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FRANKREICH CÔTE D’AZUR: SAVOIR VIVRE AN DER: CÔTE D’AZUR


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Die Französische Riviera bietet Tauchern eine Fülle an Leckerbissen – von tollen Makro-Spots über Schwarmfisch bis zu Wracks. Profi-Fotograf Kurt Amsler verrät seine Tipps.


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Vor dieser Küste liegen echte Traumspots (hier Cap Camarat an der Côte d’Azur).


FOTO: K. AMSLER

Für Taucher steckt die Côte d’Azur voller wichtiger Meilensteine: Da ist der malerische Küstenort Bandol, wo Jacques Cousteau im Jahre 1943 das von Ingenieur Emile Gagnan entwickelte erste Pressluftgerät ausprobierte. Toulon, Standort der legendären G.E.R.S, die unterseeische Forschungsgruppe, die von den Tauchpionieren Philippe Tailliez, ...

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... Federic Dumas und Jacques Cousteau gegründet wurde. Cannes, wo Dimitri Rebikoff die ersten UW-Kameras entwickelte und nicht zuletzt Marseille, seit jeher die Metropole der Taucherei und Sitz der weltberühmten Tiefsee-Tauchfirma COMEX.

Nicht zu vergessen, dass auch Hans Hass damals (1937) während seiner Semesterferien in Cap Antibes vom Engländer Guy Gilpatrick zum Freitauchen inspiriert wurde, was dann sein Leben prägte.

Auch ich habe, zu Beginn meiner Tauchkarriere in den frühen 60er-Jahren an der Côte das erste Mal Salzwasser geschluckt. Sicher hat die Unterwasserwelt damals etwas anders ausgesehen, doch wer glaubt, das Mittelmeer habe nichts mehr zu bieten, täuscht sich gewaltig. Im Mittelmeer erlebt man Tauchabenteuer, wie sie in tropischem Meeren nicht besser zu haben sind. Der Schutz des Meeres hat in Frankreich große Priorität. Es entstehen immer mehr UW-Nationalparks und viele Fischarten sind geschützt. Seit 15 Jahren lebe ich nun permanent in Südfrankreich und kann diese positive Entwicklung der Unterwasserwelt hautnah erleben. Dass ich aber ausgerechnet eimal in Bandol wohnen würde, wo Cousteau vor genau 75 Jahren die erste „Aqualunge“ ausprobiert hat, hätte ich mir damals beim Verschlingen seiner Bücher nie vorstellen können …

Saint-tropez: VIELSEITIG & BUNT

Saint-Tropez ist ein kleiner Hafenort im französischen Département Var. Er befindet sich an der Côte d’Azur, am östlichen Fuß des Massif des Maures. Das damalige Fischerdorf zog schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche berühmte Künstler wie Paul Signac, Henri Matisse und Pierre Bonnard an. Der Aufschwung von Saint-Tropez begann aber in den 1950er-Jahren, als sich der Ort zu einem Treffpunkt von Musikern, Filmstars und dem internationalen „Jet-Set“ etablierte.

Saint-Tropez ist berühmt für seinen großen Yachthafen und die Baie de Pampelonne – dem längsten Sandstrand der Côte d’Azur. Die Ortschaft wird von einer 1592 entstandenen Zitadelle („La Citadelle“) überragt, von der aus man einen schönen Ausblick hat. Sie beherbergt ein Museum für Seefahrts-und Ortsgeschichte. Saint-Tropez hat zwar weniger als 6000 Einwohner, über das Jahr verteilt sind jedoch etwa fünf Millionen Besucher dort.

In Deutschland ist Saint-Tropez vor allem durch Gunter Sachs und Brigitte Bardot und die Filme „Le Gendarmes de Saint-Tropez“, mit Louis de Funès bekannt geworden.

