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Fotoschule: Farbe und Weißabgleich


ColorFoto Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 16.08.2019
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Bildquelle: ColorFoto Sonderheft, Ausgabe 1/2019

Morgens und im späten Abendlicht, mittags bei strahlend blauem Himmel, im Nebel oder Schatten: Die Welt erscheint uns immer wieder in einem neuen Licht. Was man ganz wörtlich nehmen darf. Denn die Färbung des Lichts sorgt dafür, dass ein an sich weißer Gegenstand bei genauer Betrachtung mal rötlich, mal bläulich oder anderweitig verfärbt erscheint. In der Malerei waren es vor allem die Impressionisten, die das erkannten: Sie machten das Licht und atmosphärische Bedingungen zum Thema ihrer Malerei und zeigten, wie Licht Motive verändert. Vieles davon wird von unserem Auge – oder besser: vom Sehzentrum in ...

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... unserem Gehirn – nivelliert, sonst würden wir uns in der Welt deutlich schlechter zurechtfinden. Bei der Digitalkamera sorgt der Weißabgleich für „farbneutrale“ Bilder, was meistens gut, im Einzelfall aber auch mal weniger gut funktioniert. In dieser Folge der Fotoschule erfahren Sie alles Wissenswerte über die Farbwiedergabe von Digitalkameras, über Farbstiche, Weißabgleich und gezielte Farbsteuerung.

Farbsättigung und Farbton

Ausgehend von den unter „Bildstile“ erwähnten Voreinstellungen ist es bei fast allen Kameras möglich, die Farbsättigung abzusenken oder anzuheben. Mit dem Anheben der Farbsättigung sollte man (analog zum Schärfen) vorsichtig sein, da dieser Schritt in der späteren Bildbearbeitung besser zu steuern und zudem reversibel ist. Im Zweifelsfall die Standardeinstellung verwenden. Das Gleiche gilt für die Farbton-Einstellung (wenn vorhanden), die z.B. Rottöne in Richtung Orange oder Blautöne in Richtung Blaugrün verschiebt.

Treiben Sie’s bunt?

Prinzipiell sollte eine Digitalkamera in der Lage sein, die in der Welt vorkommenden Farben möglichst präzise wiederzugeben. Zur Überprüfung der Farbtreue werden bei den ColorFoto-Labortests genormte Testcharts mit unterschiedlichsten Farbfeldern abfotografiert. Anschließend wertet man die Bilder in Photoshop aus und ermittelt so die Abweichungen zwischen den Referenzfarben und der Farbdarstellung der Kamera. Dabei kann es bei bestimmten Farben deutliche Abweichungen geben, wie das willkürlich herausgegriffene Testbeispiel zeigt. Die rechte Bildhälfte jedes Farbfelds zeigt die Referenzfarbe, die linke Bildhälfte das, was die Kamera daraus macht. Die größten Abweichungen finden sich hier bei den Feldern A4, B2, B3, D3, E2 und F2.

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Foto: Karl Stechl

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Nachträgliche Farbkorrektur

Zu den Bildbearbeitungsfunktionen mancher Kameras gehören Farbkorrekturen, bei Nikon „Farbabgleich“ genannt. Im Bearbeitungsfenster werden RGB- und Helligkeitshistogramm übereinander angezeigt, während man in einer Farbgrafik mit Hilfe eines verschiebbaren Punkts die Korrektur einstellen kann. Anschließend lässt sich das Bild als neues JPEG abspeichern. Bild 1: Farbabstimmung nach Blau verschoben; Bild 2: Farbe nach Gelb verschoben.

Voreinstellung der Bildstile

Die meisten Digitalkameras erlauben Voreinstellungen zur Kontrast- und Farbwiedergabe. Canon nennt das „Bildstile“, Nikon „Bildoptimierung konfigurieren“. Diese Voreinstellungen heißen z.B. Standard, Natürlich, Neutral, Brillant, Porträt, Landschaft oder Monochrom (Schwarzweiß). Sinn ist es, die Bildwiedergabe an bestimmte Motivtypen anzupassen. Beispiele: Betonung von Grüntönen bei Landschaften oder Reduzierung des Rotanteils in Porträts für natürlichere Hauttöne. Die Wirkung von Voreinstellungen können Sie durch eigene Testreihen leicht überprüfen. Vergleichbar bei Fujifilm ist die Filmsimulation, bei der Charakteristiken früherer Fujifilm-Diafilme wie Provia, Astia oder Velvia simuliert werden. Bildbeispiele: links = Provia (Standardeinstellung); rechts = Velvia (erhöhte Farbsättigung).

