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Floristik für die Freiheit


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 03.10.2022

Bei der DMF 2022 waren vier Wettbewerbsbeiträge zu leisten, die alle unter dem Oberbegriff „Freiheit“ standen. „Das Zusammenspiel aus der Coronapandemie, dem weltweiten Kriegsgeschehen sowie Intoleranz und Diskriminierung, wie sie uns allen schon einmal begegnet sind, lehrt uns, dass Freiheit über allem steht – und dass sie zerbrechlich ist.“ So heißt es in der Broschüre der Veranstalter Fleurop und Fachverband Deutscher Floristen (FDF). Ein Thema, das den Akteuren weiten Spielraum für ihre Interpretationen bot.

Vier Aufgaben an einem Tag

Weil zum Zeitpunkt der Planung unklar war, ob es Corona-Beschränkungen geben würde, wurde der Wettkampf auf einen Tag begrenzt und nicht öffentlich und unter freiem Himmel ausgetragen. Auf eine Pflanzarbeit, einen Raumschmuck und einen Strauß folgte eine Überraschungsarbeit, die es bei fast jedem Wettkampf gibt. Das heißt, die Teilnehmer kennen weder die ...

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Bildquelle: florieren!, Ausgabe 10/2022

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... Materialien noch die Aufgabe. Nach dem Öffnen der Kartons hatten die Florist(inn)en 30 Minuten Zeit, die Floralien und Hilfsmittel zu begutachten und eine Idee zu entwickeln: Gefragt war ein schwimmendes Objekt unter dem Motto „Wie Pool ist das denn?“. Dann musste in 60 Minuten ein Werkstück auf einer Platte aus Leichtkunststoff gefertigt werden, das im großen Pool zu Wasser gelassen wurde. Leider begann eine halbe Stunde vor dem Abschluss der Arbeit ein Regenschauer, sodass einige Besucher das Gelände verließen und die Werkstücke unter erschwerten Bedingungen von der Jury bewertet werden mussten.

1 Christopher Ernst aus Thüringen ist Deutscher Meister 2022. Den Siegerpokal überreichte sein Vorgänger, Michael Liebrich, der Deutsche Meister 2018 aus Baden-Württemberg. Eine Woche später übrigens startete Michael Liebrich beim Europa Cup in Polen, wo er den 3. Platz belegte.

2 Christopher Ernst, der spätere Gewinner des Wettkampfs, gestaltete die beste Pflanzarbeit. Er setzte Pflanzen aus drei Vegetationszonen in drei Metallkästen: oben ausgefallene Sukkulenten, in der Mitte belaubte Pflanzen mitteleuropäischen Klimas und unten im Wasser wachsende. Den Verlauf des Wassers im Ökosystem stellte er mit einem unsichtbaren Umlaufsystem nach.

3 + 4 Für die Überraschungsaufgabe – ein schwimmendes Objekt – bekamen alle die gleichen Werkstoffe und Materialien. Das Werkstück von Christopher Ernst (3) wurde am besten bewertet (90,4 Punkte).

Siegerehrung und Pool-Party

Nach zwei Stunden Unterbrechung begann die Abendveranstaltung mit der Siegerehrung unter einem großen Zeltdach. Wie bei solchen Wettkämpfen üblich, werden zunächst einige Sonderpreise für die besten Werkstücke vergeben. Dazu gehören Geschenke der Sponsoren, darunter eine Reise nach Großbritannien zur Weltmeisterschaft 2023 und eine Reise nach Ecuador zu Rosenzüchtern. Christopher Ernst bekam einen Preis für die beste Pflanzarbeit, Lisa Mayer einen Sonderpreis für den besten Strauß und Andreas Müssig wurde für den besten Raumschmuck ausgezeichnet. Sodann wurde in der Gesamtwertung der 3. Platz an Andreas Müssig aus Bayern vergeben. Nicht erwähnt wurde, dass Natascha Hein aus Nordrhein-Westfalen mit nur 0,01 Punkten Rückstand auf Platz 4 landete. Wie knapp! Martin Neumann aus Sachsen-Anhalt erreichte den 2.Platz und ist damit Deutscher Vizemeister. Schließlich wurde unter großem Applaus der neue Deutsche Meister gekürt: Christopher Ernst aus Thüringen. Gefeiert wurde bei einer ausgelassenen Pool-Party.

