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Flüssiggas extrem: Feuerzauber


Flüssiggas - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 09.08.2019

Wenn im Theater, Film oder Fernsehen etwas explodiert, wenn es brennt, raucht, zischt oder kracht, steckt oftmals er dahinter: Wolf-Ingo Hummig ist der Mann für Special Effects. In seinem Familienbetrieb in Peißenberg tüftelt er an maßgeschneiderten Lösungen für die Umsetzung spektakulärer Einfälle von RegisseurInnen bzw. Stage-DesignerInnen. Er konzipiert atemberaubende Feuerwerke, katapultiert Autos in die Luft – oder setzt auf Wunsch alle erdenklichen Dinge in Brand. Mit Flüssiggas arbeitet er besonders gern, „weil es so sicher ist“.


Einen „Sinn für das Mysteriöse“ hatte der kleine Wolf-Ingo schon ...

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Bildquelle: Flüssiggas, Ausgabe 4/2019

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... früh. Im Alter von 14 Jahren begann er zu zaubern, bald führte er seine Tricks öffentlich vor. Bei einem seiner Auftritte wollte Hummig eine Jungfrau – anstatt sie, wie in der Branche üblich, zu zersägen – als lebende Kanonenkugel abfeuern. Das ging natürlich nicht ohne dramatische Effekte. Hummig begann zu experimentieren und entdeckte eine neue Leidenschaft. Seinen ersten Pyrotechnikerschein hatte er 1967 in der Tasche. Im seriösen Leben absolvierte er an der Staatsoperette in seiner Heimatstadt Dresden eine Ausbildung zum Beleuchter, machte die Meisterprüfung, trat aber weiterhin als Magier auf. Mit seinen erfolgreichen Bühnenshows – „vergleichbar mit dem, was die Ehrlich Brothers so machen“ – eckte er beim DDR-Regime an. Phantasie und dekadente Sensationen waren nicht gern gesehen. 1976 wurde seinem Ausreiseantrag stattgegeben.

Flüssiggas-Magie für das Hippie-Musical Hair im Gärtnerplatztheater München (2016): In der Inszenierung von Gil Mehmert (Bühnenbild Jens Kilian) sollte das Peace-Zeichen auf Knopfdruck in Flammen aufgehen. Der Brennstoff hierfür kam aus zwei parallel geschalteten Gaskartuschen.


Bei der Vorbereitung einer Zaubershow befasste sich Hummig erstmals mit Special Effects: Wenn man eine Jungfrau als lebendes Geschoss für die Kanone opfern will, muss man es schließlich ordentlich krachen lassen...


Schon wieder brennt die Hütte! Kein Grund zur Besorgnis für das Ausbildungsteam von Hummig Effects (Vater Wolf-Ingo, Sohn Moritz, Tochter Mebel): Die Flüssiggas-Flammen sind jederzeit regulierbar.


Und – Action! Für Film und Fernsehen simulieren die Pyrotechniker mit dem „Gasschuss“ beeindruckende Autoexplosionen oder Granateneinschläge: Per Fernsteuerung wird ein Bolzen gezündet, der Schwarzpulver in eine han delsübliche Gaskartusche (70 % Butan, 30 % Propan) treibt. Bei der Explosion verbrennt das Gas in Sekundenschnelle rückstandslos. Deshalb kann unmittelbar nach der Explosion Entwarnung gegeben werden. Um den Sicherheitsabstand zum Explosionsherd so gering wie auf dem Foto halten zu können, ist allerdings eine gehörige Portion Wissen und Erfahrung nötig.


Lodernde Flammen inmitten eines Bühnenbilds aus Styropor. Den aufwendigen und viel beachteten Bühneneffekt realisierte Hummig für die Salzburger Festspiele 1992 im Kleinen Festspielhaus. In Mozarts „La clemenza di Tito“ (Regie: Ursel und Karl-Ernst Herrmann, Bühnenbild: Karl-Ernst Herrmann) steckte er die Siegesgöttin mithilfe einer ganzen Batterie parallel geschalteter, ferngezündeter pneumatischer Fackeln in Brand. Seither hat er eine Menge Erfahrung im Umgang mit Bühnenfeuer gesammelt. „Heute könnte ich den gleichen Effekt für ungefähr ein Fünftel der Kosten mit Flüssiggas erzielen“, meint er.


