder Platte etwas hinzugefügt, Toms oder Effektbecken, aber jetzt hatte ich einfach nicht mehr das Bedürfnis. Ich habe das Gefühl, dass mein Set-up so groß ist, wie es sein muss, und bin jetzt einfach glücklich damit.

Vor dem neuen Album gab es Anfang 2020 die Doku [und das Livealbum] »Viva The Underdogs«. Darin nennt ihr die Stadiontour und den Headliner-Slot beim Wacken Open Air 2019 als eure größten Ziele, die ihr auch erreicht habt. Gibt es jetzt neue Ziele?

Die Idee für den Film war es zu dokumentieren, wo wir standen und was wir erreichen wollten. Das gipfelte darin, dass wir in Wacken als Headliner auftraten. Das größte Metalfestival der Welt, wir haben vor hunderttausend Leuten gespielt; es war das beste Jahr in unserem Leben. Dann kam der Film raus, und wir wollten damit auf Tour gehen. Wir hatten so viel Zuspruch, besonders in Europa. Und dann kam Corona, alles stoppte, und die ganze Welt blieb stehen. Drei Jahre später sind wir wieder hier und machen dieselbe Tour mit einer neuen Platte. Es fühlt sich so an, als ob das Momentum immer noch da ist und wir an der gleichen Stelle sind.

Aber noch größer als zuvor.

Wir sind fast größer als vorher, wegen des Albumhypes und so. Aber wir waren eine Zeit lang ein bisschen unsicher, es war einfach unglückliches Timing. Wir nennen das jetzt Parkway 2.0. Wir haben einen großen Reset hinter uns und sind zurückgekommen. Es gab eine Menge Veränderungen hinter den Kulissen, zwischen den Mitgliedern und der Art und Weise, wie wir die Band sehen und wie wir zusammenarbeiten. Ich habe das Gefühl, dass jetzt die nächste Phase in der Karriere der Band ist. Ich bin wirklich aufgeregt und fühle mich gut dabei.

Was ist jetzt anders?

Einer der Hauptfaktoren war, dass wir uns während des Films sehr unter Druck gesetzt fühlten: Wir müssen wirklich groß sein, wir müssen es schaffen, ein Headliner zu werden. Es wurde sehr stressig und ernst. Das war einfach nicht gut für unsere persönlichen Beziehungen und unsere geistige Gesundheit. Nach der Pause haben wir viel geredet und uns oft getroffen und haben gemerkt, dass es für uns jetzt vor allem darum geht, wieder Spaß zu haben. Wir haben die harte Arbeit hinter uns, es gibt kein Ziel, das wir jetzt erreichen müssen. Wir wollen einfach spielen, die beste Show abliefern und die beste Musik schreiben, die wir können, Spaß haben und es genießen. Das nimmt einfach die Belastung und den Druck weg. Wir haben es geschafft. Das mussten wir realisieren. Wir haben bereits eine 20-jährige Karriere hinter uns, wir haben so viel erreicht, mehr als wir uns je hätten träumen lassen. Alles, was jetzt noch kommt, ist nur noch ein Bonus.

EQUIPMENT:

Drums: Pearl »Reference Pure« 8? x 8?, 10? x 8?, 12? x 10? Toms 14? x 14? und 16? x 16? Floortoms 14? x 6? Snaredrum 22? x 18? Bassdrum Becken: Zildjian 11? »FX Oriental Trash Splash« 14? »A Custom Mastersound«-Hats 19? »A Custom Projection«-Crash 12? »FX Oriental China Trash« 10? »A Custom«-Splash 6? »Z Bell« 21? »Mega Bell«-Ride 18? »A Custom Medium«-Crash 18? »A Custom«-China Hardware: Pearl »Demon Drive«-Pedale Felle: Remo Stöcke: Zildjian (Ben-Gordon-Modell)

WENN ICH FIT BLEIBE, DANN BLEIBT MEIN DRUMMING AUF HÖCHSTEM NIVEAU

Was jetzt noch kommt, ist zum Beispiel euer 20-jähriges Jubiläum im nächsten Jahr…

20 Jahre sind eine lange Zeit und ein großer Meilenstein – für jede Partnerschaft oder Geschäftsbeziehung. Es ist verrückt. Ich bin jetzt 36, also war über die Hälfte meines Lebens und mein ganzes Erwachsenenleben in dieser Band.