Pflanzarbeit: Die Natur bahnt sich ihren Weg

Für die Pflanzarbeit stand eine Fläche von 2 × 2 m zur Verfügung, die Höhe durfte maximal 2,5 m betragen. „Die Soziologie der Pflanzen ist zu berücksichtigen“, hieß es in der Vorgabe, woraus zu schließen ist, dass im Wesentlichen vegetativ gestaltet werden sollte. Das wurde auch von allen Teilnehmern umgesetzt, wobei die Verwendung nicht-floraler Materialien und die Art der Anordnung doch recht unterschiedlich umgesetzt wurde. Während der Gestaltung – in 90 Minuten – und danach konnten die Besucher die Teilnehmer und ihre Werke gut beobachten.

5 Müll und Schutt verändern das Gesicht des Waldes, doch die Natur wird sie in ihrem Sinne gestalten, gibt man ihr die Freiheit – so wollte Martin Neumann seine Wald-Interpretation verstanden wissen. Am Ende des Wettbewerbs war der Florist aus Sachsen-Anhalt Vizemeister.

6 Andreas Müssig aus Bayern verteilte seltene hochgewachsene blühende Stauden in vier Metallkästen auf unterschiedliche Ebenen. Insgesamt belegte Andreas Müssig den 3. Platz bei der DMF 2022.

7 Zerbrochener Beton und Stahl werden von der Freiheit der Natur überwunden. Das waren die Gedanken von Rocco Wustmann aus Sachsen. Seine Pflanzen setzte er in kleine Metallgefäße.

Raumschmuck: Freiheit und Respekt

In der Aufgabenstellung für den Raumschmuck hieß es: „Die kollektive Freiheit bedeutet die Freiheit einer Gruppe – zum Beispiel einer Interessengemeinschaft oder Community. Auch Gemeinschaften Andersdenkender oder Andershandelnder haben ein Recht auf Freiheit und Respekt.“ Da alle Objekte mit Schnittblumen gefertigt wurden, blieb gestalterisch mehr Spielraum. Die Blumenauswahl zeigte eine überaus große Vielfalt in der jeweiligen Kombination, oft kamen heimische und tropische Floralien zusammen. Die Grundfläche war auf 1,5 × 1,5 m begrenzt, die Höhe auf 2,5 m. Für die Ausführung hatten die Florist(inn)en zwei Stunden Zeit.

8 Andreas Müssig führte in seiner Darstellung das Recht des Einzelnen mit dem Recht des Kollektivs zusammen. Als Gefäße dienen bemusterte Druckrollen, die auf Kupferrohre montiert sind. Der Blumenschmuck in vielen Rotabstufungen mit Zinnien, Clematis, Cosmea, Amaranthus etc. wirkte sehr expressiv. 96,5 Punkte wurden für seinen Raumschmuck vergeben, das war die höchste Punktzahl bei dieser Aufgabe.

9 Das Recht auf Bildung, Voraussetzung für eine freie Gesellschaft, thematisierte Thi Phuong Nhung Nguyen aus Berlin mit angedeuteten aufgeschlagenen Buchseiten. Bei ihrer Farbgestaltung orientierte sie sich an der schwarz-rot-goldenen Flagge Deutschlands.

10 – 12 Mit drei glänzenden Rahmen aus farbigem Kunststoff wollte Natascha Hein aus Nordrhein-Westfalen die Notwendigkeit aufzeigen, dass die unterschiedlichen Geschlechter gleichberechtigt sind: Blauviolett-Violett und sich gegenüberstehend Rotviolett-Rot symbolisieren Mann und Frau. Dazwischen war ein Quader mit einer Überschneidung dieser Farben (12) als Symbol für Diversität angeordnet. Mit 94 Punkten war ihr Raumschmuck der zweitbeste. Insgesamt hatte sie nur 0,01 Punkte Rückstand auf den 3. Platz.

