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Flammpanzer Tiger I I Maßstab 1:35 I Bau out-of-Box: „Flammtiger I“ mit Flammöl-Anhänger von Schatton Modellbau: Heißes Thema


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 20.01.2020

Diese Version eines Pz.Kpfw. VI Tiger I hat es bislang noch nicht als Modell gegeben, also ein Novum als schwerer Flammpanzer Tiger. Mit was punktet der Resin-Umbausatz?


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Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 2/2020

Resin trifft Plastik: Ein Umbausatz macht es möglich, aus einem gewöhnlichen Tiger einen Flammpanzer zu machen. Wenn sich der Modellbauer dabei nicht die Finger verbrennt …


Zumeist dreht sich bei einem Pz.Kpfw. VI Tiger I immer alles um die klassische Version mit Turm und 8,8-cm-Hauptwaffe in den frühen bis späten Versionen mit oder ohne Zimmerit-Bewurf. Schatton Modellbau hat sich auf eine besondere Version dieser Basis konzentriert – ...

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... auf eine turmlose Variante.

Der komplett aus Resin bestehende Umbausatz passt grundsätzlich auf jede späte Tiger-I-Wanne in 1:35 und beinhaltet zudem beide möglichen Darstellungen des zugehörigen Flammöl-Anhängers als im Einsatz bezogene gepanzerte oder optional noch zu Erprobungszwecken ungepanzerte Version. Fehlt nur noch ein passender Basis-Bausatz. Bislang hat es zum Flammtiger unterschiedliche Auffassungen gegeben – mit und ohne Turm? Dies ist wohl auch nicht so ganz klar aus den diversen Protokollen ersichtlich, dafür aber gut in der Publikation „Flammpanzer“ von Osprey wiedergegeben. Mit den Flammöl-Behältern im Inneren des Tiger I hätte man keinen Turm mit Hauptwaffe unterbringen können, mit dem Flammöl in einem gezogenen Anhänger hingegen sehr wohl. Jedoch gab es die abschließende Weisung, einen Tiger I ohne Turm als Projekt vorzusehen. Darauf baut auch dieser Umbausatz auf.

Die Tiger-Basis

In meinem Fundus befand sich schon seit Längerem ein Bausatz des „Tiger I spät“ von Academy. Dieser sollte sich für den Umbau eignen. Zuerst galt es, am Basisbausatz nach der Montage des Laufwerks die Oberwanne von der Motorraumdecke zu trennen (1). Gleichfalls war es unumgänglich, die Wannenoberseite des Getriebegehäuses anpassend zu kürzen (2). Damit sich alles dauerhaft binden konnte, unterstützte ich die „Hochzeit“ der Frontpartie und die Wannenoberseite mit dem Basisbausatz wirkungsvoll durch Klammern und Gummiringe (3).

Da sich auf dem Resinbauteil von Schatton Modellbau keinerlei Markierungen für die Lukendeckel des Fahrer- und Flammstrahlrohr-Bedienerplatzes befinden, galt es, diese Positionierungen unter Verwendung des Academy-Bauteils zu ermitteln (47). Damit war der Zusammenbau des „Tiger I Flamm“ in wesentlichen Teilen bereits abgeschlossen und es ging an den Anhänger.

Etwas überraschend brach mir der linke Teil der Achse des Flammöl-Anhängers ab (8). Eine Lösung musste her. Eine zwei Millimeter starke Drahtachse, beidseitig vorsichtig aufgebohrt und eingesetzt, vermochte dieses Problem dauerhaft zu lösen und ein Mehr an Stabilität zu liefern (9).

Freie Farbwahl?

Welche Kolorierung oder was für einen Tarnanstrich hätte ein solcher Flamm.Pz. Tiger seinerzeit erhalten können? Der Bauauftrag erging 1945 zu einem Zeitpunkt, da sowohl sandgelbe, panzergraue, grüne oder gar rostschutzfarbene Anstriche möglich und denkbar gewesen wären (10). Was tun? Man hatte seinerzeit ein gebrauchtes Fahrgestell zur Umkonstruktion herangezogen. Folglich musste somit ein sandgelber Anstrich nach RAL 7028 vorherrschen.

