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FLUGPORTALE: HOCH GEPOKERT


REISE & PREISE - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 04.07.2018

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass das EU-Parlament ein Verbot von Kreditkartengebühren verfügte. Das gilt auch für Flugportale. Der REISE & PREISE-Test zeigt, dass sich längst nicht alle Ticketdealer an die neuen Regeln halten. Auf dem Prüfstand standen auch Userfreundlichkeit, Preiswertigkeit und Erreichbarkeit.


TEST Bezahlgebühren, Userfreundlichkeit, Service: 14 Flugportale auf dem Prüfstand

Artikelbild für den Artikel "FLUGPORTALE: HOCH GEPOKERT" aus der Ausgabe 3/2018 von REISE & PREISE. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: REISE & PREISE, Ausgabe 3/2018

Alle Angaben ohne Gewähr. Preisvergleich und Portaltest wurden im Zeitraum 5.6. bis 18.6.18 vorgenommen. Notenspiegel + = sehr gut = Note 1; + = gut = Note 2; ø = durchschnittlich = Note 3; -ausreichend = Note ...

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... 4; --= mangelhaft = Note 5. * Der Startpreis bezieht sich auf die Zahlarten, mit denen die Flüge am günstigsten sind, die Endpreise auf Buchung mit Mastercard, Visa und die unter »Günstigste Bezahlarten« genannten Zahlarten. Preisangaben pro Erwachsenen. **Genannt sind die Gebühren, die zusätzlich zu den Umbuchungs-und Stornogebühren der Airline anfallen.


Foto: Shutterstock/Patryk Kosmider

Was muss ein Flugportal können, um beim Kunden gut anzukommen? Funktionell muss es sein, mit klarer Userführung und vor allem: Eine faire Abwicklung der Buchung muss gewährleistet sein, bei Notfällen sollte man ein Portal auch telefonisch gut erreichen können. Wenn dann auch noch die Preise stimmen, steht aus Verbrauchersicht alles zum Besten.

Viele Portale verlangen weiterhin Kreditkartengebühren

Seit dem 13. Januar 2018 dürfen innerhalb der Europäischen Union für die gängigsten Zahlkarten wieVisa undMastercard keine Gebühren mehr erhoben werden. Dadurch soll auch sichergestellt werden, dass Kunden ihr Flugticket am Ende zu dem Preis buchen können, der ihnen zu Beginn schmackhaft gemacht wurde.

Oberstes Ziel im Test war es, herauszufinden, ob sich die Betreiber an die neue EU-Richtlinie halten oder nicht. In unserem Test traf dies nur auf acht der 14 getesteten Flugportale zu. Auffällig war, dass sich bestimmte Portale gut darauf verstehen, die Bezahlgebühren zu verstecken. Mit den vergleichsweise seltenen Debit-Karten vonMastercard undVisa können Tickets beiOpodo ,eDreams ,Tripsta ,Bravofly undLastminute.de um einiges günstiger gebucht werden als mit einer herkömmlichenMastercard oderVisa Card . Die von den Abläufen her mit Debit-Karten vergleichbare EC-Karte indes wird von keinem der Testteilnehmer akzeptiert. Bei den »baugleichen« PortalenBravofly undLastminute. de wird man bereits in der Flugsuche auf der Startseite aufgefordert, die Zahlart auszuwählen. Wer dem nachkommt, bleibt bis zum Schluss im Glauben, dass er einen Flug ohne Zusatzgebühren gebucht hat. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Denn stellt man als Zahlmittel dieMastercard Debit ein, wird das gleiche Ticket 5 % billiger. Anders ausgedrückt: Mit einer gängigen Zahlart ist der Flug 5 % teurer.Fluege.de macht sich gar nicht erst die Mühe, Bezahlgebühren zu verstecken: Alle Flugpreise, die in der Buchungsstrecke ausgewiesen werden, gelten für die hauseigeneFluege.de-Mastercard . Wer eine normaleMastercard oderVisa in der Hand hält, zahlt drauf – und zwar nicht zu knapp. EinLufthansa -Flug nach Sydney z. B. war zum Testzeitpunkt 100 Euro teurer als mit der Firmenkreditkarte. AuchTripsta tut so, als würde es die neue EU-Richtlinie gar nicht geben und schlägt bei Bezahlung mitMastercard undVisa Credit – wenngleich moderate – 2 % Gebühren drauf.