13 Christopher Ernst betonte in seinem mit kleinen Spiegeln versehenen Objekt die Freiheit des Individuums, die sich in seiner Einzigartigkeit sowohl im Menschen als auch in den Pflanzen widerspiegelt. Zweige eines Korkenziehergehölzes und Drahtschlaufen an einer Säule aus Metallstangen gaben Halt für vielfältige Werkstoffe, darunter Orchideen, Heliconia, Karnivoren und Fichtenzweige mit Zapfen.

14 Ein interessanter Unterbau war dieses Objekt aus gepressten, geknüllten Papierkugeln von Lisa Mayer aus Baden-Württemberg. Die Blumen waren nach stark grellen Farben ausgesucht, die noch durch eingefärbte Federn verstärkt wurden.

15 Liebe unter gleichgeschlechtlichen Paaren, die bis in die Wendezeit strafbewehrt war, machte Martin Neumann in seiner Arbeit mit einer spiegelbildlichen Anordnung zum Thema. Der Freiheitsdrang der Gesellschaft konnte diese Diskriminierung überwinden.

16 Für die Freiheit der Liebe sprach sich auch Thomas Salzig aus Hamburg aus. Ideengeber war eine Hamburger Kneipe mit dem Motto „Liebe für alle – schmusen auch“. Entsprechend bunt waren die Farben. Wie Thomas Salzig, Martin Neumann und Natascha Hein machte auch Rieke Steinbeck die Freiheit der sexuellen Orientierung zum Thema. Das zeigt, dass dieses Problem bei jungen Menschen große \Aufmerksamkeit erfährt.

Strauß: Freiheit der Farben

Für den Strauß – mit einer oder mehreren Bindestellen – standen 45 Minuten zur Verfügung. Es durften keine gestalterischen Vorarbeiten geleistet werden, alle Materialien mussten abbaubar sein und technische Hilfsmittel durften nicht sichtbar sein. Das ist dann zeitlich ein recht knappes Pensum. Erstaunlich, dass trotzdem recht große und vielfältige Bouquets entstanden. Man konnte allen Akteuren gut beim Binden zusehen. Alle Sträuße hatten eine Bindestelle, waren konventionell in Form und Anordnung. Aber die ausgesuchten Floralien waren sehr unterschiedlich und auch in der Kombination gab es Überraschungen. Besonders dann, wenn Sträuße in relativ kurzer Zeit im Verhältnis zu Anzahl und Schwere der Werkstoffe gebunden werden müssen, kann man die handwerkliche Fertigkeit gut feststellen. Hier kann man allen Teilnehmern ein hohes Niveau bescheinigen.

17 Lisa Mayer band ihren Strauß in einem Rot-Orange-Farbspiel, der von Ballonwein-Ranken umwunden war. Sie erhielt dafür die höchste Wertung.

18 Rocco Wustmann gestaltete seinen Strauß in Weiß-Creme-Tönen. Im Gegensatz dazu waren die Stiele farbig lackiert.

19 In Rot-Violett-Aufhellungen und -Abdunklungen gelang Natascha Hein eine sehr stimmige Farbharmonie.

20 Ein besonderes Werkstück an Schwere und Größe entwarf Rieke Steinbeck aus Niedersachsen aus vielen kleinblütigen Floralien.

21 Ganz in Weiß als Hauptmotiv gehalten mit ungewöhnlichen Fruchtständen – und als Ergänzung Grau-Grün-Beige-Töne. Das war der Strauß von Thi Phuong Nhung Nguyen.

22 Der einzige Strauß, der asymmetrisch gebunden war, war das Werkstück von Thomas Salzig mit großen Hortensien als Blickfang.