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FRANKA Potente


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 31/2021 vom 29.07.2021

INTERVIEW

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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 31/2021

Seit 23 Jahren einer von Deutschlands größten Stars: Franka Potente, die auch in den USA Erfolg hat

OBWOHL FRANKA POTENTE AUS EINEM LEHRER-HAUSHALT KOMMT, hat sie während des US-Lockdowns eins gelernt: „Nach einem Jahr Homeschooling habe ich gemerkt, dass ich viel zu ungeduldig bin“, sagt die Mutter zweier Töchter, die seit vielen Jahren in Los Angeles lebt, in unserem Zoom-Interview und lacht. „Talent zum Unterrichten habe ich jedenfalls nicht an mir entdeckt. Aber man gibt sein Bestes!“ Dafür hat Franka (47) jetzt ihren ersten Spielfilm gedreht. Mit „Home“ beweist die Heldin aus „Lola rennt“, dass sie auch als Regisseurin zu den ganz großen Talenten zählt.

Wussten Sie schon früh, dass Sie Ihren Traumberuf gefunden haben?

Ja, ich denke schon. Ich weiß noch, wie meine Mutter reagierte, als ich ihr gestand, dass ich Schauspielerin werden will. „Ach, Franka, ich seh dich schon unter einer Brücke stehen – mit so einer Bude, auf der Fritten-Franka steht.“ Das ist bislang aber noch nicht ...

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... passiert! (lacht)

Sie haben nie daran gezweifelt, dass die Schauspielerei das Richtige für Sie ist?

Eigentlich nicht. Auf der anderen Seite habe ich immer Angst, mich zu sehr fest zu verpflichten. Neulich kam über meinen US-Manager das Angebot einer Serie, die ich neun Monate am Stück in Budapest hätte drehen müssen. Da bekam ich sofort Beklemmung! Klar weiß ich, dass so ein Engagement finanzielle Sicherheit gibt, die mich auch ruhig schlafen lassen würde, und trotzdem…

Nun haben Sie Ihre Palette erweitert – und Ihren ersten Spielfilm als Regisseurin gedreht, mit Oscar-Preisträgerin Kathy Bates in einer der Hauptrollen. Wie viel Mut hat Ihnen das abverlangt?

Ob das Mut erforderte, ist eine Frage, die ich mir nie gestellt habe. Der Weg hin zur Regisseurin vollzog sich ja in vielen kleinen Schritten: all die Jahre als Schauspielerin, all die tollen Regisseure, mit denen ich gearbeitet habe. Da lernt man eine ganze Menge. Auf der anderen Seite wusste ich natürlich so gut wie gar nichts! (lacht) Aber das merkt man erst, wenn man dann am Set steht. Trotzdem weiß ich noch, dass ich einfach nur wollte, dass es endlich mit den Dreharbeiten losgeht. Mein Gott, man kann ja ein Kind kriegen während dieser endlosen Wartezeit, die es braucht, bis ein Filmprojekt endlich steht!

Sind Sie ein impulsiver Typ?

Oh ja, total. Ich hasse Warten!

Vor 15 Jahren haben Sie Ihren ersten Kurzfilm gedreht. Hätten Sie sich damals schon zugetraut, ein großes Projekt anzugehen?

Ja, das hätte ich, und im Nachhinein muss ich sagen: Hätte ich es bloß getan! Aber es kamen andere Jobs dazwischen. Regie führen machte mir auf Anhieb Spaß! Eine Sache, bei der ich mich früher noch nicht so sicher fühlte, war das Schreiben. Inzwischen verbringe ich damit einen festen Teil meiner Zeit.

Heißt, es liegen schon weitere Drehbücher in Ihrer Schublade?

Stapelweise! (lacht) Während der Pandemie habe ich wahnsinnig viel geschrieben. Die müssen jetzt mal raus!

Die Story Ihres Films „Home“ wirkt durch und durch amerikanisch. Wie kommt’s?

Ach, im Grunde hat sie schon viel mit mir zu tun. Es fing damit an, dass ich das Bild eines rothaarigen Außenseiters vor Augen hatte, den ich aus meiner Jugend in Dülmen kannte. Was, wenn so einer etwas ganz Schlimmes macht – und nach vielen Jahren in seine Kleinstadt zurückkehrt? Mit Kathy Bates habe ich häufig über meine Oma gesprochen, die in einem Dorf im Weserbergland lebte, in ihrer Rolle steckt nämlich viel von meiner Großmutter. Eine Kirche kommt in meinen Drehbüchern seltsamerweise auch fast immer vor – vielleicht, weil ich katholisch aufgewachsen bin. (lacht)

Wollten Sie ein Schlaglicht auf Figuren am Rande der Gesellschaft werfen?

