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Fliegen statt Kreisen


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 03.01.2019

Zum Kitzretten und bei der Maisjagd werden sie schon häufig eingesetzt. Die Redaktion wollte wissen, ob eine Drohne das Kreisen unabhängig von der Neue ersetzen kann, und hat es im Testrevier probiert.


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Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 1/2019

Mit dem Klang eines hochdrehenden Freischneiders hebt der kleine Hexacopter ab. Er schwebt direkt auf die alte und mit Raureif überzogene Windwurffläche am Schönborn zu. Ein idealer Jagdtag, der mit Kälte beginnt und dank des blauen, wolkenlosen Himmels Kaiserwetter verspricht. Gespannt blicken wir auf den kleinen Bildschirm an der Steuereinheit. Wir, das sind Drohnenpilot Alexander Mohr () und ich. ...

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Mit dem Klang eines hochdrehenden Freischneiders hebt der kleine Hexacopter ab. Er schwebt direkt auf die alte und mit Raureif überzogene Windwurffläche am Schönborn zu. Ein idealer Jagdtag, der mit Kälte beginnt und dank des blauen, wolkenlosen Himmels Kaiserwetter verspricht. Gespannt blicken wir auf den kleinen Bildschirm an der Steuereinheit. Wir, das sind Drohnenpilot Alexander Mohr () und ich. Mohr kommt aus Simmertal, ist Hubschrauberpilot im engen Moseltal und bietet auch seine Fähigkeiten als Drohnenpilot an. Er ist Jäger und waidwerkt zusammen mit seinem Vater im Hunsrück.

Vor ein paar Wochen hatten wir telefonisch den ersten Kontakt. Der 21-Jährige stellte mir seinen Nebenerwerb mit der Drohne vor und versprach: „Wenn etwas in der Dickung ist, dann finde ich es!“ Okay, dachten wir uns, das werden wir herausfinden. Kurzentschlossen organisierte die Redaktion eine Drückjagd mit nur zehn Schützen und drei Hundeführern.

Was zeigt das Wärmebild? Ist Wild in der Dickung? Vor dem Treiben schauen die Hundeführer Drohnenpilot Alexander Mohr (M.) über die Schulter.WILD


Fotos: Bernd Helbach

Drei kleine Dickungskomplexe stehen auf dem Plan, die es aber in sich haben. Der erste ist der Schönborn. Vor einigen Jahren haben hier Wind und Borkenkäfer gewütet. Nachdem das Holz abgefahren wurde, machten sich brusthohe Brombeeren über die neu entstandene Freifläche her. Nummer zwei ist ein teilweise aufgeforsteter Windwurf: die kleine Heide. Im oberen Bereich stehen übermannshohe Douglasien, die von Brombeeren überwuchert wurden, im unteren frische Ahornanpflanzungen mit Pionierbaumarten. Das dritte Treiben ist eine Kombination aus einem Käferloch in den Fichten der Langen Linie, die ebenfalls frisch aufgeforstet wurde, und einer Mischwalddickung im Übergang zum Stangenholz am Schmidtberg. Also verschiedene Terrains, um die Leistungsfähigkeit der Drohne auf Herz und Nieren zu prüfen.

„Und?“, klingt die aufgeregte Stimme von Chefredakteur Heiko Hornung aus dem Lautsprecher des Telefons, „hat sich was gesteckt?“ Er wartet gespannt mit den Kollegen der Schwesterredaktion Peter Diekmann und Hans-Jörg Nagel auf die Ergebnisse und wird danach einteilen, wo und wie sie jeweils mit den Hunden die Dickung durchdrücken.

Drei Stück Rehwild zeigt der Bildschirm und eine größere Wärmequelle. Obwohl die Drohne sowohl Wärmebild als auch Normalbild an den Empfänger sendet, können wir wegen der überrankenden Brombeeren nicht eindeutig bestimmen, um welche Wildart es sich beim vierten Stück handelt. Es ist aber ein stärkeres, das sich nicht bewegt. Die Hundeführer werden instruiert, und das Treiben wird angeblasen.

Kurz nachdem das erste Hundegeläut im Tal zu hören ist, sehen wir auch schon, was sich da so reglos drückte. Ein im Wildbret sehr starker Bock. Mit einigen Sprüngen entfernt er sich und zieht das kleine Tal hinauf. Auch die anderen drei Stücke kommen den Mitjägern in Anblick – eine Geiß mit zwei Kitzen. Ansonsten zeigte sich – wie vorhergesagt – nichts.

Nach dem Abblasen treffen sich alle wieder an der Grillhütte. Die Jäger sind enttäuscht, dass nicht mehr drinsteckte. Alexander Mohr allerdings schaut sehr zufrieden. Seine Drohne hat im ersten Treiben gezeigt, was die Technik kann. „Klar hätte ich jetzt lieber zwei Rotten im Bildschirm entdeckt, und hier würde schon eine ordentliche Strecke liegen. Aber das muss jeder, der mich für den Flug engagiert, wissen: Das Wild bringe ich nicht im Kofferraum mit. Ich kann nur sehen, was wirklich da ist“, erklärt der Hunsrücker. Deshalb lehnt er es eigentlich auch ab, bei großen, revierübergreifenden Jagden im Vorfeld die Einstände abzufliegen. „Stellen Sie sich vor, Sie hätten etwa 80 Schützen und drei oder vier Hundemeuten bestellt. Jetzt würde ich drüberfliegen und sehen, dass nichts drin ist. Würden Sie den Jagdtag absagen? Würden Sie die Jagdkameraden wieder nach Hause schicken, obwohl sie extra angereist sind und eventuell noch ein Zimmer gebucht haben? Bei so einem großen Organisationsaufwand ist das nicht machbar. Also fände die Jagd statt. Doch wer hätte dann noch Lust, als Treiber durchzugehen oder sich als Schütze vier Stunden auf den Drückjagdbock zu setzen?“, erläutert Mohr.

