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Flipflops und Co.: Für die Füße


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2017 vom 29.06.2017

Hitze und Sonnenschein – das sind ideale Bedingungen fur Flipflops, Crocs & Co. Mittlerweile haben sich auch Astheten an ihren Anblick gewohnt. Doch es gibt genug Grunde, kritisch hinzuschauen. Denn viele der luftigen Treter stecken voller Schadstoffe. Von Olaf Steinacker


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Foto: Sezeryadigar/iStock

Heidi Klum trägt ihre gern mit Metallnieten verziert, Hollywood-Kollegin Jennifer Aniston kombiniert ein Paar mit einem schicken Blazer, und das brasilianische Model Gisele Bünd - chen geht nicht nur in Zehentretern spazieren, sondern entwirft die flachen Treter sogar für eine bekannte Marke aus ihrer Heimat. ...

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... Dort, unter südamerikanischer Sonne, schlappen die Menschen gern das ganze Jahr über mit den Schuhen durch die Gegend. Wobei der schlicht gefertigte Zehentreter die Bezeichnung Schuh gar nicht recht verdient: Bis auf eine dünne Sohle und einen Riemen haben die Teile wenig zu bieten. Es sei denn, man gönnt sich ein Paar, das der in Wuppertal geborene brasilianische Juwelier Hans Stern 2004 entworfen hat. Diese diamantbesetzte Variante kostet schlappe 17.000 Euro.


Männer finden die Latschen laut einer Umfrage wenig attraktiv


Aber auch ohne zusätzliches Bling-Bling sind die minimalistischen Sandalen – offiziell Zehentrennsandale genannt – sehr beliebt. Zwischen Juni und September scheinen sie zur Standardbekleidung vor allem jüngerer Semester zu gehören.

Wer glaubt, damit die eigene Attraktivität zu erhöhen, liegt aber möglicherweise daneben. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag eines Onlineschuhhändlers, der 2015 wissen wollte, welches Schuhmodell Männer bei Frauen am attraktivsten finden. Sie landeten mit zwei Prozent zwischen „Sportschuhen“ und „andere“ auf dem vorletzten Platz.

Zu den Zehentangas gesellen sich seit ein paar Jahren Crocs: Durchlöcherte und quietschbunte Kunststoffclogs, die längst den Sprung vom Nischenprodukt für Wassersportler zum alltagstauglichen Straßenschuh geschafft haben. Ganz so häufig wie noch vor einigen Jahren sieht man Crocs und Imitate heute aber nicht mehr. Mitte der 2000er-Jahre schlappten sogar Models mit den bunten Plastikschuhen über den Laufsteg. Das ist vorbei. In Arztpraxen und Krankenhäusern hat der ehemalige Seglerpantoffel aber bis heute seinen großen Auftritt. Mit Ausnahmen. In Wiener Krankenhäusern beispielsweise wurde dem Schuh bereits vor Jahren die Daseinsberechtigung entzogen. „Kritische Bereiche“ wie OPs, Intensivstationen und Röntgenzimmer, dürfen Ärzte und Schwestern mit den Gummi tretern jedenfalls nicht mehr betreten. Die Schuhe könnten sich elektrostatisch aufladen und so elektrische Apparate stören.


Nebenwirkungen der luftigen Schuhe: schmutzige Füße und kleine Wunden


Störend sind auch die alltäglichen Nebenwirkungen der Freiluftlatschen. Die Träger verzichten in der Regel auf Socken und müssen sich am Ende des Tages wohl oder übel mit dem Thema schmutzige Füße beschäftigen und diesen mit Wasser, Seife und Nagelbürste auf die Pelle rücken. Mit Staub und Schmutz gelangen auch Bakterien auf die Füße. Kleine Wunden oder Abschürfungen, wie sie bei Flipflops gern zwischen den Zehen oder am Ballen auftauchen, können sich schnell entzünden.

Häufig stecken die Pro bleme aber im Schuh selbst. Wir wollten deshalb wissen, was man seinen Füßen antut, wenn man barfuß in die luftigen Sommertreter schlüpft und haben insgesamt 25 Paare – Zehentreter, Kunststoffclogs und Badeschuhe – zur gründlichen Schadstoffanalyse in die Labore geschickt.

OKO-TEST rat

• Ein hoher Preis ist noch lange keine Garantie fur einen schadstofffreien Schuh. „Sehr gute“ Noten gibt es ausgerechnet fur die beiden gunstigsten Modelle im Test – die Paare kosten jeweils weniger als vier Euro.
• Ein unangenehmer Geruch muss zwar nicht immer ein Zeichen fur eine hohe Schadstoffbelastung sein. Im Zweifel gilt aber: Stark muffelnde Schuhe lieber im Laden lassen.
• Die richtige Schuhgrose ist auch bei Flipflops und Co. entscheidend. Weder sollten Zehen oder Ferse uber den Rand hinausragen noch die Riemen zu eng anliegen. Anderenfalls kann der Fus nicht naturlich abrollen, es drohen schnell Schmerzen.

