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FOKUSSIERER


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 26.08.2022

Dynaudio Focus 10

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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 6/2022

AUDIO TEST

6.2022

ausgezeichnet

(91 %)

Dynaudio Focus 10

www.likehifi.de

In dieser „Fokus“-Ausgabe zum Thema Aktiv- und Studiolautsprecher darf natürlich ein Vertreter aus der Neuauflage von Dynaudios Aktivlautsprecher-Kollektion Focus nicht fehlen. Diese umfasst neben dem Flaggschiff-Standlautsprecher Focus 50 den Zwei-Wege-Standlautsprecher Focus 30 und das Kompaktmodell Focus 10. Auf der HIGH END 2022 wurde die fast komplett überarbeitete Serie auf einer groß angelegten Pressekonferenz vor internationaler Presse von den Dynaudio Managern Michael Cordt Møller (VP EMEA Vertrieb) und Otto Jørgensen (Training Manager) höchstpersönlich vorgestellt. Dies sollte tatsächlich unser erster Pflichttermin auf der Messe gewesen sein und doch schaffte es die neue Dynaudio Focus, sich nachhaltig in unser Gedächtnis zu spielen. Denn trotz der Fülle an darauf folgenden Messehighlights, bestand gleich ...

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... unsere erste Amtshandlung bei der Rückkehr ins Büro darin, das Testmuster des kompakten Focus 10 Modells direkt bei Dynaudio anzufordern. Diesen High-End-Streaming-Lautsprecher, der Klangqualität auf Tonstudio-Niveau verspricht, wollten wir unbedingt gleich austesten und für diese Ausgabe der AUDIO TEST hat es inhaltlich gleich doppelt gut gepasst!

Focus 10

Gesagt, getan und so haben wir die Dynaudio Focus 10 für diese Ausgabe zu uns gebeten und tatsächlich gerade noch rechtzeitig vor Redaktionsschluss einspielen und ausprobieren dürfen. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an Jan Kretschmer, Director der Dynaudio Germany GmbH, der uns hier noch in letzter Sekunde ein Testmuster zukommen ließ. Dieses erreicht uns in der Ausführung mit weißem Klavierlack, die alternativ zu den Farben Schwarz, Blonde Wood und Walnuss erhältlich ist. In allen vier Ausführungen spricht der mit gerade mal 31,5 Zentimetern Höhe auf einer Grundfläche von 18 mal 26,1 Zentimetern im wahrsten Sinne des Wortes kompakte Lautsprecher eindeutig die dänische Designsprache. Klar und schnörkellos ist der Speaker aufgezogen. Stilsicher und elegant ist er als waschechter Dynaudio unverkennbar.

Cerotar und Esotec

Ins Auge fällt zunächst die ausladende Frontplatte des Hochtöners aus gebürstetem Aluminium, in welche der 2,8 Zentimetern weite Soft Dome Tweeter namens Cerotar eingelassen ist. Dieser verfügt über Dynaudios hauseigene Hexis-Technologie, eine innenliegende Kuppel, die den Luftstrom hinter der Membran präzisiert und somit den Frequenzgang glättet und ungewünschte Resonanzen eliminiert. Als Antrieb dient ein überarbeitetes Magnetsystem mit einer Materialkomposition aus Strontiumcarbonat, Ferrit und Keramik, welche die Sensibilität des Treibers und den Detailreichtum seiner Performance deutlich erhöhen will.

Komplementär dazu kommt als Tief-/Mitteltöner ein Esotec+ Chassis von 14 Zentimetern Durchmesser zum Einsatz. Dieses vertraut übrigens auf Erkenntnisse des Herstellers aus der Entwicklung der eingangs erwähnten Contour-Kollektion. Die Membran besteht hier aus einem Magnesium-Silikat-Polymer und ist in einem verwindungssteifen Aluminiumdruckgusskorb eingelassen. Das integrierte Doppelmagnetsystem wird dank einer Polkernbohrung durchlüftet und treibt die für diesen Treibertyp charakteristische Aluminium-Schwingspule an. Eine DSP-basierte, also digital agierende Frequenzweiche trennt das Signal bei einer Übergangsfrequenz von 2,2 kHz in beide Wege auf. Insgesamt kommt der Dynaudio Focus 10 Aktivlautsprecher somit auf einen für sein Format doch recht stolzen Frequenzumfang von 22 Hz bis 36 kHz.

