Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 15 Min.

FOTOS BEI NACHT: GENIALE MOTIVIDEEN, CLEVERES ZUBEHÖR: Zauber der Nacht


DigitalPHOTO - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 01.02.2019

Kaum ein anderes Fotogenre ist so reizvoll und herausfordernd wie die Nachtfotografie. In diesem Praxis-Spezial lüften wir das Geheimnis fantastischer Nachtfotos: von der richtigen Ausrüstung über tolle Lichteffekte bis hin zu den schönsten Motivideen! Kommen Sie mit auf eine fotografische Reise durch die Nacht und lernen Sie von Profis wie Michael Breitung und Simone Cmoon.


Artikelbild für den Artikel "FOTOS BEI NACHT: GENIALE MOTIVIDEEN, CLEVERES ZUBEHÖR: Zauber der Nacht" aus der Ausgabe 3/2019 von DigitalPHOTO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Für diese faszinierende Nachtaufnahme kombinierte Fotografin Simone Cmoon eine 30-minütige Langzeitbelichtung (Vordergrund) mit der Aufnahme eines funkelnden Nachthimmels. Tipps und Tricks der Fotografin zum Thema ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von DigitalPHOTO. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von HIGHLIGHTS der Heft-CD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HIGHLIGHTS der Heft-CD
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von TECHNIK: NEWS: Neues Topmodell: Olympus OM-D E-M1X. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TECHNIK: NEWS: Neues Topmodell: Olympus OM-D E-M1X
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von SZENE: AUSSTELLUNGEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE: AUSSTELLUNGEN
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von AKADEMIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AKADEMIE
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von KAUFBERATUNG: WELCHE MARKE PASST ZU MIR? DER GROSSE Marken-Check. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KAUFBERATUNG: WELCHE MARKE PASST ZU MIR? DER GROSSE Marken-Check
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von FUJIFILM GXF 50R: Die große Kompakte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FUJIFILM GXF 50R: Die große Kompakte
Vorheriger Artikel
Foto zum Kuscheln
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel VORBEREITUNG IST DAS A UND O BEI STERNENBILDERN: Milchstraß…
aus dieser Ausgabe

... Polarlichtfotografie erhalten Sie in diesem Artikel auf Seite 68.


20 Seiten Spezial

GRUNDLAGEN DER
NACHTFOTOGRAFIE Ausrüstungstipps, Einstellungen u. v. m. S. 56


NÄCHTLICHE
STRASSENSZENEN Michael Breitung verrät seinen Workflow. S. 64


LIGHTPAINTING IN
URBANER KULISSE Lightpainter Zolaq zeigt seine Arbeitsweise. S. 66


HIMMELSPHÄNOMEN
POLARLICHTER Simone Cmoon auf Polarlichtjagd. S. 6


MILCHSTRASSE
FOTOGRAFIEREN Delil Geyik und Katja Seidel geben Tipps. S. 70


Wandert die Sonne langsam hinter den Horizont und die Welt wird in sanfte Dunkelheit getaucht, beginnt eine magische und spannende Zeit für Fotografen. Denn von funkelnden Milchstraßenfotos über Landschaften im Mondlicht bis hin zu den bunten Lichtern in der Großstadt bietet die Nacht eine Vielzahl an reizvollen Motiven, die unbedingt auf den Sensor Ihrer Kamera gebannt werden möchten.

Die zauberhafte Atmosphäre der Dunkelheit gelungen im Bild einzufangen, ist jedoch nicht ganz leicht und kann insbesondere für Anfänger zur echten Herausforderung werden. Jedoch keinesfalls zum Hexenwerk! In diesem Praxis-Spezial erfahren Sie, wie Sie mit etwas Übung und Geduld die Hürden der Nachtfotografie meistern und Szenerien festhalten, die zum Staunen einladen. Wir erklären Ihnen, welche Ausrüstung nicht fehlen darf, wie Sie Ihr Motiv optimal belichten und Profis wie Michael Breitung und Simone Cmoon verraten ihre besten Tipps und Tricks.

