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Fokus: Konflikte lösen mit unserer inneren Kämpferin: Wir KÖNNEN auch anders!


petra - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 03.12.2020

Immer noch lassen wir uns viel zu oft viel zu viel gefallen. Höchste Zeit, SOUVERÄN UND SELBSTBEWUSST für uns einzustehen. Nebeneffekt: mehr Präsenz und Charisma


Artikelbild für den Artikel "Fokus: Konflikte lösen mit unserer inneren Kämpferin: Wir KÖNNEN auch anders!" aus der Ausgabe 2/2021 von petra. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: petra, Ausgabe 2/2021

Neulich war es mal wieder so weit: Ich stand in meinem Viertel mitten in Hamburg auf dem Bürgersteig und lächelte dämlich vor mich hin. Dabei war mir überhaupt nicht nach Lächeln zumute. Im Gegenteil: Ich war stinksauer und hätte meine Wut am liebsten laut herausgebrüllt. Der Grund für meine miese Laune ist schnell erzählt: An jenem Morgen brauchte ich frisches Brot und stellte mich brav ans Ende der Schlange, die sich vor der Bäckerei ...

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... gebildet hatte. Seit der Corona-Krise dürfen nur zwei Kunden gleichzeitig in den Laden. Als ich an der Reihe war und gerade meinen Fuß hineinsetzen wollte, eilte ein junger Mann mit Kleinkind an der Hand an mir vorbei Richtung Verkaufstresen. Ich begriff noch gar nicht richtig, was passiert war, da rief er mir ein „Sorry“ zu. Und versprach: „Es geht ganz schnell! Mein Sohn hat schrecklichen Hunger.“ Statt laut und deutlich zu sagen, was ich dachte, nämlich: „Ich hab auch Hunger!“ Und:„Stell dich ge fälligst hinten an!“, schwieg ich und spürte, wie ich nickte und sich mein Mund ungewollt zu einem Lächeln verzog. Innerlich kochte ich – über die Situation – aber auch darüber, dass mir im entscheidenden Moment mal wieder die Worte fehlten und ich nicht in der Lage war, meinem Unmut Ausdruck zu verleihen. Ich weiß, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin. Offensiv für sich einzustehen, Bedürfnisse zu äußern und Ärger nicht einfach runterzuschlucken, das gelingt nur wenigen Frauen. „Wir fürchten immer noch, gleich für hysterisch gehalten zu werden, wenn wir mal mit der Faust auf den Tisch hauen“, sagt Katrin Klewitz. Sie ist Kampfchoreografin und Expertin für Konfliktmanagement. In ihrem Buch „So sehen Siegerinnen aus“ hat sich die 39-Jährige damit befasst, wie wir es dennoch schaffen können, uns zur Wehr zu setzen. Dafür hat sie weibliche Heldinnen und Kämpferinnen, die wir von der Bühne oder aus Filmen kennen, genau angeschaut und analysiert. „Es ist nicht schlimm, wenn uns in einem überraschenden Konflikt die Worte fehlen. Wir verwechseln Konfliktfähigkeit oft mit Schlagfertigkeit. Dabei gibt es viele andere weibliche Waffen, mit denen wir Angriffen entgegentreten können.“ Die richtig einzusetzen, so die Expertin, könne man mit ein bisschen Training lernen. „Voraussetzung dafür ist, dass wir bereit sind, den Konflikt auszuhalten, und nicht gleich die Flucht antreten.“

Unsere Expertin Katrin Klewitz gibt unter anderem Seminare in Konflikt-Management


DIE KRIEGERIN

Denken wir an Éowyn aus „Der Herr der Ringe“. Sie ist eine Frau mit eigenem Willen, der egal ist, was andere über sie denken oder sagen. Sie wagt es, über ihren Schatten zu springen und neue Wege zu gehen. Sie verfolgt ihre Ziele nicht nur mit dem Schwert, sondern auch mithilfe von Intuition, Mut und Verstand, wodurch es ihr oft gelingt, den Kampf für sich zu entscheiden.

WAS WIR VON IHR LERNEN KÖNNEN

Häufig schrecken wir davor zurück, Konflikte offen auszutragen, weil wir Angst haben, das Gesicht zu verlieren oder uns lächerlich zu machen. Die Kriegerin geht entschlossen in Situationen hinein. Sie ist sich ihrer Stärke bewusst, kann auch mit Niederlagen umgehen.

MÖGLICHE KONFLIKTSITUATION

Sie gehen an zwei Arbeitskollegen vorbei, die Sie nicht besonders mögen, weil sie oft doofe Sprüche bringen. Auch diesmal. Beide lachen und fühlen sich eindeutig überlegen.

