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FLUGHAFEN FRANKFURT : ENTLASTUNG IN SICHT


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 06.06.2019

Deutschlands größter Airport baut ein drittes Terminal, um das prognostizierte Passagierwachstum abfertigen zu können. Ab 2023 steht ausreichend Platz für bis zu 21 Millionen zusätzliche Fluggäste pro Jahr zur Verfügung


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Im Süden des Flughafens entsteht in zwei Bauabschnitten Terminal 3 mitsamt der Flugsteige G, H und J


Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte (Mitte) setzt den Grundstein für Terminal 3


FOTO: FRAPORT AG

Was insbesondere die Luftfahrtbranche Beifall klatschen lässt, erregt bei so manchem Anwohner größten Unmut: Am Ausbau des Frankfurter Flughafens scheiden sich die Geister, und das sogar in der ...

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... hessischen Landesregierung, die dies bei der feierlichen Grundsteinlegung für Terminal 3 am 29. April kaum eindrucksvoller hätte beweisen können. Während der christdemokratische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer vor geladenen Gästen angesichts des Baus von einem „wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens und damit auch für den Wirtschaftsstandort Hessen“ sprach, der die Grundlage für weitere Arbeitsplätze, Zukunftschancen und Wirtschaftskraft bilde, blieb der eigentlich zuständige Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir dem Festakt fern. Der Grünen-Politiker hatte einst mit einem Ausbaustopp um Wählerstimmen geworben. Heute sitzt er offenbar ein wenig zwischen den Stühlen.

So lag es also an Schäfer, das zu tun, was Al-Wazir qua seines Amtes gut zu Gesicht gestanden hätte: den Flughafen als „Herzmuskel der hessischen Wirtschaft“ zu loben. Denn die Fakten sprechen für sich: Direkt am Airport bieten mehr als 450 Unternehmen rund 81 000 Menschen Arbeit. Insgesamt sichert der Standort mindestens 100 000 Jobs, mehr als 175 000 Menschen der Region profitieren von den positiven ökonomischen Effekten durch den Luftverkehr. Und mit Terminal 3, da ist sich nicht nur Schäfer sicher, wird „die größte Arbeitsstätte Deutschlands weiter an Bedeutung gewinnen“.

VERNETZT WIE KEIN ZWEITER

Schon heute ist der Flughafen Frankfurt international führend im Bereich Konnektivität. 306 Ziele in 98 Ländern, darunter allein 137 interkontinentale Destinationen, weist der aktuelle Sommerflugplan aus. „Von keinem anderen Luftverkehrsdrehkreuz in der Welt erreichen Sie mehr Flugziele als von Frankfurt aus“, betont der Chef des Flughafens, Dr. Stefan Schulte, mit Stolz. Und das Angebot werde auch angenommen, wie die hohen Sitzladefaktoren, im Durchschnitt lagen sie 2018 bei 79,3 Prozent, und die Steigerung der Fluggastzahlen im vergangenen Jahr – immerhin plus 7,8 Prozent, rund fünf Millionen Passagiere – zeigen.

Insgesamt wurden 2018 in FRA, so das IATA-Kürzel des 1936 eröffneten Airports, mehr als 69,5 Millionen Fluggäste abgefertigt – ein neuer Rekordwert in der mehr als 80-jährigen Geschichte. Damit belegt Lufthansas Heimstätte Platz vier in Europa – hinter London-Heathrow (80,1 Millionen Reisende), Paris-Charles de Gaulle (72,3 Millionen) und Amsterdam (71,1 Millionen). Überhaupt kann Frankfurt dank Kranich strahlen, kommt die Lufthansa hier doch bei der Zahl der Flüge auf einen Marktanteil von 63,3 Prozent, der Lufthansa-Konzern gar auf 68,6 Prozent.

Fast zwei Drittel der Fluggäste, 64,3 Prozent, waren innerhalb Europas unterwegs, elf Prozent davon flogen innerdeutsch. Der Anteil des interkontinentalen Flugverkehrs pendelte sich bei 35,7 Prozent ein – allein 12,6 Prozent der Passagiere zog es über den großen Teich nach Nordamerika und 10,2 Prozent entgegengesetzt nach Fernost. Zu den beliebtesten Reisedestinationen zählten in der Vergangenheit neben innerdeutschen Zielen die USA, Spanien, Italien und Großbritannien.