Nicht anders beiOpodo undeDreams : Auf den Ergebnisseiten im Angebotsfeld wird zwar – in auffallend kleiner Schrifttype – darauf hingewiesen, dass der genannte Preis bei Zahlung mitVisa Entropay gilt, doch das ist leicht zu übersehen. Der Preis für andere Bezahlarten muss über den Zahlungsfilter auf der linken Seite in Erfahrung gebracht werden. Wählt der Kunde dort z. B.Mastercard undVisa Credit , schießt der Preis für den Bangkok-Flug um fast 50 Euro in die Höhe. Auf der letzten Seite ist im Feld »Kreditkartentyp « dann von »Ermäßigung pro Kartentyp « die Rede –Mastercard undVisa und andere Zahlarten sind dort mit € 0 gelistet,Visa Entropay undViabuy Prepaid Mastercard mit einem Rabatt. Ein Indiz für versteckte Bezahlgebühren.

Unser Tipp: Das Zahlungsmittel nie vorab einstellen oder die Position »sonstige« oder »andere« wählen und die Zahlart erst am Ende der Buchungsstrecke festlegen. So lässt sich erkennen, ob sich der Preis nach Bekanntgabe der Kreditkarte erhöht.

Ein anderes »No-go« ist es, wenn der Kunde mittels farbiger, etwa grüner oder roter Buttons, zum Buchen teurerer Ticketvarianten und nicht gewünschter Serviceleistungen verführt werden soll. Die Schaltflächen indes, die zum ursprünglich gewünschten Ticket führen, werden in kleinerer Schrift oder hellen Tönen dargestellt, als solle man sie nicht wahrnehmen, wie es etwa beiFlugladen undSeat24 der Fall ist.

Die Preisunterschiede im Test sind größer als erwartet

Doch sind jene Portale, die die gesetzlichen Vorgaben bisher nicht umgesetzt haben, wirklich teurer als solche, die sich korrekt verhalten? Um das beantworten zu können, haben wir Probebuchungen für fünf gängige Destinationen durchgeführt, dabei waren Airline, Reisedaten und Flugzeiten für jedes Flugziel möglichst identisch. Bei den Flügen nach London, Barcelona und New York enthalten die Tickets keine Gepäckgebühren, bei den Flügen nach Bangkok und Sydney ist das Gepäck inklusive.

Ein eindeutiges Ergebnis gab es nicht. Nur so viel: Die »gebührenpflichtigen« Portale waren unterm Strich selten am günstigsten, die »gebührenfreien« lagen preislich oft im Mittelfeld. DerBritish-Airways -Flug von Frankfurt nach London war trotz zusätzlich 2 % Kreditkartengebühr mit € 132,54 beiTripsta am günstigsten. BeieDreams warf das System ein mit € 219,24 um 65 Prozent teureres Angebot aus. DenDelta -Flieger nach New York botFlugladen uns für € 276,62 an, beiFluege.de mussten wir am Ende € 471,78 berappen – ein Preisunterschied von 70 Prozent. Oft spielt dabei auch das Glück eine Nebenrolle: Denn wird der letzte Platz in der günstigsten Bu chungsklasse zwischendurch verkauft, ist der Preis beim nächsten Portal naturgemäß höher. Was auch vorkommt: Portal A hat sich bei der Airline oder beim Großhändler ein Kontingent gesichert, auf das Portal B keinen Zugriff hat.