DIE WAHL DER WAFFEN

Die Kriegerin bleibt stehen, atmet tief durch und nimmt Haltung an: Sie strafft die Schultern, dreht sich langsam um. Sie steht aufrecht mit gutem Kontakt zum Boden und sieht ihren Angreifern mit klarem Blick in die Augen. Egal was sie sagen, sie bricht den Blickkontakt nicht ab, bis es den beiden unangenehm wird. Und das wird es. Erst dann geht sie weiter.

AB INS TRAININGSLAGER

Ein sicheres Standing ist die Grundlage, um sich für Konflikte zu wappnen und ihnen nicht auszuweichen. Üben Sie, gerade zu stehen. Atmen Sie mit geschlossenen Augen ein. Beim Ausatmen öffnen Sie die Augen und stellen sich vor, wie Sie Ihren Angreifer direkt anblicken.


„ Mit einem sicheren Standing wappnen wir uns für Konflikte “


DIE JÄGERIN

Sie ist auf der Pirsch, kennt die Umgebung und die Rückzugsorte der Tiere. Sie bewegt sich leise, ist aufmerksam und eine gute Beobachterin. Ihre wichtigste Eigenschaft ist Geduld.

WAS WIR VON IHR LERNEN KÖNNEN

Konfliktsituationen können von jetzt auf gleich entstehen. Die Jägerin ist vorbereitet. Sie kennt ihre Gegner, nimmt sie ernst. Sie agiert leise, so kommen ihre Angriffe überraschend. Aber sie weiß auch: Nicht jede Auseinandersetzung lohnt sich. Lieber spart sie ihre Kraft für Themen, die ihr wirklich am Herzen liegen.

MÖGLICHE KONFLIKTSITUATION

Auch hier fühlen wir uns von den Kollegen, an denen wir vorbeigehen, und die dabei einen dummen Spruch bringen, provoziert.

DIE WAHL DER WAFFEN

Die Jägerin trägt so einen Konflikt auf ihre Art aus: leise, aber deutlich. Sie nimmt die Angreifer wahr, ist präsent, sieht sie bewusst an, geht dabei aber weiter. Sie durchschaut die Männer und weiß, dass sie nur angegriffen wird, weil sich die anderen von ihr bedroht fühlen.

AB INS TRAININGSLAGER

Machen Sie sich bewusst, aus welchen Motiven heraus Menschen andere provozieren. Wir kennen das aus der Tierwelt: Konflikte entstehen, weil sich ein Tier von einem anderen bedroht fühlt. Bei Menschen ist das nicht anders. Vielleicht fühlen sich die Kollegen von der Kollegin bedroht, weil sie wissen oder ahnen: Sie ist kompetenter als sie selbst. Neid, Konkurrenz und Missgunst sind oft Gründe, warum Menschen anfangen, um sich zu beißen, und auf diese Weise versuchen, den potenziellen Feind in die Flucht zu schlagen.

Zum Weiterlesen Katrin Klewitz’ Buch „So sehen Siegerinnen aus. Konflikte meistern durch Balance, Haltung und Selbstvertrauen“ ist ein Ratgeber mit vielen praktischen Übungen (Lübbe, 18 Euro)


DIE KAMPF-ELFE

Sie braucht kein Schwert und keinen Schild, um ihren Zauber zu entfalten. Sie setzt auf Wirkung statt auf Körperkraft, flattert gut gelaunt durch die Lüfte und überrascht ihre Angreifer mit ihrem ganz besonderen Charme.

WAS WIR VON IHR LERNEN KÖNNEN

Sie nimmt in Konflikten, was da ist, und besinnt sich auf ihre Stärken: Mit Leichtigkeit und mit einem Lächeln gelingt es ihr, die Energie ihres Angreifers umzuwandeln und für ihre Zwecke zu nutzen. Sie bleibt freundlich und empathisch, auch wenn ihr Gegenüber ein Ekel ist, lässt sich aber nicht in die Tasche stecken.

MÖGLICHE KONFLIKTSITUATION

Eine Kollegin stellt Sie durch unpassende Fachfragen vor versammelter Mannschaft immer wieder bloß und lässt sie auflaufen.

DIE WAHL DER WAFFEN

Ein Elfen-Zauber lautet: Verschiebe den Fokus! Sie setzen der negativen Energie Ihres Gegenübers nichts entgegen, sondern wandeln sie um. Freundlich, aber bestimmt kontern Sie mit Sätzen wie: „Das sind genau die Fragen, die ich mir auch schon gestellt habe. Danke, dass du mitdenkst.“ Oder: „Das Thema wollte ich gerade mit dir erörtern. Wie ist denn deine Meinung dazu?“ Hex-hex! Schon genießen Sie den überraschten Gesichtsausdruck des Angreifers.