ROTE STEILWAND

Sonnenschein, kein Wind und absolut ruhige See, besser könnte dieser Morgen nicht sein! Wir haben Kon-Tiki Beach, Sitz von European Diving, hinter uns gelassen und nehmen Kurs auf Roche Rousso, ein unterseeisches Felsmassiv welches aus einer Tiefe bis 20 Meter unter die Oberfläche steigt. Der Platz liegt in östlicher Richtung, ziemlich genau drei Seemeilen von der Küste entfernt im offenen Meer. Mit den schnellen Schlauchbooten von Alex Vogl eigentlich nur ein Katzensprung.

Die Taucher auf unserem Boot sind bunt gemischt: zwei Franzosen aus dem Elsass, zwei Schweizer, drei Deutsche und drei Engländer mit dem goldenen Emblem des British Sub Aqua Club auf dem Anzug. Die gleiche Gruppe war schon gestern am Wrack der „Rubis“ mit dabei – und schwärmen jetzt noch davon. Am Tauchplatz angekommen geht dann alles schnell: Allez! Allez! Und alle rollen über Bord.

In einem Schwall silberner Luftblasen, schweben wir dem unter uns liegenden Riff entgegen. Das Wasser ist klar und tiefblau. Eine leichte Strömung lässt die Seegraswiese auf dem Plateau wie ein Kornfeld im Winde hin und her wiegen. Kurze Orientierung, Kamerabereitschaft erstellen, und wir lassen uns in die Tiefe sinken. Die Felswand, die hier steil abfällt, ist über und über mit roten Gorgonien bewachsen. Hochschauend sehe ich einen großen Schwarm Goldstriemen über der Kante stehen, an deren Leibern sich die Sonnenstrahlen tausendfach brechen. In 30 Metern Tiefe öffnet sich eine Grotte. Mein Tauchpartner fuchtelt aufgeregt mit der Lampe und beim Näherschwimmen, sehe ich mehrere große Langusten friedlich beisammensitzen. Ihre langen Antennen sind weit ausgestreckt und tasten nach uns unbekannten Wesen.

Die „Rubis“, ein U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, liegt in maximal 34 Metern Tiefe.


Krustenanemonen und Gorgonien leuchten mit dem Blau des Meeres um die Wette.


LEUCHTENDE EDELKORALLEN

Wir sind jetzt am Fuße der Wand in 45 Metern Tiefe angelangt, wo der Meeresboden in einen leicht abfallenden Sandgrund übergeht. Unter einem Überhang leuchten im Schein der Unterwasserlampen rote Edelkorallen von Daumendicke, und ganz hinten in der Spalte liegt ein Katzenhai. Diese Haie sind typisch für das Mittelmeer. Sie sind nicht lebend gebärend und verankern ihre Eier an Korallenästen, wo sie dann bis zum Schlüpfen der Babys hängenbleiben.

Wieder im freien Wasser beginnen wir mit dem Aufstieg. In 20 Meter Tiefe erleben wir gleich noch eine Überraschung: Auf einem Felsvorsprung sonnen sich zwei große Mérous, so heißen Zackenbarsche auf Französisch. Diese Fische unterstehen in Frankreich strengen Schutzregeln, weshalb die Population erfreulicherweise wieder stark zugenommen hat. Jetzt wird es aber wirklich Zeit aufzutauchen, die Computer zeigen bereits längere Stopps an. Unter dem Boot hängen auch schon die Engländer. Ihren unmissverständlichen Gesten zu entnehmen haben sie die Zackenbarsche auch gesehen – ich kann ihre Begeisterung gut verstehen.

Aber nicht nur dieser Platz ist ein Highlight, denn links und rechts von Saint-Tropez gibt es noch viele spektakuläre Tauchplätze. Und dann natürlich die Wracks! Im Einzugsgebiet von European Diving, zwischen Cavalaire sur Mer und St. Maxime, liegen über 20 versunkene Schiffe. Einige sind zerfallen, andere sind zu tief, aber die meisten werden regelmäßig angefahren. So zum Beispiel die legendäre „Rubis“, ein Minenleger-U-Boot. Die „Rubis“ war eines der wenigen U-Boote, welches während des Zweiten Weltkriegs für das freie Frankreich gekämpft hat. Das Wrack ist noch gut erhalten und liegt im 38-Meter-Bereich wie hingestellt auf hellem Sandgrund. Schon der interessanten Geschichte wegen ein spektakulärer Tauchgang!

