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Formwandler


Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 12.08.2021

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Die Küche befindet sich direkt links vom Eingang.

Die Renovierung eines ikonischen Hauses bringt die Verantwortung mit sich, die Vergangenheit zu ehren, ohne dabei die eigene Vision für das Haus zu gefährden. Die Hausbesitzer Michael und Claire Cobbledick konnten dem Haus aus den 1960er-Jahren, das von einem renommierten Architekten aus Kapstadt entworfen wurde, nicht widerstehen, als sie darüber stolperten – auch wenn es auf den ersten Blick nicht die Voraussetzungen für ein Familienhaus erfüllte. «Der Kauf war eine rein emotionale Entscheidung. Wir wussten sofort, dass wir es haben wollten, als wir es betraten. Es fühlte sich total einladend an, vertraut, erinnerte mich an bestimmte modernistische Häuser und war doch einzigartig mit seiner kühnen geometrischen Ästhetik», sagt Michael.

«Der Kauf war eine rein emotionale Entscheidung.»

MICHAEL COBBLEDICK

Das Gefühl der Verbundenheit der Räume und die Beziehung des Hauses zu dem markanten Garten, ...

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... der mit ihnen in Resonanz steht, ist kein Zufall. Entworfen von Julian Elliott als sein Familienhaus und in einer Reihe von experimentellen Wohnhäusern, an denen er zu jener Zeit arbeitete, spiegelt es die besonderen Designgebote wider, die er als privates Forschungsprojekt erkundete. Es wurde so gebaut, dass es sich der Landschaft, dem natürlichen Gefälle des Gartens, anpasst und das Design inspiriert, anstatt es zu bekämpfen. Dies führte zu einer drei stufigen Anordnung von geschichteten, miteinander verbundenen Räumen.

Die «Pinwheel»-Konfiguration stellt das Wohnzimmer in den Mittelpunkt und ist von der japanischen Architektur inspiriert. Jeder Raum wird durch ein konsistentes Raster aus Quadraten definiert, das den 3,5 × 3,5 Meter grossen Proportionen eines Tatamizimmers nachempfunden ist. In Anlehnung an die afrikanische Raumentwicklung sind die Innenhöfe aussen platziert, mit einem festen Kern für die allgemeinen Familienaktivitäten, der sich nach aussen hin ausdehnt wie ein Dorf.

Kathedralenartiges Erlebnis

Den Weg vom Eingang (betont durch eine skurrile, runde Türöffnung) zum Herzen des Hauses zu respektieren, war eine Priorität, erklärt Michael. Da nun ein neuer Innenhof die Privatsphäre schützt, wurden die Fiberglasscheiben durch Glas ersetzt, wodurch zusätzliches Licht in die Küchenbereiche und das Fernsehzimmer fällt, das zuvor als Arbeitszimmer genutzt wurde.

Wenn man von dieser Eingangsebene in das Zentrum des Hauses hinaufsteigt, gleicht das einem kathedralenartigen Erlebnis. Das «Auditorium» (der heutige Wohn- und Essbereich) diente in seiner Glanzzeit als Raum, in dem Filme auf einer hochmodernen motorisierten Projektorleinwand gezeigt wurden. Hohe Decken, eine Glaswand und mehrere Oberlichter und Fenster in verschiedenen Formen und Grössen schaffen ein Kaleidoskop von Lichteinfallspunkten. «Der Raum mit seinen eingelassenen und sich überlappenden Bögen und einem zentralen Kamin ist eine faszinierende architektonische Leistung», kommentiert Architekt Martin Kruger. Die Reihe der sich überlappenden Ebenen lässt natürliches Licht in die Räume zwischen den Rundbögen. «Wir haben dies mit neuer Beleuchtung verstärkt und das natürliche Oberlicht intakt gelassen», sagt er.

Der Bereich des Auditoriums geht in den Garten über, ein weiteres faszinierendes Verkaufsargument, das das Paar verführt hat. «Auch der ursprüngliche Garten war ein typisch modernistischer mit japanischen und östlichen Einflüssen», erklärt Michael. Da der Garten jedoch zu einem undurchdringlichen Wald geworden war, entschieden sie sich, bestimmte nicht einheimische Bäume zu entfernen und Sträucher zu roden, um den Garten neu zu gestalten.

Fenster in verschiedenen Grössen und Formen schaffen ein Kaleidoskop von Lichteinfallspunkten.

Blick ins Grüne

Das Grundstück liegt am Fusse des Tafelbergs, und so ist es keine Überraschung, dass es von einem Fluss durchflossen wird. Eine uralte Eiche am Ufer, umrankt von Massen von Monstera-Ranken, war der natürliche Mittelpunkt für den Ausblick des Hauses. «Wenn man aus dem Fenster des Hauptschlafzimmers und aus der Fenstergalerie im Auditorium schaut, gibt es keinen Zweifel daran, dass sie ganz bewusst so positioniert wurden, dass die Eiche die Aussicht dominiert», sagt Michael.

Die Bögen und Gewölbe über den Schlafzimmern und der Küche basieren ebenfalls auf dem 3,5-Meter-Raster, und das bestimmt die Grösse der Räume. Das Hauptschlafzimmer sitzt wie ein Zwischengeschoss und blickt auf das Auditorium und die dahinter liegenden Kinderzimmer. «Ich liebe die Aussicht von hier», sagt Michael. «Es gibt so viele Perspektiven und Blickwinkel auf das Haus, und von hier aus hat man einen Blick aus der Vogelperspektive, und man kann all die Merk male aufnehmen, die Elliott so sorgfältig ausgewählt hat», sagt er. Mit einer Anspielung auf die von Tatami inspirierten Dimensionen installierten sie eine moderne Version des Shoji-Screens, der ihnen die Möglichkeit gibt, ihr Schlafzimmer und die Pyjama-Lounge im Obergeschoss abzuschirmen.

Die Bäder benötigten zwangsläufig eine Auffrischung. Die ursprüngliche Farbpalette wurde beibehalten und durch matte Wasserhähne und kräftige Blautöne an den Türen und handgefertigten Keramikfliesen für die Duschen umgesetzt. Diese Farbtupfer tauchen auch anderswo auf – gelbe Fliesen in der Küchenrückwand und die Polsterung der Sitzmöbel. Das «moderne Retro» wird mit gesammelten Mid-Century-Möbeln zelebriert und mit der eklektischen Kunstauswahl und den gesammelten Objekten des Paares kombiniert.

Das «moderne Retro» wird mit gesammelten Mid-Century-Möbeln zelebriert.

«Trotz mehrerer Ebenen funktioniert es gut als Familienhaus.»

CLAIRE COBBLEDICK

«Praktisch alle strukturellen Elemente und Details des ursprünglichen Hauses wurden authentisch beibehalten, wobei eine durchdachte neue Designschicht implementiert wurde, die das Haus zum Garten hin öffnete», sagt Martin. Das Ergebnis ist ein Familienhaus, das ein zeitgenössisches Statement abgibt, ohne die Seele des modernistischen Hauses zu verlieren. Trotz der weitläufigen Grundfläche, der Vielzahl von Ebenen und der Offenheit, sagt Claire, hat es sie überrascht, wie gut es als Familienhaus funktioniert, eines, das sie mit ihren Söhnen Leo und Tom teilen. Wir sind zusammen, aber unabhängig. «Wo immer man im Haus ist, weiss man, wo die Kinder sind», sagt sie. ——