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Frankreich


Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 10.04.2018

Urlaub auf der Seine: Die schönste Fahrt führt von Paris an den Atlantik. Mit einem Flusskreuzfahrtschiff und per Bus ist es am bequemsten


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Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 2/2018

Fast vor dem Eiffelturm starten die Flusskreuzfahrtschiffe. Historische Städte wie Rouen und idyllische Orte der Normandie mit Fachwerkhäusern und Obstgärten sind die attraktiven Zwischenstopps


Bilder: Depositphotos, Flickr, Nicko Cruises

Leise rauscht die Seine, auf dem Fluss die Schwäne… Schon in der ersten Stunde auf der „MS Seine Comtesse“ erinnert nichts mehr an das laute Paris mit seinen Straßensperren, Umleitungen und Demonstrationen, sondern nur noch an den fast ...

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... sechzig Jahre alten Frühlingsschlager mit dem Conny Froboess Ende der fünfziger Jahre einen Hit landete. Wenig scheint sich auf der Fahrt von Frankreichs Hauptstadt in Richtung Norden seit damals verändert zu haben.

Auf der ersten Station in Les Andelys, 85 Kilometer nordwestlich von Paris, landet tatsächlich ein Schwanenpaar neben unserem Ankerplatz. Liebespaare schmusen auf den Bänken am Flussufer. Kastanienbäume blühen auf dem steilen Weg zur Burgruine Gailard, die hoch über dem Städtchen thront. Richard Löwenherz, damals König von England und Herzog der Normandie, ließ die Festungsanlage im zwölften Jahrhundert erbauen.

Nur zwanzig Minuten dauert der Aufstieg vom Seineufer zur Burg. Von dort blicke ich über die grauen Schieferdächer des geschichtsträchtigen Städtchens auf eine der vielen Seine-Schleifen. In der Mitte des Flusses liegt eine grüne Insel, rechts und links dehnen sich Wiesen und Felder mit unzähligen weißen und roten Blütentupfen. Der Frühling ist die schönste Jahreszeit für eine kombinierte Fluss- und Busreise in Richtung Atlantikküste.

Nach einem kleinen Stadtbummel geht es weiter an Kreidefelsen vorbei über Rouen nach Caudebec-en-Caux, nicht mehr als ein etwas größeres Dorf, wenn da nicht eine spät mittelalterliche Kirche mit herrlichen Glasmalereien wäre. Im Gebäude hängt einer der größten Gewölbesteine des Mittelalters.

Hier gibt’s den besten Calvados

Mehr Zeit sollte man sich für die nächsten Stationen in der nördlichen Normandie-lassen. Im Mai blühen hunderttausende Apfelbäume. Der beste Calvados kommt aus dieser Gegend. Die Namen der Orte zerfließen wie Mousse au Chocolat auf der Zunge: Barfleur, Bayeux, Avranches oder Aromandes-le-Bains. Am Meer beeindrucken die Perlmutt- und die Alabasterküste. Spätestens in Honfleur sollte man einige Tage von Bord des Flusskreuzfahrtschiffes gehen, um alle schönen Seiten dieser Region zu genießen. Die rund einwöchige Schiffstour kann – nach Rücksprache mit der Reederei – unterbrochen werden. Eine Woche später ist die „Seine Comtesse“ für die Rückfahrt nach Paris wieder vor Ort.

Meine Lieblingsstadt wurde Honfleur. Das Hafenstädtchen an der Mündung der Seine in den Ärmelkanal verdient wie kein anderes die Bezeichnung „malerisch“, nicht zuletzt deswegen lautet die zweite Silbe des namens „fleur“, Blume. In den gepflegten Vorgärten blühen je nach Jahreszeit Vergissmeinnicht, Tulpen, Gladiolen und Rosen. Wie bunte Tupfen reihen sich die gelben, rötlichen und braunen Fassaden der sechsstöckigen alten Lagerhäuser am Hafenbecken aneinander. Davor schaukeln weiße Jachten und Segelboote. Unter roten, riesigen Sonnenschirmen trinken Urlauber und Einheimische ihren Café noir, alangé oder au lait, süffeln Cidre, Poire (Birnenschaumwein) oder einheimisches Bier.