KÜNSTLICHE RIFFE

Alle Wracks sind in den Jahren auf dem Meeresgrund zu künstlichen Riffen geworden, voll mit Gorgonen bewachsen und von Fischen bevölkert. Die meisten Wracks liegen ein Stück vor der Küste und setzen einen Ab-und Aufstieg im freien Wasser voraus. Das mag für Neulinge vielleicht die ersten Male etwas ungewohnt sein, aber mit Bezug zum Anker oder der Boje hat man das schnell im Griff.

REISE-FACTS

Die Tauchschule European Diving von Alex Vogl liegt im Kon-Tiki Village. Alex betreibt seine Basis seit über 20 Jahren und kennt jeden Felsen in seinem Revier. Getaucht wird von großen Schlauchbooten aus, die vor der Basis auf dem Strand liegen. European Diving betreibt auch noch zwei weitere Basen in Port Grimaud und Hyeres. Info: www.europeandiving.de

UNTERKUNFT
Das Feriendorf Kon-Tiki Village öffnet sich zum großen, feinen Sandstrand der Pampelonne Beach westlich von Saint-Tropez. Als Unterkunft werden dort sehr komfortable und gepflegten Hütten sowie Mobile-Homes angeboten. Auf dem Platz gibt es auch ein Spa mit Wellnessbereich und Schwimmbad, einen kleinen Supermarkt, verschiedene Restaurants und Animation, Kindergarten, Tennis und vieles mehr. Info: https://de.riviera-villages.com/KONTIKI

EMPFOHLENE RESTAURANTS
„Le Club 55“ Tahiti Beach (exklusiv), „NIKKI BEACH“ (www.nikkibeach.com/ destinations/beach-clubs/st-tropez)

Port-Cros: INSEL-IDYLL

Auf Initiative und durch persönliches Engagement einer gewissen Madame Henry, der damaligen Besitzerin der Insel, wurde Port-Cros im Jahre 1965 zum Nationalpark erklärt. Port-Cros gehört wie die Nachbarinseln Porquerolles und Levant zu den Îles d’Hyères. Unter Wasser erlebt man eine Flora und Fauna, die ihresgleichen sucht. Schon im seichten Wasser, welches an Klarheit kaum zu übertreffen ist, ziehen Schwärme von Meeräschen und Brassen dahin. Die Ufer fallen steil ab und die Überhänge und Grotten sind mit bunten Schwämmen und Hornkorallen bewachsen. Den absoluten Höhepunkt erleben Taucher aber bei La Gabinière, an der kleinen vorgelagerten Insel leben über 100 kapitale Zackenbarsche.

IM REICH DER ZACKENBARSCHE

Es ist ein herrlicher Septembermorgen. Der kleine Hafen von Port-Cros ist noch menschenleer, das erste Ausflugsboot von Le Lavandou trifft erst später ein. Wir lassen den Hafen südöstlich liegen und nehmen Kurs auf Gabinière, dem schroffen kleinen Inselchen. Die zehn Meter lange „Jean-Jann“ von Stephan Angers Tauchbasis Sun Plongée ist nicht gerade die schnellste, aber so lässt sich in Ruhe noch etwas an der Ausrüstung und Kamera werkeln. Vor uns wachsen jetzt die steilen Felszacken aus dem Wasser. Stephan steuert die Stelle an, auf welche alle hier an Bord gespannt sind: Merouville.

