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FORMENREICH & FARBSTARK: Dahlienpracht


Liebes Land Sonderheft Garten - epaper ⋅ Ausgabe 2/2017 vom 16.08.2017

Uli Maucher und Thomas Prommersberger züchten Dahlien aus Leidenschaft. In Sachen Anmut und Vielfalt macht die mexikanische Schönheit sogar der Rose Konkurrenz


Artikelbild für den Artikel "FORMENREICH & FARBSTARK: Dahlienpracht" aus der Ausgabe 2/2017 von Liebes Land Sonderheft Garten. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Liebes Land Sonderheft Garten, Ausgabe 2/2017

Dahlienexperten mit großer Begeisterung: Uli Maucher und Thomas Prommersberger


Überall im Garten stehen Dahlien. Zwischen Zaun und Holzschuppen strahlen sie in der Abendsonne


Meterhoch stehen sie da, säumen die verschlungenen Graswege und leuchten in allen Farben – von strahlendem Weiß über zartes Apricot bis hin zu dunklem Purpurrot. Der Weg durch die überwältigende Blütenfülle scheint kein Ende zu nehmen. Wir sind im Garten von Thomas ...

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... Prommersberger und Uli Maucher – genauer gesagt in ihrem Dahlienlabyrinth. Fast 400 Dahlien aus allen Sortengruppen wachsen hier. Sie sind in geschwungen angelegte Beete gepflanzt und markieren im Spätsommer den Höhepunkt im grünen Reich der beiden sympathischen Pflanzenliebhaber.

Gärtnern direkt an der Quelle

Für ihren Garten haben sich die beiden ein schönes Plätzchen ausgesucht. Nur eine schmale Straße führt zum Hof 1, der auf einem Hügel eingebettet zwischen Feldern, Wiesen und Wäldern abseits der niederbayerischen Marktgemeinde Schwarzach liegt. Vor 16 Jahren kamen die Hobbygärtner dorthin und mieteten ein abbruchreifes Haus. „Wir hatten hier weder Wasser noch Strom“, erzählt Thomas Prommersberger lachend, „und Geld hatten wir auch keins.“ Was sie hatten: Ideen und den Traum, sich mit dem Garten irgendwann selbst zu versorgen. Vor dem Haus stand ein Brunnen, aus dem Quellwasser plätscherte. „Wir waren sofort begeistert“, sagt Uli Maucher, der gelernter Landwirt ist und den großen Nutzen des Brunnens gleich erkannte.

Ein langfristiges Projekt

Die ersten zwei Jahre waren eigentlich dafür gedacht, das Haus bewohnbar zu machen. Doch ganz ohne Blumen- und Gemüsebeete wollten die beiden nicht auskommen. So steckten sie schon im ersten Jahr eine bescheidene Fläche von 20 mal 10 Metern ab. Wer die heutige Pracht sieht, wundert sich nicht, dass den beiden Gartenliebhabern diese Parzelle noch im selben Jahr zu klein wurde. Jahr für Jahr, Stück für Stück erweiterten sie ihr Reich, das heute beachtliche 4800 Quadratmeter umfasst. „Mit den Dahlien fing alles an“, erzählt Thomas Prommersberger, der jüngere der beiden Gartenfreunde. Seine ersten pflanzte er vor 23 Jahren. Es wurden schnell mehr, und die Sammelleidenschaft packte ihn. Als sie auf ihren Hof zogen, hatten die beiden Biogärtner schon einige Knollen im Gepäck. Inzwischen sind es mehr als 400 verschiedene Sorten, die nicht nur im Labyrinth, sondern verteilt in allen Beeten wachsen. Dabei sind es nicht nur die üppige Blütenfülle und die Vielfalt der Blütenformen, die an den krautigen Zierpflanzen so faszinierend sind. „Es macht Spaß zu sehen, welche Dahlien es über den Winter geschafft haben, wie sie sich im Frühsommer entwickeln, später dann blühen und welche Knollen im Herbst geerntet werden können“, schwärmt Thomas Prommersberger.

Die ’Cameo’ trägt auffällige rote Sprenkel


Die sehr großen, sternförmigen Blüten der ’Honka Weiß’


Großwüchsige Sorten brauchen eine Stütze


DAHLIEN IM WINTER

Dahlien im Winter

Frost ist der Feind der Dahlie
Ihrer mittelamerikanischen Herkunft ist es geschuldet, dass die Dahlie keine winterharte Pflanze ist. Wenn das erste Laub glasig oder dunkel wird, muss sie geschützt werden. Dazu schneidet man die Dahlie komplett zurück und gräbt ihre Knollen aus. Diese sollte man jetzt genau in Augenschein nehmen: Faule oder verschimmelte Stellen können den Rest des Bestands gefährden und sollten konsequent weggeschnitten bzw. diese Knollen aussortiert werden. Es empfiehlt sich, die Knollen mit kleinen Namensschildchen zu versehen, damit im Frühjahr keine Verwirrung herrscht, welche Sorte in welches Beet gehört.