Ich habe ja keinen klassischen Hollywoodfilm gedreht, sondern einen Independent-Film. Im Übrigen glaube ich, dass die Zeit reif ist, auf solche Leute zu schauen. Chloé Zhaos „Nomadland“, der im April den Oscar als bester Film gewann, tut das ja beispielsweise auch.

Ist Ihr Film ein politisches Statement?

Ich wollte zeigen, dass wir alle die Gemeinschaft brauchen, eine Community, die uns auffängt – jetzt vermutlich mehr denn je. Durch die Pandemie bekommt „Home“ witzigerweise eine zusätzliche Aktualität, weil jeder von uns im vergangenen Jahr Menschen vermisst hat.

Der Film handelt von einem Helden, der sich neu erfinden muss. Taten Sie das auch, als Sie in die USA zogen?

Ich glaube, das war bei mir eine Mischung aus Entscheidungen, die ich ganz bewusst treffen musste – etwa, dass ich ein Weil-chen drüben leben und arbeiten wollte –, und Dingen, die sich organisch entwickelt haben, zum Beispiel, als ich meinen Mann traf…

»Wir alle brauchen Menschen, die uns auffangen«

Als Regisseurin müssen Sie nun genau wissen, was Sie wollen.

Ja. Und ich habe überhaupt kein Problem damit! (lacht) Ich bin sehr opinionated, wie es auf Englisch heißt, habe also eine starke Meinung. Am Set bin ich aber auch offen für die Meinungen anderer. Wobei ich immer sehr gut vorbereitet bin und es einiges braucht, um mich zu überzeugen. Vor allem aber leite ich gern ein Team. Und respektiere die Leute in dem, was sie machen. Denn die haben im Zweifel ein Talent, das ich nicht besitze.

(Es klopft an die Tür von Frankas Arbeitszimmer – eine ihrer Töchter. Sie erklärt ihr, dass sie gerade nicht mit ihr sprechen kann, weil sie beschäftigt ist. „Please go back to your room, my love!“)

Lassen Sie sie doch rein und einmal in den Computer winken!

Geht nicht – ich hab die Tür abgeschlossen. (lacht)

Haben Sie den Eindruck, dass Frauen mit dezidierter Meinung immer noch gleich als Zicke gelten?

Ehrlich gesagt, habe ich manchmal das Gefühl, dass es in Deutschland noch mehr so ist als hier in Los Angeles. Wobei man mich eigentlich schon immer respektvoll und gleichberechtigt behandelt hat. Ich hatte aber auch meistens coole, smarte Leute um mich herum, nicht so alte Opas und Machos: Ted Demme, Paul Greengrass, Steven Soderbergh, Tom Tykwer…

Tykwer, Ihrem früheren Lebensgefährten, danken Sie im Abspann des Films. Sie haben also ein gutes Verhältnis?

Ich hatte Tom den Rohschnitt gezeigt, und er hat ein paar schlaue Anmerkungen gemacht. Da wir in derselben Facility in Berlin-Kreuzberg schnitten – er „Babylon Berlin“, ich meinen Film –, sind wir uns ständig über den Weg gelaufen.

Ihr Ehemann Derek Richardson spielt eine der Hauptrollen in „Home“ – hat er freiwillig mitgemacht? Optisch haben Sie ihn ja ganz schön verhunzt…

Ich habe die Rolle extra für ihn geschrieben, und er hat es geliebt, sich so verwandeln zu können! Er hat ja 20 Kilo abgenommen. Die Kinder haben geschrien und fanden es ganz schrecklich! Wenn er sie von der Schule abholte, dachten die Leute bestimmt, was ist denn mit dem los?!

Haben Sie sich mal gefragt, was aus Lola und Manni geworden ist? Wäre eine Fortsetzung von „Lola rennt“ eine reizvolle Idee?

Ist ein schönes Gedankenspiel, ja. Aber Moritz Bleibtreu und ich sind ja nun auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Ich glaube, keiner hat Bock, uns noch rennen zu sehen.

Vielleicht ein Rollstuhlrennen?

Ja, genau! (lacht)

Interview: Kalle Schäfer