Jetzt geht alles sehr schnell – und im aufspritzenden Wasser, verschwinden alle in der Tiefe. Kurze Orientierung, Kamerabereitschaft erstellen und ab geht’s in Richtung der Schlucht, wo die größten Barsche der Insel leben sollen. Der Braune Zackenbarsch erreicht eine maximale Länge von über 1,2 Meter, bleibt allerdings in der Regel unter einem Meter lang. Zunehmend wird die Strömung stärker und es gilt noch die kleine Schlucht zu durchqueren, um dann auf der anderen Seite im Strömungsschutz zu sein. Und da sind sie, exakt gegen die Strömung ausgerichtet stehen sie da und scannen mit großen Kulleraugen die Umgebung.

Aus meiner etwas überhöhten Position kann ich alles überblicken. Einige können sich den Fischen sogar bis auf 50 Zentimeter nähern, und der Taucher links unter mir kommt schon gar nicht mehr zum Fotografieren, da der Barsch nämlich mit seiner Nase direkt vor seiner Frontscheibe steht.

Merouville ist aber nicht das einzige Highlight auf Port-Cros. Auf der Südostseite der Insel steht seit einigen Jahren ein Schwarm Barrakudas, von bestimmt über 100 Exemplaren. Wieder andere Plätze brillieren mit Schwammbewuchs oder einer spektakulären Topographie, gepaart mit enormem Fischreichtum. Drei Wracks werden von Sun Plongée regelmäßig besucht: die berühmte „Donator“, der Bug und das Heck der „Le Grec“, die nicht beisammen liegen, und die „Barque de Congre“, ein kleiner Schlepper, in dem viele Meeraale leben.

Port-Cros wird aber nicht nur unter der Wasseroberfläche genossen. Wenn nach 18 Uhr die letzten Ausflügler weg sind, gehört das Eiland den Ansässigen – den Tauchern, wenigen Hotelgästen und Seglern –, und die Insel zeigt ihren unglaublichen Charme. Daneben versetzt der Duft der Pinien und das Zirpen der Zikaden alle so richtig in Urlaubsstimmung. Südfranzösische Lebensgewohnheiten werden angenommen: Pastis zum Apéro und dann eine Flasche gut gekühlten Rosé aus der Gegend zum Essen.

Vor La Gabinière trifft man mit großer Sicherheit auf kapitale Zackenbarsche.


Idylle pur: In dem kleinen Hafen von Port-Cros urlaubt man abseits der Touristenströme.


FOTOS: K. AMSLER (4)

REISE-FACTS

Sun Plongée bietet alles in einem. Die Taucher-Unterkunft Maison du Port hat sieben große Doppelzimmer mit Bad, Terrasse oder Pergola. Die Mahlzeiten werden im Sun Bistro serviert, das zu Sun Plongée gehört. Der Besitzer Stephan Anger betreibt seine Basis seit über 30 Jahren und weiß genau, was Taucher wollen, was sich im guten Essen und in den Tauchplätzen reflektiert. Getaucht wird mit der „Jean-Jann“, einem 10-Meter-Kutter, der zwölf Meter langen „Telemac“, und der „Rox“, einem 7-Meter-Schlauchboot. Info: www.sun-portcros.com/pages/plongee/ index.php?p=accueil

UW-FOTOGRAFIE
Kurt Amslers UW-Fotoworkshops auf Port-Cros: www.photosub.com

ANREISE
Nach Port-Cros setzt man am besten von Le Lavandou aus über. Der Ort liegt in der Nähe von Toulon. Schiffe fahren täglich, die Fahrtzeit beträgt 30 Minuten. Ein Parkplatz liegt gleich neben der Anlegestelle. Info: www.vedettesilesdor.fr/lignes-regulieres/ lavandou-port-cros-levant

Marseille: WRACKS & BOUILLABAISSE

Rückblickend auf die Römerkultur, war „Massalia“, einer der wichtigsten Häfen für die Handelsschifffahrt. Vor allem Weine aus der Gegend wurden dort für den Transport in die römische Metropole verladen. Kennt man die Riffe und Inselchen vor der Küste, wundert man sich deshalb nicht, dass dort viele der römischen Galeeren leckschlugen und sanken. Eines der größten Wracks wurde bereits im Jahr 1952 von den französischen Tauchpionieren Cousteau, Taillez und Dumas vor der Insel Grand Congloue gefunden. Ein antiker Supertanker, der mehr als 4000 Amphoren geladen hatte!