In diesem Jahr dürften laut der jüngsten Prognosen rund 71 Millionen Passagiere die Terminals 1 und 2 durchlaufen, was die Abfertigung in den bestehenden Gebäuden im Norden des 2300 Hektar großen Flughafenareals insbesondere zu Verkehrsspitzenzeiten an ihre Grenzen stoßen lässt.

Im älteren der beiden Abfertigungsgebäude, im Terminal 1, das 1972 als „Terminal Mitte“ eröffnet und zuletzt 2012 mit einem 185 000 Quadratmeter großen Pier auf nahezu 860 000 Quadratmeter erweitert wurde, wurden 2018 bereits 57,6 Millionen Fluggäste gezählt. Genutzt werden die vier Flugsteige A, B, C und Z von den Fluggesellschaften des Lufthansa-Konzerns und der Star Alliance, aber auch von Qatar Airways oder Etihad. Rund 40 Carrier sind hier insgesamt zu finden. Die Zahl der abgefertigten Flüge summierte sich im vergangenen Jahr auf fast 400 000.

Das etwa 300 000 Quadratmeter große Terminal 2 mit den Flugsteigen D und E wurde 1994 eröffnet, war das erste Abfertigungsgebäude weltweit, das für die neue Generation von Großraumflugzeugen wie die A380 konzipiert war, und gilt als Heimat der Oneworld- und SkyTeam-Partner, aber auch von Emirates oder Air Namibia. Mehr als 50 Airlines werden im T2 abgefertigt. Gezählt wurden hier 2018 rund 11,8 Millionen Reisende sowie annähernd 80 000 Flüge.

Für die Exklusivität schätzende Klientel mit dem nötigen Kleingeld hält der Lufthansa-Konzern zudem ein First-Class-Terminal in unmittelbarer Nähe zum Terminal 1 vor. Dies ist eine Lounge der Extraklasse, in der First-Class-Passagiere beziehungsweise Vielflieger mit höchstem Status in gediegenem Ambiente bei größtmöglichem Komfort und Service warten. Die Ausstattung geht über die herkömmlicher Premium-Wartebereiche weit hinaus. Zudem werden die Fluggäste individuell betreut und mittels Chauffeurservice zwischen Terminal und Flugzeug transportiert.

Die Lebensadern stellen hingegen die Start- und Landebahnen dar. Direkt zwischen den Terminals im Norden und der CargoCity Süd (auf die Frachtaktivitäten und -einrichtungen gehen wir in der Galerie ab Seite 48 ein) ist die 4000 Meter lange Centerbahn (07C/25C) sowie die im parallelen Abstand von 518 Metern entfernte, ebenfalls 4000 Meter lange Südbahn (07R/25L) zu finden. Dazu gesellt sich die 4000 Meter lange Startbahn West (18) sowie die 2800 Meter lange Landebahn Nordwest (07L/25R). Auf diesen vier Pisten wurden 2018 exakt 512 115 Starts und Landungen gezählt – 1575 Flugbewegungen allein am 29. Juni. Derweil der Passagiertagesrekord vom 29. Juli datiert: 237 966 Fluggäste. Was zweifellos eine Herkulesaufgabe für die bestehenden Gebäude darstellt.

IM SÜDEN WAS NEUES

Nun gilt es jedoch, auch den Süden des Geländes für den Passagierverkehr zu öffnen. Dort also, wo noch bis 2005 das US-amerikanische Militär eine Basis hatte. Gleich neben der CargoCity Süd entsteht derzeit Terminal 3, das schon bald die stark frequentierten Terminals 1 und 2 spürbar entlasten soll. Und dies ist der Fraport, die den Airport betreibt, zwischen 3,5 und vier Milliarden Euro wert. Niemals zuvor hat der Konzern in Frankfurt mehr Geld in eine Einzelinvestition gesteckt. Mehr noch: Das Projekt gilt als eines der größten privatfinanzierten in Europa.