Foto: Karl Stechl

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Grafiken: Wikipedia Commons, http://goo.gl/iyTLT

Einstellen des Farbraums

Die meisten Kameras bieten sRGB und Adobe RGB als einstellbare Farbräume. Der vor allem im Blau-Grün- Bereich erweiterte Farbraum von Adobe RGB (Grafik 1) ist Standard für Druckanwendungen und setzt voraus, dass die gesamte verwendete Hardware bezüglich des Farbmanagements darauf abgestimmt ist. Wer nicht vorrangig für den professionellen Druck fotografiert, sollte sRGB (Grafik 2) einstellen, da dies der Standardfarbraum üblicher Monitore und Drucker ist. Und sollten Sie dann doch mal ein Bild für Druckzwecke benötigen, wird Ihre sRGB-Datei ebenso willkommen sein.

Was macht der Weißabgleich?

Um Farben naturgetreu wiedergeben zu können, muss die Kamera auf die vorherrschende Lichtfarbe abgestimmt werden. Zu Zeiten des Analogfilms gab es dafür Konversionsfilter, die vor die Frontlinse des Objektivs gesetzt wurden – meist um einen Tageslichtfilm auf Kunstlicht (Glühlampen) „umzustimmen“. Bei Digitalkameras übernimmt der Weißabgleich diese Aufgabe ungleich einfacher und flexibler. In der Standardeinstellung der Kamera ist normalerweise eine Vollautomatik aktiviert, die den Weißabgleich je nach Lichtsituation entsprechend justiert. Für perfekte bzw. kalkulierbare Ergebnisse sollte man allerdings auch andere Varianten des Weißabgleichs kennen und nutzen: Voreinstellungen, Reihenbelichtungen, Korrekturmöglichkeiten und WB-

WISSEN

 Was heißt Farbtemperatur? Mit der Farbtemperatur wird der Farbeindruck einer Lichtquelle definiert; die Maßeinheit ist Kelvin (K). Je niedriger die Kelvinzahl, desto höher der Rotanteil im Licht, je höher die Kelvinzahl, desto bläulicher die Lichtquelle. Tageslicht und Himmelsblau mischen sich an einem klaren Tag (Vor-/Nachmittag) zu einem Licht mit einer Farbtemperatur von etwa 5500 Kelvin. Man spricht dabei von „mittlerem Tageslicht“; darauf sind analoge Tageslichtfilme sensibilisiert. Der blaue Himmel selbst strahlt Licht von wesentlich höherer Farbtemperatur (etwa 9000 bis über 10 000 Kelvin) ab. Eine besonders niedrige Farbtemperatur haben Glühlampen und Kerzen.

Blauer Himmel, wolkenlos
Schatten
Bedeckter Himmel
Tageslicht/Blitzlicht
Leuchtstofflampe (kaltweiß)
Niedervolt-Halogenleuchte Glühlampe (100W)
Kerzenlicht

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Foto: Karl Stechl

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Weißabgleich korrigieren

Ausgehend von einer Voreinstellung lässt sich der Weißabgleich häufig auf mindestens einer Farbachse („warm/kalt“) korrigieren. Noch praktischer ist es, wenn dafür ein grafisches Korrekturmenü zur Verfügung steht. Dort kann man mittels eines verschiebbaren Punkts in einer Farbgrafik genau festlegen, in welche Richtung der Weißabgleich verschoben werden soll. Bild 1: Weißabgleich nach Grün verschoben; Bild 2: Weißabgleich neutral; Bild 3: Weißabgleich nach Magenta verschoben

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Weißabgleich im Live-View

Im Live-View-Modus der meisten Kameras lässt sich nicht nur die Belichtung simulieren, sondern auch der Weißabgleich. Änderungen der Farbabstimmung lassen sich also direkt am Monitor überprüfen, allerdings nicht immer zuverlässig beurteilen – vor allem bei hellem Umgebungslicht. Die beiden Monitorbilder wurden von einer Leica M im Live-View-Modus aufgenommen; im Monitor sichtbar ist ein mit Kunstlicht beleuchtetes Blechschild. Bild 1: Weißabgleich eingestellt auf 5500 Kelvin (= Tageslicht) mit rötlich-gelbem Farbstich; Bild 2: Weißabgleich auf 2800 Kelvin (= Kunstlicht), neutrale Wiedergabe.