Das Testergebnis

• …ist nicht berauschend: Zweimal konnten wir die Bestnote „sehr gut“ vergeben. Ausgerechnet an die beiden günstigsten Modelle im Test. Drei Schuhe bekommen ein „gut“. Am Tabellenende ste- hen zwei „mangelhafte“ und neun „ungenügende“ Schuhe.
• Wenn es stinkt … könnte das ein Hinweis auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sein, die in den Schuhen verarbeitet worden sind und vor sich hin müffeln. Einige PAK gelten als krebserregend, andere stehen im Verdacht, Krebs auszulösen. Im Aqua Sphere Beachwalker, schwarz findet sich ein ganzer Mix an PAK, darunter das krebserregende Benzo(a)pyren, der bekannteste gesundheitlich relevante Vertreter der PAK sowie das krebsverdächtige Naphthalin. Hier werten wir um vier Noten ab. Naphthalin steckt ebenfalls in Mengen, die wir abwerten, in 13 weiteren Schuhen.
• Giftiges Schwermetall: Technisch gesehen gibt es keinen Grund, das giftige Quecksilber in der Produktion einzusetzen. Im Clog Chung Shi Dux, navy hat das Labor dennoch eine erhebliche Menge in einem Druckknopf nachgewiesen. Bereits kleine Mengen des Schwermetalls können das Nervensystem und vermutlich auch Herz, Immunsystem und den Fortpflanzungszyklus schädigen.
• Verdächtige Weichmacher: In den Skechers Clogs Step Ups Fly Abouts und den Teva Mush II Canvas schwarz/grau hat das Labor Diethylhexylphthalat (DEHP) nachgewiesen. Phthalate werden als Weichmacher eingesetzt und stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. DEHP ist als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und in der EU in Spielzeug und Babyartikeln ab einem geringen Grenzwert verboten. Inzwischen sollen andere Verbindungen die Aufgabe der Phthalate übernehmen. Diese sogenannten Ersatzweichmacher haben wir in sechs weiteren Schuhpaaren gefundenen. Die Substanzen sind bislang nicht hinreichend auf mögliche langfristige Gesundheitsrisiken untersucht.
• Problematischer Farbstoff: Im Teva Mush II Canvas schwarz/grau und Ballop Badeschuh wies ein Labor Anilin im Textilmaterial des Schuhs nach. Dabei handelt es sich um einen Farbstoffbaustein aus der Gruppe der aromatischen Amine, der im Verdacht steht, Krebs zu verursachen. In Schuhen, die meist barfuß getragen werden, gehört er allemal nicht.

Abwechslung: Orthopaden empfehlen bei gesunden Fusen eine Mischung aus festen Schuhen, leichten Sandalen und barfus laufen.


Foto: Rene Schmidt/iStock/Thinkstock

Kompakt

Mit Zehentrennern Auto fahren?

Berufskraftfahrer mussen zwingend feste und geschlossene Schuhe tragen. Alle anderen durfen in Flipflops, Badelatschen oder Kunststoffclogs hinters Steuer. Selbst barfus darf man Auto fahren. Doch bei einem Unfall kann es Probleme mit der Versicherung geben – dann namlich, wenn ungeeignetes Schuhwerk nachweislich fur einen Crash verantwortlich ist. Eine Untersuchung der Leuphana Universitat Luneburg aus dem vorigen Jahr ist zu dem Schluss gekommen, dass Autofahren mit losen Sandalen gefahrlich ist. So waren die sogenannten Vorbremszeiten deutlich hoher als bei Fahrern mit geschlossenen Schuhen. Knapp die Halfte der Probanden verfehlte mindestens einmal das Bremspedal, ein knappes Drittel rutschte in den Minimalsandalen mindestens einmal vom Pedal ab.

Abwechslung für die Füße

Orthopaden sehen Zehentrenner zwiespaltig. In ihnen zu laufen konne zwar die Muskulatur starken, weil die Fuse im Vergleich zu festen Schuhen mehr arbeiten mussten. Dennoch taugten sie nicht fur jeden Tag. „Fusen sollte Abwechslung gegonnt werden“, sagt Dr. Hakan Pilge von der Orthopadischen Klinik der Dusseldorfer Universitatsklinik. Er rat – bei gesunden Fusen – zu einer Mischung aus barfus laufen, Minimalsandale und festem Schuhwerk. Menschen mit extremen Platt-oder Ballen-Hohlfusen sollten ganz auf die Zehengreifer verzichten. Auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie einer Zerebralparese, das ist eine Korperbehinderung verursacht durch einen Hirnschaden, sind sie tabu. Problematisch konnen auch zu weite Riemen sein: Sitzt der Schlappen zu locker am Fus, versuchen die Zehen, sich am Schuh festzukrallen. „Dadurch konnen bei langer Tragedauer Hammer- oder Krallenzehen entstehen“, erklart Pilge.