Perfekt ausgerüstet in die Nacht

Bis vor wenigen Jahren galten DSLRs noch als die einzige mögliche Wahl für Nachtfotografen – für (angehende) Profis natürlich mit Vollformatsensor. Dies hat sich inzwischen jedoch geändert und so stellen auch viele der neuen spiegellosen Modelle eine ernstzunehmende Konkurrenz und meist auch günstigere Alternative dar. Im Prinzip ist jede Kamera, die sich auf einemStativ befestigen lässt, derenBelichtung manuell einstellbar ist – und somitlängere Belichtungszeiten erlaubt –, auch für die Nachtfotografie geeignet. Zudem sollten Sie darauf achten, dass die Kamera folgende Eigenschaften besitzt:Bulb-Modus , eingutes Rauschverhalten in hohen ISO-Bereichen ,Spiegelvorauslösung und denAnschluss eines Fernauslösers . Drei Kameraempfehlungen finden Sie übrigens auf Seite 59 in diesem Artikel.

In Sachen Objektiv greifen viele Nachtfotografen zurFestbrennweite – vorzugsweise imWeitwinkelbereich , um möglichst viel von der nächtlichen Szenerie und Atmosphäre einfangen zu können. Der Vorzug der Festbrennweite für die Nachtfotografie liegt in ihrerLichtstärke : So ermöglicht siekürzere Belichtungszeiten bei einem niedrigen ISO-Wert . Dies ist vor allem für Motive von Vorteil, die Sie aus der Hand fotografieren möchten. Sind Sie mit dem Stativ unterwegs, können Sie jedoch auch mitZoomobjektiven arbeiten. Diese bieten eine einfache und schnelle Veränderung des Bildausschnitts und sind oftmals auch kostengünstiger und leichter im Gewicht. Kurz gesagt:Weitwinkel-Festbrennweiten mit manuellem Fokus erzielen die besten Bildergebnisse und sind bei Nacht auch am einfachsten zu bedienen. Jedoch können Sie auch mit lichtschwächeren Zoomobjektiven gelungene Ergebnisse erzielen – wichtig hier: Arbeiten Sie mitStativ ! Grundsätzlich hängt die Objektivwahl aber immer vom Verwendungszweck beziehungsweise Motiv ab. Unsere Top 20 an Objektiven für Nachtfotografen finden Sie in der Tabelle auf dieser Seite.

Auch wenn nicht jede Motivsituation es zwingend erfordert, ist neben Kamera und Objektiv insbesondere dasStativ ein wichtiger Punkt auf der Packliste für den nächtlichen Fotoausflug. Bei der Wahl des Stativs sollten Sie aufGewicht ,Belastbarkeit undAusführung achten. Empfehlenswert sind Stative mitdrei Beinen , da sie die größte Stabilität bieten. Zudem sollte das Stativ das Gewicht Ihrer Kamera tragen können. Bei dem Gewicht des Stativs selbst lohnt sich ein Blick auf dasMaterial : Stative ausAluminium sind zwar meist etwas günstiger, gleichzeitig aber auch schwerer.Carbon-Stative hingegen sind besonders leicht und bieten den Vorteil, dass sie Kälte nicht weiterleiten – die Hände somit warm bleiben und das Fotografieren zur kalten Jahreszeit deshalb deutlich angenehmer ist. Und wo wir schon beim Thema Kälte sind: Vor allem im Winter kann es nachts sehr kalt werden: GuteHandschuhe ,warme (bestenfallsdunkle )Kleidung und eineThermoskanne mit Tee können bei nächtlichen Langzeitbelichtungen Gold wert sein. Was bei dem Fotoausflug in die Nacht zudem nicht fehlen sollte, finden Sie rechts auf dieser Doppelseite.

Motivabhängig belichten

Um in vollem Glanz zu erstrahlen und bestmögliche Bildqualität ohne Rauschen zu erhalten, verlangen viele Motive der Nacht durch Mangel an Licht vor allem eins:lange belichtet zu werden . Ein unverzichtbarer Begleiter für den nächtlichen Fotoausflug ist deshalb in den meisten Fällen, wie bereits erwähnt, dasStativ . Wie lange genau belichtet wird, hängt von denLichtverhältnissen des Motivs ab – so können Sie Nachtfotos mit zwei bis sechs Sekunden Verschlusszeit festhalten, aber auch mehrere Minuten belichten und die Nacht in Ihrem Bild quasi zum Tag machen. Natürlich können durch die Verwendung vonhohen ISO-Werten (und somit kürzen Verschlusszeiten) auch Nachtfotos ohne Stativ aufgenommen werden. Dann muss jedoch mit zunehmendem Bildrauschen gerechnet werden. Der Einsatz von Stativ und einer niedrigen ISO ist in jedem Fallmotivabhängig .

