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Fotomontage: In einer Fotomontage die Elemente entfesseln: Sturmtochter


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 05.12.2018

Die Elemente per Gedankenkraft beeinflussen zu können, ist eine Wunschvorstellung, die sich durch viele Mythen und Geschichten zieht. Die Idee zu diesem Bild kamOlaf Giermann , als ihn der ziemlich kräftige Wind an der Ostseeküste umbrauste. Hier beschreibt er, wie das Bild „Sturmtocher“ von der Idee, über die Ausgangsfotos bis zur Montage in Photoshop entstanden ist.


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Fotomontage und alle Fotos: Olaf Giermann

01 MEINE FOTOS

Das erste Bild(a) entstand (als Teil einer Belichtungsreihe) bei heftigem Wind am Fuße der Kreidefelsen von Rügen, die ihren Schatten auf Strand und Gischt warfen. Im Foto sehen ...

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Das erste Bild(a) entstand (als Teil einer Belichtungsreihe) bei heftigem Wind am Fuße der Kreidefelsen von Rügen, die ihren Schatten auf Strand und Gischt warfen. Im Foto sehen die Wetterverhältnisse nicht ganz so dramatisch aus, wie sie sich vor Ort anfühlten, weil der Himmel freundlich ist und die Brandung sich nur wenig aufbäumt. Mich inspirierte die Szene vielleicht gerade dadurch zu der Sturmtochter-Fotomontage, weil ich mir wünschte, dort noch ein paar dramatische Wolken per Gedankenkraft aufziehen zu lassen und die Sonne in der Gegenrichtung zu platzieren. Dazu dann eine grimmig dreinblickende Frau in flatternden Gewändern … Letztere fotografierte ich später im Studio(b) mit einem Beleuchtungs-Setup, das

Lichtkanten entlang der Körperkonturen erzeugt und zusätzlich die Haare mit einer Lampe von hinten aufhellt. Durch die Konturen hebt sich das Model besser vom Hintergrund ab und die Montage mit der nachträglich eingefügten Sonne wirkt stimmiger.

Den passenden dramatischen Himmel(c) fand ich in meinem eigenen Fotobestand – ebenso wie die Zerstreuungskreise(d) und die Regen-Flares(e) .

02 WELLEN DYNAMISCHER MACHEN

Das Foto für den Hintergrund(a) erschien mir für die angestrebte Bildwirkung als zu statisch, da die Wellen durch die gewählte Belichtungszeit wie eingefroren wirken. Glücklicherweise hatte ich auf Rügen aber Bildserien aufgenommen. In diesem Fall handelte es sich um eine Dreier-Belichtungsreihe(b) . Da sich die Wellen von Aufnahme zu Aufnahme leicht verändern, lässt sich diese Belichtungsreihe zwar schlecht zur Erhöhung des Tonwertumfangs nutzen, aber hervorragend, um durch die Verrechnung mit Stapelmodi etwas mehr Bewegungsdynamik in die Wasserbewegung zu bringen. Wie das geht, erfahren Sie in Schritt 3 und 4.

03 STAPELMODUS ANWENDEN

Um die vielen nötigen Einzelschritte für das Anwenden eines Stapelmodus zu vermeiden, rief ich den Dialog»Datei > Skripten > Statistik« auf. Hier legte ich bereits den Stapelmodus fest(a) , er lässt sich aber später jederzeit ändern. Dann lud ich die Fotoreihe(b) , aktivierte die Checkbox»Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten«(c) und klickte auf»OK« .

TIPP: Stapelmodi stehen jedem Photoshop-CC-Anwender zur Verfügung. Nutzer älterer Versionen (ab CS3) benötigen dazu die Extended-Version. Weitere Anwendungsmöglichkeiten der Stapelmodi erfahren Sie übrigens in DOCMA 66 (www.docma.info/21456).