Das Flammrohr (statt Bug-MG) aus Kunststoff ist mit Draht und Ätzteilen ergänzt. Die vorderen Luken sind nicht offen darstellbar


Um die Konturen des Fahrzeugs so weit wie möglich aufzulösen und die visuelle Erfassung zu erschweren, galt es, über Kanten und Ecken ein klar abgegrenztes Muster aufzubringen. Hierbei half Tamiya Tape mit zehn Millimetern Breite (11, 12). Hiernach stand ein Überanstrich mit Olivgrün (RAL 6003) an (beides die alten klassischen Farben des Drei-Farbton-Anstrichs) (13).

Den Flammöl-Anhänger kolorierte ich in Panzergrau über alles. Zur Erzielung von Tiefenwirkung überzog ich zudem das gesamte Modell mit Tamiya „Panel Line Accent Color Dark Brown“ (14). Nach dem Durchtrocknen trug ich verschiedene „Weathering Effects“ von Vallejo mit Schwerpunkt „Oiled Earth“ auf (15).

Die Einfüll-Öffnungen der Flammöl-Behälter ließen sich mithilfe von Vallejo „Engine Grime Petrol Spills“ verschmutzen, um Überläufe und Flüssigkeitsspritzer darzustellen (16). Die Anhänger selbst erhielten sowohl in der ungepanzerten als auch in der gepanzerten Version ebensolche Verschmutzungen und Gebrauchsspuren mit Tamiya „Panel Line Accent Color“ in Schwarz oder Braun sowie einen leichten Überzug mit „Oiled Earth“-Wash per Airbrush (17, 18).

Gleisketten brünieren

Als Gleisketten mussten erneut die Zinnausführungen von Friulmodel herhalten, denn die steifen Vinyl-Strangketten eignen sich für eine möglichst detailgetreue Darstellung weniger. Nachdem ich die Zinnketten in unlackiertem Zustand aufgezogen hatte, stellte sich die Frage, ob sie nicht auch direkt am Modell zu brünieren wären.

Die „Solid Track“-Brünierung von Solid Scale schlug sofort an und wirkte augenblicklich (19). Deshalb bearbeitete ich alle sichtbaren Teile der beiden Kettenstränge mit einem Pinsel (20). Das augenblicklich eingetretene Ergebnis kann sich sehen lassen (21).

Als Kennzeichnung erhielt dieser Flamm.Pz. VI Tiger I abschließend lediglich ein Hoheitsabzeichen in Form eines Balkenkreuzes in der Wannenmitte beider Seiten. Mehr gab es wohl am Original auch nicht.

1 Einfacher Umbau: die Trennstelle des Oberwannendachs. Hier setzt man später das große Resinteil von Schatton auf


2 Gleichermaßen wie bei der Wannenoberseite ist die Frontpartie anzupassen und um gut einen Millimeter zu kürzen


3 Damit sich die einzusetzenden Resinteile mit dem Basiskit verbinden, helfen Klammern und Gummiringe beim Verkleben


4 Die Decke der Oberwanne von Schatton verfügt über keine Markierungen für die Platzierung der beiden Lukendeckel


5 Daher das Originalbauteil von Academy auflegen und die Öffnungen etwa mit einem Permanentmarker aufzeichnen


6 Hiernach hat man die exakte Platzierung der originären Montageplätze für die neuen Lukendeckel aus Resin aus dem Schatton-Kit


7 Es gilt, die Lukendeckel mit ihren Winkelspiegeln genau zu platzieren; die kleine weiße Platte verdeckt den Turmausschnitt


8 Resin kann bruchempfindlich sein. Das offenbart sich hier elementar durch den Bruch der linken Radaufhängung. Eine zirka …


9 …zwei Millimeter starke Metallachse verhindert dies künftig und überbrückt die bruchempfindliche Stelle


Die geschützte Ausführung mit gepanzertem Flammöl-Anhänger wäre wohl in Serie gegangen (siehe auch Basics, Seite 72)


10 Im Fokus: die Lackierung. Der vermutete Tarnanstrich eines solchen Fahrzeugs sollte sicher konturauflösend sein


11 Nach der Trocknung der sandgelben Grundierung steht das Abkleben der Streifen mit Tape von Tamiya an


12 Die verbleibenden sandgelben Streifen sollen über Kanten gehen und ein das Auge verwirrendes Muster bilden


13 Die zweite Lackierung in Grün hilft somit, durch die abgeklebten sandgelben Streifen zur Formverzerrung beizutragen


@@14 Für mehr Tiefenwirkung und Farbangleichung dient Tamiya „Accent Color“ in Dunkelbraun, hier mal über alles aufgetragen