Diepassende Belichtungszeit in Abhängigkeit der gegebenen Lichtverhältnisse zu finden, kann bei den ersten Gehversuchen in der Nachtfotografie durchaus schwierig sein. Als Erstes sollten Sie sich fragen: Ist mein Hauptmotivstatisch oderbewegt es sich? Befindet sich ein bewegtes Element in Ihrem Motiv, müssen Sie entscheiden, ob Sie diesesscharf oder alsBewegungsunschärfe darstellen möchten. Um dieBewegung einzufrieren , benötigen Sie einekurze Belichtungszeit , was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie denISO -Wert erhöhen undBildrauschen in Kauf nehmen müssen. Dasselbe gilt übrigens für das Fotografierenaus der Hand , um Verwackler zu vermeiden. Handelt es sich bei Ihrem Motiv um ein statisches und/oder möchten Sie die beweg- ten Elemente darin in Bewegungsunschärfe verwandeln, empfiehlt es sich, die Kamera auf einemStativ zu montieren und einen relativniedrigen ISO -Wert einzustellen. Wählen Sie einenBlendenwert entsprechend der gewünschten Schärfentiefe (zum Beispiel f/11 oder f/16). Sollte die benötigte Belichtungszeit 30 Sekunden übersteigen, werden Sie zudem imLangzeitbelichtungsmodus B fotografieren müssen. Dazu benötigen Sie einenverriegelbaren Fernauslöser , mit dem Sie den Verschluss für die Dauer der Belichtung manuell öffnen können. Doch wie genau lässt sich diese Dauer bestimmen? Eine Möglichkeit ist es, in denZeitautomatik-Modus zu wechseln und ausgehend von der gewünschten ISO-Empfindlichkeit den Wert so langeum volle Stufen zu erhöhen, bis die Anzeige für die Belichtungszeit aufhört zu blinken. Zählen Sie die dafür benötigten Schritte. Stellen Sie die ISO-Empfindlichkeit nun wieder auf den gewünschten Wert ein und wechseln Sie in denB-Modus zurück. Die Anzahl der gezählten Schritte entspricht nun der Verlängerung der Belichtungszeit um volle Stufen. Wenn Sie zum Beispiel den ISO-Wert um drei volle Stufen erhöht haben, müssen Sie nun die Belichtungszeit um drei volle Stufen verlängern. Denken Sie aber daran, dass bei langen Belichtungszeiten helle Stellen schnell überbelichtet abgebildet werden. Deshalb empfiehlt es sich,Belichtungsreihen zu fotografieren. So können Sie die Einzelbelichtungen nachträglich in einer speziellen Software überblenden und verloren gegangene Details zurückholen.

Eine allgemeingültige Belichtungseinstellung für ein gelungenes Nachtfoto gibt es leider nicht: Wie so oft macht Sie auch hier die Übung zum Meister. Weitere Tipps zu den Grundeinstellungen in der Nachtfotografie finden Sie im blauen Kasten rechts sowie in den Abschnitten zu den Motivsituationen weiter unten im Text.

Einen Fokuspunkt finden

Das Fokussieren bei Nacht ist nicht immer ganz einfach. Ähnlich wie bei der Fokussierung durch einen Graufilter bei Langzeitbelichtungen bei Tageslicht hat der Einbruch der Nacht eineReduzierung der Helligkeit des Lichts zur Folge: Bereits in der Dämmerung, zum Beispiel in der blauen Stunde, wenn das Motiv nur nochminimale Strukturunterschiede in hell und dunkel aufweist, kann es sein, dass der Autofokus keinen Schärfepunkt findet und die Fokussierung somit zur Herausforderung wird. Jedoch nicht zum Hindernis: Für das Fokussieren in der Nacht gibt es verschiedene Lösungen – sowohl unter Verwendung desAutofokus als auch desmanuellen Fokus .