04 ERGEBNISSE VERGLEICHEN

In Schritt drei wurden alle Fotos als Ebenen in Photoshop geladen, aneinander ausgerichtet, in ein Smartobjekt zusammengefasst und der gewählte Stapelmodus angewendet. In meinem Beispiel kam»Mittelwert« zum Einsatz(a) , der für eine sehr weiche Mischung der Einzelaufnahmen sorgt. Probieren Sie aber auch einmal andere Stapelmodi aus, wie etwa»Maximum«(b) oder»Minimum«(c) . Die Ergebnisse stimmen Sie über»Bild > Korrekturen > Tiefen/Lichter« ab. Diese Funktion wird dabei als Smartfilter angewendet. Das ermöglicht es, gegebenenfalls erforderliche Korrekturen für die Fotomontage vorzunehmen.

Die durch das Ausrichten erzeugte Krümmung des Horizonts fand ich in diesem Fall passend. Ich setze dieses Stilmittel häufiger in meinen Bildern ein, aber hier passt es auch aufgrund der Bildlogik. Denn selbstverständlich kann eine Sturmtochter auch die Wassermassen am Horizont in Bewegung versetzen.

ACHTUNG: Der Stapelmodus wird zwar unter der Smartobjekt-Ebene angezeigt, dort können Sie jedoch keine Änderungen vornehmen. Um einen anderen zu wählen, aktivieren Sie das erzeugte Smartobjekt und gehen dann im Menü zu »Ebene > Smartobjekte > Stapelmodus«.

05 MODEL FREISTELLEN

Für gewöhnlich vermeide ich exaktes Freistellen und arbeite lieber mit Füllmethoden (siehe DOCMA-Heft 73 ab Seite 13,www.docma.info/21457 ). In diesem Fall funktionierte das aufgrund des etwas zu dunklen Hintergrunds nicht zufriedenstellend. Jedoch ließ sich das Model leicht mit dem»Schnellauswahlwerkzeug«(a) selektieren. Die Kanten waren anschließend in»Auswählen und maskieren« mit dem»Kante-verbessern-Pinselwerkzeug«(b) und dem Regler»Radius«(c) schnell optimiert, so dass die Details des Kleides und der Haare bewahrt blieben. In den»Ausgabeeinstellungen« von»Auswählen und maskieren« wählte ich die Option, die Auswahl als Ebenenmaske anzuwenden(d) .

06 STRAND EINFÜGEN

Die Bildkomposition des Studiofotos entsprach ziemlich genau meinen Vorstellungen des fertigen Bildes. Hier fügte ich deshalb das Strandfoto per Drag & Drop unter der Model-Ebene ein. Da der Hintergrund mit einer deutlich geringeren Auflösung als das Model fotografiert wurde, musste ich ihn hier ziemlich stark vergrößern. Da mich der Fuß in der Fotomontage störte, verdeckte ich ihn mit Versatzstücken aus dem Kleid. Die unpräzise Maskierung der Haare spielte übrigens nach dem nächsten Schritt keine Rolle mehr.

TIPP: Wenn Sie mit Bildmaterial unterschiedlicher Auflösung arbeiten, sollten Sie sich die aktuell verfügbaren Skalierungsmöglichkeiten anschauen (siehe Seite 35 ff.).

07 HIMMEL EINFÜGEN

Ich platzierte das Foto mit dem dramatischeren Himmel zwischen den Ebenen des Models und des Strandes. Über»Frei transformieren« (»Strg/Cmd-T« ) brachte ich ihn auf die richtige Größe und in die passende Position. Bei unserem Beispiel musste der Himmel horizontal gespiegelt werden (»Rechtsklick > Horizontal spiegeln« ). Um die harte Unterkante der eingefügten Ebene(a) weicher zu gestalten, fügte ich eine Ebenenmaske hinzu und erzeugte mit dem»Verlaufswerkzeug« einen weichen Übergang(b) .

08 ANPASSUNGEN DES MODELS

In erster Linie war hier die Sättigung der roten Farbtöne zu hoch. Mit einer Einstellungsebene vom Typ»Dynamik«(a) ließ sich das schnell korrigieren und per Maske auf bestimmte Bildbereiche beschränken. Außerdem nutzte ich eine Schnittmaske(b) , damit sich die Einstellungsebene ausschließlich auf die Ebene mit dem Model auswirkte.