Darüber hinaus kann sich auch die Power, mit welcher der Speaker zu Werke geht, sehen lassen. Beide Treiber werden nämlich separat von einem eigenen Verstärker angetrieben! Der für Bässe und Mitteltonbänder zuständige Esotec+ wird mit satten 280 Watt in Bewegung versetzt und der Cerotar bekommt eine Leistung von ganzen 110 W spendiert. Ganz ordentlich. Die Verstärker arbeiten beide in Class-D-Manier und kommen aus der ebenfalls Dänischen Verstärkerschmiede Pascal. Zum Schutz der verbauten Hardware hat Dynaudio angesichts des hohen Potenzials des Focus 10 einen Schutzmechanismus installiert. Ein automatisches Ausfallsicherungssystem, das anhand eines gleitenden Hochpassfilters bei hohen Pegelspitzen die Auslenkung des Esotec reduziert und somit vor Schaden schützt. Ganz clever.

Auch nicht ganz unwichtig: Die Stromrechnung ist dank automatischen Standbys gut geschützt, denn in diesem verbraucht der Aktivlautsprecher weniger als ein halbes Watt. In der Vollauslastung fordern die Dynaudio Focus 10 maximal 280 Watt an.

Anschlüsse

Kommen wir von der Vorderseite zur Rückseite des Speakers und werfen einen Blick auf dessen Anschlussfeld. Hierbei muss zunächst erwähnt werden, dass der Focus 10 im Primär-/Sekundärprinzip arbeitet. Soll heißen, dass bei einem Stereopaar ein Lautsprecher als zentraler Taktgeber fungiert, dem sich der andere Speaker dann unterordnet. Daher unterscheiden sich die Bedienfelder auf der Rückseite zweier kollaborierender Dynaudio Focus 10 logischerweise. Für uns interessanter ist zunächst freilich das Terminal des Primär-Lautsprechers. Hier finden wir einen analogen Cinch-Input. Ein optischer Eingang ist dabei ebenso vorhanden wie ein digitaler Cinch-Anschluss. Außerdem gibt es einen Mono-Output zur Kopplung eines Subs. Zudem finden wir noch eine Ethernet-Buchse für die Netzwerkkopplung und einen USB-A-Slot. Dieser dient jedoch lediglich zu Service-Zwecken.

Neben den Anschlüssen sind gleich drei Drucktaster mit dem Label „Pairing“ versehen. Was Sinn ergibt, denn einer dient der Kopplung mit dem Sekundärlautsprecher, einer der Bluetooth-Verbindung und der dritte der WiFi-Einbindung. Der Sekundärlautsprecher selbst verfügt nur über den Schalter zur Lautsprecherkopplung und einen Koaxial-Eingang, sowie den Service-Anschluss.

Installation

Für die Aufstellung eines Paares Focus 10 empfehlen wir freilich die Verwendung von gewichteten Lautsprecherständern im Gegensatz zu Bücherregalen oder Ähnlichem. Einfach aufgrund der höheren Flexibilität bei Positionierung und Ausrichtung. Dabei sollte im Idealfall der Abstand beider Lautsprecher zueinander größer sein als der Abstand zur Hörposition, der wiederum zu beiden Lautsprechern identisch sein sollte, um auf ein späteres Balancing verzichten zu können. Auf den Hörplatz eingedreht werden müssen die Speaker nicht unbedingt, wobei hier schließlich auch der individuelle Geschmack des Hörers das letzte Wort haben sollte. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass Dynaudio für eine optimale Performance des Focus 10 Aktivlautsprechers eine möglichst freistehende Aufstellung empfiehlt, sodass der Abstand zu umliegenden Wänden mindestens (!) einen halben Meter beträgt. Ist das erfolgt können die beiden Speaker eingeschaltet werden. Primär- und Sekundärlautsprecher sollten nun selbstständig Verbindung zueinander aufnehmen, was in unserem Falle reibungslos funktioniert.

