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Flotte HÜPFER


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 33/2022 vom 12.08.2022

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Flotte HÜPFER" aus der Ausgabe 33/2022 von Gong. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gong, Ausgabe 33/2022

KRAFTPROTZ Männliche Rote Riesenkängurus werden bis zu 80 Kilogramm schwer

Australiens ROTE RIESENKÄNGURUS sind die größten BEUTELTIERE DER WELT

DAS GROSSE SPRUNGGEHEIMNIS

Bei der Landung dehnen sich Sehnen und Muskeln zwischen Fuß- (1) und Kniegelenk (2). Sie speichern dabei Energie wie eine Feder. Beim Abstoßen schnellen sie automatisch zurück und setzen diese Energie als Extraschub wieder frei

Das heiße Herz Australiens ist ihre Heimat: Wo die Luft über dem roten Sand flimmert und monatelang kein Regen fällt, da fühlen sich Rote Riesenkängurus wohl. Die größten Beuteltiere der Welt gelten als echte Überlebenskünstler. Rastlos, immer auf der Suche nach fressbaren Gräsern, hüpfen sie mit ihren muskulösen Hinterbeinen durch die Gluthitze des unzugänglichen Outback. Menschen würden bei 50 Grad Celsius nach wenigen Stunden kollabieren, doch Australiens Wappentiere ziehen hier seit Jahrtausenden erfolgreich den Nachwuchs groß. Die Hamburger Biologen und Tierfilmer Jens ...

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... Westphalen und Thoralf Grospitz sind für eine spektakuläre Naturdoku ihren Spuren gefolgt (siehe TV-Tipp Seite 12). „Rote Riesenkängurus lassen sich gar nicht so leicht filmen“, erinnert sich Jens Westphalen an die anstrengenden Dreharbeiten auf dem fünften Kontinent. „Sie sind sehr scheu und haben eine große Fluchtdistanz.“

Riesen auf der Flucht

Menschen in der Nähe? Nichts wie weg! Verständlich, denn auch für die Roten Riesen gibt es staatliche Abschussquoten. Ganz zu schweigen von der illegalen Jagd im trockenen Landesinneren. „Graue Riesenkängurus sind meist weniger scheu, vor allem in Nationalparks, in denen sie nicht bejagt werden“, erklärt Westphalen.

Rote Riesen? Graue Riesen? Die Hüpferfamilie des fünften Kontinents beeindruckt mit rund 60 verschiedenen Arten (siehe auch Seite 13). „Rote Riesenkängu- rus sind größer, kräftiger und schlanker“, so Tierfilmer Jens Westphalen. Aufgerichtet können sie bis zu 1,80 Meter hoch werden. „Die Grauen Riesen sind mit ihnen nicht mal eng verwandt und haben ein längeres Fell, weil sie auch in den kühleren Regionen Australiens leben.“ Immerhin haben sie den Riesen-Namen gemeinsam.

Es gibt rund 60 verschiedene KÄNGURUARTEN

Wer die Hitze meistern will, muss clever sein. Als bestes Känguru-Patent gilt der Beutel – ein Kinderzimmer für alle Fälle. Nach rund 33 Tagen Tragzeit kommt das Kleine zur Welt. „Klein“ im wahrsten Sinn des Wortes: Ein Kängurubaby wiegt nur 0,8 Gramm und ist winzig wie ein Gummibärchen. Es krabbelt selbstständig in den Beutel der Mutter und saugt sich dort an einer der vier Zitzen fest. „Wir konnten auch im Inneren des Beutels filmen“, berichtet Biologe Jens Westphalen. „Dort herrscht ein so feuchtwarmes Klima, dass die Linse unserer Minikamera ständig beschlug.“ In der mit Muskeln sicher verschlossenen Tragetasche bleibt der Nachwuchs mindestens sechs Monate lang. Oft müssen Känguruweibchen zwei Kinder gleichzeitig versorgen: den Winzling, der an einer Zitze hängt, und ein älteres Kängurukind, das den Beutel bereits verlassen hat, aber noch gesäugt wird. Jedes bekommt seine eigene Milchsorte, perfekt angepasst ans Alter. Zudem wartet meist ein kaum entwickelter Embryo, bis ein Platz im Beutel frei wird und draußen keine Dürre herrscht.