Durch Dodge & Burn hellte ich die Augenregion auf und veränderte die Konturen von Nase und Dekolleté. „Dodge & Burn“ meint nichts anderes als Aufhellen und Abdunkeln. Es gibt viele verschiedene Vorgehensweisen. Ich male gern für kleinere Änderungen bei geringer Deckkraft mit Schwarz oder Weiß auf Ebenen im Modus»Weiches Licht« . Für sowohl feinere Abstimmungen als auch größere Änderungen nutze ich lieber»Gradationskurven« .

Alles, was Sie zu diesem Thema auf jeden Fall wissen sollten, erfahren Sie in DOCMA 58 (www.docma.info/21458 ).

09 ANPASSUNGEN DES STRANDS

Beim Strand waren mehrere Anpassungen erforderlich:

1. Er musste kontrastreicher und im Vordergrund dunkler werden. Dafür sorgte ich mit passenden»Gradationskurven«(a) .
2. Eine Kontrastminderung separierte das Model besser vom Hintergrund. Dazu legte ich eine neue leere Ebene an und malte mit einer weichen Pinselspitze bei sehr geringer Deckkraft mit weißer Farbe(b) .
3. Zudem fehlte im Vordergrund die Abschattung durch das Model. Hier ging ich genauso wie bei der vorhergehenden Anpassung vor, nur dass ich Schwarz anstelle von weißer Farbe nutzte(c) .

10 ANPASSUNGEN DES HIMMELS

Der Himmel musste zunächst insgesamt ein wenig kontrastreicher werden. Für solche Aufgaben verwenden Sie Einstellungsebenen von Typ»Helligkeit/Kontrast« ,»Tonwertkorrektur« oder»Gradationskurve« . Am meisten Kontrolle haben Sie mit einer»Gradationskurve«(a) . Im Beispiel zog ich den Schwarzpunkt für dunklere Tiefen (vergleichen Sie die Bildecken oben links!) etwas nach rechts und nutzte zwei weitere Punkte auf der Kurve für eine sehr subtile Kontrast-Anpassung.

Zum Horizont hin musste der Kontrast jedoch reduziert werden („Luftperspektive“). Den dafür notwendigen Dunst malte ich auf einer neuen leeren Ebene über den Ebenen von Strand und Himmel ein. Dabei nutzte ich eine große, weiche Pinselspitze, weiße Farbe und eine sehr geringe Deckkraft(b) .

11 FARBGEBUNG

Den Farblook des Bildes legte ich über zwei Einstellungsebenen fest. Falls Sie meine Vorgehensweise nachvollziehen möchten, so bin ich vorgegangen: Zunächst hellte ich die Tiefen des Bildes mit einer»Gradationskurve« auf, indem ich im RGB-Kanal den Schwarzpunkt nach oben zog(a) . Der Beschnitt der Lichter durch das Verschieben des Weißpunkts nach links erhöhte den Kontrast(b) . Im Blaukanal derselben Einstellungsebene zog ich den Weißpunkt nach unten, um die Lichter gelblich zu färben(c) .

Den so erzielten Look fand ich zwar gut, aber er passte nicht wirklich zu dem Sturm-Szenario. Deshalb verschob ich mit einer Einstellungsebene vom Typ»Farbbalance« die»Mitteltöne« in Richtung»Cyan« und»Blau«(d) .

12 GEGENLICHT UND SCHATTEN

Das bis hierher erzielte Resultat(a) könnte man wahrscheinlich als Ergebnis präsentieren. Mir persönlich fehlten noch eine stärkere Gegenlichtquelle und passende Überstrahlungen. Ich malte deshalb für einen pastellartigen Effekt mit einer großen, weichen Pinselspitze bei geringer Deckkraft mit weißer Farbe auf einer neuen leeren Ebene über die Bereiche, deren Kontrast ich reduzieren wollte. Den Renderfilter»Blendenflecke« wendete ich auf eine schwarze Ebene im Modus»Negativ multiplizieren« an(b) . Mit schwarzer Farbe verstärkte ich im Modus»Normal« den Schatten vor dem Model(c) .

13 FLARES

Zuletzt überlagerte ich das Bild im Modus»Negativ multiplizieren « mit mehreren, unterschiedlich groß skalierten Kopien meiner Bokeh-(a) und Regen-Partikel-Fotos(b) .

WEB

Alle Arbeitsmaterialien zum Projekt gibt es unterwww.docma.info/21458