Im Keller überwintert die Dahlie am besten
Die sortierten und mit Schildchen versehenen Dahlien müssen nebeneinander, nicht aufeinander gelagert werden, am besten in einer Holzkiste in Zeitungspapier gewickelt oder von einer Torf-Sand-Mischung bedeckt. Kühl, dunkel und gut belüftet überstehen die Knollen so den Winter. Alle paar Wochen lohnt es sich, nach dem Wohlbefinden der schlafenden Dahlien zu schauen und beschädigte Knollen zu entfernen. Im Frühjahr, wenn der Frost vorbei ist und der Boden wieder etwas aufgewärmt, kann man die Knollen aus dem Keller holen und erneut einpflanzen. Dahlien, die in Kübeln gezogen werden, kann man im Winter einfach mitsamt dem Gefäß reinholen.

Im Herbst heißt es: die Dahlien konsequent zurückschneiden


Jede Knolle bekommt ein Sortenschildchen


NACHGEFRAGT

Dahlienexperten Uli Maucher (l.) und Thomas Prommersberger im Gespräch


@@Was macht für Sie den Reiz der Dahlie aus?
Vor allem die Blüten- und Sortenvielfalt. Die ist wirklich einzigartig und immer wieder überraschend.

@@Was würden Sie jemandem raten, der bei sich zu Hause Dahlien pflanzen möchte?
Am besten nicht arbeitsscheu sein! Außerdem muss man wissen: Dahlien können süchtig machen. Wenn man sich einmal mit ihnen beschäftigt hat, kommt man nur schwer wieder von ihnen los!

@@Was kann man machen, wenn der Boden im eigenen Garten nicht ideal für Dahlien ist?
Dahlien mögen humosen bis sandigen, durchlässigen Boden. Wenn man etwas Pferdemist einarbeitet, ist das ideal für die Pflanze. Sorgen Sie für Tiefgründigkeit, also dass es keine harten Schichten oder gar Gestein gibt. So können die Pflanzen mit ihren Wurzeln besonders tief in die Erde dringen. Das brauchen z. B. auch Rosen.

@@Gibt es Pflanzen, mit denen sich die Dahlie nicht verträgt – oder solche, zu denen sie gut passt?
Die Dahlie verträgt sich eigentlich mit allem, braucht aber viel Platz – 60 mal 60 Zentimeter sollte man pro Pflanze schon einrechnen. Was die Optik angeht, ist erlaubt, was dem Gartenbesitzer gefällt.

@@Haben Sie noch spezielle Tipps, wie man Dahlien beim Überwintern helfen kann?
Wenn möglich, sollte man die Pflanzen in ihrem Torf lassen. Nicht zu trocken lagern (kein Heizungskeller!), aber dunkel und kühl.

Haben Sie ein endgültiges Ziel für den Garten? .rum, die Gemüse- und Blumenvielfalt zu erhalten.

JUNGGESELLENBLUME AUS MEXIKO

Auf der Wiese zwischen Birn- und Apfelbaum beginnt das Dahlienlabyrinth


Dass die blühfreudige, ursprünglich aus Mexiko stammende Pflanze viel Arbeit macht, kann er überhaupt nicht sagen, im Gegenteil: „Man braucht sie im Frühjahr nur zu pflanzen, dann anzubinden, auszuschneiden und im Herbst wieder auszugraben.“
Das ist einfacher als bei anderen Sommerblumen, die aus Samen mühevoll herangezogen, gegossen und gedüngt werden wollen. Deshalb nennt er seine farbenfrohe Lieblingspflanze auch Junggesellenblume. Allerdings, das gibt er zu: Bei so vielen Dahlien ist er inzwischen vom Frühjahr bis zum Herbst doch ganz schön beschäftigt.
Um bei der großen Vielfalt den Überblick zu behalten, hat Thomas Prommersberger sich ein System ausgedacht. Nicht nur, dass jede einzelne Knolle im Lager und später jede Dahlie an ihrem Pflanzstab ein Etikett mit genauer Bezeichnung trägt. Er sortiert seine Dahlien alphabetisch nach Sortennamen, angefangen bei A wie ’Akita’ bis Z wie ’Zenobia’. Und exakt in derselben Reihenfolge pflanzt er die Dahlien auch ins Beet. „So entsteht ein geordnetes Durcheinander an Farben und Formen“, erklärt der Pflanzenkenner. Genau das ist es auch, was den leidenschaftlichen Sammler freut, denn er stellt fest: „Meine Lieblingsfarbe ist Bunt.“

A Ursprünglich als Dahliensorte ’Sweetheart’ gepflanzt, heißt sie heute „Kleiner Uli“


B Mit perfekt geformten Blüten in kräftigem Orange leuchtet die Pompondahlie ’Bantling’