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WB-Belichtungsreihe

Belichtungsreihenfunktionen (Bracketing) gehören bei den meisten Digitalkameras zum Funktionsumfang. Neben der klassischen, auf die Bildhelligkeit bezogenen Belichtungsreihe bieten einige Kameras auch WB-Bracketing. Die Kamera macht dabei mehrere Aufnahmen mit abgestuften Einstellungen für den Weißabgleich. Besonders praktisch ist das bei Canon gelöst: Im grafischen Korrekturmenü wird das WB-Bracketing durch drei Einstellpunkte markiert; die Spreizung ist wählbar (Bild 1). Bild 2: Bracketing-Auswahl einer Nikon APS-C-Kamera.

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Foto: Karl Stechl

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Weißabgleich messen

Vor allem bei Sachaufnahmen kommt es auf eine präzise Abstimmung des Weißabgleichs an. In diesem Fall ermitteln Sie – wenn möglich – den korrekten Weißabgleich am besten durch Messung. Und das geht so: Sie stellen die Kamera auf WB-Messung und richten sie dann auf eine weiße oder graue Fläche (weißer Hintergrund, Graukarte etc.), die vom Aufnahmelicht beleuchtet ist. Die Fläche sollte den Sucher vollständig ausfüllen. Nach erfolgreicher Messung ist der Weißabgleich optimal auf das Aufnahmelicht abgestimmt. Bild 1: Testaufnahme mit WB-Automatik, leichter Magentastich; Bild 2/3: Neutrales Bildergebnis nach WBMessung; Bild 4: „Pre“ steht bei Nikon für die Messung des Weißabgleichs.

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Foto: Karl Stechl

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WB-Voreinstellungen

In vielen Fällen führt die Weißabgleichsautomatik zu guten bis zufriedenstellenden Ergebnissen. Darüber hinaus bietet fast jede Kamera Voreinstellungen (Presets) für den Weißabgleich zur Anpassung an verschiedene Lichtquellen. Typische Presets sind Tageslicht (mit den Varianten Sonne, Bewölkung und Schatten), Blitzlicht, Kunstlicht und Leuchtstofflampe. Mit einem WB-Preset wird das Ergebnis zwar nicht immer farbstichfrei (neutral) sein, zumindest aber weisen dann alle Fotos einer Serie den gleichen Farbstich auf, was die spätere Farbkorrektur per Bildbearbeitung vereinfacht. Bild 1: WB-Preset „Tageslicht“ (mit blauen Schatten); Bild 2: WB-Preset „Schatten“; die Aufnahme wirkt deutlich „angewärmt“.

Farbstich oder Farbstimmung?

Ohne Weißabgleich ließen sich Farben nicht annähernd naturgetreu, weiße oder graue Flächen nicht neutral wiedergeben. Besonders wichtig z.B. bei Produktaufnahmen, wenn die Farbwiedergabe möglichst exakt den Motivfarben entsprechen soll. Farbstiche stören zudem bei Motiven, die einen hohen Anteil weißer oder grauer Flächen aufweisen. Allerdings sind die Grenzen zwischen Farbstich und Farbstimmung fließend – etwa bei einem Sonnenuntergang oder einem von Kerzenlicht beleuchteten Motiv. Auch das Anheben des Farbkontrasts oder Farbverfremdungen sind legitim, wenn es der Bildaussage zuträglich ist. Beispiele dafür finden Sie auf diesen beiden Seiten.