Das Geheimnis des Hüpfens

Bewährt hat sich auch das Hops-Patent. So genial wie ein Känguru hüpft keiner! Die Beine arbeiten dabei wie Sprungfedern (siehe Grafik Seite 11). Bei der Landung dehnen sich die elastischen Sehnen und ziehen sich dann wie Gummibänder automatisch wieder zusammen. Bis zu 90 Prozent der Energie lassen sich so für den nächsten Hüpfer nutzen. Der kräftige Schwanz bleibt dabei in der Luft und hilft, das Gleichgewicht zu halten.

Denn es geht rasant zu. Wenn das Rote Riesenkänguru die Flucht ergreift, schafft es locker 50 km/h und zwölf Meter weite Sätze. Auf der Suche nach Futter und Wasserstellen im trockenen Outback ist der Riese jedoch gelassener unterwegs. Beim Grasen nutzt er sogar den Schwanz als „drittes Bein“ oder hoppelt langsam auf allen vieren von Grasbüschel zu Grasbüschel.

Und was ist mit dem Box-Patent? Erst im Mai 2022 geisterte die Meldung „Mann liefert sich minutenlangen Boxkampf mit einem Känguru“ durch das Internet. „Mit unserem Boxen hat das wenig zu tun“, stellt Jens Westphalen klar. „Das sind keine gezielten Schläge, eher eine Art Strampeln mit den schwächeren Vorderbeinen.“ Beim Kampf mit Rivalen setzen Kängurus vor allem ihre muskulösen Hinterbeine ein. Sie springen hoch und verteilen heftige Tritte. „Dabei stützen sie sich auf dem Schwanz ab, damit sie nicht umfallen“, so der Biologe und Tierfilmer. „Kängurus sind also eher Kickboxer.“ Wenn Rote Riesen kämpfen, dann meist um die Gunst der Weibchen. Der Mensch hat von diesen Kängurus in der Regel wenig zu befürchten, sie sind viel zu scheu.

Ein Liebling als Plage

Trotzdem verbindet Australiens Bewohner eine Art Hassliebe mit ihrem Wappentier. Laut Naturschutzorganisation Pro Wildlife fallen jedes Jahr ungefähr 1,5 Millionen Kängurus der Jagd zum Opfer. Vor allem Farmer sehen sie als Plage. Die Beuteltiere zerstören angeblich Zäune und fressen den Herden das Futter weg. Rote Riesen sind von den systematischen Abschüssen weniger betroffen als ihre kleineren Verwandten. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN führt diese Superhüpfer als „nicht gefährdet“. Wie viele noch im Outback leben, wissen aber auch die Experten nicht. Schätzungen gehen von mindestens zehn Millionen aus. Genug für einen sicheren Sprung in die Zukunft.

KAI RIEDEMANN

Es bleibt in der FAMILIE

Die verschiedenen Känguruarten gehören zu den bekanntesten Beuteltieren des fünften Kontinents

BERGKÄNGURUS

Ihre Heimat sind die trockenen, felsigen Regionen Australiens. Sie wiegen bis zu 36 Kilo und kommen mit spärlichsten Pflanzen aus

FELSKÄNGURUS

Die artenreiche Gattung lebt in den gebirgigen Regionen. Den Tag verbringen sie meist in Höhlen und werden erst in der Nacht aktiv

GRAUE RIESENKÄNGURUS

Sie sind nach den Roten Riesen die größten lebenden Beuteltiere und werden unterteilt in Östliches und Westliches Riesenkänguru

BAUMKÄNGURUS

Sie haben sich an ein Leben auf den Bäumen der Regenwälder angepasst und gelten als gute Kletterer. Gewicht: bis zu 18 Kilo

WALLABYS

Diese kleineren Kängurus bewohnen vor allem die Küstenregionen des Kontinents. Zu ihrer Gattung gehört auch das Rotnackenwallaby (F.)