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Flugzeuge Payware: Neue Definition von Perfektion: 737NGXu


FS Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 06.02.2020
Artikelbild für den Artikel "Flugzeuge Payware: Neue Definition von Perfektion: 737NGXu" aus der Ausgabe 2/2020 von FS Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FS Magazin, Ausgabe 2/2020

Die 737NGX der Precision Manuals Development Group (PMDG) https://pmdg.com für den FS X (FS MAGAZIN 6/2011) war lange Zeit eine Referenz für perfekt simulierte Flugzeuge. Das ist viele Jahre her… PMDG hat jetzt die aktuelle Nachfolgerin 737NGXu herausgebracht, die sich Frank Schmidt angesehen hat.

Es war ein trüber Tag im November vergangenen Jahres: Robert S. Randazzo, Chef von PMDG, verkündete über das hauseigene Forum, dass sich sein Unternehmen zukünftig auf den Flight Simulator 2020 (FS 2020) von Microsoft konzentrieren werde. Es werde zudem keine Neuentwicklungen für X-Plane und Prepar3D (P3D) ...

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... mehr geben, sondern „nur” noch Produktpflege. Das betreffe auch die seit langem in der Entwicklung befindliche 737NG3…

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken und einschlägigen Flugsimulations- Newsportalen. Die Reaktionen darauf waren emotional und die Kommentare überschlugen sich… Zur Überraschung aller veröffentlichte PMDG inmitten dieser hitzigen Diskussion „klammheimlich” die 737NGXu. Die Sensation war perfekt: Was für ein Auftritt! Mit der Umbenennung des Produktes für den P3D v4.4+ behielten die zuvor getroffenen Aussagen zur 737NG3 ihre Richtigkeit. Es dient gleichzeitig der Differenzierung, wenn zukünftig über die aktuelle 737 geredet wird: Selbst wenn beide Produkte einer gemeinsamen Basis entstammen, wird es plattformbedingte Unterschiede geben.

Laut Aussage von PMDG handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung. Cockpit und Außenmodell wurden nach aktuellem Stand der Technik neu erstellt und texturiert. Dazu gibt es zahlreiche ergänzende Features gegenüber der mittlerweile in die Jahre gekommenen 737NGX. Da es sich nicht um ein Update handelt, erklärt sich der „happige” Preis von 99 US-Dollar für das 737NGXu Base Package. Ohne Rabatt-Option für Besitzer der Vorgängerin. Dafür wird der Preis beim Kauf der 737NG3 für den FS 2020 angerechnet…

Das Base Package umfasst die 737- 800er- und -900er-Varianten. Neu ist lediglich die -900ER, die neben kleineren Modifikationen in dieser Konfiguration durch größere Tanks in erster Linie mehr Sprit aufnehmen kann. Die -600er- und -700er-Modelle sollen als 737NGXu Extension Package im Frühjahr 2020 folgen.

Eine 737-800 der Norwegian mit „Blended Winglets” und per „Wing Flex” durchgebogenen Tragflächen.


Installation

Erhältlich ist die 737NGXu als Download bisher ausschließlich im Shop von PMDG. Nach dem Kauf kann das 1,2 GByte große Installationsprogramm gestartet werden. Insgesamt müssen mehrmals Registrierungscodes eingegeben werden. Anschließend wird das Flugzeug im Simulator per Code aktiviert. Das ist etwas umständlich, funktioniert allerdings problemlos.

Zusätzlich wird ein neues „PMDG Operations Center” installiert, worüber zahlreiche Bemalungen und Updates geladen werden können. Es ersetzt ältere Versionen und ist zu anderen Produkten von PMDG kompatibel. Optik und Bedienkomfort wurden deutlich verbessert. Das Programm ist in der Lage, neue Liveries von Drittanbietern zu verwalten, sofern diese als PTP-File angeboten werden.

Außenmodell

Auf den ersten Blick sieht die 737NGXu nicht anders aus als der Vorgänger. Was soll sich ändern? Schließlich handelt es sich um das gleiche Flugzeug. Und eine 737MAX-Variante mit ihrem speziellen Triebwerkdesign und den (am Tragflächenende nach oben und unten geführten) Advanced Technology (AT) Winglets, die den Split Scimitar Winglets der 737MAX ähneln, ist im Base Pack nicht enthalten.

Auf den zweiten Blick fallen die deutlich detaillierteren Texturen mit Physically Based Rendering (PBR) auf, die den Jet in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Je nach gewähltem Modell sind neben den bekannten Flügelformen ohne oder mit (am Tragflächenende nach oben geführten) Blended Winglets die modernen Split Scimitar Winglets mit an Bord. Mit am Start sind für das realistische „Wing Flex” selbstverständlich biegsame Flügel, die sich entsprechend ihrer Belastung verformen.