Bis 2021 entsteht zunächst einmal der Flugsteig G mit einer Kapazität von bis zu fünf Millionen Passagieren pro Jahr. Als Solitär wird er von der Eröffnung an ein vollwertiges und modernes Abfertigungsgebäude darstellen und später in das Terminal 3 integriert werden. Die Fertigstellung des Hauptgebäudes mit den Flugsteigen H und J ist für 2023 geplant. Dann steigt die Kapazität auf bis zu 21 Millionen Fluggäste.

Der Abfertigungsbereich B des Terminals 1


Noch sind die meisten A380 der Lufthansa in Frankfurt stationiert


FOTOS: DIETMAR PLATH, STEFAN REBSCHER/FRAPORT AG

Die taiwanesische China Airlines wird am Terminal 2 abgefertigt


Der zentrale Marktplatz in der Wurzel des Flugsteiges Z im Terminal 1


Bei einer gesamten Nutzfläche von dann mehr als 400 000 Quadratmetern stehen annähernd 12 000 Quadratmeter Retailund Gastronomieflächen, davon allein 6000 Quadratmeter im Zentrum des lichtdurchfluteten Hauptgebäudes, sowie 6200 Quadratmeter für Lounges zur Verfügung.

Zu den weiteren Leistungsdaten zählen bis zu 100 Check-in-Schalter und Drop-off-Points, mindestens 38 Gebäude-Positionen und drei gebäudenahe Positionen für Flugzeuge, rund 60 Gates sowie 13 Gepäckrückgabebänder. Erreichbar ist Terminal 3 auf dem Straßen- und Schienenweg. In Anlehnung an die bestehende Sky-Line-Bahn, wird Fraport ein neues Personen-Transport-System installieren, das Terminal 3 mit den beiden bestehenden Terminals verbindet. Von Terminal 1 bis Terminal 3 dauert die Fahrt, mit kurzem Halt an Terminal 2, knapp acht Minuten. Zu einem späteren Zeitpunkt kann, bei entsprechendem Bedarf, Terminal 3 um den Flugsteig K erweitert werden. Die jährliche Kapazität würde mit der Vollausbaustufe auf 25 Millionen Passagiere steigen und Fraport-Verantwortliche, Airlines und Wirtschaft zunächst einmal aufatmen lassen. Das dürfte langfristig ausreichen.

Das Hauptgebäude mit den Flugsteigen H und J sollen 2023 in Betrieb genommen werden


Terminal 3 wird Passagieren wie Mitarbeitern eine für Frankfurt völlig neue Aufenthaltsqualität bieten


FOTOS: ANDREAS MEINHARDT UND FRANK SEIFERT/FRAPORT AG, | GRAFIKEN: CHRISTOPH MÄCKLER ARCHITEKTEN (2),

Welche Fluggesellschaften nach der Fertigstellung des Terminals 3 umziehen und im Süden des Frankfurter Flughafens abgefertigt werden, ist noch nicht entschieden. Zwar führe man deswegen bereits Gespräche, die übrigens sehr positiv verlaufen, wie Flughafenchef Schulte mit Nachdruck versichert, doch es sei zu früh, verbindliche Zusagen zu machen: „Airlines planen selten mit so viel Vorlauf.“ Attraktiv sei der Standort trotz der Entfernung zu den Terminals 1 und 2 allemal, daran lässt der Vorstandsvorsitzende der Fraport keine Zweifel aufkommen, denn es biete Passagieren wie Mitarbeitern eine hohe Aufenthaltsqualität, modernste Technik, smarte Prozesse und sei darüber hinaus hervorragend angebunden. Dennoch werde sein Unternehmen die Einrichtungen im Norden niemals aus den Augen lassen: „Bis zur Inbetriebnahme des ersten Flugsteigs des Terminals 3 Ende 2021 wird der Fokus nunmehr verstärkt darauf liegen, die Servicequalität angesichts einer insgesamt angespannten Situation im Luftverkehr auf hohem Niveau zu halten. Priorität hat hier die Situation an den Sicherheitskontrollen“, versichert Schulte.


GRAFIK: CHRISTOPH MÄCKLER ARCHITEKTEN