C Die ’Veritable’ mit ihren riesigen Blüten ist ein echter Hingucker im Garten


FARBSTARK UND KREATIV MUSS ES SEIN

In fröhlichem Bunt leuchten auch alle anderen Sommerblumen- und Staudenbeete im Garten. Es ist ohnehin kaum zu übersehen, dass das grüne Reich der beiden Pflanzenbegeisterten voller Kreativität steckt. Ähnlich wie bei den Dahlien wachsen Salat und Gemüse nicht wie üblich in rechtwinkligen, sondern in halbrunden oder auch mal in rautenförmigen Beeten. Sie ergeben ein hübsches Gesamtbild – fast wie in einer Parkanlage. Außerdem ist im Garten eine mehr als zwei Meter hohe Kräuterspirale zu sehen, in der zwar auch ein paar Kräuter, aber ansonsten „alles Mögliche“ wächst. Einjährige Sommerblumen etwa, von denen es in allen Beeten unzählige gibt. Die farbenfrohen Zinnien zum Beispiel, die neben der filigranen Spinnenblume und mannshohen wilden Sonnenblumen gedeihen, umgeben Bartfaden und Tagetes.

ALLES AUS EIGENER HERSTELLUNG

Prächtig und lecker: Auch Gemüse wird reichlich angebaut


Die Steinfrau wacht über Wohl und Wehe des Gartens


„Ich weiß inzwischen nicht mehr, wie viele Hundert Sommerblumen wir haben“, gesteht Thomas Prommersberger. „Eigentlich wächst bei uns alles, was es an Saatgut zu kaufen gibt.“ Jede einzelne Pflanze ziehen die beiden aus Samen selbst heran. Sogar die Anzuchterde stellen sie torffrei aus ihrem eigenen Kompost her. Und dabei gehen Thomas Prommersberger und Uli Maucher auch noch sehr erfinderisch zu Werke: Mit einer aus alten Waschkesseln zusammengebauten Maschine wird die Erde vor der Verwendung im Garten gedämpft. Unkrautsamen lassen sich mit dieser Methode sehr gut abtöten, das erspart später Arbeit und den Einsatz von Herbiziden.

ARBEITEN WIE IM PARADIES

Thomas Prommersberger hat sein Hobby längst zum Beruf gemacht und sich vor einigen Jahren zum Gemüsegärtner ausbilden lassen. Fragt man ihn nach seinen Lieblingsarbeiten im Garten, so zählt er munter auf: aussäen, pikieren, pflanzen, gestalten, aber auch hacken und jäten – eigentlich alle Tätigkeiten macht er gerne. Für ihn ist es aber nicht nur das Arbeiten, die einzelnen Notwendigkeiten, die zum Gartenglück gehören. Es ist mehr: der Geruch der Erde und der Pflanzen – und das Gefühl, mitten im Paradies zu sein.


»Blumen sind das Lächeln der Erde«
Ralph Waldo Emerson


DAHLIEN-KLASSEN

Klasse I ’Saitenspiel’


Klasse II ’Paso Doble’


Klasse III ’Night Butterfly’


Klasse IV ’Contessa’


Klasse V ’Tartan’


Klasse VI ’Jowey Winnie’


Klasse VII ’Rocco’


Klasse VIII ’Orange Turmoil’


Klasse IX ’Preference’


Klasse X ’Fire and Ice’


I Einfach blühende Dahlien
Ein einfacher Ring von etwa acht breiten Zungenblüten umschließt die Scheibe der Röhrenblüten

II Anemonenblumige Dahlien
Wenige Ringe breiter Zungenblüten umgeben kissenartig gewölbte, verbreiterte Röhrenblüten

III Halskrausendahlien
Auf äußeren breiten Zungenblüten liegt ein Ring verbänderter, meist kontrastierender Röhrenblüten, beides umgibt die mittige Scheibe

IV Seerosendahlien
Große und breite Zungenblüten füllen komplett den Blütenkorb

V Dekorative Dahlien
Der Blütenkorb ist sehr voluminös und voller breiter, meist etwas bewegter anmutender Zungenblüten

VI Balldahlien
Die Zungenblüten sind mindestens bis zur Hälfte tütenartig nach innen eingerollt, der Blütenkorb ist voll und von der Form eines Apfels

VII Pompondahlie
Komplett nach innen gerollte Zungenblüten bilden einen gut tischtennisballgroßen Blütenkorb

VIII Kaktusdahlie
Schmale, lange Zungenblüten, die zu mehr als der Hälfte nach außen gerollt sind, füllen den Blütenkorb

IX Semikaktus-Dahlie
Ähnlich Kaktusdahlien mit höchstens halb gerollten Zungenblüten

X Diverse Dahlien
Dahliensorten mit all den Blütenformen, die sich nicht in andere Klassen eingliedern lassen


Fotos: Evi Pelzer (14), ddp images (2)

Fotos: ddp images, fotolia/M. Schuppich (2)/blitzphoto/Carola G, mauritius images, picture alliance, privat (3)