Rückschlag

Der entscheidende Durchbruch gelang ihm mit einer riesigen Flammenwand, die er 1990 für Monteverdis „Il Ritorno di Ulisse in Patria“ mithilfe pneumatischer Fackeln realisierte. Die Amsterdamer Produktion gastierte auch in Sydney, New York und Los Angeles. Damit wurde Hummig international als einer der Pioniere bekannt, die auf der Bühne mit offenem Feuer gearbeitet haben. Seither liest sich die Liste seiner Auftraggeber wie das Who is Who der internationalen Bühnen: Met in New York, Mailänder Scala, Staatsoper München, Wiener Staatsoper, Salzburger Festspiele, Royal Opera London... Von der einfachen, selbstverlöschenden Kerze über Fackeln, Lagerfeuer oder Scheiterhaufen bis hin zum Atompilz auf offener Bühne macht er alles möglich.

Alles unter Kontrolle

So spektakulär seine Effekte auch wirken mögen: Sie unterliegen strengen Sicherheitsbestimmungen. Laut Versammlungsstättenverordnung ist offenes Feuer auf Bühnen generell verboten. Ausnahmen werden vom Kreisverwaltungsreferat im Einzelfall genehmigt, sofern die fachliche Umsetzung garantiert ist und die feuerpolizeilichen Bestimmungen eingehalten werden. Wird Feuer mit weiteren Effekten – z.B. Pyrotechnik – kombiniert, muss das zusätzlich die Gewerbeaufsicht zur Kenntnis nehmen.

Hummig zündet nicht selbst vor Ort, er testet seine Vorrichtungen im Vorfeld sorgfältig und präpariert sie so, dass Sie vom Kunden selbst per Knopfdruck bedient werden können. Gefahr bei der Verwendung von Flüssiggas besteht nur dann, wenn es unkontrolliert austritt, ohne abzubrennen. Um solche Fälle zu verhindern, baut Hummig konsequent drei eingebaute Sicherheitsstufen ein, die das Restrisiko minimieren:

Oberstes Gebot: Sicherheit

Schemazeichnung Querschnitt Druckminderer

In der Pyrotechnik kommen variabel verstellbare Druckregler zum Einsatz.


Qualität und Präzision der verwendeten Flüssiggas-Druckminderer spielen auch – und gerade – in der Pyrotechnik eine entscheidende Rolle. Bei den zum Teil sehr großen und platziert eingesetzten Flammen muss auf sie hundertprozentig Verlass sein: Zum einen in puncto Sicherheit, zum anderen, was die pyrotechnische Performance angeht.

geht.

Denn Druckminderer bieten zusätzliche Möglichkeiten für die Modifizierung des Flammenspiels: Die GOK Regler- und Armaturen GmbH stellt Sonderanfertigungen von Druckreglern mit variabel einstellbarem Ausgangsdruck her. Der Pyrotechniker kann damit den Druckbereich stufenlos von 0 bis 4 bar einstellen und so unterschiedliche Flammenbilder erzeugen. Dabei ist es unerheblich, welche Gasflaschengröße zum Einsatz kommt – der Anschluss passt sowohl auf 5-, 11- und 33-Kilo-Gasflaschen.
www.gok.de

Noch fehlt der passende Drache zum Feuerspeien, der heiße Atem ist aber schon spürbar. Zur Erzeugung der Stoßflamme zündet Moritz Hummig die Flüssigphase von drei auf den Kopf gestellten Gaskartuschen. Solche gefährlichen Aktionen verlangen Know-how und sind nur unter Verwendung speziell angefertigter Druckminderer durchführbar.


Beim Test steht Wolf-Ingo Hummig mitten im Feuerkreis. Auf der Freilichtbühne wird es der Zauberer von Oz sein. Vier 11-kg-Gasflaschen erzeugen ein eindrucksvolles, gleichmäßiges Flammenbild.