Neu ist die optionale Ausstattung mit LED-Lichtern, welche die ausklappbaren Zusatzscheinwerfer am Rumpf und das Licht am Bugfahrwerk ersetzen. Optional können nach wie vor die immer seltener werdenden Eyebrow-Windows ausgewählt werden.

Für den europäischen Flugraum bietet PMDG passende Bemalungen für SAS, KLM, Norwegian, Ryan Air und Turkish Airlines an. Es sind bereits Repaints im Netz zu finden, wie beispielsweise die hier gezeigte TUIfly-Variante.

Die erstmals bei der 747-8 implementierte Service-Flotte von PMDG hat nun ebenfalls bei der 737NGXu Einzug erhalten. Leider sind die meisten Fahrzeuge mit der PMDG-eigenen Lackierung versehen, sodass zumindest Besitzer von Ground Service X (GSX) vom FSDreamTeam www.fsdreamteam.com nur begrenzt Gebrauch davon machen werden. Die Fahrzeuge sind zudem weiterhin ohne Fahrer unterwegs, was nicht mehr zeitgemäß ist. Dennoch, das Bodenstromaggregat (Ground Power Unit – GPU) kann über das Menü des Flight Management Computer (FMS) ans Flugzeug gebracht werden.

Ein neues Fahrzeug dürfte ebenfalls Aufmerksamkeit hervorrufen: Der stangenlose Flugzeugschlepper TLD TPX- 200. Er ist ansehnlich modelliert, neutral lackiert und lässt sich – während er am Bugrad der 737 angedockt ist – selbst fahren. Damit kann jeder PC-Pilot seine Fähigkeiten als Pushback-Fahrer unter Beweis stellen. Eine sehr gute Idee!

Cockpit

Schaut man sich den virtuellen Pilotenarbeitsplatz der 737NGXu an, fallen die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger deutlicher aus als beim Außenmodell. Eine merklich höhere Auflösung der Texturen und ein detaillierteres Cockpit bringen diese 737 auf den aktuellen Stand des heute Machbaren. Allerdings büßt sie etwas von ihrem Charme ein. Denn vielerorts finde ich sie ein wenig zu glatt und zu sauber, wenngleich Gebrauchsspuren erkennbar sind.

Es wurde weiterhin auf unnötige Animationen verzichtet, lediglich die Armlehnen lassen sich hochklappen und die Steuersäulen herabsenken. Beides dient der besseren Sicht auf die Instrumente und höherem Bedienkomfort. Die Cockpitfenster bleiben dafür weiterhin dauerhaft geschlossen.

Ein Schlepper des Typs TLD TPX-200 drückt eine 737-800 der TUIfly auf dem Stuttgarter Flughafen zurück.


Das Electronic Flight Bag wurde von der 747-8 übernommen.


Auch an der sonstigen Ausstattung hat sich nicht viel geändert, alles wirkt sofort vertraut. Jeder Schalter ist dort, wo er hingehört. Dennoch gibt es Veränderungen im Detail: Je nach gewählter Ausstattung gibt es veränderte Lichtschalter (LED), moderne Fuel-Cut-Off- Schalter (wie in anderen Boeing-Modellen) und einen veränderten Hebel für die Parkbremse.

Die auffälligste Neuerung dürfte das Electronic Flight Bag (EFB) sein, das in der 747-8 sein Debüt feierte.

Der Funktionsumfang ist identisch und in Verbindung mit einem Chart-Abonnement bei Navigraph www.navigraph.com lassen sich alle für den Flug notwendigen Karten über das EFB darstellen. Ein Einheiten-Umrechner und ein Performance-Tool zur Berechnung der Start- und Landegeschwindigkeiten runden das Paket ab.

Die weiteren Neuerungen stecken eher unter der Haube und sind auf den ersten Blick nicht zu sehen oder zu spüren. Dabei sind sie das Sahnehäubchen auf der Torte und machen die Neuauflage erst richtig interessant: PMDG hat der 73NGXu den „PMDG Rain Maker“ spendiert. Dieser ist in der Lage, Regen und Schnee halbwegs realistisch auf der Cockpitscheibe darzustellen, als auch das Beschlagen der Scheiben, jedoch keine Vereisung zu simulieren.

Dazu wurden neue Sounds aufgenommen, das Cockpit Shaking (simuliert Vibrationen und Erschütterungen) implementiert und einige neue Features in der Systemtiefe hinzugefügt. Beispielsweise sollte die Füllmenge der Hydraulikflüssigkeit im Auge behalten werden, möchte man nicht von der gelben Warnleuchte einer Hydraulikpumpe im Flug überrascht werden. Diese und weitere Wartungsmöglichkeiten finden sich im neuen Maintenance-Menü.