Die Kamera unter der Drohne erfasst neben dem normalen Bild auch die Wärmesignaturen von Lebewesen.


Foto: Peter Schmitt

Scheint die Sonne zu hell und reflektiert im Display, hilft die Virtual-Reality-Brille.


Foto: Bernd Helbach

Rehbock neben noch warmem Bett – die Wärmebildkamera zeigt, was sich in der Dickung versteckt.


Fotos: Alexander Mohr (mohr-flightmanagement.de )

Wenn er an solchen Jagden teilnimmt, dann lässt er seine Drohne nur während des Treibens fliegen, um die Hundeführer bestmöglich zu navigieren. „Wir haben das schon oft so gehandhabt, dass die Treiber mit angeleinten Hunden durchgehen, ich sie direkt auf eine Rotte zuschicke und erst kurz davor die Hunde geschnallt wurden“, so der Rheinland-Pfälzer. Zum einen hat das den Vorteil, dass die Vierläufer geschont werden, da sie nicht dauerhaft stöbern müssen, zum anderen können so die Rotten umstellt und mit den richtigen Hunden gesprengt werden. „So haben wir es in manchen Revieren geschafft, die Strecke in den vergangenen Jahren um bis zu 50 Prozent zu steigern, obwohl wir weniger Schützen, Hunde und Treiber brauchten“, fügt er hinzu.

Im zweiten Treiben postiere ich mich mit Mohr mitten im Einstand. Er lässt den Spion wieder steigen. Nach nur fünf Minuten ist klar: nichts. Die Treiber gehen trotzdem los, wir wollen ja wissen, ob die Drohne nichts übersehen hat. Sie beginnen im Hochwald und treiben auf uns zu. Nur Reineke huscht über eine kleine Schneise, und ein weiterer Bock wird von den Hunden ins Treiben gedrückt, der bei den Mitjägern abspringt. Keine Sauen, auch sonst kein Wild.

Plötzlich fallen am Ende des Treibens zwei Schüsse. Etwa 50 Meter vor Redakteur Peter Schmitt sonnte sich eine Ricke mit Kitz im nicht überflogenen Hochwald. Beide liegen im Schuss. Wenigstens nicht Schneider!

Auch wenn in der Dickung kein Wild angezeigt wurde, die schweißtreibende Arbeit der Hundeführer blieb nicht aus. Wir wollten wissen, ob die Luftunterstützung recht hat.


Foto: Tobias Thimm

Zwischen den Treiben wird noch mal Kraft getankt und besprochen, wie viel Wild wirklich in der Dickung steckte.


Foto: Ingo Tesch

Beim letzten Treiben sind dann auch wirklich alle überzeugt, dass das Auge aus der Luft funktionert. Bevor die Treiberwehr losgeht, will sie selbst sehen, ob etwas drin ist. Wenn nicht, wird an der Grillhütte Strecke gelegt. Von einer kleinen Wiese aus lässt Mohr die Drohne fliegen. Die Mischwalddickung ist fast zu dicht, um von oben etwas zu sehen. Ein seitlicher Blick in den Hang zeigt auch hier: nichts drin. In der neuen Aufforstung im Käferloch hat sich ebenfalls nichts gesteckt. Jagd vorbei! Nicht für Peter Schmitt. Auch in diesem Treiben ist Diana ihm hold, und er kann im Hochwald eine weitere Ricke-Kitz- Dublette erlegen. An der Grillhütte verblasen wir die vier Stücke.

Vier Schüsse, vier Stück Rehwild, ein Schütze. Peter Schmitt (r.) legte als einziger Beute zur Strecke.


Foto: Ingo Tesch

„Reh tot“ und „Jagd vorbei – Halali“ beendeten den Testtag mit der Drohne.


Foto: Peter Schmitt

„Für solche Jagden bin ich immer zu haben“, erklärt Mohr, „wenig Organisation, und wenn kein Wild da ist, wird nicht unnötig beunruhigt. Das ist wie früher beim Kreisen.“ 200 Euro verlangt er pauschal pro Jagdtag zuzüglich Anreise und Nebenkosten wie eventuelle Übernachtungskosten. Trotz des bescheidenen jagdlichen Erfolgs sind aber alle aus der Redaktion überzeugt: Das Kreisen mit der Drohne erweitert unsere Vielfalt der Jagdmethoden um eine weitere, interessante Möglichkeit. Gerade in schneearmen Wintern, wie sie in den vergangenen Jahren immer wieder vorkamen, kann so effizient und störungsarm gejagt werden. Man beunruhigt die Dickung nur, wenn es sich auch wirklich lohnen kann.