Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

FOTOGESCHICHTE: Erste Bilder


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 06.06.2019

Vom ersten Foto über die frühesten Aktbilder bis zum ersten Schnappschuss: Geschichten rund um die großen und kleinen Premieren der Fotohistorie.


Das erste Foto

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Frankreich ein Wettbewerb lanciert, bei dem besseres Material für lithografische Druckplatten gesucht wurde. Der Offizier und ErfinderJoseph Nicéphore Niépce (1765 – 1833) unternimmt verschiedene Versuche mit unterschiedlichen Materialien und Substanzen. 1826 verbindet er zwei Materialien der Druckindustrie und kombiniert eine Metallplatte (wie sie zum Beispiel für die Herstellung von Stichen verwendet wird) ...

Artikelbild für den Artikel "FOTOGESCHICHTE: Erste Bilder" aus der Ausgabe 70/2019 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 70/2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von fotoMAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 70/2019 von MEISTERWERKE: GALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MEISTERWERKE: GALERIE
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von INTERVIEW: „KÜNSTLER SIND KREATIV, WEIL EINES TAGES ETWAS PASSIERTE, DAS ALLES AUSGELÖST HAT“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INTERVIEW: „KÜNSTLER SIND KREATIV, WEIL EINES TAGES ETWAS PASSIERTE, DAS ALLES AUSGELÖST HAT“
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von BÜCHER: DIE BILDBÄNDE DES MONATS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BÜCHER: DIE BILDBÄNDE DES MONATS
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von INTERVIEW: „TRUMP IST EIN SYMPTOM UNSERER PATHOLOGIE“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INTERVIEW: „TRUMP IST EIN SYMPTOM UNSERER PATHOLOGIE“
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von PORTFOLIO: EIN KOSMOPOLIT IM POTT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PORTFOLIO: EIN KOSMOPOLIT IM POTT
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE
Vorheriger Artikel
PORTFOLIO: EIN KOSMOPOLIT IM POTT
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE
aus dieser Ausgabe

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Frankreich ein Wettbewerb lanciert, bei dem besseres Material für lithografische Druckplatten gesucht wurde. Der Offizier und ErfinderJoseph Nicéphore Niépce (1765 – 1833) unternimmt verschiedene Versuche mit unterschiedlichen Materialien und Substanzen. 1826 verbindet er zwei Materialien der Druckindustrie und kombiniert eine Metallplatte (wie sie zum Beispiel für die Herstellung von Stichen verwendet wird) mit dem in der Lithografie verwendeten Bitumenlack. Nach 8 1/2 Stunden Belichtungszeit gelingt es ihm, ein Abbild seines Hofes in Le Gras in einerCamera Obscura zu belichten. Diese Aufnahme gilt als erste Fotografie der Welt. Ende 1827 lernt Niépce in London den Illustrator Francis Bauer kennen, der ihm vorschlägt, seine Erfindung der Royal Society vorzustellen. Niépce lässt sich eine Auswahl seiner Forschungsergebnisse nachschicken, darunter die Hofansicht von Le Gras.
Er verfasst einen Artikel, doch er schildert nur vage den Herstellungsprozess. Sein Argwohn verhinderte seinen Erfolg und seine Erfindung wird ignoriert. Im Januar 1828 kehrt Niépce London enttäuscht den Rücken und überlässt die Dokumente und auch die erste Fotografie Francis Bauer. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges folgt Helmut Gernsheim Hinweisen in Niépces Briefen und findet im Haus der Nachfahren von Francis Bauer einen Koffer mit der Aufnahme von Le Gras. Diese wird 1952 bei derWeltausstellung der Fotografie in Luzern erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Die älteste Fotografie der Welt wurde 1826 von Joseph Nicéphore Niépce aus seinem Arbeitszimmer gemacht, 1952 wurde es vom Deutschen Helmut Gernsheim in London wiederentdeckt.


