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Frauen reagieren auf leere Ränge anders als Männer


Gehirn & Geist - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 03.09.2021

Geschlechterunterschiede

Artikelbild für den Artikel "Frauen reagieren auf leere Ränge anders als Männer" aus der Ausgabe 10/2021 von Gehirn & Geist. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gehirn & Geist, Ausgabe 10/2021

Ob bei der Bundesliga oder den Olympischen Spielen: In Corona-Zeiten müssen Sportlerinnen und Sportler oft vor leeren Rängen performen. Doch wie wirkt sich das auf ihre Leistung aus? In einzelnen Sportarten ließ sich das in den vergangenen Monaten bereits untersuchen. Ein Team der Universitäten Jena und Halle-Wittenberg beobachtete bei Biathlon-Wettbewerben: Als dort pandemiebedingt niemand zuschaute, veränderte sich tatsächlich die Leistung – allerdings bei Männern und Frauen in unterschiedlicher Weise. In der Saison 2020 waren Männer beim Skilanglauf im Schnitt langsamer, Frauen hingegen schneller als in der Vorsaison. Am Schießstand kehrten sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern um.

Bislang war bekannt, dass die Anwesenheit von Publikum die Leistung vor allem dann steigert, wenn es um Anstrengung und Ausdauer geht. Fachleute sprechen dabei auch von sozialer Aktivierung: Wenn andere zugucken, steigt die Aufregung und setzt zusätzliche Kräfte frei. Bei komplexeren Aufgaben, die Koordination erfordern, schien sich die Leistung eher zu verschlechtern. Die Befunde waren allerdings nicht ganz eindeutig, und sie stützten sich vorwiegend auf Untersuchungen mit männlichen Probanden.

Bei den Männern zeigten sich die bekannten Effekte nun auch in der aktuellen Studie, berichtet das Team um Amelie Heinrich, Sportpsychologin im deutschen Biathlon-Nachwuchskader. Die Gruppe verglich die Leistungen von knapp 120 Athleten und Athletinnen in der Saison 2018/2019 sowie 2020 während der Corona-Pandemie. Die Männer liefen wie erwartet mit Publikum schneller, schossen aber schlechter – passend dazu, dass Schießen mehr Koordination erfordert als Skilanglauf und die Leistung deshalb unter der zusätzlichen Aufregung leidet.

»Bei den Frauen war es interessanterweise genau umgekehrt«, berichtet Heinrich: Sie liefen vor Publikum etwas langsamer, schossen dafür jedoch schneller und trafen tendenziell auch besser. Koautor Oliver Stoll von der Universität Halle-Wittenberg sagt: »Das Ergebnis weist auf einen bisher unbekannten Unterschied zwischen Männern und Frauen hin.« Wie es zu den unterschiedlichen Reaktionen kommt, sei allerdings noch unklar. Heinrich und ihre Kollegen halten es für möglich, dass die Anwesenheit von Publikum bei den Sportlern geschlechtsspezifische Stereotype aktiviert.

Psychology of Sport and Exercise 10.1016/j.psychsport.2021.101943, 2021

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