15 Eine leichte Verschmutzung des Fahrwerks mit Washes und Weathering Effects verleiht ein gebrauchtes Aussehen


16 Vallejos „Petrol Spills“ aus dem „Weathering Effects – Engine“-Set dient zur Darstellung danebengelaufenen Flammöls


17 Der Flammöl-Anhänger in der ungeschützten Version, nun ergänzt mit neuer Achse aus Metall und allen Kleinteilen


18 Der Panzerschutz-Aufbau erhält gleichfalls ähnliche Alterungs- und Gebrauchsspuren wie der Flamm-Tiger selbst


19 Die Alterung der Zinnketten gelingt mit dem Brünierungsmittel „Solid Track“ von Solid Scale (ModellFan 12/2019, Basics)


20 Wesentlicher Unterschied zum üblichen Verfahren: Die Gleisketten bleiben aufgezogen und sind per Pinsel bemalt


21 Das mehrfach verwendete Brüniermittel verursacht unterschiedliche Verfärbungen, die für mehr Realität sorgen


Der Preis stimmt

Mit diesem Umrüstset ermöglicht Schatton Modellbau die Erstellung eines recht einfach zu gestaltenden „anderen“ Tiger I, der in seiner schlichten Bulligkeit verblüfft und etwas an den Churchill „Crocodile“ erinnert.

Der Bau verlief einfach, der Preis des Umbausatzes stimmt ebenso wie die Qualität – kurzum ein zu empfehlender Kit für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Lothar Limprecht hat nach Jahren des Flugzeugmodellbaus sein Metier zu Militärfahrzeugen im Maßstab 1:35 gewechselt. Sein Interessenschwerpunkt liegt bei Fahrzeugen von 1914 bis 1945 mit Augenmerk auf deutsche, russische und japanische Typen. Er bevorzugt Sonderfahrzeuge sowie Projekte wie diesen Flammpanzer, deren militärhistorischen Hintergründe er immer recherchiert. Aber auch zeitgenössische Fahrzeuge finden sein Interesse, wenn sich diese den Gründungsjahren der Bundeswehr und NATO widmen.

Literaturempfehlung
Flammpanzer – German Flamethrowers 1941–1945, von Tom Jentz & Hilary Doyle, Peter Sarson, Osprey Military – New Vanguard No 15

Das Vorbild: Flammpanzer

Flamm.Pz. III, Studiensammlung, Koblenz


Foto: L. Limprecht

Auf deutscher Seite kamen im Verlauf der Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg neben dem Panzer II noch Panzer III, Jagdpanzer Hetzer als auch Umbauten des französischen Char B1 als Vollkettenfahrzeuge zur einsatzbezogenen Verwendung als Flammpanzer. Aber auch in Pioniereinheiten gelangte das mit zwei Flammölwerfern ausgestattete Sd.Kfz. 251/16 zum Einsatz. In allen Fällen waren die Flammstöße nicht mit einer solchen Reichweite versehen, wie sie etwa der britische Churchill Flamm.Pz. „Crocodile“ erzielte.

Ein schwerer Flammpanzer auf Basis eines turmlosen Pz.Kpfw. VI Tiger I mit Flammstoß-Reichweiten von über 100 Metern sollte daher auf „Führerweisung” ab Januar 1945 gefertigt werden. Der Flammenwerfer wäre hiernach anstelle des Bug-MG bei einer Frontpanzerung von mindestens 250 Millimetern eingebaut, denn ein Flammpanzer zog jegliches Abwehrfeuer auf sich. Die Brennflüssigkeits-Behälter mit dem Flammöl waren in der erforderlichen Menge nicht innerhalb des Tiger I zu integrieren, weshalb ein spezieller Anhänger nötig war. Jener Prototyp wurde gegebenenfalls bereits vor der Fertigstellung durch alliierte Truppen erbeutet, hierzu fehlen aber jegliche Aufzeichnungen und Berichte. Die englischsprachige Publikation Flammpanzer, Osprey New Vanguard, Band 15, liefert zum Thema weitere, gut recherchierte Details.


Fotos: Lothar Limprecht