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FOYER: Liebe Leserin, lieber Leser!


FONO FORUM - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 06.09.2019
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Bildquelle: FONO FORUM, Ausgabe 10/2019

Zu den Ritualen der Klassikszene gehört das regelmäßige Klagen darüber, dass diese Musik immer weniger Menschen wichtig sei. Immer weniger Menschen spielen ein Instrument, immer weniger Menschen gehen ins Konzert – und wenn, dann sind sie im Durchschnitt immer älter und immer weißhaariger. Ebenso gehört es zu den Ritualen, dass Journalisten dagegenhalten und behaupten, das sei alles gar nicht so, man brauche sich keine Sorgen zu machen. Dann werden Zahlen aus neuesten Studien präsentiert, wie erstaunlich viele Menschen klassische Musik hören und Konzerte besuchen und der Klassik eine hohe „Wertigkeit“ zusprechen.

Das Dumme ist: Beides ist richtig. Natürlich hören viele Menschen klassische Musik – mehr denn je. Aber sie ist für immer mehr Menschen nur noch ein Sahnehäubchen, Musik für ganz besondere Anlässe – während sie im täglichen Leben kaum noch eine Rolle spielt.

Wie geht man nun damit um? Jedenfalls nicht, indem man sich vorspiegelt, es sei doch alles in Ordnung. Entweder, finde ich, sollte man als Klassikfreund souverän darüberstehen. Wir wissen, wie großartig klassische Musik sein kann – und es wird immer Menschen geben, die diese Musik hören und spielen werden. Dass Klassik eine Minderheitenmusik ist, muss man akzeptieren. Das war sie immer und wird sie immer sein, wie viel stärker noch der Jazz. Aber sie wird, da bin ich mir sicher, nie aussterben. Darum: Frönen wir unserer Leidenschaft ohne schlechtes Gewissen im kleinen, aber feinen Kreise Gleichgesinnter.

Oder aber wir gehen in die Offensive und tun aktiv etwas dafür, dass die Klassik mehr Relevanz gewinnt – weil wir wissen, dass diese Musik eine Bereicherung fürs Leben sein kann. Versuchen wir also, möglichst viele Menschen zu begeistern. Und da gibt es viele Ansatzpunkte. Vor allem müssen wir dafür sorgen, dass Kinder mit klassischer Musik in Berührung kommen, dass zu der Musik, mit der sie aufwachsen und die sie für ihr Leben prägen wird, ganz selbstverständlich auch Klassik gehört. Wem die Klassik in Kindheit und Jugend fremd geblieben ist, für den wird sie auch später im Leben kaum Relevanz gewinnen.

Egal welche Position man einnehmen will – sich vorzugaukeln, es sei eigentlich alles in Ordnung in der Klassikwelt, halte ich für das Verkehrteste. Krisensymptome gibt es viele. Ein Phänomen der Klassikszene aber gehört nicht dazu: dass nämlich 80-jährige Dirigenten noch Chefposten übernehmen. Viele Dirigenten werden mit dem Alter immer besser, und dass sie, wenn sie gesund sind, ihre Erfahrung auch im hohen Alter noch in einer Führungsposition einbringen können, ist doch eine wunderbare Sache – solange es zahlreiche 30-Jährige gibt, denen man ebenfalls Chefposten anvertraut. Ab S. 26 lesen Sie unser Interview mit Marek Janowski, der gerade (zum zweiten Mal) sein Amt als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie angetreten hat (wie parallel übrigens beim Konzerthausorchester Berlin Christoph Eschenbach, 79).

Problematisch dagegen finde ich, dass das Repertoire der häufiger aufgeführten Werke auf einen übersichtlichen Kanon „großer“ Komponisten und ihrer „Meisterwerke“ geschrumpft ist. Immer wieder werden Neuentdeckungen gemacht, doch ins Repertoire schafft es kaum noch ein Werk. Wir halten weiterhin dagegen und stellen Ihnen diesmal gleich zwei Komponisten vor, die eine Wiederentdeckung verdient hätten: Zara Levina und Rudolf Wagner-Régeny.

Dass man auch mit 90 Jahren noch großartige – und innovative! – Musik machen kann, beweist der Jazzklarinettist Rolf Kühn, den wir diesmal im Jazz Forum ausgiebig würdigen.

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit dem neuen FONO FORUM.

Ihr

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