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FORELLENSEE: MEHR ERFOLG AN KALTEN TAGEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 11.01.2019

Angelseen sind im Winter besonders beliebt – hier kann sich jeder während der Raubfischschonzeit an den stark kämpfenden Fischen ein wenig „abreagieren“. ForellenprofiMichael Kahlstadt gibt neun Tipps, damit auch Ihre Kühlbox beim nächsten Besuch am Teich voll wird.


Artikelbild für den Artikel "FORELLENSEE: MEHR ERFOLG AN KALTEN TAGEN" aus der Ausgabe 20/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 20/2019

Schneebedeckte Ufer und Randeis sind ideale Bedingungen, um am Forellensee richtig gut zu fangen.


„BEI DER SPOTWAHL MUSS MAN AUF DIE KLEINSTEN DETAILS ACHTEN.“


Regenbogenforellen stammen ursprünglich aus den sommerkühlen Bächen Nordamerikas und fühlen sich daher in kaltem, sauerstoffreichem Wasser besonders wohl. Deshalb ist der Winter die ...

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... ideale Zeit für einen erfolgreichen Ansitz am Forellensee. Allerdings sollte man beachten, dass sich der Stoffwechsel der Fische im kalten Wasser verlangsamt. Sie sind also weniger aktiv als in der warmen Jahreszeit und wechseln vom Jägerin den Sammlermodus. Entsprechend langsam sollte auch die Köderführung ausfallen. Wo im Herbst noch schnell geführte Köder die Salmoniden an den Haken brachten, reicht es jetzt beim Schleppen, den Köder mit einer Kurbelumdrehung zu führen. Auch stationär angebotener und stark riechender Teig fängt sehr zuverlässig.

Mit der Pose oder dem Köder an der Grundmontage sollte man unterschiedliche Tiefen abangeln, damit man die Forellen findet.


1 TIEFE TESTEN

Insgesamt empfiehlt es sich, im Winter mit der Angeltiefe zu experimentieren. Durch Sonneneinstrahlung, Quellen oder Windeinfluss kann es zu nicht vorhersehbaren Wasserschichtungen kommen, die sich teilweise von Tag zu Tag, beziehungsweise von Stelle zu Stelle ändern. So kann ich mich an Tage erinnern, an denen ich morgens früh etwa 50 Zentimeter über Grund gefangen habe, wogegen sich die Fische in der Mittagszeit nur zehn Zentimeter darüber aufhielten. Ein paar Tage später habe ich sie dagegen etwa zwei Meter über Grund wiedergefunden. Im Allgemeinen hat es sich bewährt, in kleinen Teichen frühmorgens mit der Köderpräsentation etwa 30 bis 50 Zentimeter über Grund zu beginnen, in großen, tiefen Seen dagegen etwa einen bis 1,5 Meter.

Eine Bienenmade, durch ein Stück Marshmallow aufgepoppt, ist der ideale Winterköder. Die Hakenspitze bleibt frei.


2 KLEINE KÖDER

Der Stoffwechsel der Forellen geht bei kaltem Wasser stark zurück. Daher benötigen sie im Winter weniger Nahrung. Deshalb empfehlen sich beim Schleppen kleine Spinnerblätter aus Forellenteig. Auch beim stationären Ansitz sind kleine Köder zumeist erfolgreicher als große. Eine Bienenmade und ein kleines Stück Marshmallow fangen in der Regel mehr Fische als eine große Styroporkugel und zwei oder drei Bienenmaden. Geheimtipp: Eine einzelne Made am 18er Häkchen.

Stationäre Bodentaster-Montage mit auftreibendem Köder: Das Bleischrot hält den Köder in der gewünschten Tiefe.


So sieht die Montage zum ganz langsamen Schleppen mit dem Bodentaster aus.