Besitzt Ihr Motiv einen ausreichenden Kontrast zwischen hell und dunkel, beispielsweise bei Stadtaufnahmen durch eine beleuchtete Straße, Häuserfassade oder Fenster, kann der Autofokus zum Ziel führen. Sollte dies bei Ihrer Motivwahl jedoch nicht der Fall sein, können Sie eineTaschenlampe einsetzen – quasi alsUnterstützung für den Autofokus Ihrer Kamera – und die Stelle, die Sie fokussieren möchten, anleuchten. Mit Hilfe der digitalen Lupe können Sie im Live-View-Modus in Ihr Bild hineinzoomen und somit die automatisch gewählte Schärfe Ihrer Kamera kontrollieren. Zoomen Sie dafür an eine Stelle heran, die sich gut für die Schärfe-Beurteilung eignet. Hierbei gilt:Umso feiner die Struktur, desto besser lässt sich die Schärfe beurteilen .

SPIEGELVORAUSLÖSUNG
Normalerweise sollten Sie bei Langzeitbelichtungen die Spiegelvorauslösung Ihrer DSLR aktivieren, da die Vibrationen, die der Spiegel beim Hochklappen verursacht, unscharfe Fotos zur Folge haben können. Dies macht sich aber nur bei viel kürzeren Zeiten zwischen 1/20 und 2 Sekunden wirklich bemerkbar. Bei Zeiten, die mehrere Sekunden oder Minuten lang sind, sind die Auswirkungen minimal, da die Erschütterungen nur für den Bruchteil einer Sekunde auftreten. Bei extrem langen Belichtungen in der Nacht können Sie deshalb auf die Funktion verzichten. Grundsätzlich kann das Aktivieren aber auch nicht schaden!


SCHRITT FÜR SCHRITT: SO REDUZIEREN SIE BILDRAUSCHEN UND STEIGERN DIE BILDQUALITÄT IHRER KAMERA

KAMERAINTERNE EINSTELLUNGEN
1 Aktivieren Sie dieRauschreduzierung bei Langzeitbelichtung im Menü Ihrer Kamera. Bei dieser Einstellung nimmt die Kamera direkt nach der Belichtung einzweites Foto mit der gleichen Belichtungszeit auf . Allerdings ohne den Verschluss zu öffnen. Anschließend werden beideBilder miteinander verrechnet , um das Rauschen zu reduzieren.

MANUELLES VORGEHEN
2 Alternativ können Sie manuell ein dunkles Bildbelichten, indem Sie denObjektivdeckel aufsetzen unddieselben Belichtungseinstellungen nutzen wie bei der Ursprungsaufnahme .Blenden Sie beide Fotos in Photoshop CC oder Elements ineinander . Platzieren Sie dazu die dunkle Aufnahmeüber der normalen und wählen Sie die FüllmethodeDifferenz .

NACHBEARBEITUNG
3 Wenn Sie eine zusätzliche dunkle Belichtung aufnehmen, benötigen Sie die doppelte Zeit für Ihr Foto. Wollen Sie sich diese sparen, können Sie eventuellesBildrauschen auch nachträglich entfernen . Nutzen Sie dazu das BedienfeldDetails inLightroom oderCamera Raw . Mit demLuminanz -Regler können Sie das Rauschen verringern.

Findet die Kamera keinen festen Punkt zum Scharfstellen, fokussieren Siemanuell . Dabei gehen Sie wie folgt vor: Entweder kontrollieren Sie die von Ihnen über den Fokusring festgelegte Schärfe, wenn möglich, über die Live-View-Funktion – oder Sie stellen auf unendlich scharf. Letzteres bietet sich an, wenn es sehr dunkel ist und der Live-View kein zuverlässiges Bild mehr darstellen kann. Unser Tipp: Bei den meisten Objektiven liegt der richtige Schärfepunkt nicht ganz genau auf der liegenden Acht, sondernzwei bis drei Millimeter dahinter . Drehen Sie den Schärfering also etwas zurück. Damit Sie in der Dunkelheit nicht lange suchen müssen, empfehlen wir Ihnen, bei Tageslicht den exakten Schärfenpunkt herauszufinden und sich die Stelle auf der Autofokusskala gut zu merken beziehungsweise mit einem kleinen Punkt zu markieren.