Die erste Verwendung des Begriffs „Photographie“

Der Begriff wird erstmals am 14. März 1839 vonSir John Herschel verwendet, als er die Qualität und Nutzen des Fixiersalzes Natriumthiosulfat vor derRoyal Society vorstellt – sechs Wochen nach Fox Talbots Bekanntgabe des Patentes der Photogenischen Zeichnung respektive der Daguerreotypie am 19. August 1839. Dies die weithin akzeptierte, englische Sichtweise der Geschichtsbücher. Die französische Perspektive ist anders: Das Verb „photographieren“ sollNicéphore Niépce als Erster verwendet haben, in einem Brief vom 9. Mai 1816 an seinen Bruder Claude schrieb er: „Es sei wichtig bei Tageslicht zu photographieren.“ Niépce entschied sich dann jedoch für den Begriff Heliographie (Sonnenbilder).

Der erste Portrait

Louis Daguerre legte am 23. September 1839 die ersten menschlichen Bildnisse der Akademie der Wissenschaften vor. 1998 wird auf einem Flohmarkt eine Daguerreotypie entdeckt, auf der Rückseite ist sie signiert:M. Huet, 1837 . Zwei Jahre vor der offiziellen Vorstellung am 19. August 1839? Die ungesicherte Herkunft lässt Spekulationen zu. Bisher kennt man den„Schuhputzer vom Boulevard du Temple“ als den ersten fotografierten Menschen. Das Bild trägt nach Expertenmeinung Daguerres Handschrift. Dennoch widerspricht es der gängigen Geschichtsschreibung, obwohl Daguerres Briefwechsel Hinweise gibt, dass er vor 1838 sogar Selbstportraits realisiert hatte. Vermutlich gingen jedoch alle beim Brand seines Dioramas im März 1839 verloren. Beim Abgebildeten soll es sich um den Künstler Nicolas Huet handeln, einen Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums und 1830 gestorben – also 7 Jahre vor dem Entstehungsdatum des Bildes. Da 1870 in Paris viele zivilstandesamtliche Dokumente zerstört wurden, sind aus der Zeit davor viele Daten zum Leben von Pariser Bürgern fehlerhaft. In der französischen Nationalbibliothek gibt es ein weiteres Portrait von Daguerre, womöglich ebenfalls vor„Boulevard du Temple“ fotografiert. Auf der Rückseite eine Notiz von Paul Nadar, dass dieses Bild von einem Freund Daguerres stamme (offiziell wird es zwischen 1840 und 1845 datiert).

Das erste Selfie

Das älteste erhaltene Selfie stammt von Robert Cornelius, einem Sohn holländischer Einwanderer in Philadelphia. Die Familie Cornelius führte eine Firma für Metalllampen. Kurz nach der Bekanntgabe der Daguerreotypie wurde Robert Cornelius gefragt, ob er Silberplatten für die Daguerreotypie herstellen wolle. Mit seinem Wissen über metallische Veredelung und in der Zusammenarbeit mit Paul Goddard verfeinerte er die von Daguerre nur lapidar beschriebene Formel. Im Oktober oder November 1839 posierte er bereits im direkten Sonnenlicht vor seinem Geschäft und machte das erste Selbstportrait der Welt. Auf der Rückseite notiert er„Das erste Lichtbild, 1839“. Es ist zugleich die älteste Fotografie der Vereinigten Staaten und befindet sich heute in der WashingtonerLibrary of Congress .

Diese Daguerreotypie von Robert Cornelius ist das erste bis heute erhalten gebliebene Selbstportrait der Fotogeschichte.