Technik und Sicherheitsvorkehrungen im Hintergrund: Gasflaschen für länger anhaltende Feuer, wie Lagerfeuer oder Scheiterhaufen, kommen – abgesichert mit Reglern und explosionsgeschützten Sicherheitsventilen – ins Wasserbad. Während des Gasverbrauchs wird die Wassertemperatur langsam von 40 °C auf 50 °C erhöht, um den Druck zu regulieren und ein Einfrieren der Ventile bei schneller Gasentnahme zu verhindern. Ein Gassensor überwacht den Vorgang.


Die Kunst liegt darin, Gasflammen zu erzeugen, denen man „das Gas nicht ansieht“. Hummig ist stolz darauf, dass er mit unterschiedlichen Brennstoffen die gleiche Flammenfarbe erzielen kann. Zum Vergleich: Im linken Fenster brennt Lycopodium (Bärlappsporen), rechts Flüssiggas.


Zunächst wirkte der Aufbau unspektakulär: Der Eindruck änderte sich, als bei der Walpurgisnacht in Dessau inmitten der Menschenmenge ein riesiger Scheiterhaufen loderte. Innerhalb von zehn Minuten waren 16 Gasflaschen (à 11 kg) aufgebraucht.


Alles nur Illusion: Ein überdimensionaler Gasbrenner vor dem Außenfenster täuscht Krieg und Feuersbrunst vor.


Das 5,50 m hohe brennende Kreuz hat Hummig für die Münchner Staatsoper realisiert. Problematisch dabei: Die große Sogwirkung, die die Gasflammen entfalten. Hier im Test wird die Einstellung justiert: Noch sieht man den Flammen ihre gastypische blaue Färbung an.


Auf Knopfdruck setzen zwei Gaskartuschen den vom benachbarten Kunstschmied geschmiedeten Baum in Brand.


Hummig zündelt gern fürs Theater: Für das Royal Theatre in Covent Garden setzte er u. a. Spinnrad und Stuhl durch Ausnutzen der Flüssigphase bühnenwirksam in Brand.


• Er verwendet ausschließlich speziellen patentierten Glühzünddraht mit Keramikklemmen aus Schweden.
• Ein eingebauter Thermosensor überwacht den Zündvorgang: Springt der Sensor nicht an, schaltet das Gasventil automatisch aus.
• Um Feuer herum entsteht eine Ionisationswolke, es fließen Mikro-Ampere. Mit einem einfachen 12-V-Ionisationswächter kontrolliert Hummig den ordnungsgemäßen Verlauf des Brennvorgangs zusätzlich.

Die Art der zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen ist – ebenso wie die Wahl der Mittel, mit denen der Effekt erzielt werden soll – davon abhängig, wie lange der Feuereffekt andauern soll, wie hoch die Flammen sein sollen und wo das Ganze stattfinden soll (Innen- oder Außenraum). Kurze, überraschende Showeffekte bereiten Hummig unter Sicherheitsaspekten erstaunlicherweise wenig Kopfzerbrechen. Er verwendet dafür bevorzugt 600-ml-Gas-Sprayflaschen, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich sind. Spätestens nach zwei Minuten Brenndauer ist der Inhalt verbraucht und das Feuer löscht sich selbst. Deutlich riskanter schätzt er Feuer mit langer Brenndauer ein. Auch hier versucht Hummig, die Gasbehälter möglichst klein zu halten, 11-kg-Flaschen sind die maximale von ihm verwendete Größe. Durch vorsichtiges Erwärmen der Flaschen im Wasserbad verhindert er einen zu schnellen Druckverlust und das Vereisen der Ventile. Und selbstverständlich stehen überall Feuerlöscher griffbereit

Dank dieser Vorsichtsmaßnahmen kann Hummig auf über 50 Jahre unfallfreie hauptamtliche Zündelei zurückblicken. Flüssiggas war für ihn immer ein geschätztes Brennmittel: Viel sicherer und umweltfreundlicher als beispielsweise Benzin und Diesel, per Knopfdruck zu zünden und leicht zu löschen.

In der Pyrotechnikerschule in Peißenberg gibt Hummig seine Berufserfahrung weiter. Wer Feuer gefangen hat und eine amtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegt, kann sich dort zum staatlich anerkannten Pyrotechniker ausbilden lassen oder einen Lehrgang für Bühnenpyrotechniker oder für Großfeuerwerker buchen.


Fotos falls nicht anders angegeben: Hummig Effects