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Foto: Karl Stechl

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Sonnenuntergang

Für die WB-Automatik der Kamera ist das rote Licht des Sonnenuntergangs nur ein Farbstich, den es auszumerzen gilt. Dabei bleibt allerdings die Stimmung auf der Strecke, wie Bild 1 – aufgenommen mit automatischem Weißabgleich – zeigt. Für das zweite Bild wurde der Weißabgleich manuell auf 7500 Kelvin eingestellt. Der rötlich-gelbe Farbstich überlagert jetzt auch die Stadtsilhouette, aber dafür wird’s dem Betrachter warm ums Herz. Wenn vorhanden, können Sie auch das Motivprogramm „Sonnenuntergang“ verwenden

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Kreativer Farbkipp

Erfahrene Anwender stellen den Weißabgleich gerne direkt in Kelvinwerten ein. Tageslicht hat z.B. eine Farbtemperatur von etwa 5500 Kelvin, Blitzlicht ebenso. Im Schatten ist die Farbtemperatur des Tageslichts höher (z.B. 7500 Kelvin), während man bei Glühlampenlicht etwa 2700 bis 2900 Kelvin einstellt. Mit der Kelvin-Direkteinstellung lässt es sich auch trefflich experimentieren: Bild 1 entstand bei 6000 Kelvin, Bild 2 bei 4500 Kelvin, Bild 3 bei 3000 Kelvin. Dabei kippt der Hintergrund zunehmend in Richtung Blau, was einen schönen Komplementärfarbenkontrast zum orangefarbenen Cocktail ergibt.

Mischlicht

Illuminiertes Gebäude während der „blauen Stunde“: Stellt man den Weißabgleich auf Kunstlicht (ca. 2800 Kelvin), verschwindet die gelbe Färbung aus dem Rundbogen; was in etwa dem Augeneindruck entspricht (Bild 1). Plakativer wird die Bildstimmung allerdings, wenn man den Weißabgleich auf Tageslicht (ca. 5500 Kelvin) einstellt; der Kalt-warm-Kontrast erzeugt Spannung. Das Blau des Himmels könnte man bei der Bildbearbeitung eventuell noch etwas in Richtung „kühler“ korrigieren.

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Foto: Siegfried Layda

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Farbe als Effekt

Erlaubt ist, was gefällt: Diesem Prinzip folgen die Bildbearbeitungsfunktionen mancher Kameras wie der Olympus OM-D. So lassen sich bereits aufgenommene Bilder z.B. mittels diverser „Art“-Filter (Bild 1) aufpeppen. Für besonders plakative Verfremdungen sorgt der Pop-Art-Filter (Bild 2).

Foto: Karl Stechl

Farbreflexionen

Rote Reflexionen vom Sonnenschirm darüber bilden sich im schwarzen Glas und im Brillengestell ab. Auch der Untergrund, ein brauner Tisch, schimmert rötlich. Von störendem Farbstich kann aber hier keine Rede sein. Wenn der Fotograf (der sich im rechten Brillenglas abbildet) bei diesem Motiv buchstäblich rot sieht, trägt das entscheidend zur Bildwirkung bei.

WISSEN

 RAW-Modus
Das Arbeiten im RAW-(Rohdaten-)Modus verschafft Ihnen völlige Freiheit beim Weißabgleich. Denn unabhängig von der Einstellung während der Aufnahme können Sie den Weißabgleich später nach Belieben anpassen. Den RAW-Modus finden Sie meistens unter „Bildqualität“ mit drei Optionen: RAW, JPEG und „RAW+JPEG“. Im zuletzt genannten Fall werden JPEGs und RAWs parallel abgespeichert. Das hat zum einen den Vorteil, dass Sie die JPEGs jederzeit in einem Standard-Browser wie dem Windows-Explorer betrachten können, während Sie RAWs nur in einer dafür geeigneten Konverter- Software öffnen und bearbeiten können. Zudem bieten Ihnen die von der Kamera erzeugten JPEGs eine Vergleichsmöglichkeit, wenn Sie nachträglich mit dem Weißabgleich experimentieren wollen – ein Tipp für Einsteiger. Bild 1 zeigt die Auswahl für die Bildqualität im Kamera-Menü (Nikon); die Bilder 2 und 3 sind Ausschnitte des RAW-Bearbeitungsfensters in Photoshop Elements. Dort stehen zum einen Voreinstellungen bereit, zum anderen ist das Einstellen der Farbtemperatur und des Farbtons mittels Schieberegler möglich.

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