Das erste Negativ

Kurz nach ihrer Hochzeit gingenHenry Fox Talbot und seine Frau Constance 1833 auf die Grand Tour in die Schweiz und Norditalien. Gänzlich untalentiert für das Zeichnen selbst mit derCamera Obscura notiert Talbot frustriert in sein Tagebuch, es müsse doch möglich sein, Papier mit einer Silberlösung zu beschichten und mit Lichtstrahlen zu zeichnen. In seinem Landsitz Lacock Abbey in der englischen Grafschaft Wiltshire begann er daraufhin mit Belichtungsversuchen. Basierend auf den Erkenntnissen vonThomas Wedgwood oderMary Somerville belichtete er Papier mit einer Silbernitratlösung. Neu war, dass er die Papiere noch nass belichtete und dann in einer Kochsalzlösung fixierte. Gestärkt durch seine Ergebnisse ließ er Kameras bauen, die er mit einem Okular eines Mikroskops versah. im August 1835 stellte er eine Kamera auf seinen Kaminsims, gegenüber einem großen und sehr hellen Rautenfenster. Hochpräzise zeichneten sich die Stege der Bleiverglasung ab. Das belichtete Silber erscheint auf dem Papier schwarz, um den Fortschritt der Belichtung abwägen zu können versieht Talbot die Kameras mit einem Loch neben dem Objektiv, das er mit einem Korkzapfen verschließt. Den Begriff Negativ gab es noch nicht, man redete von einem umgekehrten oder invertierten Bild. Talbot verliert zwischenzeitlich das Interesse und lässt seine Versuche bis 1838 ruhen. Erst als man 1839 in Frankreich einen Prozess ankündigt, mit dem man brauchbare Bilder durch Lichtstrahlen machen kann, nimmt er seine Versuche erneut auf und publiziert seine Ergebnisse öffentlich. 1840 wirdJohn Herschel den Begriff Negativ zum ersten Mal verwenden.

Das legendäre Bild des Rautenfensters von Lacock Abbey vom August 1835 – mit den Originalnotizen von Henry Fox Talbot.


FOTO: © FOX TALBOT/ ROYAL PHOTOGRAPHIC SOCIETY

Die erste Berufsfotografin

Entgegen der allgemeinen Meinung sind weder Anna Atkins, Margaret Cameron (GB), France Sally Day (UK) noch Franziska Möllinger (CH) die ersten Fotografinnen der Welt. Vor diesen gab esMarié Antoinette Giroux , die Gattin des Alphonse Giroux, unter dessen Namen sie firmierte und im gemeinsamen Familienbetrieb arbeitete. Fotoexperten wie Helmut Gernsheim erwähnen sie, aber von der Fotogeschichte wird sie noch weitgehend ignoriert. War sie wirklich nur die ausführende Gattin? Die Pariser Tischlerfamilie Giroux gehörte zu den berühmtesten Ebenisten Frankreichs in jener Zeit. Zusammen mit den Gebrüdern Susse hatten sie die exklusive Lizenz, Daguerreotypie-Kameras zu bauen und zu vertreiben. Marié Antoinette Giroux war Louis Daguerres jüngere Schwester. Sie stellte nach dem Verfahren ihres Bruders hochpräzise, wirkungsvolle Daguerreotypien her, Bilder, die mit den von ihrem Mann gebauten Kameras in alle Welt versandt wurden.

Die erste Fotografie in Deutschland

Das erste deutsche Foto zeigt die Münchner Frauenkirche im Jahr 1839 und stammt von Franz von Kobell und Carl August von Steinheil.


