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Forbes Top-100-Ranking: Das sind die heißesten Cloud-Startups


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 18.08.2022
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Der Höhenflug der Cloud-Startups scheint sich in diesem Jahr zu verlangsamen. Nachdem bei Investoren und Hedgefonds das Geld in den vergangenen Jahren offenbar locker saß, werden die Geldgeber nun vorsichtiger. Das spiegelt sich im aktuellen Forbes-Cloud-100-Ranking wider, das bereits zum siebten Mal veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit Bessemer Venture Partners und Salesforce Ventures hat eine Jury die Unternehmen anhand verschiedener Kriterien bewertet – nicht nur auf Basis der Firmenbewertung, sondern auch anhand von Faktoren wie Wachstum, Umsatz, Kultur und Reputation.

Die wirtschaftlich unsicheren Zeiten infolge des Krieges in der Ukraine, der zunehmend aggressiveren Haltung Chinas gegenüber Taiwan, anhaltend hoher Inflationsraten und Rezessionsängsten gehen auch am Cloud-Markt nicht spurlos vorüber. Von den elf Unternehmen aus dem Vorjahres-Ranking, die den Gang aufs Börsenparkett gewagt haben, werden alle mittlerweile deutlich unter ihrem Listenpreis gehandelt, so die Bilanz von Forbes. Auch in den Reihen der hoch gehandelten Startups wächst die Vorsicht. Wie viele große IT-Anbieter denken auch etliche Verantwortliche der aufstrebenden Cloud-Spezialisten über Entlassungen nach.

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Von einem Absturz oder einer regelrechten Krise zu sprechen, wäre allerdings übertrieben. Die Top 100 der privat gehaltenen Cloud-Überflieger werden zusammen mit 723,5 Milliarden Dollar bewertet – ein Plus von über 40 Prozent im Vergleich zur Liste des vergangenen Jahres (514 Milliarden Dollar). Das ist allerdings eine Momentaufnahme. Da die Kurse der börsennotierten IT-Anbieter seit einigen Monaten stark unter Druck stehen und teilweise massiv eingebrochen sind, schwanken auch die Bewertungen der Cloud-Startups.

Die Liste ist wie in den Jahren zuvor stark US-lastig. Über 80 der im Forbes-Ranking geführten Cloud-Startups kommen aus den USA. Deutschland liegt mit Großbritannien gleichauf und mit vier vertretenen Unternehmen auf Platz zwei im Länder-Ranking. Australien, China, Finnland, Indien, Kanada und die Niederlande sind mit jeweils einem Unternehmen vertreten. Wenig geändert hat sich daran, dass auch die Startup-Szene eine Männer-Domäne bleibt. Lediglich acht der 100 Startups werden von Frauen geführt. Im vergangenen Jahr war die Quote mit sechs Frauen-geführten Unternehmen allerdings noch schlechter.

Wenig Dynamik: Spitzen-Trio hält sich

Dass alle Akteure etwas vorsichtiger agieren, lässt sich auch an einer geringeren Dynamik im Ranking ablesen. Insgesamt gab es in diesem Jahr 20 Neuzugänge, deutlich weniger als 2021 – da waren es immerhin 34. Auf den ersten drei Plätzen hat sich im Jahresvergleich nichts verändert. Das sind die Top Ten der Forbes Cloud 100 im Jahr 2022, die zusammengerechnet auf eine Marktkapitalisierung von über 250 Milliarden Dollar kommen (2021: gut 200 Milliarden Dollar):

Stripe: Die Poleposition behauptet Stripe. Der 2009 gegründete Anbieter von Software für das Onlinepayment stagniert bei einem Marktwert von 95 Milliarden Dollar. 2020 waren es noch 35 Milliarden Dollar. Damit ist die Cloud Company mehr wert als die deutschen Traditionsunternehmen Volkswagen oder Siemens. Stripe profierte vor allem von dem Onlineshoppingboom während der Coronapandemie. Zuletzt belief sich der über Stripe abgewickelte Zahlungsverkehr auf 640 Milliarden Dollar im Jahr. Forbes zufolge verbuchte das Unternehmen 2021 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar und wirtschaftete profitabel. Zu den Hauptinvestoren gehören Sequoia Capital, Andreessen Horowitz und Tiger Global.

Databricks: Das 2013 von den Initiatoren des Apache-Spark-Projekts gegründete Startup wird derzeit mit etwa 38 Milliarden Dollar bewertet, rund zehn Milliarden Dollar mehr als im vergangenen Jahr. Hauptprodukt ist eine cloudbasierte Daten-Management-Plattform inklusive KI-, Data-Warehouse- und Data-Lake-Funktionen. Rund 7.000 Kunden nutzen mittlerweile die Datenplattform. Die Einnahmen des Startups sollen im laufenden Jahr etwa eine Milliarde Dollar erreichen. Zu den Investoren gehören neben Andreessen Horowitz, Franklin Templeton und Morgan Stanley die Investorenarme von Alphabet, AWS, Microsoft und Salesforce.