Malerisch wie kaum ein anderes Motiv für Künstler und Hobbyfotografen: der Hafen von Honfleur


Berühmte Maler wie Courbet, Sisley, Pissarro, Renoir, Cézanne und Monet haben die Szenerie verewigt. Sie sieht heute noch genau so aus wie auf den Bildern aus dem frühen vorigen Jahrhundert.

Künstlertreff der ganzen Welt

Der berühmteste Sohn der Stadt, Eugène Boudin (1824 -1898), Vorreiter des Impressionismus, hat heute ein eigenes Museum im Ort. Durch Kopfsteinpflastergassen mit Fachwerkhäusern wie aus einer Märchenfilmkulisse spaziere ich in die Rue Homme de Bas zum kleinen, aber feinen Erinnerungsort an den berühmten Sohn, der das Hafenstädtchen bis heute zum Künstler-Treffpunkt machte. Denn noch immer trifft man am Hafen, vor der riesigen Holzkirche Sainte Catherine oder an der Lieutenance, dem Rest einer Festungsanlage, Hobbymaler aus der ganzen Welt. Das jüngste Lieblings-Motiv liegt vor der Stadt. Es ist die Pont de Normandie, mit 2141 Metern eine der längsten Hängebrücken Europas.

Nur schwer kann ich mich von Honfleur trennen. Gerne wäre ich am Abend in eines der gemütlichen Altstadtlokale eingekehrt, die angeblich besten Austern geschlürft und mit Cidre runter gespült. Aber der Bus ins benachbarte Etretat wartet. Dort an der Alabasterküste wollen wir den Sonnenuntergang erleben.

Nur einige Minuten sind es vom Parkplatz am Ortsrand zur Meerpromenade. Sie ist eingesäumt von den weißen Kalksteinfelsen, die sich im Abendrot in bizarre feuerrote Säulen verwandeln. Am Kieselstrand dazwischen kuscheln sich Liebespaare aneinander. Meistens weht ein kühler Wind. Es ist hier auch im Sommer nicht viel wärmer als 22 Grad.

Nur eine Viertelstunde dauert der Aufstieg von der Promenade zum Elefant-Felsen. Er lohnt sich. Von der kleinen Kapelle auf dem Felsplateau geht mein Blick weit über Küste und Meer. Wer nicht laufen will, kann von der Ortsmitte mit einer kleinen Bahn für sechs Euro zum besten Aussichtpunkt fahren.

Rund eine Million Besucher, vor allem aus Frankreich und England, kommen jährlich in den Badeort, der in Deutschland noch ein Geheimtipp ist. Zwischen Mai und September werden die Betten in den rund zwei Dutzend Hotels knapp.

Das kann man von Rouen, das wir auf der Herfahrt nur passiert haben, nicht sagen. Die Stadt wird eher als Zwischenstopp für Kulturreisende besucht. Für diese Tagesgäste hier gibt es rund 60 Hotels.

Die meisten Touristen kommen, um die riesige gotische Kathedrale (sehr beeindruckend) und den Platz zu sehen, auf dem die Jungfrau von Orleans, Jeanne d’Arc am 30. Mai 1431 verbrannt wurde. Davon wollten die Einwohner wohl lange nichts wissen. Erst seit 2015 gibt es im Bischofspalast eine „Historial Jeanne D’Arc“ mit Videobildern aus ihrem Leben (wenig spektakulär). Immerhin, seit 1979 trägt am Place du Vieux-Marché eine Kirche den Namen der französischen Nationalheiligen.

Frankreichs älteste Gaststätte

Nicht weit entfernt steht am Marktplatz die älteste Gaststätte Frankreichs „La Couronne“ (die Krone), bereits 1345 eröffnet und noch heute ein Gourmettempel, allerdings mit saftigen Preisen. Die Flasche Wein kostet mindestens 65 Euro, das Menü mit Gänseleber, Rinderfilet und Käse ist für 52 Euro zu haben.

