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Fragen an einen buddhistischen Mönch


Buddhismus aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 30.06.2020
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Bildquelle: Buddhismus aktuell, Ausgabe 3/2020

BUDDHISMUS aktuell: Alles ist ständig im Wandel, nichts kann bleiben, wie es ist, betont die Buddhalehre. Gleichzeitig sehnen wir Menschen uns aber auch nach Sicherheit, Verwurzelung und dem Gefühl von Heimat. Wie können wir das in Einklang bringen?

Sicherheit und Stabilität in etwas zu suchen, das der Vergänglichkeit unterworfen ist, ist natürlich nicht möglich. Wir können aber innere Qualitäten entwickeln, die uns dabei unterstützen, eine gewisse innere Sicherheit oder Stabilität zu entwickeln. Diese inneren Qualitäten nenne ich gerne SMS. Das ist ein Ausdruck, den man sich gut merken kann, und SMS ...

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... bedeutet , und . Wenn wir diese drei Qualitäten in uns entwickeln und üben, dann ist es tatsächlich möglich, ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu empfinden. Sila, eine mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Ethik, ermöglicht uns ein gewaltloses, furchtloses und widerstandsloses Umfeld zu erzeugen.

Es gibt eine wunderbare Lehrrede von den fünf großen Gaben (Anguttara Nikaya 8,39), in der erklärt wird, wie durch das Üben der fünf Tugendregeln ein Zustand der Furchtlosigkeit erzeugt wird, der sich einerseits in unserem Umfeld manifestiert, aber auch in unserem Inneren entsteht. Freiheit von Angst ist natürlich etwas sehr Sicherheitsschaffendes.

Der Segen von Metta, der Herzensliebe, besteht unter anderem darin, dass wir so auch eine Atmosphäre schaffen, die von einer liebevollen Haltung und Wohlwollen geprägt ist, und uns darin wohl und sicher fühlen.

Sati, Achtsamkeit oder bewusstes Sein, ist eigentlich auch recht einfach zu verstehen. Hier geht es darum, sich seiner selbst bewusst zu sein. Dafür hat uns der Buddha vier Möglichkeiten gegeben, wie wir uns unseres Selbst bewusst sein können. Die Achtsamkeit beispielsweise auf unseren Körper zu richten erdet uns und gibt uns natürlich auch wieder ein Gefühl von Da-Sein und Stabilität. Insofern ist es schon möglich eine gewisse Sicherheit zu empfinden, aber nicht auf die Art und Weise, wie es normalerweise versucht wird. Normalerweise wird ja in der Welt versucht, Sicherheit dadurch zu bekommen, dass wir möglichst viel anhäufen, möglichst viel zu Mein, Mir und Mich machen und möglichst viel sein und besitzen wollen – und das ist sicher nicht möglich, denn das ist alles der Vergänglichkeit unterworfen.

Das Greifen nach etwas, das nicht zu greifen ist, verursacht Leiden. Auf der anderen Seite gibt es sinnvolle Ziele, zum Beispiel im Bemühen um einen klimapolitischen Wandel oder um ein sozialeres Miteinander. Wie können wir das in Einklang bringen?

Auf welcher Grundlage wollen wir kreativ tätig sein, Dinge entwickeln oder eine gewisse Beharrlichkeit an den Tag legen? Und welche Motivation liegt unserem Wirken zugrunde? Ist es darauf aufgebaut, durch ein Anhäufen, ein Identifizieren, ein Mein-, Mir- und Mich-Machen etwas Substanzielles, Stabiles und Ichbezogenes zu schaffen? Oder besteht meine Motivation darin, mich dem Fluss des Lebens zu öffnen und eine innere Atmosphäre der Ruhe und Klarheit zu schaffen, die von Bewusstheit, Ethik und Liebe geprägt ist, woraus sich vielleicht Dinge entwickeln können, die im Einklang mit einem größeren Plan stehen, der sich vielleicht in der jetzigen Zeit manifestieren möchte? Indem wir uns öffnen und in unser Herz hineinspüren, können wir erkennen, wie wir unseren individuellen Beitrag dazu leisten können, dass die Welt ein bisschen weniger ichbezogen und selbstloser wird, als sie es jetzt ist. Und da auch eine gewisse Beharrlichkeit an den Tag zu legen ist natürlich sehr sinnvoll. Daher denke ich, dass sich Offenheit und Beharrlichkeit überhaupt nicht ausschließen müssen. Wenn die richtige Absicht dahintersteht, ist Beharrlichkeit sehr wertvoll und auch eine wichtige Qualität auf dem spirituellen Weg. Der Buddha sagte: „Ohne Kampf und ohne Halt …“ Wichtig ist, dass unser Bemühen auf einer gewissen Weisheit und einem gewissen Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten aufgebaut ist: wie Leid entsteht und wie wir zu einem leidfreien Zustand kommen können. Und das nicht nur individuell sondern auch gesellschaftspolitisch.

