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FLUGZEUGE IM BAUCH


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Wenn der Rennzirkus des Red Bull Air Race auf Reisen geht, muss der Transport schnell und zuverlässig funktionieren. Aero International hat die Luftfrachtprofis von DHL bei ihrer Arbeit begleitet


RED BULL AIR RACE

Artikelbild für den Artikel "FLUGZEUGE IM BAUCH" aus der Ausgabe 70/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 70/2018

Zwei Frachtpaletten nebeneinander passen in den Rumpf des Jumbos


Perry Benton will sich selbst vergewissern. Im Vorbeigehen ein Blick auf den knallgelben Spanngurt, ein kurzer, prüfender Griff: Ist er auch ordentlich angezogen, wird sich die Fracht auf der Palette auch später keinen Millimeter bewegen? Das Gurtende noch schnell verknotet, damit es nicht zu weit herunterhängt – und schon ist ...

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... Benton im nächsten Hangar verschwunden. Der Montag ist ein geschäftiger Tag für den DHL-Logistiker, auf dem Vorfeld des Flughafens im französischen Cannes herrscht reges Treiben. Es ist der Morgen nach dem Rennen des Red Bull Air Race, der nach eigenen Angaben des Energy-Drink-Herstellers schnellsten Rennserie der Welt (siehe Kasten Seite 31). Das nächste Rennen findet am anderen Ende der Welt statt, im 10 000 Kilometer entfernten japanischen Chiba. Und Benton ist für den Umzug des Rennzirkus dorthin verantwortlich. Am Ende der Saison hat er für die Veranstaltung mehr als 3,5 Millionen Kilogramm Fracht über 70 000 Kilometer weit durch die Welt befördert.

17 RENNFLUGZEUGE

Es ist ein anspruchsvoller Job: 14 Piloten sind in der Master-Class des Red Bull Air Race am Start, dazu kommen drei Flugzeuge der Challenger-Klasse. Außer den einmotorigen Rennflugzeugen haben die Teams noch reichlich Werkzeug, Hangarausstattung und Ersatzteile mit im Gepäck.

Front Cargo Door: Die Boeing 747 mit ihrer großen Bugklappe eignet sich besonders gut, um die Rennflugzeuge zu transportieren


FOTOS: JEAN-MARIE URLACHER

Gitterrohr unter Kunststoffhaut: Beim Transport ist Gewicht kein Thema, die High-Tech-Rennflugzeuge sind allerdings sehr empfindlich


Teamarbeit: Bei der Mannschaft des deutschen Red-Bull-Piloten Matthias Dolderer sitzt jeder Handgriff


Am Abend nach dem Rennen ist das komplette Flugzeug bereits verpackt. Am nächsten Morgen gehts per LKW zum Flughafen


Tragflächen und Leitwerke werden in maßgeschneiderte Transportkisten verpackt


Die Rennflugzeuge, die es zu transportieren gilt, sind filigrane High-Tech-Kunstwerke aus Stahlrohr, Kohlefaser und Aluminium, sechs Meter lang, die Spannweite beträgt gut sieben Meter. Das Sportgerät ist mit rund einer halben Tonne ein Drittel leichter als ein smart-Kleinwagen.

TRANSPORTKISTEN AUF MASS

Glücklicherweise lassen sich die Red-Bull-Racer zum Transport weitgehend zerlegen: Gleich nach dem Rennen – Teams, bei denen es nicht so gut lief, beginnen oft sogar schon während der Finalläufe – werden die Flugzeuge demontiert. Kraftstoff wird abgelassen, die Leitwerke abgeschraubt. Aus Festigkeitsgründen besteht die Tragfläche aus einem einzigen Teil mit durchgehendem Kohlefaserholm. Um sie unbeschädigt zu befördern, wird sie in eine maßgeschneiderte, gepolsterte Transportkiste verpackt.

Tags darauf stehen Lastwagen bereit. Weil der Flughafen des Veranstaltungsorts Cannes zu klein ist für die Landung eines Jumbos, geht es erstmal auf dem Landweg weiter zum nächsten größeren internationalen Airport, Marseille.

Paarweise sind die Rümpfe der Rennflugzeuge auf den genormten Paletten verzurrt


Die Gewichtsberechnung beweist: die 747 ist mit dem Job noch lange nicht am Limit


Die Infrastruktur in Marseille ist auf die Abfertigung von ungewöhnlicher Fracht eingestellt


3500 METER RUNWAY FÜR DIE 747

Dort ist auch die Infrastruktur vorhanden, die es für die Verladung der kostbaren und empfindlichen Fracht braucht: Zugmaschinen für die genormten 20-Fuß-Frachtpaletten, Hebebühnen, um alles in den Rumpf der 747 zu bugsieren. Um 13.53 Uhr setzt der Jumbo von CargoLogisticAir aus Leipzig kommend auf der 3500 Meter langen Runway 31R des französischen Flugplatzes auf.

CargoLogicAir ist ein Spezialist, wenn es um den Betrieb der Frachtversion der Boeing 747 geht. Die britische Airline hat insgesamt drei Jumbos im Einsatz und bedient im Linienverkehr seit 2017 die Strecke von London nach Mexico City. DHL chartert die Machinen mitsamt der Crew.

Die G-CLAA ist das erste Flugzeug, mit dem die noch recht junge britische Cargo-Airline 2015 den Betrieb aufgenommen hatte. Die aufklappbaren Nase, die Nose Cargo Door, hat im Vergleich zur seitlichen Ladetür (Side Cargo Door), erhebliche Vorteile für den Transport der Red-Bull-Air-Race-Flugzeuge. Durch die Frontklappe lassen sich jeweis zwei Paletten und damit vier Rümpfe nebeneinander geradlinig in dem Hauptdeck verstauen, ohne die Paletten mühsam durch die Seitentür drehen zu müssen.