Etwas früher, sprich vor Einbruch der Dunkelheit beziehungsweise zu Beginn der blauen Stunde, an Ihrem Fotospot zu sein und Kamera und Stativ frühzeitig zum Fotografieren bereit zu machen, ist ebenfalls eine Möglichkeit. Denn zu dieser Zeit ist es noch hell genug, um den Fokus richtig zu setzen. Zudem haben Sie ausreichend Zeit, um Ihre Aufnahme perfekt zu komponieren. Dafür bleibt in der Nacht meist wenig Zeit. Beziehungsweise es erfordert viel Ausdauer, da die Belichtungszeiten meist sehr lang sind. Wichtig bei der Planung während des Sonnenuntergangs: Nutzen Sie denBack-Button-Fokus oderschalten Sie nach dem Fokussieren denAutofokus ab beziehungsweise denmanuellen Fokus ein und achten Sie darauf, ab sofort nichts mehr am Objektiv zu verändern. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und müssen später nur noch den Auslöser drücken, um die Belichtung Ihrer Nachtaufnahme zu starten.

Belichtungszeiten von mehreren Minuten setzen Geduld voraus. Warme Kleidung, ein kleiner Campingstuhl und eine Thermosflasche mit einem heißen Getränk sind ideale Begleiter. Sollten Sie eine zweite Kamera besitzen, können Sie die Wartezeit auch nutzen, um eine zweite Aufnahme einzurichten.


BLENDENSTERNE ERZEUGEN
Um punktuelle Lichtquellen, wie in diesem Bildbeispiel die Straßenlaternen, in funkelnde Blendensterne zu verwandeln, gilt es, die Blende zu schließen. Wie hoch die Blendenzahl gewählt werden muss, variiert von Objektiv zu Objektiv. Grundsätzlich gilt jedoch: je kleiner die Blende, zum Beispiel f/16, umso stärker der Sterneneffekt.


Motive planen

Die Nachtfotografie bietet unzählige Motivmöglichkeiten. Von der klassischen Landschaftsfotografie über Stadtaufnahmen samt Lichtmalerei bis hin zur Astrofotografie: Zieht man zum Fotografieren in die Nacht hinaus, sollten Sie immergut vorbereitet sein . Natürlich gibt es auch in der Nachtfotografie zufällige Glückstreffer – in den meisten Fällen geht einem eindrucksvollen Nachtfoto aber eineausgiebige Planung voraus. Im besten Fall haben Sie folgende Fragen mit dem Aufbrechen zum Shootingort bereits für sich beantwortet: Welcher Standort eignet sich am besten, um mein Motiv in Szene zu setzen? Welche Dämmerungsphase setzt mein Motivin das schönste Licht: die tiefe Nacht, die blaue oder goldene Stunde? Wie wird das Wetter in der Nacht des Shootings und welche Bedingungen können meinem Motiv das gewisse Etwas verleihen? Die Antworten auf diese Fragen und andere variieren natürlich von Motiv zu Motiv. Um sie zu beantworten, empfiehlt es sich, zum einen Ihr Motiv bereits beiTageslicht einmal auszukundschaften. Zum anderen können praktische Helfer wieSmartphone -Apps für Fotografen dabei helfen herauszufinden, wann Licht wie wirkt (siehe gelber Kasten Seite 58).

Um die detailreiche Straßenszenerie zu vereinfachen, wählte Michael Breitung eine etwas längere Belichtungszeit. Dadurch verwischen vorbeiziehende Menschen und Roller, das Bild wird auf die statischen Elemente reduziert und erhält durch die Bewegungsunschärfe eine stimmungsvolle Atmosphäre.


DIE BRACKETING-FUNKTION

Mit der Bracketing-Funktion (zu Deutsch: Reihenautomatik) erzeugt die Kamera automatisch eineReihe von Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen . Neben derBelichtungsreihe können viele Kameras auch Schärfereihen mitvariierender Schärfeeinstellung (Focus-Stacking) oder Weißabgleichsreihen mitunterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen festhalten. Die Bracketing-Funktion kann Ihnen dabei helfen herauszufinden, mit welchen Einstellungen ein Bild am besten wirkt – und das in Ruhe zu Hause am Computer! Zudem lassen sich darausHDR-Bilder erstellen, wie bei diesem Bild von Fotograf Michael Breitung (siehe Interview rechts).