Canva: Das im australischen Sydney beheimatete Softwareunternehmen wird 2022 deutlich besser bewertet als noch im vergangenen Jahr. Das von Melanie Perkins geleitete Unternehmen wird derzeit mit 40 Milliarden Dollar bewertet (2021: etwa 15 Milliarden Dollar). Canva hat eine Grafikdesign-Plattform entwickelt. Anwender können per Drag-anddrop visuelle Inhalte zusammenstellen. Mit enthalten sind auch Vorlagen, Bilder und verschiedene Grafikelemente. Die Nutzerbasis wuchs zuletzt von 60 auf 85 Millionen weltweit. 2019 griffen Hacker das 2012 gegründete Startup an und erbeuteten Daten von fast 140 Millionen Nutzern. Zu den Investoren gehören Sequoia Capital, Blackbird Ventures und Felicis Ventures.

Miro: Das 2011 vom russischen Unternehmer Andrey Khusid gegründete Startup ist der Aufsteiger des Jahres. Miro machte im Vergleich zum Ranking des vergangenen Jahres 32 Plätze gut und landete mit einer Bewertung von 17,5 Milliarden Dollar auf Rang vier. Die Hauptstützpunkte des Startups liegen mittlerweile in San Francisco und Amsterdam. Miros Collaboration-Tools nutzen heute etwa 39 Millionen Kunden weltweit, darunter Schwergewichte wie Dell, Kpmg und Under Armour. Als Russland im Februar in die Ukraine einmarschierte, wurde der Ursprung des Unternehmens zu einer Belastung. Die Ver- antwortlichen von Miro kündigten daraufhin die Schließung ihres russischen Büros an und stellten den Verkauf in dem Land ein. „Wenn man in sehr kurzer Zeit sehr schwierige Entscheidungen treffen muss, hat niemand einen Leitfaden dafür“, sagte Grisha Pavlotsky, Leiter des operativen Geschäfts. „Wir glauben, dass wir das Richtige getan haben.“ Zu den Investoren gehören Accel, Bradley Horowitz und Salesforce Ventures.

Figma: Das 2012 gegründete Startup aus San Francisco verbesserte sich von Platz sieben auf fünf und kommt aktuell auf einen Marktwert von etwa zehn Milliarden Dollar, nur wenig mehr als vor einem Jahr (9,8 Milliarden Dollar). 2020 wurde das Unternehmen mit zwei Milliarden Dollar bewertet. Kernprodukt ist eine webbasierte Grafiksoftware, für die es Offline-Komponenten (MacOS und Windows) sowie Apps für Android und iOS gibt. Im April 2021 kamen Whiteboard-Funktionen für mehr Collaboration hinzu. Kunden der Tools sind unter anderen Airbnb, BMW und Zoom. Forbes zufolge erzielt das Startup bereits mehr als die Hälfte seiner Einnahmen außerhalb der USA. Seit Juni 2022 kooperiert das Startup mit Google in den Geschäftssparten Education und Chromebooks. Zu den Investoren gehören Sequoia Capital, Kleiner Perkins und Andreessen Horowitz.

Airtable: Das Startup bietet seit 2012 Collaboration-Tools aus der Cloud an. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Tabellenkalkulation und Datenbank, inklusive einer Low-Code-Plattform, um eigene Apps zu entwickeln. Das Unternehmen kommt derzeit auf eine Bewertung von 11,7 Milliarden Dollar. Der aus China stammende Gründer und CEO Howie Lu brachte sich mit 13 Jahren das Programmieren bei und verkaufte mit 21 sein erstes Startup Duke an Salesforce. Airtable wird unter anderem von Firmen wie Amazon und Nike genutzt. Zu den Investoren gehören XN, Franklin Templeton und J.P. Morgan.

Deutsches Quartett im Top-100-Cloud-Ranking

Im diesjährigen Top-100-Cloud-Ranking von Forbes finden sich auch vier deutsche Unternehmen – im vergangenen Jahr waren es drei deutsche Startups, die es in die Liste geschafft haben. An die Top Ten klopft Celonis an. Die Münchner verbesserten sich im Jahresvergleich von Platz 20 auf elf. Allerdings stagniert die Marktbewertung bei rund elf Milliarden Dollar. Die Münchner werden bereits zum vierten Mal in der Cloud-Liste von Forbes geführt. Der Anbieter von Lösungen für Process Mining und Execution Management analysiert Prozesse in Unternehmen und hilft Kunden dabei, ihre Abläufe mithilfe von Daten und Künstlicher Intelligenz neu zu konzipieren und zu optimieren. Auf der Kundenliste stehen namhafte Firmen wie BP, Dell und Siemens. Zu den Investoren, die Celonis 2021 über die Zehn-Milliarden-Dollar-Marke hievten und damit zu einem sogenannten „Decacorn“ machten, zählen Durable Capital Partners und T. Rowe Price. Auch der Geldgeber Franklin Templeton ist mit an Bord. Deutlich verbessert hat sich auch das 2013 gegründete Berliner Startup Contentful – von Platz 71 im Vorjahr auf Rang 38. Das Unternehmen unterhält auch Niederlassungen in Denver und San Francisco. Der Anbieter einer cloudbasierten Content-Management-Plattform wird derzeit mit drei Milliarden Dollar bewertet – wie vor einem Jahr. Zuletzt stieg Tiger Global mit ein. Zu den weiteren Investoren gehören Sapphire Ventures, General Catalyst und Salesforce Ventures. Zu den Kunden zählen Chanel, Bang & Olufsen und Peloton.