Marseille war auch seit jeher die Hochburg des beruflichen Tauchens. Hier hat COMEX, die weltbekannte Tauchfirma, ihren Sitz und das IMPP ein Ausbildungszentrum für Tiefseetaucher.

Traumhaft: Der Blick über Les Goudes (südlich von Marseille) über die vorgelagerten Inseln (o.). Das eindrucksvolle Wrack der Messerschmitt liegt in 45 Metern Tiefe (u.).


FOTOS: L. VANRELL (1), K. AMSLER (2)

DIE LEUCHTTURMINSEL

Die nur knapp 1000 Quadratmeter große Leuchtturmrinsel Le Planier liegt sechs Meilen östlich von Marseille, im offenen Meer. Das Wahrzeichen ist ein Leuchtturm, der ohne jegliche Romantik wie ein Kaminschlot in die Höhe ragt. Die ganze Anlage gleicht einer Festung und war die Idee eines größenwahnsinnigen Regionalpolitikers, ein epochales Bauwerk ins Meer zu setzten.

Le Planier wird von den Tauchbasen rund um Marseilles angefahren, kann aber auch mit dem eigenen Boot besucht werden, denn die Insel ist bei gutem Wetter vom Festland aus gut zu sehen.

Die tückische Untiefe und die durch den Mistral oft sturmgepeitschte See haben dieses Eiland seit der Antike, zu einem Schiffsfriedhof gemacht. Bei Le Planier liegen gleich mehrere Wracks. Die schönsten sind die „Chauen“, die Messerschmitt und die „Dalton“. Auf dem römischen Wrack an der Südseite, von dem nur noch Amphoren zeugen, werden Taucher nicht unbedingt gerne gesehen.

Wrack-Stories sind immer interessant, weil die damit verbundenen Geschichten den Tauchgang besonders spannend machen. Eine ganz interessante hat die Messerschmitt zu erzählen: Damals, am 7. März 1944, näherten sich mehrere „B-17“-Bomber Marseille. Um die feindlichen Maschinen abzufangen, stiegen zwei Messerschmitt „ME 109“ auf. Einer der Piloten war Hauptmann Hans Fahrenberger. Die feindlichen Bomber waren von den deutschen Piloten schnell ausfindig gemacht und wurden, nach bewährter Technik mit der Sonne im Rücken, angegriffen. Fahrenberger setzte zum Sturzflug an und schoss aus dem im Propellerzentrum eingebauten 30-mm-Bordgeschütz Salve um Salve auf die feindlichen Flugzeuge ab. Er verfehlte aber das Ziel, und als er für einen erneuten Angriff die Maschine wieder senkrecht gegen den Himmel ziehen wollte, setzte plötzlich der Motor aus. Dank großer Höhe und starken Gegenwinds gelang es ihm aber, noch viele Meilen im Gleitflug in Richtung Le Planier zu steuern, wo er rund 100 Meter davor auf dem Wasser aufsetzte. Obwohl die Maschine innerhalb weniger Sekunden sank, konnte sich der Hauptmann auf das kleine Eiland retten.

Das Wrack liegt an der Nordseite der Insel in genau 45 Metern Tiefe. Nach dem Überqueren von zwei großen Felsblöcken weisen dann etliche Wegmarken, darunter ein Flügelfragment und Maschinenteile, hinunter zum Wrack. Der Jäger liegt mit ausgefahrenem Fahrwerk auf dem Rücken und ist in den über 60 Jahren auf dem Meeresgrund zu einer Oase für Lebewesen geworden.

Die „Chauen“ sank 1970 vor der Leuchtturminsel Le Planier. Sie liegt zwischen 10 und 30 Metern Tiefe.