Aufgeschreckt durch die französischen Pläne von Arago und Daguerre im Januar 1939, beeilte sich Henry Fox Talbot, seine Forschungen verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen zugänglich zu machen, darunter auch der Münchner Akademie der Wissenschaften. Am 9. Februar erschien dort der„Bericht über die Kunst der photogenischen Zeichnung“ .Franz von Kobell undCarl August von Steinheil nahmen sich der Sache an. Während Steinheil eine Kamera aus einem Rohr aus Pappe, einer einfachen Linse und Lochblende erstellte, kümmerte sich Kobell um die Chemie und Beschichtung des Papieres mit Silberchlorid. Die Wissenschaftler variierten Talbots Rezept etwas. Die Belichtungszeiten dürften zwischen dreißig und sechzig Minuten gelegen haben. Es entstanden Bilder von 2,5 Zentimetern Seitenlänge. Am 28. Juli präsentieren Steinheil und Kobell ihre Leistungen auf Geheiß von Königin Therese von Bayern auf Schloss Nymphenburg. Wenige Tage später werden zwei Lichtzeichnungen im Münchner Kunstverein gezeigt. Steinheil führte seine Versuche weiter und gründete 1845 eine Firma für optische Geräte. Er und seine Söhne erfanden viele wegweisende Objektive, darunter das Aplanat oder das Teleobjektiv. Die erste Daguerreotypie auf deutschem Boden wird am 4. September 1839 ebenfalls in Bayern von Steinheil erstellt. Wenige Tage später treffen in Berlin sechs Daguerreotypieausrüstungen mit Kameras von Giroux ein.Louis Friedrich Sachse ließ sie aus Frankreich kommen. Er hatte einen Exklusivvertrag mit Daguerre als Generalimporteur für Preußen. Doch frustriert muss er am 15. September 1839 feststellen, dass ein Optiker namensTheodor Dörffel in seinem Geschäft Unter den Linden eine selbstgebaute Kamera anbot und die ersten selbst gemachten Daguerreotypien zeigte.

Alexander Gardener fotografierte auf einem Gefängnisschiff die Attentäter des 14. März 1865. Hier Lewis Powell, der zeitgleich mit der Ermordung Lincolns ein Attentat auf Außenminister William H. Seward verübte.


Die ersten Verbrecherfotos

Bereits im November 1839 soll ein Gerichtsfall mithilfe einer Daguerreotypie entschieden worden sein. Die Daguerreotypie wurde damals als Zeuge berufen und nicht wie heute üblich als Beweisstück vorgelegt. Angeblich soll es einem Ehemann gelungen sein, seine Gattin bei einer außerehelichen Affäre zu fotografieren. Vermutlich war das jedoch eine Zeitungsente, denn solch ein detektivischer Schnappschuss war damals noch eher Wunschdenken. Ab 1841 lässt die Pariser Polizei allerdings Gauner-Physiognomien verewigen und legt sie den Personenakten bei. Bis 1870 war die Verbrecherfotografie bereits vielerorts eingeführt. 1874 richtete die Pariser Polizei das erste erkennungsdienstliche Fotostudio ein, während andernorts noch freischaffende Fotografen angeheuert wurden. In Berlin beinhaltete 1880 das Verbrecher-Album der Polizei 2135 Bilder und sechs Jahre später bereits 3825 fotografierte Personen. 1933 war die Lichtbildkartei in 29 Gruppen aufgeteilt und enthielt Bilder von 46.708 Verbrechern. Die berühmtesten Verbrecherfotos des 19. Jahrhunderts sind die Portraits jener Verschwörer, die die amerikanische Regierung zu Fall bringen wollten, als sie am 14. April 1865 Präsident Lincoln, Vize Johnson und Außenminister Seward und General Ullysses S. Grant ermorden wollten. Von den zehn Verbrechern erlangten die Bilder des Mörders von Lincoln, John Wilkes Booth und des Attentäter Sewards, Lewis Powell, den Status von Ikonen.

Der erste Schnappschuss

Der Begriff Amateur für einen nichtprofessionellen Fotografen taucht zum ersten Mal 1848 auf. Immer wieder wird dabei vom Dilettanten gesprochen, wobei hier der Anfänger gemeint war, während der Amateur sich der Liebhaberei widmet. Lange saß der zu fotografierende Patient noch vor der von einem Operateur bedienten Camera. In Frankreich begann man den in der Malerei gebräuchlichen Begriff der Modelle auch in der Fotografie zu verwenden. Das Wort Film entwickelte sich aus dem Angelsächsischen von „felmen“, der feinen Milchhaut, die sich nach dem Kochen bildet. Die Knipser kommen 1891 auf, und „geschossen“ werden Fotos bereits ab 1862. Ebenfalls aus der Jägersprache bürgert sich das „ohne Zielen aus der Hüfte schießen“ ein. Der sogenannte „Schnappschuss“ entsteht und ersetzt die Momentphotographie mit den entsprechend leichten Kameras und kurzen Belichtungszeiten. Lichtbilder machte man schon sehr früh, man ging ins „Atelier für Lichtbilder“, wo manchmal auch ein „Bildnisphotograph“ arbeitete. 1875 versuchte man das Wort „Photographist“ (Künstler) zusammen mit dem „Photograph“ (Kamera) und dem „Photogramm“ (Bild) zu etablieren.