SCHRITT FÜR SCHRITT: MICHAEL BREITUNG VERRÄT SEINEN WORKFLOW FÜR DEN PERFEKTEN BILDLOOK

HDR IN LIGHTROOM
1 Die Belichtungsreihe wurde zunächst inLightroom über Foto > Zusammenfügen von Fotos > HDR zusammengefasst. Weil mitStativ fotografiert wurde, musste in Lightroom nichts automatisch ausgerichtet werden. Auch auf Geistereffektbeseitigung wurde verzichtet. Danach wurden Anpassungen fürWeißabgleich ,Belichtung ,Tiefen undLichter ,Objektivkorrektur undchromatische Aberration vorgenommen.

MANUELLES MASKIEREN IN PHOTOSHOP
2 Die Einstellungen aus Schritt 1 wurden auch auf die normale Belichtung angewandt. Beide Fotos wurden anschließend als16-Bit-TIFF exportiert undals Ebenen in Photoshop geladen. Übermanuelles Maskieren hat Michael Breitung nun einzelne Bereiche – zum Beispiel der Mann links im Bild – aus der normalen Belichtung eingeblendet. So lässt sich insbesondere bei bewegten Elementen das Ergebnis stark verbessern.

FARBANPASSUNGEN IN PHOTOSHOP
3 Farbanpassungen nahm Michael Breitung gezielt mit derSelektiven Farbkorrektur und demFarbton/Sättigung-Werkzeug in Photoshop vor. Möchte man mit diesem Werkzeug eine Farbe anpassen, kann man diese direkt im Bild selektieren, nachdem man dieIm-Bild-Korrektur-Schaltfläche (Finger-Icon) aktiviert hat. Danach kann manSättigung ,Farbhelligkeit undFarbton gezielt anpassen und über dieMaske auf einzelne Bereiche beschränken.

In der Vorausplanung gemein haben alle Motive, dass Sie imUmgang mit der eigenen Kamera und Ihrem Equipment vertraut sein sollten. Denn möchten Sie Ihr Motiv beispielsweise im Licht der blauen Stunde festhalten, bleibt Ihnen nicht viel Zeit zum Studieren – entgegen ihrem Namen dauert diese nämlich keine Stunde, sondern meist nur einige Minuten an und die Lichtsituation verändert sich von Minute zu Minute. Um also schnell und sicher auf die sich verändernden Verhältnisse reagieren zu können, sollten Sie die Bedienung Ihrer Kamera sowie die grundlegenden Funktionen aus dem Effeff beherrschen – das gilt natürlich auch für Zubehör wie Stativ, Fernauslöser und Co. Möchten Sie Ihr Motiv im tiefen Blau der blauen Stunde fotografieren, kann es zudem Sinn machen, etwas früher vor Ort, also an Ihrem Fotospot zu sein, um so in Ruhe Stativ und Kamera aufzubauen und dieKomposition und denBildausschnitt zu wählen – mit Licht gelingt dies nämlich sehr viel besser!

Lichter der Großstadt

Egal, ob glitzernde Wolkenkratzer-Skyline oder leuchtende Lichtspuren vorbeifahrender Autos (siehe blauer Kasten auf Seite 62): Städte bieten Nacht-und Restlichtfotografen eine Vielzahl an reizvollen Motiven. Besonders wichtig hierbei: Finden Sie einespannende Perspektive und einen geeignetenStandpunkt zum Fotografieren . Bei Stadtaufnahmen kann vor allem einerhöhter Standpunkt tolle Ergebnisse erzielen: Durch den Blick von oben erhält der Betrachter einenÜberblick über die Struktur der Stadt, die Lichter der einzelnen Häuser fügen sich zu einem weitläufigen Lichtermeer zusammen und erzeugen ein Bild mit schönerTiefe . Ebenso spannende Fotos lassen sich jedoch auch durch das genaue Gegenteil erzeugen: Befinden Sie sich inmitten der Stadt und wählen Sie eineniedrige Perspektive zum Fotografieren, können Bilder mit besonders schönerSpannung undDramatik entstehen (siehe Bildbeispiel auf Seite 63).