Sitzplätze und Aufgabegepäck können teuer werden

Auch bei der Sitzplatzreservierung wird auf Unwissenheit gesetzt. Während sie direkt beiLufthansa nur € 10 gekostet hätte, berechnetOpodo für die Auswahl der Plätze auf demLH -Flug nach Barcelona € 18,90,Seat24 sogar € 23. Wer beiSeat24 Sitzplätze für denEmirates -Flug nach Bangkok reserviert, zahlt für alle vier Flugsegmente € 188, für Plätze in den vorderen Sitzreihen sogar € 268. Direkt beiEmirates betragen die Kosten für den gesamten Flug indes maximal € 120, ein Preisunterschied von € 148.

Geld verdienen lässt sich auch mit den Gepäckgebühren. Mittlerweile werden fast alle innereuropäischen Billigtarife ohne Aufgabepäck verkauft, auch auf Transatlantikstrecken kommt das zunehmend in Mode. Normalerweise bucht man den Koffer bei der Ticketbuchung gleich mit. Das kann dann über Portale noch teurer werden als bei der Airline selbst: So verlangte beispielsweiseTripsta für denBA -Flug nach London fürs Gepäck € 86, direkt beiBritish Airways hätte der Koffer nur € 30 gekostet. Erstaunlich war, dass es längst nicht bei allen Portalen möglich war, Gepäck mitzubuchen – was sich rein von den Kosten aber offenbar als Vorteil erweisen kann. Dann muss man jedoch sein Gepäck nach der Ticketbuchung auf dem Portal online oder telefonisch direkt bei der Airline nachbuchen. Mittlerweile sind auch Low-Coster zahlreich auf den Portalen vertreten, die allerdings sollte man ohnehin besser über die Airline-Seiten buchen. FürRyanair -Flüge beispielsweise wird eine Servicepauschale von bis zu € 20 berechnet, das Aufgabegepäck kostet nicht selten das Doppelte wie bei der Airline.

Reservierte Sitzplätze können bei einigen Portalen richtig ins Geld gehen


Foto: Archiv/Digital Vision

TEST Bezahlgebühren, Userfreundlichkeit, Service: 14 Flugportale auf dem Prüfstand

Alle Angaben ohne Gewähr. Preisvergleich und Portaltest wurden im Zeitraum 5.6. bis 18.6.18 vorgenommen. Notenspiegel + = sehr gut = Note 1; + = gut = Note 2; ø = durchschnittlich = Note 3; -ausreichend = Note 4; --= mangelhaft = Note 5. * Der Startpreis bezieht sich auf die Zahlarten, mit denen die Flüge am günstigsten sind, die Endpreise auf Buchung mit Mastercard, Visa und die unter »Günstigste Bezah-larten« genannten Zahlarten. Preisangaben pro Erwachsenen. **Genannt sind die Gebühren, die zusätzlich zu den Umbuchungs-und Stornogebühren der Airline anfallen.


Der Erfindungsreichtum bei den Extras kennt keine Grenzen

BeiBravofly war unter der Bezeichnung »Verkaufsschlager « für Bangkok zu allererst ein Werbeangebot zu finden, das rund € 170 teurer war als das günstigste.eDreams rückte einLufthansa -Angebot in den Mittelpunkt, das mit dem eigentlichen Preisvergleich gar nichts zu tun hat.Bravofly undLastminute.de unterscheiden nach »Der Beste«, »Der Günstigste« und »Der Schnellste«, wobei die Liste mit den »Besten« – und somit zumeist das teurere Angebot – voreingestellt ist.

Expedia ,eBookers undLast-Minute.com zeigen sich in ihrer Flugstrecke besonders auffällig an der Vermittlung weiterer touristischer Leistungen interessiert. Zu diesem Zweck werden in die Buchungsstrecke Hotel-und Mietwagenangebote eingespeist.

