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FRANZÖSISCHE REVOLUTION


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 21/2022 vom 25.05.2022

EXTRATOUR

KENNEN SIE DIESE KATA- PULT-ACHTERBAHNEN? In denen Sie mit vollem Tempo nach vorn geschossen werden, so schnell, so plötzlich, so ruckartig, dass Ihnen die Luft wegbleibt? Dann können Sie im Ansatz erahnen, wovon ich jetzt schreibe. Der große Unterschied: Ich habe die volle Kontrolle über das Katapult und muss den Befehl zum Abschuss selbst geben.

Ich sitze im DS E-Tense Performance. Einem 815-PS-Elektromonster. Ein Motor zieht mit 250 kW (339 PS) an der Vorderachse, einer schiebt mit 350 kW (475 PS) von hinten. Unsere Teststrecke: der Flughafen von Le Castellet im Süden Frankreichs. Vor mir liegt die 1,7 Kilometer lange Landebahn– und in meinen Händen ein Formel-E-Lenkrad.

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 21/2022

Futuristisches Cockpit: Gesteuert wird der DS E-Tense Performance mit einem Formel-E-Lenkrad

„Der DS E-Tense Performance zeigt, dass man Technologie aus der Formel E auch in einem Straßenauto nutzen kann.“

Thomas Chevaucher

DS E-TENSE PERFORMANCE

815 PS 8000 Nm

Die Formel E, sie ist ein Grund, warum dieser ...

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... Sportwagen überhaupt existiert. DS Automobiles, der Luxusableger von Citroën, ist seit 2015 in der Elektroformel aktiv. Und erfolgreich. Viermal wurden die Franzosen Meister, zweimal mit den Fahrern Jean-Éric Vergne und António Félix da Costa, zweimal als Team. Im Vorgriff auf die Saison 2023, in der die Motoren von 250 auf 350 kW hochgedreht werden, haben die Ingenieure diese Konzeptstudie gebaut.

Carbonhülle, Schalensitze, edles Interieur aus schwarzem Leder. Angeschnallt mit einem Vierpunktgurt, lege ich den Startschalter rechts über meinem Kopf um. Das Elektro-Biest erwacht lautlos zum Leben. Linken Fuß auf die Bremse, an der rechten Schaltwippe ziehen, so den ersten Gang einlegen. Mit dem rechten Fuß sanft aufs Gas. Der E-Tense rollt los.

„Unser Ziel ist es, die in der Formel E gesammelten Erfahrungen und das Know-how aus unseren Titeln in ein Projekt einfließen zu lassen, welches das Hochleistungs-Elektroauto von morgen zeigt“, erklärt DS-Performance-Direktor Thomas Chevaucher. Parallel dazu wollen die Techniker Komponenten testen, die ab 2023 in der Formel E zum Einsatz kommen.

Deshalb arbeiten im E-Tense Performance zwei (aktuelle, aber teils aufgemotzte) Motoren aus der Elektrorennserie. Auch der Inverter, die Antriebswellen, das Getriebe, selbst die Dämpfer stammen aus der Formel E. Das Resultat: 815 PS und 8000 Newtonmeter Drehmoment erlauben den beherzten Sprint von 0 auf 100 in 2,0 Sekunden. Zum Vergleich: Die Formel 1 braucht dafür etwa 2,5 Sekunden.

Zunächst aber beschleunige ich aus meiner Schleichfahrt heraus auf Tempo 230. Wie an der Schnur gezogen summt der Wagen die Startbahn entlang. Das DS-Gefühl elektrisiert auch mich, die Fahrerin. Schneller als erwartet naht der Windsack, mein Bremspunkt. Mein linker Fuß drückt aufs Bremspedal. Der Sportwagen verzögert gleichmäßig und auch rechtzeitig, aber fast ohne Feedback an meinem Ballen.