Software

Weiter geht’s mit der softwareseitigen Einrichtung. Hierfür wird die hauseigene Applikation „Dynaudio Set-Up and Control App“ benötigt, welche für iOS und Android kostenfrei in den jeweiligen Stores zur Verfügung steht. Die App finalisiert mit uns die Einrichtung der Focus 10, indem sie etwa ins WiFi-Netzwerk eingebunden werden. Außerdem lässt sich via Dirac-Live eine komplexe akustische Raumausmessung vornehmen, infolgedessen ein individuelles Filterprofil für den jeweiligen Hörraum erstellt und auf den Speaker angewendet wird. Unter Umständen müssen Lizenz und Messmikrofon jedoch leider bei Dirac extra geordert werden. Eine weitere tolle Funktion, mit der die aktiven Focus aufwarten können, hört auf das griffige Akronym WiSA (Wireless Speaker and Audio). WiSA-kompatible Signalquellen werden dabei kabellos Audiosignal an bis zu acht Kanäle mit einer Qualität von bis zu 24 Bit auf 96 kHz ausgegeben. Somit ließen sich zwei Modelle Focus 10 frei mit anderen Lautsprechern kombinieren, um so ein heimkinofähiges Mehrkanal-Ensemble zu installieren.

Sound

Für unseren Test belassen wir es bei den Dynaudio Focus 10 jedoch im Stereobetrieb. Hierfür können wir bei Tidal über das Netzwerk direkt auf das Stereopaar zugreifen, was auch ohne Probleme funktioniert. Wir streamen das brandneue Album „Renaissance“ der Königin des Pop: Beyoncé. Und dass selbstverständlich in Masterqualität, sowie es sich gehört für die Grand Dame. Man kann von der neuen Beyoncé Platte halten, was man möchte – an den tanzbaren Uptempo House- und Disco-Nummern scheiden sich die Geister. Üppig und druckvoll ausproduziert ist sie allemal. Vielleicht hier und da ein wenig zu glatt. Aber dafür bestens geeigne-tes Material für einen modernen HiFi-Test. Denn saftige Beats treffen hier auf bunte und sehr diverse Texturen verschiedenster Coleur. Alles in allem für Kompaktlautsprecher keine leichte Kost. Aber Dynaudios Focus 10 brillieren hier auf ganzer Linie. Die Bässe sind erstaunlich straff und satt, mit viel Kontur und sehr kontrolliert, ohne gebremst zu klingen. Obenrum kommt der Sound sehr spritzig daher. Der Däne zeigt sich alles andere als skandinavisch unterkühlt, sondern sehr spielfreudig und leichtfüßig. Etwa beim Song „HEATED“, der auch mal mit etwas Zerre auf den gerappten Vocals aufwartet, zeichnet der Kompaktlautsprecher sehr hochauflösende Texturen. Vor allem am Ende des Titels, wenn Beyoncé Knowles eine angeschmutzte Rap-Einlage gibt, folgt ein schöner analoger Sound des Mixes auf den sehr präzisen und auf Hochglanz polierten Satzgesang.

Auch bei etwas luftiger gemasterten Titeln zeigt sich der Dynaudio Focus 10 sehr feinfühlig und spielfreudig. Etwa bei „Take Five“ vom Dave Brubeck Quartet, dem wohl bekanntesten 5/4-Stück der Musikgeschichte. Gleichwohl auch eines der bekanntesten und meistverkauften Jazz-Stücke ever. Hier ist ordentlich Luft zum Atmen zwischen den Rides, sanften Snares, dem Piano und dem Sax, dessen hoher Rauschanteil von den Focus 10 mit hoher Plastizität übersetzt wird. Trotz der luftigen Wiedergabe droht der Mix an keiner Stelle auseinanderzufallen, sondern wird stets mit höchster Konzentration interpretiert. Dabei geben sich unsere Prüflinge äußerst talentiert, was den Umgang mit Dynamik angeht. Gerade das Schlagzeugsolo von Joe Morello ist nur halb so lebendig, wenn die mikrodynamischen Schwankungen nicht aufs Präziseste übertragen werden. Was Dynaudios aktiven Focus 10 ohne große Schwierigkeiten gelingt. Das macht einfach Spaß und so springen wir die nächsten Stunden weiter durch unsere Tidal HiFi Plus Playlist, füttern die Focus 10 mit elektronischer Musik, Blues oder klassischem Rock. Kein Genre, kein Stück bringt sie hier aus der Fassung. Ein echter aktiver Universalist: Top-Technik trifft hier auf Top-Klang. Auch wenn 5 000 Euro Paarpreis für kompakte Aktivlautsprecher nich wenig sind: Sie sollten diese Lautsprecher bei der nächsten Kaufentscheidung – oder dem nächsten Fachhändlerbesuch – definitiv im Fokus haben!