3 PASSIVES STATIONÄRES ANSITZANGELN UND AKTIVES SUCHEN MIT BODENTASTERN

Die auftreibende Montage mit dem Bodentaster ist für mich die erfolgreichste Wintermethode überhaupt und es gibt keinen Tag, an dem ich sie im Winter nicht benutze. Dazu fädelt man einen Bodentaster frei gleitend auf die Hauptschnur, lässt einen Zylinder- oder Posenstopper aus Kautschuk folgen und knotet anschließend eine Schlaufe ans Ende der Hauptschnur. In diese Schlinge schlauft man das Vorfach ein. Alternativ kann man auch einen Wirbel verwenden. Je nach Angeltiefe verwende ich dabei Vorfächer von 30 Zentimetern bis etwa zwei Metern Länge. Angle ich dicht über Grund, so benutze ich ein etwa 1,20 Meter langes Vorfach. Mit einem etwa 0,5 Gramm schweren Bleischrot auf dem Vorfach kann ich die Angeltiefe perfekt bestimmen. Das Blei legt sich auf den Boden, der Köder schwimmt auf und der Abstand zwischen Blei und Haken bestimmt so die Angelhöhe über Grund. Nach dem Auswerfen lege ich die Rute auf zwei Rutenhaltern so ab, dass die Spitze in Richtung Köder zeigt. Dann öffne ich den Rollenbügel und lege die Schnur unmittelbar unter der Rolle in einen „Forellenkletterer“ ein. Dieser Abwandlung des bekannten Affenkletterers ist besonders leicht und setzt dem Fisch beim Biss keinen Widerstand entgegen.
Bei extrem kaltem Wasser schwimmen die Forellen nur noch wenig herum. Nun suche ich die Fische mit dem Bodentaster. Dazu werfe ich die Montage aus und nehme dann die Rute zur Seite, sodass ein 90-Grad-Winkel zwischen Schnur und Rute entsteht. Die Montage und der Bodentaster sinken an gespannter Schnur ab und die Rutenspitze zeigt leicht in Richtung Montage. Entspannt sich die Rutenspitze, so ist der Bodentaster auf dem Grund angekommen. Diese Stellung behalte ich etwa zehn bis 15 Sekunden bei. Erfolgt kein Biss, so hole ich die Montage um eine Kurbelumdrehung ein. Dabei spannt sich die Rutenspitze wieder, weil der Bodentaster vom Grund aufschwimmt. Sinkt er abermals zu Boden, so entspannt sich die Rutenspitze erneut. 15 Sekunden Pause – wieder eine Kurbelumdrehung, und so weiter. Ich taste also den Boden ab. Zeitgleich fängt meine stationäre Montage die Fische, die sich bewegen. Als Rute empfiehlt sich ein leichter Winkelpicker mit etwa 25 Gramm Wurfgewicht und Wechselspitzen. Die weichste Spitze zeigt selbst feinste Bisse an. Oft ist es nur ein leichtes Zittern, ähnlich wie bei Rotaugen im Sommer, das einen Biss signalisiert. Auch die im Sommer üblichen rabiaten Bisse, bei denen der Fisch mit dem Köder im Maul abzieht, fehlen meist. An vielen Tagen nimmt die Forelle nur 20 bis 50 Zentimeter Schnur.

Mini-Marshmallows, getränkt mit einem Duftöl, bringen im Winter die Forellen an den Haken.


4 NATURKÖDER

Vor allem beim passiven Angeln sind im Winter duftende Naturköder oder auch Forellenpaste mit natürlichem Duft sehr erfolgreich. Neben Bienenmaden, Dendrobenas und Fleischmaden möchte ich hier das Angeln mit Rogen besonders hervorheben. Die Eierstränge entnehme ich schon im Herbst den Portions- und Lachsforellen und bestreue sie mit etwas Salz. Nach einer Nacht im Kühlschrank haben sie ihre Feuchtigkeit verloren und sind deutlich fester. Jetzt friere ich die Stränge einzeln in kleinen Plastikdosen ein. So vorbereitet kann ich sie portionsweise entnehmen und den Fischen anbieten. Am Wasser schneide ich von den halbgefrorenen Strängen daumennagelgroße Stücke ab und beködere damit den Haken. Damit lässt sich zwar nicht so weit werfen, aber für den Uferbereich langt es allemal. Übrigens: Für Saiblinge und oft auch für große Lachsforellen reicht es völlig, den Rogen auf Grund zu legen. Ansonsten nehme ich eine leichte Posenmontage.

Rogen ist ein absoluter Top-Köder in der kalten Jahreszeit.


5 DUFTÖLE UND MARSHMALLOWS

Forellen können sehr gut riechen, deshalb befische ich sie an der „Auftreibenden Montage“ mit duftenden Marshmallows und Bienenmaden. Den Zuckerschaum bietet Haribo als „Chamallows Mini“ für die Verwendung in Kaffee und Kakao an. Die Minis haben die perfekte Größe für die Verwendung als Forellenköder – besonders, wenn man sie noch aromatisiert. Wenn das Lebensmittelgeschäft in der Nähe die Minis nicht führt, kann man auch alle anderen Sorten benutzen; man muss sie nur kleiner schneiden. Zum Aromatisieren benutze ich am liebsten FTM Kadaveröl. Von dieser grausig riechenden Substanz reichen zehn bis 15 Tropfen auf eine Handvoll Chamallow Minis. Ähnlich gut sind auch Heilbutt- und Leberöl.

Zittern in Zeitlupe: Zwei im Schneckentempo rotierende Bienenmaden bringen Forellen an den Haken.