Erlaubt, aber gefährlich: Sich mit Schuhen, die keinen Halt geben, ans Steuer zu setzen, ist nicht verboten, kann bei einem Crash aber teuer werden.


Foto: Freedom_Studio/Shutterstock

• Schwer abbaubar: Zinnorganische Verbindungen sind in der Umwelt meist nur schwer abbaubar und stehen im Verdacht, das Immunund Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen. Problematisch ist Dioktylzinn (DOT), das in Produkten wie Babyartikeln, Textilien mit Hautkontakt, aber auch in Schuhen und Handschuhen verboten ist. Bestimmte Methylzinnverbindungen besitzen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine „ausgeprägte Neurotoxizität“. Im Tierversuch führt beispielsweise die orale Gabe von Dimethylzinn zum Absterben von Nervenbahnen (DMT).
• Schön weiß? In neun Sommertretern stecken optische Aufheller. Die Weißmacher können mit dem Schweiß auf die Haut gelangen und bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung zu allergischen Reaktionen führen. An Stellen ohne Hautkontakt – etwa an außen liegenden Zierknöpfen – ist das unwahrscheinlich, der Umwelt schaden die optischen Aufheller dennoch. Die Stoffe sind schwer abbaubar.
• Schwierige Entsorgung : In fast der Hälfte der Schuhe finden sich PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen, die bei der Entsorgung Probleme bereiten können. Sie bilden in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine und belasten so die Umwelt. 13 Anbieter zeigen, dass es ohne geht.

So reagierten die Hersteller

• Chung Shi, Anbieter des gleichnamigen Kunststoffclogs, teilte uns mit, wegen des positiven Quecksilberbefunds die Herstellung dieses Schuhs bis auf Weiteres zu stoppen und schon produzierte Exemplare umzurüsten. Käufer, die bereits einen Kunststoffclog mit den belasteten Knöpfen erworben haben, können die Druckknöpfe gegen schadstofffreie Exemplare eintauschen (eine kurze Mail an folgende Adresse: info@chung-shi.com).

So haben wir getestet

Saison: Im Sommer gibt es leichte Sandalen fast uberall – nur wenige sind schadstofffrei, wie der OKO-TEST zeigt.


Foto: imago/ZUMA Press

Der Einkauf
Flipflops & Co. gehoren zum Sommer. Unsere Einkaufer haben sich passend zur Jahreszeit in Schuh-, Sport- und Outdoorgeschaften sowie Onlineshops umgesehen und auch das Angebot von Kaufhausern, Discountern und Drogerien nicht auser Acht gelassen. In die Warenkorbe sind 14 Zehenstegsandalen gewandert, sechs Paare Clogs und funf Paare Badeschuhe. Das gunstigste Modell kostete 3,95 Euro, das teuerste fast 50 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Alle Schuhe bestehen zu uberwiegenden Teilen aus Kunststoff. Wir wollten deshalb wissen, ob darin Phthalat-Weichmacher stecken, die beispielsweise in Baby- und Kinderartikeln gesetzlich reglementiert sind. Auch hat uns interessiert, ob sich krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in den Produkten finden lassen, die durch den Einsatz von Weichmacherolen hineingelangen konnen. Auserdem liesen wir die Analytiker unter anderem nach Schwermetallen wie Chrom, Quecksilber und Blei suchen sowie nach problematischen Farbstoffbestandteilen und zinnorganischen Verbindungen.

Die Weiteren Mängel
Optische Aufheller lassen helle Textilien zwar weis strahlen, belasten aber die Umwelt, weil sie schwer abbaubar sind. Wir werten unter dem Testergebnis Weitere Mangel um eine Note ab, wenn die Fundstellen keinen Hautkontakt haben. Optische Aufheller mit Hautkontakt zahlen zu den kritischen Inhaltsstoffen.

Die Bewertung
Wo das Labor gesetzlich reglementierte Phthalate nachgewiesen hat, werten wir ab – je nach festgestellter Menge um vier oder zwei Noten. Streng bewerten wir auch giftiges Quecksilber sowie krebsverdachtige Farbstoffbausteine. Auch der Nachweis von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und giftigen zinnorganischen Verbindungen sorgt fur einen hinteren Tabellenplatz.