DS E-TENSE PERFORMANCE

Motor Zwei Elektromotoren

Leistung 250 kW vorn, 350 kW hinten

Systemleistung 600 kW (815 PS)

max. Drehmoment 8000 Nm (am Rad)

Antrieb Allrad 0–100 km/h 2,0 s

Preis keine Angabe (Prototyp)

Der Grund: Die mechanische Bremse ist nur zu Sicherheitszwecken eingebaut. Für die Verzögerung sorgt ein Brake-by-Wire-Sys- tem, das über die zwei Motor-Generator-Einheiten bremst und mit nie da gewesenen 600 kW rekuperiert. Kein Wunder, dass die Batterie von Part- ner Total Energies, die einer Hülle aus Carbon-Alu-Verbundwerkstoff hinter den Sitzen schlum-mert, nach jeder Fahrt gekühlt werden will. Kapazität des innovativen Akkus mit „immersivem“ Kühlsystem? Will DS nicht verraten. Nur so viel: Ich könnte rund 15 Minuten willenlos auf den Stempel drücken – inklusive Bremseinlagen, versteht sich.

Zurück ins Katapult-Cockpit. Vorbereitung auf den Start mit Launch-Control-System. „Das ist der Traum eines jeden Ingenieurs“, sagt Thomas Chevaucher. „Denn es lernt live den Sweet Spot der Reifen.“ Also den Moment des perfekten Grips. Durchdrehende Räder? Fehlanzeige. Los geht’s: Paddel links hinterm Lenkrad ziehen, Fuß voll aufs Gas, durchatmen, Zweifel besiegen, Paddels loslassen. Dann packen die 21-Zoll-Reifen zu. Mein Kopf wird von der Schwerkraft nach hinten gerissen, meine Gesichtszüge entgleiten. Erst als ich nach gefühlten 30 Sekunden wieder Luft bekomme, brülle ich ein Schimpfwort in den Helm. Was war das denn, bitte? Hinterher erfahre ich: Von null bis 50 km/h habe ich 1,5 Sekunden gebraucht. Bei Tempo 75 habe ich gelupft. So weit ich mich erinnere, war mein Magen da noch an der Startlinie und ist zwischenzeitlich durch Schmetterlinge ersetzt worden. Also musste ich auf ihn warten. Verständlich, oder?

Spätestens jetzt weiß ich: E-Mobilität elektrisiert. Der E-Tense Performance wird zwar eine Studie bleiben. Ein Vorgeschmack aber auf das, was möglich ist, wenn ab 2024 jedes neue DS-Modell elektrisch fährt. Vive la France!

Bianca Garloff

INTERVIEW

JEAN-ÉRIC VERGNE

„WIR ENTWICKELN DIE AUTOS VON MORGEN“

Jean-Éric Vergne, als Doppelchampion der Serie schwärmen Sie von der Formel E. Warum?

Jean-Éric Vergne: Wir sind Botschafter der E-Mobilität. Indem wir in den Herzen der Städte fahren, zeigen wir, dass man mit E-Autos mittlerweile sehr viel machen kann – eben auch zur Arbeit fahren und mittlerweile sogar weite Strecken zurücklegen.

Wir fahren nicht nur Rennen, wir werben für eine neue Art der Mobilität. Das ist wichtig, denn es ist die Zukunft.

Sie sind überzeugt von der Elektromobilität?

Ja. In 20 Jahren werden wir keine Benzinautos mehr in den Städten sehen. In einigen Städten kommt das sogar noch früher. Es ist der Weg, den wir gehen müssen. Und die Hersteller müssen die besten Autos dafür bauen.

Motorsport wird wieder ein Labor. Die Formel 1 ist das nicht mehr. Nennen Sie mir ein normales Auto, das mit dem gleichen Antrieb fährt wie die Formel 1.

Wenn es solche Sportwagen überhaupt gibt, kosten die mehr als 300 000 Euro. Wer soll solche Autos kaufen? Die Formel E ist viel relevanter, denn hier entwickeln wir die Autos von morgen.

Und sie ist anspruchsvoller, als man denkt. Vergleichen Sie sie bitte mal mit der F1.

Wir sind zwar langsamer in den Kurven, aber wir kämpfen viel mehr mit dem Auto. Es ist extrem herausfordernd, diese Fahrzeuge am Limit zu bewegen.

Auch deshalb, weil wir während des Rennens so viel Energie sparen wie möglich, daneben noch mit den anderen Jungs Rad an Rad kämpfen. Du bist im Kopf deshalb viel aktiver als in der Formel 1. Das ist, als würde man während des Fahrens Schach spielen.

„Der DS E-Tense Performance gibt auch einen Ausblick auf die optischen und stilistischen Trends unserer zukünftigen Modelle.“

Thomas Chevaucher, DS-Performance-Direktor