Welche Form der Meditation ist besonders dafür geeignet, uns mit Wandel oder Vergänglichkeit vertraut zu machen und eine vielleicht unbewusste Scheu davor abzubauen?

Als erstes fällt mir die Einsichtspraxis ein. Aber wenn ich hineinspüre, sind eigentlich alle Arten der Meditation geeignet, die Angst vor der Vergänglichkeit zu überwinden, denn jede Art von Meditation zielt darauf ab, die Ich-Bezogenheit, die Ursache von Angst, zu überwinden. Das bedeutet ja vor allem Loslassen. Ob in der Einsichtspraxis, in der Ruhemeditation oder in der Metta- Praxis – letztendlich müssen wir immer loslassen. Dennoch wird in der Einsichtspraxis vielleicht am deutlichsten, dass alles der Vergänglichkeit unterliegt. Aus diesem Erkennen heraus kann die Bereitschaft entstehen, sich noch tiefer in den gegenwärtigen Moment hineinzuentspannen und hineinsinken zu lassen, um dann zu erleben, dass Vergänglichkeit nichts Bedrohliches ist und das Loslassen ein äußerst beglückendes und erfüllendes Erleben ermöglicht.

Auch der Buddhismus selbst ist im Wandel, zum Beispiel auf seiner Wanderung von Ost nach West. Wird die ursprüngliche Lehre des Buddha dabei verwaschen und verliert ihre Kraft, oder kann sie durch Wandel lebendig und vielen unterschiedlichen Menschen zugänglich bleiben?

Wichtig ist, dass wir nicht in eine Entweder-oder-Haltung hineinkommen – entweder das Traditionelle bewahren oder aber das Traditionelle ganz weglassen und etwas ganz Neues entwickeln wollen. Die Lehre des Buddha hat je nach Kulturkreis immer schon Veränderungen erfahren, und so wird sie bei uns auch Westliches annehmen und der heutigen Zeit Rechnung tragen. Und doch sind die Vier Edlen Wahrheiten immer die Vier Edlen Wahrheiten, und die Grundgesetze, wie Leiden entsteht und sich auflösen kann, sind heute wie vor 2 500 Jahren die gleichen. Aber in welchem Umfeld dies stattfindet, welche Methoden und Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen und wie wir die Lehre in eine heutige Sprache und in einen heutigen Kontext hineinbringen – da ist es wichtig, dass wir offen, flexibel und auch kreativ sind. Auch zu Buddhas Zeiten war die Lehre immer lebendig. Wenn wir sie nun als etwas Unlebendiges, Starres oder Fixiertes betrachten, würden wir, glaube ich, dem Buddha nicht gerecht werden.

Und wie könnten solche neuen Wege in der heutigen Zeit aussehen?

Vielleicht sind es gar nicht so neue Wege. Vielleicht ist es, basierend auf den Erfahrungen der letzten Jahrhunderte, auch eine Rückkehr zu alten Möglichkeiten, zum Beispiel indem wir ein einfaches und natürliches Leben führen, was die Buddhalehre ja ausmacht – basierend auf einer mitfühlenden Ethik und vor allem auf der Erkenntnis, dass alles miteinander verbunden ist und das wahre Glück letztlich in uns zu finden ist. Wenn wir uns das bewusst machen, dann ist die Buddhalehre natürlich sehr aktuell für die heutige Zeit. Der Buddha wurde damals schon als Wachstumsvernichter bezeichnet. Wenn man heute unsere Gesellschaft ansieht, wo alles auf Wachstum aufgebaut ist, und jetzt sagt der Buddha: „Moment, das ist ja gar nicht der Weg zu Glück“, und: „Schaut, dass ihr ein einfaches und natürliches Leben führt und eine Situation schafft, die euch dabei unterstützt, in den gegenwärtigen Moment zu kommen und den Weg nach innen zu gehen, denn dort ist das zu finden, was ihr in der Außenwelt sucht“ – dann ist die Lehre ganz ursprünglich und doch aktueller denn je.

Bhante Nyanabodhi wurde 1955 im oberbayerischen Türkenfeld als Roland Wildgruber geboren. 1985 begegnete er seiner Lehrerin Ayya Khema. 1993 wurde er als Samanera (Novize) in der Theravada-Tradition ordiniert, 1997 erhielt er die volle Ordination zum Bhikkhu. Kurz bevor Ayya Khema im selben Jahr starb, bestimmte sie ihn zu ihrem Nachfolger. Seitdem ist Bhante Nyanabodhi spiritueller Leiter des Buddha-Hauses sowie des Waldklosters Metta Vihara, wo eine Kloster- und Lebensform entwickelt werden soll, die sowohl der Essenz der Lehre Buddhas entspricht als auch in die heutige Zeit und in den abendländischen Kulturraum passt.