Die Top 50 knapp verfehlt hat Mambu. Die Berliner verbesserten sich jedoch von Platz 77 im Jahr 2021 auf aktuell Rang 53. Im Gegensatz zu vielen anderen Startups konnte die Cloud-Banking-Plattform ihre Bewertung deutlich verbessern – von etwa zwei Milliarden Dollar im Vorjahr auf aktuell rund fünf Milliarden Dollar. 2011 wurde das Startup in Berlin gegründet. Mit seiner Banking-Software aus der Cloud adressiert Mambu Banken und Fintechs. Zu den Kunden gehören ABN Amro, Santander und N26. Investoren sind unter anderen TCV, Tiger Global, Arena Holdings und FT Partners. Einen fulminanten Neueinstieg in die Forbes-Liste schaffte Personio. Das wie Celonis aus München stammende Startup schaffte mit einer Bewertung von 8,5 Milliarden Dollar auf Anhieb Platz 69. Der 2015 gegründete Newcomer versorgt mit seiner vor allem für kleinere und mittelgroße Betriebe ausgelegten Personalsoftware aus der Cloud rund 6000 Kunden mit zusammen über 500.000 Beschäftigten. Zu den Investoren zählen Accel, Greenoaks Capital, Index Ventures und Meritech Capital Partners.

ServiceTitan: Das Startup aus dem kalifornischen Glendale verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahres-Ranking um einen Platz und wird aktuell mit 9,5 Milliarden Dollar bewertet, genauso viel wie 2021. Das 2007 gegründete Unternehmen bietet Handelssoftware für kleine und mittelgroße Unternehmen. Die Funktionen reichen von der Finanzverwaltung über Kundenmanagement bis hin zu Reporting und Marketinganalysen. Fast 12.000 Kunden nutzen das Tool. Jährlich werden rund 30 Millionen Deals mit einem Volumen von über 25 Milliarden Dollar über die Plattform abgewickelt.

Zu den Investoren gehören Tiger Global und Sequoia Capital.

Talkdesk: Das 2011 gegründete Startup, wie Miro und Airtable ein Neuzugang unter den Top Ten, offeriert eine cloudbasierte Contact Center Software. Aktuell wird das in Lissabon gegründete und heute in San Francisco beheimatete Unternehmen mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet. Zu den rund 1.800 Kunden der Software zählen IBM und Trivago. Investiert in das Startup haben unter anderem Storm Ventures, Draper Fisher Jurvetson und Salesforce Ventures.

Plaid: Das Startup, das wie 2021 auf Platz neun rangiert, hat eine Onlinebanking-Plattform gebaut, auf der Fintechs ihre Geschäfte abwickeln können. Dazu gehören unter anderem auch Funktionen, um Risiken zu bewerten beispielsweise bei Krediten. Fintech-Kunden können via Plaid ihre Konten verwalten und Zahlungen vornehmen. Der Marktwert des 2013 gegründeten Unternehmens liegt derzeit bei 13,4 Milliarden Dollar. Das entspricht der Vorjahresbewertung. 2020 lag der Marktwert etwa bei der Hälfte. Zu den Investoren gehören Andreessen Horowitz, New Enterprise Associates (NEA) und Index Ventures. Anfang 2020 hatte Visa angekündigt, Plaid für 5,3 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Der Deal wurde später abgeblasen, weil die US-Justizbehörden kartellrechtliche Bedenken äußerten.

Attentive: Das 2016 gegründete Unternehmen hat eine cloudbasierte SMS-Marketingund -Messaging-Lösung entwickelt. Die Nachrichten lassen sich dem Anbieter zufolge Kunden-spezifisch anpassen, je nach Kaufverhalten, Interessen oder dem Ort. Monat für Monat würden über das Tool rund 250 Millionen Endkunden mit insgesamt über einer Milliarde Nachrichten erreicht. Nach Platz 12 im vergangenen Jahr schaffte es das Startup 2022 unter die Top Ten. Die Bewertung liegt bei rund sieben Milliarden Dollar. Zu den Investoren gehören Bain Capital und Sequoia Capital.

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