AB INS TRAININGSLAGER

Überlegen Sie vor Meetings (auch vor digitalen) oder vor Veranstaltungen, wie Sie wirken wollen. Schließen Sie die Augen und holen Sie sich durch innere Bilder diese Emotion, zum Beispiel Freude und Leichtigkeit. Wenn Sie dann ins Meeting gehen, versuchen Sie das Gefühl beizubehalten, egal was passiert.

DIE SCHÜTZIN

Sie steht erhöht oder im Verborgenen. Sie kann aus der Ferne treffen, oder sie holt den Angreifer im Nahbereich von den Füßen. Sie handelt ruhig und souverän. Sie weiß, wie wichtig Timing ist, damit ihr Schuss ins Schwarze trifft.

WAS WIR VON IHR LERNEN KÖNNEN

Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir uns auf unser Ziel fokussieren, auch wenn es noch so weit weg ist. Die Schützin in uns weiß: Gut Ding will Weile haben. Sie hilft uns auch über eine große Distanz, Dinge zu erreichen.

MÖGLICHE KONFLIKTSITUATION

Auch innere Konflikte müssen bewältigt werden. Vielleicht wünschen Sie sich einen neuen Job inklusive Beförderung. Sie wissen aber (noch) nicht, wie Sie es schaffen können, Ihren Wunsch zu verwirklichen.

DIE WAHL DER WAFFEN

Als Schützin nehmen Sie Ihr Ziel ins Visier, schreiben Sie es auf, egal wie unwahrscheinlich es ist, und definieren es dabei in einem Wort. Die Schützin macht sich Gedanken über den Grund: Warum will sie diese bestimmte Sache, den neuen Job unbedingt erreichen? Was verspricht sie sich davon? Fühlt sie sich mit ihrem „Warum“ wohl? Das sollte sie, denn das ist ihr Motor, ihre Motivation, um weiterzumachen, auch wenn sie Rückschläge erlebt. Wichtig auch zu klären: Ist es der richtige Zeitpunkt, um den Schuss abzugeben?

AB INS TRAININGSLAGER

Fangen Sie an, Ihre Träume regelmäßig zu visualisieren. Das hilft dabei, Ihr Tun in die richtige Richtung zu lenken und so dem Ziel näherzukommen. Lassen Sie sich von Hindernissen nicht entmutigen, bleiben Sie fokussiert.

DIE RITTERIN

Sie ist Heldin in vielen Gestalten. In ihr vereinen sich alle Fähigkeiten der anderen Kämpferinnen: Sie ist mutig wie die Kriegerin, bedacht wie die Jägerin, ideenreich wie die Kampf-Elfe und effizient wie die Schützin.

WAS WIR VON IHR LERNEN KÖNNEN

Eine echte Ritterin kämpft nicht aus Wut. Sie denkt strategisch, studiert ihren Feind und rechnet sich ihre Chancen aus. Sie ist erfahren und weiß: Nicht jede Schlacht muss geschlagen – und erst recht nicht gewonnen werden. Sie hat erkannt: Auch Rückschläge gehören zum Leben, und sie ist deshalb wie die Schützin eine gute Verbündete, um Lebensziele zu erreichen.

MÖGLICHE KONFLIKTSITUATIONEN

Erste Situation: Sie haben eine Meinungsverschiedenheit mit einer Kollegin oder dem Partner. Die Fronten sind inzwischen schon verhärtet. Zweite Situation: Sie haben Ihr Ziel bereits avisiert und definiert. Nun können Ihnen Eigenschaften der Ritterin dabei helfen, ihm immer näherzukommen.

DIE WAHL DER WAFFEN

Erste Situation: Ruhiger Rückzug. Gut sind Sätze wie: „Wir sind uns gerade nicht einig. Das ist okay! Vielleicht kommen wir in ein paar Tagen zu einer guten Lösung.“ Zweite Situation: Von der Ritterin zur Heerführerin. Wenn Sie große Dinge stemmen wollen, brauchen Sie Mitstreiter aus Ihrem Umfeld.

AB INS TRAININGSLAGER

Erstellen Sie eine Liste mit möglichen Verbündeten. Wer kann helfen und wie? Sie werden überrascht sein, wie viele Ihnen einfallen.


FOTOS: DOMINIK KAPPELMEIER, GETTY IMAGES, TERRY SCHMIDBAUER/STOCKSY UNITED; ILLUSTRATIONEN: MIRA SCHMIDT; TEXT: INKEN BARTELS