Gute Stadtaufnahmen erzielen Sie vor allem in der kurzen Zeit zwischen Sonnenuntergang und der tiefen Nacht: während derblauen Stunde . Hier erscheint der Himmel in einem tiefen Blau und erzeugt in Kombination mit den warmgelben Kunstlichtern der Stadt einen reizvollenFarbkontrast (siehe auch Kasten auf Seite 57). Zum Fotografieren während der blauen Stunde ist einStativ nötig. EinKabel-oder Fernauslöser hilft dabei, Vibrationen beim Auslösen zu vermeiden und imBulb-Modus auch länger als 30 Sekunden belichten zu können. Bei Stadtaufnahmen ist es zudem oftmals hilfreich,Bracketing zu verwenden (siehe Kasten auf Seite 64) odermanuell mehrere Belichtungen unterschiedlicher Länge aufzunehmen und diese später dann zuüberblenden .

Porträts in der Nacht

Die Großstadt bei Nacht bietet sich darüber hinaus auch wunderbar als Kulisse für Porträts mit besonderer Bilddramatik an. So kann der Einsatz vonStreiflicht oderGegenlicht zum Beispiel für stimmungsvolleSilhouetten mit Lichtsäumen sorgen. In vielen Fällen genügen hierbei vorhandeneLichtquellen in der Umgebung , wie zum Beispiel das Licht einer Straßenlaterne, und ein entsprechenderhöhter ISO-Wert . Und auch wenn das Umgebungslicht nicht genug Helligkeit bieten sollte, ist keine teure Blitzanlage vonnöten: Bereits mitReflektor ,Taschenlampe ,Aufsteckblitz oderLED-Licht lassen sich ausdrucksvolle Porträts kreieren. Übrigens, auch die Lampe Ihres Smartphones kann für eine ausreichende Ausleuchtung sorgen und attraktive Lichtreflexe in den Augen Ihres Models erzeugen.

Dieses Lightpainting erstellte Olaf Schieche mit Hilfe des Live Composite Modus von Olympus. Nach der ersten Basisbelichtung (hier 20 Sekunden) rechnete die Kamera nur noch die Pixel hinzu, die heller waren als in der Grundbelichtung. Dunkle Stellen bleiben unberührt.


Um einen Kalt-Warm-Kontrast im Bild zu erzeugen, fügte Simone Cmoon digital eine künstliche Lichtquelle am Fenster des Hauses hinzu: So treffen die grünen Polarlichter am Himmel und das tiefe Blau der Nacht auf goldgelbes, warmes Kunstlicht.


Um mit vorhandenem Umgebungslicht scharfe Nachtporträts zu erhalten, gilt vor allem eins: Achten Sie auf einekurze Belichtungszeit (ca.1/100 Sekunden ). Setzen hierfür den ISOWert herauf und nutzen Sie eineoffene Blende , um einen ausreichenden Lichteinfall zu gewährleisten. Messen Sie mit derSpotmessung auf das Gesicht an, um aufgrund der dunklen Umgebung Überbelichtungen in diesem Bereich zu verhindern. Bietet die Umgebung nicht genug Hel-ligkeit, um die Person vor der Kamera gut auszuleuchten, kann einReflektor Abhilfe leisten. Setzen Sie diesen ein, um das Licht von Straßenlaternen oder einer Taschenlampe gezielt auf das Model zu lenken. Möchten Sie ein weiteres LED-Licht nutzen, sollten Sie darauf achten, die Farbtemperatur des Lichts an die des Umgebungslichts anzupassen. Nutzen Sie ein Lichtstativ und positionieren Sie die Lichtquelle nah am Gesicht des Models, um eine weiche Ausleuchtung zu erreichen.

PROFI-TIPPS: SO BANNEN SIE POLARLICHTER AUF DEN SENSOR IHRER KAMERA

POLARLICHTER SEHEN!
1 Viele Fotografen gehen erst bei starken Sonnenstürmen fotografieren. Da auf Simones Reise der nächtliche Himmel jedoch oft wolkenbedeckt war, ging sie während allen nächtlichen klaren Stunden raus, auch wenn die Vorhersage nur Kp-Index-Werte um 0-3 prognostizieren. Und es hat sich gelohnt: Die Fotografin wurde mit grünem Leuchten belohnt.

MOND, SCHNEE UND DUNKELHEIT
2 Mondschein hat Vor-und Nachteile: Einerseits sieht man die Aurora weniger gut und Schatten sind vorhanden, andererseits wird der Vordergrund (wie im Beispiel oben) etwas mehr aufgehellt, was zu einer besseren Bildqualität führt. Auch Schnee lässt durch das Reflektieren des Lichteskürzere Belichtungen mit tieferen ISO-Werten zu.