TOLLE WRACK-AUSWAHL

Ein weiteres Wrack, die „Dalton“, liegt nur circa 100 Meter von der Messerschmitt entfernt. Seit dem 19. Februar 1928 schlummert das einstmals 70 Meter lange Schiff an der nordwestlichen Seite der Insel. Wie man sagt, habe die Besatzung bereits vor der Ankunft im Heimathafen mit Feiern begonnen und die Insel, trotz des Leuchtfeuers, einfach übersehen. Im Laufe der Zeit haben sich die tiefer liegenden Teile, vor allem das Heck auf 30 Metern Tiefe, in einen echten Gorgonienwald verwandelt. Über dem Deck und den zerfallenen Aufbauten stehen Schwärme von Schwalbenschwanzfischen und Fahnenbarschen. In Spalten und Nischen entdeckt man Muränen und typische Wrackbewohner wie den Gabeldorsch. Meeraale sind allgegenwärtig.

Das jüngste Wrack vor Le Planier ist die „Chauen“. Der am 21. Februar 1970 von Nordafrika kommende Frachter wollte eigentlich den Hafen von Marseille anlaufen, hatte aber anscheinend die Leuchtturminsel nicht auf dem Zettel.

Das Wetter an diesem beginnenden Winterabend war sehr gut, darum war es unverständlich, dass das Schiff noch bei Tageslicht und mit voller Fahrt in die Insel hineindonnerte. Durch die Wucht des Aufpralls, wurde der 1550-Tonnen-Frachter bis weit über die Felsen gehoben. Heute liegt der Bug auf zehn Metern und das Heck auf 30 Metern Tiefe. Das Wrack ist wegen des jungen Alters noch nicht stark bewachsen, trotzdem ist das Tauchen an der „Chauen“ ein Abenteuer. Die Ausmaße sind enorm und mit guten Lampen, kann problemlos ins Innere des Schiffes vorgestoßen werden. Je nach Sonnenstand dringen gleißende Lichtstrahlen durch Luken und Fenster in den Rumpf. Dann herrscht in den kahlen Laderäumen plötzlich eine Stimmung wie in einer Kathedrale. Der Besuch der riesigen Schiffsschraube auf 30 Metern Tiefe ist ein Muss! Von hier aus hat man dann auch einen grandiosen Überblick über das Wrack, das in einer 40-Grad-Schräglage auf seiner Backbordseite am Abhang liegt.

REISE-FACTS

EMPFOHLENE TAUCHBASEN
www.atelierdelamer-marseille.com www.atollplongee.com/index.html www.plongee-marseille.com

UNTERKUNFT
Hotel Le Mistral Info: www.hotellemistral.fr

EMPFOHLENE RESTAURANTS
Brasserie Rafael, 1 Avenue de la Pointe Rouge, 13008 Marseille Pascal’s Kitchen, 46 Avenue de Montredon, 13008 Marseille

Les Lecques: DER ALLROUND-SPOT

Zwischen Toulon und Marseille liegt Les Lecques/Saint-Cyr-sur-Mer in einer großen Bucht, der Rade de Lecques. Der lange Sandstrand ist der letzte der Côte d’Azur, denn weiter gegen Marseille, stoßen die hohen Küstenfelsen ans Wasser.

Speziell für UW-Fotografen bietet Les Lecques eine Vielzahl von ganz speziellen Tauchplätzen. Ein absolutes Makro-Paradies ist das westlich hinter der grünen Insel (Île Verte) liegende Felsenriff mit Namen Vierge oder La Grotte. Dort an der Schattenwand und in einem Tunnel, der quer durch das Riff führt, kriecht, schwimmt und wächst eigentlich alles, was in die Makrobrennweiten hineinpasst. Vor allem die wunderschönen Flabelina-Nacktschnecken gibt es im Frühjahr massenweise. Und die Decke des Tunnels ist voll mit roten Edelkorallen.

Für Fotografen sind die kräftig gefärbten Fächerkorallen wunderhübsche Motive.