Die erste erotische Fotografie

Bis zur Erfindung der Fotografie war der Betrachter idealisierende Bilder gewohnt. Besonders Frauen haderten nun mit den extrem scharfen und detailreichen Abbildungen, die mit Hilfe der Daguerreotypie erstellt wurden. Zudem waren die Konventionen und Moralvorstellungen stark ausgeprägt. Wie immer in derlei Zeiten gab es jedoch auch die Halbwelt. Dort gönnten sich viele vermeintlich gesittete Herren der Gesellschaft ihre Abenteuer. Während in der frühen Aktfotografie Männer hauptsächlich aus wissenschaftlichem oder künstlerischen Interesse als Künstlervorlagen abgebildet wurden, waren die Bedürfnisse nach erotischen Frauenaufnahmen viel unverblümter. Viele Bilder der Biedermeier-Zeit unterscheiden sich jedoch deutlich von dem, was heute als erotisch angesehen wird. So konnte ein zögerliches Zeigen eines Unterrocks bereits ein Indiz für eine erotische Absicht darstellen. Die Fotomodelle kamen meist aus der Halbwelt, von Schauspiel, Tanz und Prostitution. Bereits vor der Erfindung der Fotografie gab es ein florierendes Geschäft mit erotischen Lithografien, die für wenig Geld die Fantasie der Betrachter anregen konnten. Die Daguerreotypie war als teures Unikat doch etwas Privates. Obwohl ab 1840 erotische Bilder gemacht wurden, kam das Big Business mit erotischen Aufnahmen erst gegen 1850 auf. Die Erfindung der Stereofotografie und die Möglichkeit, im großen Stil Abzüge von Nassplattennegativen anzufertigen, trugen nun zur weiten Verbreitung bei. Die Akt-Bilder wurden als sogenannte „Academien“, als ethnologische Studien, bisweilen sogar Bildchen leicht bekleideter Heiliger unter dem Ladentisch verkauft.

Das erste Unterwasserfoto

1870 wird Jules Vernes Roman„20.000 Meilen unter dem Meer“ veröffentlicht. Im selben Jahr beginnt der Bau der Fundamente der Brooklyn Bridge mit Hilfe von Taucherglocken. Unterwasserfotografie war allerdings mit dem Nassplattenprozess jener Tage noch nicht denkbar, da es dort für Aufnahmen zu dunkel war. James Ambrose Cutting, dem das sogenannte Ambrotypie-Patent zugesprochen wurde, eröffnete in Boston das erste Aquarium der Welt. Zur selben Zeit werden die ersten Versuche gemacht, Unterwasser zu fotografieren. Die Belichtungszeiten hätten allerdings noch 20 bis 30 Minuten betragen. Zwei Erfindungen waren für eine Änderung der Situation nötig: Eine Kamera, die unter Wasser funktioniert und eine Kunstlichtquelle. Der französische BiologeLouis Boutan bediente sich 1892 eines Gehäuses mit einer 9 x 12 cm-Plattenkamera mit einem automatischen Wechselmagazin. Zunächst realisierte er Aufnahmen, die er zwischen 10 und 20 Minuten belichtete. Seine Versuche mit Magnesiumblitzen brachten keinen nennenswerten Erfolg. 1899 folgte die Verwendung zweier Bogenlampen, welche in einem Gehäuse untergebracht wurden. Die ganze Einrichtung wurde von 60 Batterien mit Strom versorgt und wog über 1,5 Tonnen. Damit konnte die Belichtungszeit auf fünf Sekunden reduziert werden. Die Ergebnisse seiner Experimente veröffentlichte Louis Boutan 1900 in einem Buch zur Unterwasserfotografie.