Das muss gefeiert werden, und wir wollen auf Tour gehen und auch unsere alten Songs spielen. Es ist eine Chance, etwas anderes zu machen. Mit dem neuen Album haben wir nächstes Jahr vielleicht keine Zeit dafür. Aber wenn nicht, machen wir es einfach im Jahr darauf. Dann sind es eben 21 Jahre [lacht]. Wir spielen aktuell wenig alte Songs, aber wir würden es gerne wieder machen, und das ist eine gute Gelegenheit dafür.

Was die alten Songs angeht: Würdet ihr sie heute anders schreiben?

Hundertprozentig! Aber gleichzeitig waren wir damals genau an diesem Punkt, und die Songs waren perfekt für diese Zeit. Wir waren auf diesem Niveau von Können und Reife. Überlegt mal, wie ihr vor 15 Jahren wart: auf was ihr standet, wie ihr wart und wer eure Freunde waren. Vor 15, 20 Jahren, als wir die Songs schrieben, warst du ein anderer Mensch. Jetzt sind wir andere Leute, mögen andere Dinge und schreiben andere Songs. Für alle, die »Warum schreibt ihr nicht solche Songs?« sagen: Ihr seid nicht mehr dieselben wie vor 20 Jahren, wir sind nicht mehr dieselben, also werden wir auch nicht mehr dasselbe schreiben. Es ist eine Reise, und die Musik ist ein Ausdruck dafür, wo wir alle in unserem Leben stehen. Ich denke, es ist wichtig zu wachsen und sich zu verändern.

Jetzt, wo die Dinge wieder ins Rollen gekommen sind: Denkt ihr schon über euer nächstes Album nach?

Jedes Mal, wenn wir ein Album fertig haben, sagen wir, dass wir auf keinen Fall noch eins schreiben können, fühlen uns ausgebrannt und müde. Ich weiß, dass wir es können, aber man kann einfach nicht daran denken, weil es ein so großes Unterfangen ist. Vielleicht denken wir beim nächsten Album: Wir legen einen anderen Gang ein – und vielleicht kommt dann der Jazz [lacht].

Interview: Julian Holländer

NETZ

DISKOGRAFIE

PARKWAY DRIVE Killing With A Smile (2005) Horizons (2007) Deep Blue (2010) Atlas (2012) Ire (2015) Reverence (2018) Darker Still (2022)

GROOVETRANSKRIPTION

Übetipp von Ben Gordon zum hier transkribierten Part des Songs ›Dedicated‹ (s. auch »Groove-Nuggets« S. 71f): »Die Bassdrumfigur muss maschinell und exakt gespielt werden. Bei den Wechseln zwischen schnell und langsam besteht die Gefahr, dass die Übergänge ungenau werden. Ich übe regelmäßig meine Pedaltechnik. Um die volle Konzentration aufs Pedalspiel zu legen, benutze ich lediglich die Bassdrum, das Doppelpedal und meinen Hocker, sonst nichts. So bin ich gezwungen, mich auf diese eine Sache zu konzentrieren, und es gibt keine Ablenkung. Man ist anfangs frustriert, weil man seine Hände einsetzen will und nicht kann. Aber das ist Teil der Übung und reine Willenssache. Physisch und mental kann ich auf diese Art den uneingeschränkten Fokus auf die Bein- und Fußarbeit legen. Dann spiele ich etwa eine Stunde lang Kombinationen von Achtel-, Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Patterns. Auch Rhythmuspyramiden-Figuren sind hilfreich, um das Timing der einzelnen Tempoebenen zu festigen.«