Lungenquallen sind die größten Medusen im Mittelmeer. Sie sind schwach nesselnd und können einen Meter Durchmesser erreichen.


TAUCHPLÄTZE

Rund um das Seezeichen La Balise, das etwas südlicher aus dem Wasser ragt, fällt der Meeresboden rundherum steil ab. Das ist der Platz für Fischschwärme und, je nach Jahreszeit, einem riesigen Sardinenaufkommen, das aber nur wenige Tage stationär bleibt. Schulen von Goldstriemen, Brassen und Schwalbenschwänzen sind aber immer gegenwärtig, und wenn man ihr Verhalten einmal kennt, sind sie auch ganz einfach zu fotografieren. An der Südwestseite kann auch tiefer getaucht werden. Nach dem Überqueren eines Plateaus auf 30 Metern Tiefe, fällt der Fels abrupt senkrecht und überhängend ab, alles mit großen Gorgonien bewachsen. Die spektakulären Gogonienwände liegen aber 300 Meter südlich der Insel.

Rosier, Piere de Jas und Rousseau sind Felsmassive, die bis 20 Meter unter die Oberfläche wachsen. Die Plätze sind mit Bojen markiert an denen abgetaucht werden kann. Seit 15 Jahren gibt es hier auch wieder Zackenbarsche, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunimmt. Auch zwei große Barrakudaschulen ziehen um die Felsbuckel.

Ein ganz spezieller Platz für Halb-halb-Aufnahmen ist Calanque de Figuerolles. Dort ist das Wasser bei jedem Wind spiegelglatt und bietet ideale Voraussetzungen.

Weitere Höhepunkt sind die Wracks der „Voillier“, einem 30-Meter-Zweimaster, und der amerikanischen „P-38 Lightning“. Die damalige Hightech-Kampfmaschine der US-Airforce ist heute zur friedlichen Oase auf einer weiten Sandwüste geworden. In der Regel wird direkt neben dem Wrack geankert oder eine Boje gesetzt. Die P-38 liegt kopfüber auf dem Sand. Das backbordseitige Triebwerk wurde von der Tragfläche gerissen und liegt neben dem Wrack. Der linke Rumpf ist wie die Tragfläche intakt und verläuft bis zum riesigen hinteren Leitwerk. Der mittlere Rumpf mit der Pilotenkanzel ist ebenfalls gut erhalten, außer das die Nase mit den vier Geschützläufen etwas eingedrückt ist. Alle drei Fahrgestelle sind eingefahren, die Abdeckungen sind aber offen. Das zweite Triebwerk sitzt noch fest an der Tragfläche mit allen Propellern. Dort, wo der Zahn der Zeit die ehemals glänzenden Verschalungen der Motoren weggefressen hat, verzieren jetzt Schwämme und Röhrenwürmer die gewaltigen Naben und Zylinder. Auf dem aerodynamischen Rumpf haben sich Korallen und Kalkalgen wie Höcker angesetzt und unter den Tragflächen leben mehrere große Gabeldorsche, Hummer und Meeraale.

REISE-FACTS

Das Aquanaut Centre liegt im neuen Hafen von Les Lecques und ist perfekt ausgestattet. Direkt vor der Basis gibt es auch immer genügend Parkplätze.
Chef Patrik Belantonio und seine Frau führen den Betrieb seit 2002 zusammen mit erfahrenen Tauchlehrern sehr seriös und professionell. Auf der Basis wird auch Englisch und Deutsch gesprochen. Die zwölf Meter lange „Aquanaut“ und die zehn Meter lange „H2O“ sind speziell zum Tauchen konstruierte und bis ins Detail durchdachte Aluminiumschiffe.
Info: www.lecques-aquanaut.fr

UW-FOTOSCHULE VON

KURT AMSLER
Kurse finden in Zusammenarbeit mit Les Lecques Aquanaut statt. Info: www.photosub.com