Stereoaufnahmen wie dieses Aktmotiv aus der Sammlung des Deutschen Museums in München waren in den 1850er-Jahren sehr beliebt.


Louis Boutan war ein Pionier der Unterwasserfotografie. Im Februar 1899 fotografierte er seinen Kollegen Emilé Racovitza beim Tauchgang.


FOTO: © RACO-BOUTANG

Die ersten Passbilder

Ab 1885 wurden Pässe mit Fotografien versehen. Davor hatte man nur vage Beschreibungen einer Person. Bereits früh erkannten die Behörden den Sinn von Bildausweisen. Friedrich August Wilhelm Netto schreibt im Jahre 1842: „In polizeilicher Hinsicht ist die photographische Kunst Gold wert; statt eines gewöhnlichen Signalements ‚Stirn glatt, Nase gewöhnlich’ darf man nun den Passinhaber kalotypieren und ihn ‚In Effigie’ dem Passe beifügen.“ Der Kalotypieprozess (erfunden von Henry Fox Talbot) war von 1839 bis zur Ablösung durch die Nassplatte und Glas anstelle von Papier als Filmträger in Gebrauch. 1864 schlug man in Wien vor, für Prostituierte einen Gesundheitspass mit Bildnis einzuführen. In Deutschland gibt es seit 1937 die Ausweispflicht für jeden Bürger.

Albert Einsteins Reisepass der 1920er-Jahre. Damals waren Passfotos bereits seit 40 Jahren üblich.


FOTO: © ALBERT EINSTEIN-MUSEUM, BERN

Das erste Automatenbild

Bereits die Griechen der Antike konnten mechanische Automaten bauen. Mit der Erfindung der Uhrwerke wurden nicht nur Uhren, sondern auch Automaten, ja sogar Androiden möglich. Die ersten Fotoautomaten gab es in Frankreich. Sie waren eine Erfindung vonEnjalbert und Canto im Jahr 1887. 1889 sollte das erste Modell Enjalberts auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt werden. Dummerweise ging es beim Aufbau kaputt und konnte während der Ausstellung nicht mehr repariert werden. Ein Glücksfall für den DeutschenConrad Bernitt . Der Automat des Hamburgers ist nach Ansicht von Felix Drouin eine exakte mechanische Kopie. Bernitt will jedoch der alleinige Erfinder sein und weist auf Patente in allen Ländern hin. SeineBosco-Automaten wurden an touristischen oder stark bevölkerten Plätzen aufgestellt, zum Beispiel im Münchner Hofbräuhaus. In der Sammlung des Deutschen Museums in München befindet sich auch ein Original Bosco-Apparat. Typisch für die Bosco-Bilder ist der Blechrahmen, der gleichzeitig als Entwicklungsschale diente. Da die verwendete Nassplattenchemie sehr klimaempfindlich war, blieben die Bilder oft von minderer Qualität.

Die ersten Automatenbilder wurden im Bosco-Automat entwickelt. Hier ein Modell der ersten Generation.


FOTO: JOSEPH NIÉPHORE NIÉPCE/ HARRY RANSOM CENTER UNIVERSITY OF TEXAS

FOTO: ROBERT CORNELIUS/ LIBRARY OF CONGRESS, WASHINGTON

FOTO: KOBELL UND STEINHEIL/ MÜNCHNER STADTMUSEUM

FOTO: ALEXANDER GARDENER, LIBRARY OF CONGRESS, WASHINGTON

FOTO: DEUTSCHES MUSEUM, MÜNCHEN

FOTO: DEUTSCHES MUSEUM MÜNCHEN