6 LANGSAM SCHLEPPEN

Kaltes Wasser drosselt den Stoffwechsel der Forellen und ihr Jagdtrieb läuft auf Sparflamme. Schnelles Schleppen – egal ob mit Kunstködern, Paste oder Naturködern – ist daher kontraproduktiv. Zwar gehen die Forellen meist auch noch auf geschleppte Köder, doch sollte die Köderbewegung im Zeitlupentempo erfolgen. Auch kurze Pausen, bei denen der Leckerbissen – je nach Köderart – langsam zu Boden sinkt oder aufsteigt, bringen oftmals Erfolge. Ein Grund übrigens, warum das Tremarella-Angeln auch im Winter oftmals deutlich erfolgreicher ist als normales Schleppen. Durch die Schüttelbewegung der Rute kann ich den Köder (für gewöhnlich eine oder zwei Bienenmaden in L-Form) praktisch auf der Stelle halten.

Gut in einem Thermoanzug verpackt hält man es auch bei widrigsten Bedingungen lange am Forellensee aus.


7 WARM EINGEPACKT

Oft sehe ich Angler (und vor allem ihre Begleitung) im Winter mit völlig ungeeigneter Kleidung frierend am Forellensee stehen – absolut unerklärlich, gibt es doch im Fachhandel wirklich brauchbare Thermoanzüge. Da ich im Winter viel häufiger am Forellensee anzutreffen bin als im Sommer – durchschnittlich einbis zweimal pro Woche – habe ich mir ein sehr hochwertiges, wasserdichtes und atmungsaktives Modell, den „ Tubertini Winter Tech 8000“ zugelegt. Er ist so warm, dass ich darunter nicht einmal eine dicke Unterhose trage, sondern ihn einfach über meine Straßenkleidung ziehe. Für gelegentliche Besuche am See hält der Fachhandel aber auch Modelle für deutlich unter 100 Euro bereit. Der Thermoanzug sollte auf jeden Fall zweiteilig sein, da er so nicht nur besser wärmt, sondern auch einen Toilettengang enorm erleichtert. Ferner gehören zu einer Winterausrüstung eine warme Mütze, die auch die Ohren bedeckt, und wirklich warme Thermostiefel oder -schuhe. Diese sollten eine Nummer größer ausfallen, so können darunter auch dicke Socken getragen werden. Bei den Handschuhen haben sich Modelle aus dem Baumarkt mit gummierter Handinnenfläche bewährt. So gerüstet lässt es sich viele Stunden am Forellensee aushalten.

Kanten sind in allen Seen heiße Stellen. Die Forellen ziehen daran entlang.


9 HOTSPOTS IN KLEINEN FORELLENTEICHEN

In kleinen, flachen Forellenteichen sammeln sich die Forellen in Grundnähe, da dort das Wasser in der Regel am wärmsten ist. Hotspots sind daher meist die tiefsten Stellen, der Einlauf oder der Sprudler, weil dort sehr oft etwas wärmeres Wasser in den Teich fließt. Dabei genügt ein Temperaturunterschied von einem oder zwei Grad. Da Forellenteiche zum Teil sehr einfach strukturiert sind und einer Badewanne ähneln, gleicht das Ufer einer Kante. Wie in den großen Seen auch, ziehen viele Fische daher auf der Suche nach Nahrung an dieser Kante entlang. Eine Montage lege ich demzufolge immer im unmittelbaren Uferbereich ab.

Um den Sprudler herum ist in kleineren und größeren Seen immer ein heißer Platz für Forellen.


8 HOTSPOTS IN GROSSEN SEEN

Zu den heißesten Spots in großen, tiefen Seen gehören im Winter flache Uferbereiche. Dies gilt umso mehr, wenn der Wind darauf bläst. Außerdem versprechen Quellbereiche, Einläufe und Kanten, an denen die Fische entlang ziehen, Erfolg. Besonders wenn sich diese Kanten in Ufernähe befinden, muss man im Gegensatz zur wärmeren Jahreszeit nicht einmal weit werfen. Persönlich lege ich meinen Köder im Winter sehr oft nur etwa fünf bis 15 Meter vom Ufer entfernt aus. Eine Ausnahme bilden Quellen im See. Quellwasser hat für gewöhnlich eine etwas höhere Temperatur als das circa vier Grad kalte Grundwasser. Da die „Wohlfühltemperatur“ der Forellen bei etwa sechs bis zwölf Grad liegt, finden sich immer einige Salmoniden in der Nähe der Quellen. Da diese Stellen auch für die Angelei im Hochsommer interessant sind, schaue ich mir den See gern im Winter an, wenn sich darauf Eis gebildet hat. Die Quellen verraten sich dann durch dunkle Stellen im Eis, oder das Wasser ist dort sogar völlig eisfrei.


FOTO: N. BREMER

FOTOS: M. KAHLSTADT, ILLUSTRATION: B. GIERTH

FOTOS: M. KAHLSTADT, C. SIEVERTS, H. FREI, A. PAWLITZKI