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Fliegende Edelsteine


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 25.03.2022

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Fliegende Edelsteine" aus der Ausgabe 13/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 13/2022

GESCHICKT Kolibris können nicht nur auf der Stelle fliegen, sondern sogar rückwärts

Entspannung ist nicht sein Ding. Eifrig, fast hektisch flattert der Kolibri durch den Regenwald, so schnell, dass er für Menschen mit bloßem Auge kaum zu beobachten ist. Erst als der winzige Vogel eine interessante Blüte entdeckt, bleibt er kurz in der Luft stehen, um von ihrem Nektar zu trinken. Dann geht die Futtersuche weiter. „Immer in Bewegung bleiben!“ scheint sein Motto zu sein.

Von Alaska bis Feuerland: Kolibris sind auf dem nord-und südamerikanischen Kontinent sowie in der Karibik heimisch. 368 Arten finden sich dort in Halbwüsten und Waldgebieten. „Ihr Lebensraum ist stark an ihre Futterpf lanzen gebunden“, sagt Dr. Dirk Embert, Südafrika-Referent der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (W WF), zu HÖRZU. „Es gibt eine sehr enge Koevolution zwischen den Vögeln und Pflanzen. Die Schnäbel der Kolibris sind exakt an die Blüten, die im ...

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... Lebensraum einer Art vorkommen, angepasst.“ Sie können lang oder kurz, gebogen oder gerade sein. Beim Schwertschnabelkolibri ist der Schnabel mit elf Zentimetern größer als der Rest seines Körpers. So kommt er an Nektar in dünnen und trichterförmigen Blüten, der anderen Tieren verwehrt bleibt.

Höchsttempo und Stillstand

Auf dem Speiseplan der Kolibris steht neben kleinen Insekten und Spinnen ausschließlich Nektar. „Sie fressen täglich gut das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts an Traubenzucker“, erklärt Dirk Embert. „Das ist generell sehr gering. Die kubanische Bienenelfe wiegt zwei, der Riesenkolibri bis zu 24 Gramm.“

Die energiegeladene Nahrung benötigen die Winzlinge, da ihre Lebensweise ihnen einiges an Kraft abverlangt. Wenn sie tagsüber herumschwirren, schlagen ihre Flügel 40-bis 50-mal pro Sekunde. Und nicht nur das: „Kolibris sind in der Lage, ihre Flügel in unterschiedlichste Stellungen zu bringen“, sagt Embert. „Sie werden aus den Schultergelenken heraus bewegt, in Form einer liegenden Acht. Dadurch sind die Tiere sehr flexibel bei ihren Flugmanövern.“ Vor, zurück, links, rechts, auf der Stelle: Die Luftakrobaten sind die einzigen Vögel, die rückwärtsfliegen können. Auch in Sachen Geschwindigkeit macht ihnen keiner etwas vor. Der Annakolibri

gilt im Verhältnis zu seiner Größe sogar als schnellster Vogel des Planeten. Bei der Balz vollführt er Sturzflüge um die 30 Meter und erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 385 Körperlängen pro Sekunde.

Bis zu 50-mal pro Sekunde schlagen die Flügel der Kolibris

Um solche Leistungen zu erreichen, muss der Körper auf Hochtouren arbeiten. Das Herz der Vögel schlägt über 400-mal pro Minute, der Puls beschleunigt in Ausnahmefällen sogar auf gut 1200 Schläge. Eine Belastung, die auch der widerstandsfähigste Organismus nicht rund um die Uhr aushalten kann. Um bei Nacht Energie zu sparen, sinkt die Körpertemperatur der Kolibris auf bis zu 3,3 Grad Celsius, wie ein US-Forscherteam aus Albuquerque in New Mexico jüngst herausfand. Dieser Torpor genannte Zustand, bei dem der Stoffwechsel und alle Körperfunktionen so weit wie möglich heruntergefahren werden, gleicht einem nächtlichen Winterschlaf und sichert das Überleben der Tiere. Erst am nächsten Morgen erwachen sie aus ihrer Starre, um sich erneut auf Futtersuche zu begeben. Blau, Grün, Gelb, Orange, Rot: Das Gefieder der Kolibris schillert in unterschiedlichsten Farben. „Je nachdem, aus welcher Perspektive man sie betrachtet, sehen die Vögel ein wenig anders aus“, sagt Embert. „Sie haben sogenannte Mikrolamellen in ihren Federn. Diese sind von den Abständen her genau an die Wellenlängen des Lichts angepasst. So entstehen je nach Einfallswinkel verschiedene Töne.“ Die Kehle des Männchens sticht nicht zufällig farblich besonders hervor: „Auf diese Weise versucht es, sich bei potenziellen Partnerinnen interessant zu machen.“

Unsicherheiten und Zutrauen

Verlässliche Zahlen zu erheben, wie viele Kolibris es gibt, ist fast unmöglich. „Die meisten von ihnen leben so versteckt, dass keine Aussagen über den Bestand an Vögeln möglich sind“, sagt Embert. Nur selten wagen sich die Tiere in die Nähe der Menschen: „Ich habe elf Jahre in Südamerika gelebt und davon jedes Jahr drei Monate im Dschungel verbracht“, so der Biologe. „Daher kenne ich Lodges, die Futterkästen aufhängen, aus denen Zucker heraustropft. Manche Kolibris fliegen bei der Nahrungssuche regelmäßig dort vorbei. Wenn sie sich an Menschen gewöhnt haben, trauen sie sich manchmal sogar auf deren Hand.“

So winzig sie auch sind: Kolibris übernehmen in Ökosystemen eine große Aufgabe. Bei ihrer Futtersuche bestäuben sie Pflanzen und tragen so dazu bei, Tausende Arten zu erhalten. Doch wie viele andere Tiere, die in Regenwäldern wohnen, kämpften auch sie in den vergangenen Jahren mit einem zunehmenden Verlust ihrer Lebensräume. Besonders Rodungen sind für diese Entwicklung verantwortlich. Jährlich werden geschätzte 4,2 Millionen Hektar abgeholzt, um Platz für Soja-oder Palmölplantagen zu schaffen. „Gerade rund um den Amazonas ist die Lage dramatisch“, weiß Embert. „Kolibris sind sehr an ihre Futterpflanzen gebunden, daher hat der Verlust der Umgebung starken Einfluss auf ihren Bestand.“

MELANIE KOCH

SA 2.4. TV-TIPP

14.50 ARTE

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