Versicherungspolicen werden durchweg von allen Portalen angeboten. Mal weniger aufdringlich, mal nervig mit Warnhinweisen und mehrmaligen Nachfragen.Fly.de ,Fluege.com undSTA Travel beschränken sich dabei auf Reise-und Rücktrittsversicherungen zu recht fairen Konditionen, andere schießen auch hier übers Ziel hinaus:Tripsta etwa bietet im Rahmen der Flugbuchung u.a. eine »Geld-zurück-Garantie« und eine Insolvenz-Versicherung für Airlines an. Beim Flug mitQatar Airways nach Sydney machte das € 69,68 bzw. € 67,09 extra.Opodo undeDreams geben im Umfeld der Rücktrittversi-cherung Hinweise, um den Kunden von der Notwendigkeit einer Versicherung zu überzeugen. Kostprobe: »Ich habe mir kurz vor der Reise den Knöchel verstaucht. Zum Glück war ich versichert. (Otto M., Berlin)«.

Wer die Reiseunterlagen per Post zugeschickt bekommen möchte, zahlt beiFluege.de € 7,99 extra und beiSeat24 € 11,90 – ganz so teuer ist das Porto der Deutschen Post dann doch wieder nicht. Für eine Bordkarte per E-Mail nehmenBravofly undLastminute .de € 4.Seat24 verlangt für die gleiche Leistung sogar € 12, der Versand der Buchungsnummer per SMS kostet € 2,99, die Zusendung des Reiseplans aufs Handy € 3,50 und die Bestellung einer Sondermahlzeit € 5. Spaßeshalber haben wir am BeispielTripsta durchgerechnet, was der Flug mitQatar Airways nach Sydney gekostet hätte, wenn wir jedes Serviceangebot, jede Zusatzleistung und alle verfügbaren Versicherungen mitgebucht hätten: Aus € 952,66 wurden am Ende € 1.337,55.

Die deutschen Wettbewerbshüter dürften es auch weiterhin schwer haben, den herbeigesehnten »Fairplay-Gedanken« durch Erlasse voranzutreiben, zu schwer ist der Zugriff auf die Portale, zu erfahren sind die Betreiber im Katz-und-Maus-Spiel. Dazu kommt, dass außerFluege.de keines der großen Internetportale seinen Sitz in Deutschland hat.Bravofly undLastminute. de gehören zur SchweizerLastminute. com Group und damit nicht zur EU.Opodo residiert unter dem Dach vonOpodo Limited brexitorientiert in London. Das PortalTripsta S.A. ist in Griechenland zu Hause,Seat 24 in Finnland.

Am Ende landeten jene Portale vorn, die vor allem eines verkaufen – Flüge ohne Kreditkartengebühren. Die Buchungsstrecken vonFly.de undFluege.com sind schlicht aufgemacht, die Userführung gut, die Versicherungen kosten nicht mehr als beim Versicherer. Punktabzüge gab es allenfalls bei der Preiswertigkeit, doch wer seine Nerven schonen möchte, muss offenbar bereit sein, ein wenig mehr auszugeben.

So haben wir getestet

> Unser Testteam hat die Preise für fünf klassische Destinationen mit derselben Airline und identischen Eckdaten ermittelt: a) Einstiegspreise, bezahlt mit einer x-beliebigen Zahlart und b) Normalpreise, gebucht mit gängigen Zahlarten wie Mastercard und Visa Credit.

> Geprüft wurde, ob die Flugportale die neue EUZahlungsrichtlinie einhalten oder ob es weiter zu direkten oder indirekten Bezahlgebühren kommt.

> Getestet wurden ferner Userfreudlichkeit und Fairplay. Zudem wurde bewertet, welche Portale am günstigsten waren, was Umbuchungen und Stornierungen kosten, ob Telefonnummern auffindbar waren und in welcher Zeit der Telefon -service erreichbar war.

> Die Kriterien flossen in die Testnote mit unterschiedlicher Gewichtung ein: Bezahlgebühren (30 %), Preiswertigkeit (20 %), Userfreundlichkeit (30 %), Änderung der Buchung (10 %) und Erreichbarkeit (10 %).