DIE RICHTIGEN EINSTELLUNGEN
3 Einige Polarlichter sind sehr statisch, andere tanzen so schnell, dass man sie nahezu nicht kurz genug ablichten kann. Faustregel:Je schneller sich die Lichter bewegen, desto kürzere Belichtungszeiten mit dementsprechend höherer ISO und offener Blende sind nötig. Tasten Sie sich durch mehrere Testaufnahmen an die perfekte Belichtung heran!

Landschaft in der Dunkelheit

Ein Genre, das sich nicht nur bei Tageslicht, sondern auch bei Nacht größter Beliebtheit unter Fotografen erfreut, ist dieLandschaftsfotografie . Egal, ob im sanften Schein des Mondlichts oder während der blauen Stunde: Einsame Landschaften bei Nacht können magisch wirken und dem Titel „Zauber der Nacht” alle Ehre machen. Befindet sich Ihr Motiv in der Natur – also fernab jeglicher Zivilisation und Lichtquelle –, sind sehr lange Belichtungszeiten garantiert und dasStativ wird zum absoluten Muss. Besonders schöne Ergebnisse erzielen Sie hier inVollmondnächten sowie im Restlicht derblauen odergoldenen Stunde . Möchten Sie jedochfunkelnde Sterne am Firmament festhalten, sollten Sie in dertiefen Nacht zum Fotografieren in die Natur ziehen. Einen Einblick in die Welt derAstro-Landschafts-und Polarlichtfotografie erhalten Sie in den Interviews mit Simone Cmoon auf Seite 69 und Delil Geyik (siehe rechts). Noch mehr Tipps und Tricks für das Fotografieren der Milchstraße finden Sie zudem im folgenden Praxisworkshop. Interessiert? Dann einmal weiter umblättern, bitte!

PROFI-TIPPS: MIT DIESER AUSRÜSTUNG GELINGEN IHNEN FASZINIERENDE ASTROAUFNAHMEN

DIE KAMERA
1 DasRauschverhalten der Kamera spielt beim Fotografieren von Sternen und der Milchstraße eine wichtige Rolle.Je weniger Rauschen, desto mehr Details bleiben erhalten . Daher nutzte Delil Geyik dieSony A7s (um 1.350 Euro) . Die A7s löst12 Megapixel auf der Vollformatsensorgröße auf , was zum höchsten Signal-zu-Rausch-Verhältnis aller Kameras führt und sie somit ideal für die Nachtfotografie macht.

DAS OBJEKTIV
2 Um einen möglichst großen Bereich des Nachthimmels festzuhalten, verwendete Delil als Weitwinkelobjektiv dasZeiss Batis 2/25mm (um 1.100 Euro) . Anders als es bei einigen anderen Weitwinkelobjektiven kommt bei dem Batis 25er kaum zu einer Verzeichnung und sogar bei einer Offenblende von f/2 ist dieses Objektiv bis in die Ecken sehr scharf.

NACHFÜHRUNG
3 Zum Nachführen der Sterne kam eineReisemontierung vonFornax Mounts Lightrack 2 (um 680 Euro) zum Einsatz. Da die Erde ständig in Bewegung ist, bringt sie die Belichtungszeit von DSLRs an ihre Grenzen – je nach Brennweite sind nur zwischen 15-30 Sekunden möglich. Um längere Belichtungszeiten zu ermöglichen und die Sterne punktförmig abbilden zu können, kommt eineNachführung ins Spiel. Diese Montierung dreht sich samt Kameragegenläufig zur Erdrotation .


Fotos: Simone Cmoon, Adobe Stock, Michael Breitung, Olaf Schieche, Delil Geyik

Fotos: niromaks/Adobe Stock, Stefan Arendt/Adobe Stock; Texte: Jill Ehrat, James Paterson/Future Publishing; Übersetzung: Benjamin Langer, Nicole Lorenzen

Fotos: Simone Cmoon; Texte: Simone Cmoon, Jill Ehrat, Interview: Jill Ehrat

Fotos: Delil Geyik, Hersteller; Texte und Interview: Jill Ehrat