VOLUMEN STATT MASSE

Volumen ist dabei viel mehr ein Thema als Gewicht. Die Rennflugzeuge sind wahre Leichtgewichte, so ist es kein Wunder, dass die Boeing 747F bei weitem nicht bis zu ihrer Maximalen Abflugmasse beladen ist. Die liegt bei 397 Tonnen, die Beladungspapiere der G-CLAA zeigen für den Start gerade einmal 284 Tonnen.

Große Klappe: Die Nase des Frachtjumbos lässt sich hydrauliche öffnen. So kann die Fracht geradewegs durchladen werden. 16 Riegel halten das Bugtor im Flug geschlossen


Die Boeing 747-400F mit der Registrierung G-CLAA ist das erste Flugzeug in der Flotte vor CargoLogicAir


An der Innenseite des Rumpfes ist ein Kontrollpanel installiert, das die Funktion jeder einzelnen Verriegelung anzeigt.


Für das Logistikunternehmen DHL ist der Transport von Rennequipment beinahe Alltag. Unter anderem ist die Firma auch für die Formel-1 gebucht. Während dort aber jedes Fahrzeug auf seiner eigenen Palette verstaut ist, stellt der Transport der lediglich mit wenig Schutzfolie paarweise eng verpackten Flugzeugrümpfe besondere Anforderungen an die Sorgfalt des Logistikers.

ZWEI 747 SIND GENUG

Nicht nur das Material der Piloten, auch große Teile der Infrastruktur des Veranstalters werden per Luftfracht verschickt, etwa die gesamte Fernseh-Übertragungsanlage wie auch die 25 Meter hohen aufblasbaren Pylonen, die die Piloten im Wettbewerb umfliegen müssen. Dass bei vielen Rennorten Airport und Rennstrecke weit auseinander liegen, macht die Aufgabe für den Logistiker DHL nochmals anspruchsvoller. Seit die Rennserie auf jedem Kontinent einen eigenen Satz der mobilen Hangars verfügbar hat, entfällt zumindest deren Transport auf dem Luftweg. So kommt der Rennzirkus mit maximal zwei vollbeladenen Jumbos aus.

DHL chartert für das Red Bull Air Race stets eine 747F. Sie erlaubt die größte Flexibilität bei maximalem Ladevolumen. Über 605 Kubikmeter passen aufs Hauptdeck.

18.38 Uhr – die G-CLAA hebt Richtung London/Stansted ab, keine sechs Stunden hat ihr Aufenthalt in Marseille gedauert. In Novosibirsk wird sie noch einmal Station zum Tanken machen und nach insgesamt 13 Stunden in der japanischen Hauptstadt Tokio landen.

Während der Frachter unterwegs ist, reist Perry Benton mit der Linienmaschine hinterher. Natürlich wird er vor Ort sein, wenn die Ladung ankommt und den Weitertransport per Lkw nach Chiba organisieren. Schließlich ist es sein Job, dass die Show in drei Wochen weitergeht.

RED BULL AIR RACE

1 Beeindruckende Kulisse: In Cannes hatte das Red Bull Air Race dieses Jahr Premiere


2 Das Zieltor des Parcours heisst nach dem Uhrenhersteller und offiziellen Zeitnehmer der Veranstaltung „Hamilton Finish“


3 Deutscher Star der Rennserie: Der Tannheimer Pilot Matthias Dolderer holte beim Red Bull Air Race 2016 den Weltmeistertitel


Das Red Bull Air Race des österreichischen Brauseherstellers bezeichnet sich selbst als „die schnellste Rennserie der Welt“. Bei dem Wettbewerb müssen die Piloten nacheinander einen mit aufblasbaren Pylonen abgesteckten Kurs in möglichst kurzer Zeit durchfliegen. Ein umfangreichs Regelwerk sieht Strafen unter anderem für das Verfehlen eines Tores vor, das Durchfliegen in falscher Höhe oder mit Schräglage und zuviel g-Belastung in Kurven oder beim Wenden.
Seit 2003 veranstaltet der Energy-Drink-Hersteller die Rennserie, seit 2005 trägt er sie als WM aus. Die Weltmeisterschaftsrennen werden in acht über den ganzen Globus verteilten Städten ausgetragen, im französischen Cannes feierte die Rennserie dieses Jahr ihre Premiere.
Die für diesen Wettbewerb verwendeten Flugzeuge sind auf hohe Geschwindigkeiten von über 400 Stundenkilometer modifizierte, einmotorige Kunstflugmaschinen. Deren Triebwerke, Sechszylinder-Boxermotoren der Typs Lycoming AEIO-540-EXP, leisten über 300 PS, werden den Teams zugelost und dürfen nicht verändert werden. Ein On-Board-Kamerasystem überträgt während der Rennen Livebilder direkt aus dem Cockpit.
Der deutsche Air-Rrace-Pilot Matthias Dolderer fliegt wie die meisten Teilnehmer eine Edge 540 des US-amerikanischen Herstellers Zivko. Seit 2008 ist der Tannheimer als einziger Deutscher in der Rennserie dabei. 2016 sicherte er sich den Weltmeistertitel. In der laufenden Saison hat er im vorderen Mittelfeld des Klassements noch Chancen auf den Titel.


FOTOS: JEAN-MARIE URLACHER (5), PAUL BUCHROEDER/AIRTEAMIMAGES

FOTOS: CHRISTINA SCHEUNEMANN, RED BULL