Bugradsteuerung

Bis hierhin hat PMDG eigentlich nur vorhandene Entwicklungen von anderen Produkten auf die 737NGXu übertragen, ohne (wirkliche) Neuerungen zu präsentieren. Auch damit kann die 737NGXu aufwarten, wobei die Reaktionend er virtuellen Piloten darauf durchaus gespalten sind. Gemeint ist die neue Bugradsteuerung.

Wer versucht, die NGXu genauso zu steuern, wie er es von der NGX und anderen Flugzeugen im Simulator gewohnt ist, wird schnell feststellen, dass das Lenkverhalten bei der NGXu gänzlich anders ist. Sie ist in der gewohnten Art und Weise schwer zu beherrschen.

Der „PMDG Rain Maker” in Aktion: Das Wasser perlt jetzt wirklichkeitsgetreu von der Scheibe ab…


Grund dafür ist eine neue, gewöhnungsbedürftige Herangehensweise bei der Steuerung. Bislang war das Bugfahrwerk direkt mit dem Seitenruder gekoppelt, was weder realistisch war, noch ein präzises Steuern über alle Geschwindigkeitsbereiche ermöglichte.

Jetzt verhält sich die Steuerung bei niedrigen Geschwindigkeiten eher wie ein Tiller. Bei höheren Geschwindigkeiten hält man die Maschine hingegen besser mit den Seitenruderpedalen in der Spur. Am besten funktioniert es, wenn Seitenruder und Tiller jeweils eigene Steuerachsen zugewiesen werden. Dafür gibt es im Setup der 737NGXu eine spezielle Option. Mit ein wenig Übung lässt sich die Maschine auf diese Weise hervorragend steuern, eine angemessene Rollgeschwindigkeit vorausgesetzt.

Dazu passend wurde das Leerlaufverhalten der Triebwerke verbessert. Es genügt, die Boeing kurzzeitig mit etwas Schub in Bewegung zu setzen. Anschließend kann man die Triebwerke auf Idle zurückziehen – sie rollt mit nahezu konstanter Geschwindigkeit weiter und wird kaum langsamer. Das ist eine echte Verbesserung zum Vorgänger!

Automatischer und manueller Flug

Die Bedienung und die Ausstattung sämtlicher Instrumente hat sich gegenüber der alten 737NGX nicht verändert. Lediglich ein paar rudimentäre Funktionen des Aircraft Communications Addressing and Reporting Systems (ACARS) werden jetzt zusätzlich simuliert, wie es zuvor bei der 747-8 der Fall war. Wer mit der Bedienung des Vorgängers vertraut ist, kommt mit der 737NGXu sofort klar, ohne eine einzige Seite des Handbuchs lesen zu müssen.

Das Fluggefühl ist vertraut, von den neuen Sounds und Effekten einmal abgesehen. Diese Boeing lässt sich weiterhin hervorragend manuell fliegen und fühlt sich angemessen träge an. Dennoch behaupte ich, dass an einigen Stellen die Flugdynamik verbessert wurde. So ist der Bodeneffekt nicht mehr ganz so ausgeprägt wie bisher und Landungen gelingen jetzt (noch) besser.

Fazit

Die 737NGX war zurecht viele Jahre lang die Referenz im Bereich der Kurzund Mittelstrecken-Jets. Aber die Konkurrenz schlief nicht und die A320X von Flight Sim Labs (FSL) www.flightsimlabs.com (FS MAGAZIN 6/2016) konnte ihr schließlich den Rang ablaufen.

Nun hat PMDG das Beste aus all ihren Produkten zusammengeführt und daraus ein neues Produkt kreiert: Die 737 NGXu. Damit holt sie sich nicht unbedingt den Thron zurück, ist aber wieder auf Augenhöhe mit der A320 und bildet quasi eine Doppelregentschaft…

Die alte 737NGX war zum Zeitpunkt ihres Erscheinens perfekt, die neue 737NGXu ist wieder perfekt. Das einzige, was sich über die Jahre geändert hat, ist unsere Definition von Perfektion. PMDG hat dies erkannt und nachgebessert. Diese 737NGXu ist wie ein neues Modell eines alten Autos: Es ist schicker, erstrahlt im neuen Glanz und hat ein bisschen mehr „Schnickschnack” zu bieten. Das acht Jahre alte Modell in der Garage tut es immer noch. Erst recht, wenn es nur ab und zu für eine Spritztour ausgeführt wird…

Die komplett überarbeitete Neuauflage der 737 von PMDG hat wie ihre Vorgängerin den Tipp der Redaktion verdient!

Frank Schmidt redaktion@fsmagazin.de

Unser langjähriger Autor fliegt seit 1999 am PC. Er begann seine Reviewtätigkeit bei simFlight.de.

Das Cockpit der 737NGXu ist weitgehend gleich zu dem der 737NGX – nur das neu installierte EFB und neue Schalter wie die Parkbremse fallen auf.