EMPFOHLENE UNTERKUNFT
Der beste Platz vor Ort: Hotel und Restaurant Beausejour les Palmiers. Das rustikale Hotel hat Zimmer in verschiedenen Stilrichtungen. Die Küche ist wirklich erstklassig!
Info: www.beausejour-lespalmiers.fr

REISE-FACTS

ÜBER WASSER

Tauchferien an der Côte d’Azur werden nicht nur unter der Wasseroberfläche genossen! Die Landschaft des Südens, der Duft der Pinien und die malerischen Dörfchen der Provence versetzen den Besucher in eine entspannte Stimmung. Wer den kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Gehen Sie daür in die kleineren und zum Teil in Seitenstraßen versteckten Restaurants und Brasserien, die eine richtige „cuisine française“ auf den Tisch bringen. Ein Côtes de Provence „Bandol“ Rosé oder Rouge mundet dazu am besten!

TAUCHEN

Die wohl schönsten Regionen im Mittelmeer liegen zwischen 20 und 50 Metern Tiefe. Das bringt bereits einige Voraussetzungen im Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung mit sich. Eine 15-Liter-Flasche sollte es schon sein, um den Tauchgang richtig genießen zu können. Ein guter sechs bis sieben Millimeter dicker Nassanzug, Halbtrocki oder ein leichter Trockenanzug sind von Vorteil. Der Umstand tiefer und bei vielen spektakulären Plätzen und Wracks im freien Wasser ab-und aufsteigen zu müssen, erfordert auch etwas mehr Taucherfahrung und Training. Die Tauchbasen geben dazu aber gute Einweisungen. Brevets aller Ausbildungsorganisationen werden anerkannt. Es wird empfohlen, einen INT-Adapter mitzunehmen.

FAUNA UND FLORA

Die gewaltige Farbenpracht des Mittelmeeres ist einfach beeindruckend. Am besten hat man immer eine Lampe dabei, um in Spalten, Grotten und Höhlen leuchten zu können. Die Felswände und Wracks sind über und über mit Algenbüscheln, Schwämmen, Kalkgebilden, Gorgonien und Hartkorallen bewachsen. Hier in diesem Habitat leben dann auch die eher standorttreuen Lebewesen wie zum Beispiel Muränen, Conger, Drachenköpfe, Oktopoden und Zackenbarsche. Rund um die roten Gorgonien stehen Fahnenbarsche, die dieselben leuchtenden Farben zeigen wie ihre tropischen Verwandten. Im offenen Wasser kann man große Schwärme der kleinen dunkelfarbigen Schwalbenschwänze, jagende Makrelen und andere Raubfische beobachten. Seit einigen Jahren sind an vielen Plätzen Schwärme von großen Barrakudas zu sehen. Für Makrofans, ist das Mittelmeer ein nie endendes und faszinierendes Jagdgebiet. Gute Augen vorausgesetzt, findet man die verschiedensten Arten von Nacktschnecken in allen Farben und Formen. Auch die gelben Krustenanemonen, die weißen Polypen der roten Edelkorallen und diverse Röhrenwürmer lassen das Herz der Fotografen höherschlagen.

DIE WRACKS

Der Küstenstrich ist ein Eldorado für Wracktaucher. Allein um Marseille liegen mehr als zehn Schiffe, darunter die „Liban“, die „JU-88“ und eine deutsche Messerschmitt. Weitere Wracks findet man auf der Höhe von Toulon und rund um die Hyèrschen Inseln.

BESTE REISEZEIT

Im Mittelmeer kann im Prinzip das ganze Jahr hindurch getaucht werden. Die Wassertemperatur sinkt im Winter auf 14 Grad Celsius ab und klettern bis auf 18 Grad im Mai. Die beste Zeit ist von Juni bis Oktober. Viele finden den Herbst am schönsten, wenn die Côte d’Azur nicht mehr so überlaufen ist.


FOTOS: K. AMSLER (2), KARTE: DIKOBRAZIK/FOTOLIA