Seit ein paar Jahren gilt Rouen als günstiges Einkaufsparadies für Familien. Sie kommen sogar aus Paris, das nur 45 Bahnminuten entfernt liegt. Alle großen Kaufhausketten haben in den Fußgängerzonen der Innenstatdt ihre Filialen. Vorbildlich sind die breiten Bürgersteige und Kinderwagenwege. Schon 2003 erhielt Rouen die Auszeichnung „kinderfreundliche Stadt“ von der UNICEF.

Hunderttausende Tulpen blühen im März und April in den Vororten der Seinestädte


Bilder: Depositphotos, Flickr

Bis zur Endstation in Paris gibt es jetzt noch einen absoluten Höhepunkt: Giverny mit dem Nachbarstädtchen Vernon.

Früher aufstehen als sonst heißt es. Denn wer nicht bis spätestens zehn Uhr auf dem riesigen Parkplatz vor dem einstigen Anwesen von Claude Monet steht, muss lange nach einer Autolücke suchen. Vor dem Kassenhäuschen zum berühmten Seerosengarten bilden sich bis zwei Kilometer lange Schlangen. Aus der ganzen Welt kommen die Besucher. Was sie finden, ist überwältigend. Narzissen, Tulpen, Gänseblümchen, Mohn, Löwenmäulchen, Pfingstrosen, Lilien, Rosen, Lavendel, - über 2000 Blumenarten verströmen ihre Düfte. Auf den Teichen blühen unzählige Seerosen. Weiden und Sträucher spiegeln sich auf dem Wasser. Wie auf den berühmten Gemälden des Meisters. Zwischen 1883 bis zu seinem Tod 1926 lebten das Malergenie und seine Familie hier. Rund 38 Millionen Euro wurden bis 1980 für die Renovierung und Pflege ausgegeben. Es hat sich wohl gelohnt: An die 600.000 Besucher kommen jedes Jahr.

GUT ZU WISSEN

Anreise: Per Flugzeug nach Paris, ab 70 Euro: Eurowings, z.B. ab Düsseldorf. Ab 75 Euro, ab Hamburg (Vergleichsportal www.discountflieger.de). Per Bahn, z. B. mit Thalys ab Köln, 35 Euro. Busreisen, z.B. mit „Continentbus“, ab 22 Euro. „Nicko Cruises“ bietet Busreisen mit Haustürabholung ab 259 Euro.

Pauschalrundreise: 8 Tage mit der „Seine Comtesse“ von Paris bis Honfleur mit Halbpension, deutschsprachiger Abendunterhaltung, ab 799 Euro (p.P., Zweierkabine), Einzelkabine ab 1039 Euro. Ausflugspaket per Bus, deutschsprachigen Führungen, Eintrittsgelder ab 159 Euro. Infos: www.nicko-cruises.de

Preischeck: Getränkepakete mit Wein, Bier, Cocktails, ab 160 Euro (.p.P. für die ganze Tour). Offene Hausweine pro Glas ab 4,50 Euro, Cocktails ab 6,50 Euro. Einkauf unterwegs bei Landgängen in Supermärkten: Flasche Wein um 2 Euro, Flasche Bier 1,20 Euro. Flasche Calvados ab 12,90 Euro, Flasche Cidre ab 2,95 Euro.

Hotels: Für Verlängerungstage in Paris, z.B. Hotel Bastille ***, gute Lage, 2017 modern renoviert, DZ ab 98 Euro. Preisvergleiche über www.mchotel.de

Buchtipps: „Nordmandie“, sehr ausführlich, 456 Seiten, 21,90 Euro, Michael Müller Verlag; Kompakt auf 148 Seiten 12,99 Euro, Marco Polo.

Allgemeine Infos: Französisches Fremdenverkehrsamt, Internet: de.france.fr und Normandie de.normandie-tourisme.fr/