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Frauenbekenntnis: DAS LIEGT MIR AM HERZE: Um meinen Kummer zu überdecken, kaufte ich wahllos ein: SALE


Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 23.03.2019

Petra W. (39) gibt für sich und ihre Tochter Emilie (5) zwanghaft Geld aus. Für kurze Zeit beschert ihr das ein wenig Glück. Denn ihr Mann Hannes (43) liebt eine andere …


So viele Klamotten kann kein Mensch tragen. Das ist doch nicht normal!“ Kopfschüttelnd stand mein Mann Hannes vor den beiden Kleiderschränken im Schlafzimmer. Sie waren rappelvoll. Ebenso wie der Schrank im Flur. Manchmal hing an den Kleidungsstücken noch das Preisschild dran, während Emilie aus den niedlichen Kindersachen schnell herauswuchs …

„Es ist auch nicht normal, dass ein Mann mit zwei Frauen herummacht und seine Familie ...

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... vernachlässigt“, brüllte ich ihn an. Früher war Hannes ein liebevoller Papa und zärtlicher Ehemann gewesen. Bis er dann Sophie kennenlernte …

Immer wieder versprach mein Mann, die Affäre mit der 28-Jährigen, die nun schon eineinhalb Jahre ging, zu beenden. Doch er tat es nicht. Auch Emilie quengelte viel und verlangte nach ihrem Papa, der oft nächtelang wegblieb.

Um mich zu trösten, kaufte ich eines Tages ein schickes Cocktailkleid. Das schöne Stück heiterte mich auf. Als die nächste depressive Phase kam, erwarb ich einen Kaschmirpullover. Knallrot, weich und anschmiegsam. Beide Artikel zahlte ich mit der Kreditkarte unseres gemeinsamen Kontos, das jetzt siebenhundert Euro weniger Guthaben hatte. Das war es wert gewesen, fand ich, beschloss aber, in Zukunft reduzierte Sachen zu erwerben.

Weil ihr Mann sie mit einer jüngeren Frau betrügt, kauft sich Petra neue Kleidung, um sich zu trösten


Bald übte das Schild „Sale“ eine magnetische Wirkung auf mich aus. Wenn eine Ware reduziert war, ratterten meine Gedanken: „Das gönnst du dir jetzt. Hannes ist ja so gemein“, und rechtfertigten den unnötigen Kauf.

Ich kaufe Dinge, die ich nicht brauche

Ich liebte die Aufmerksamkeit der Verkäuferinnen. Sie waren so nett, einfühlsam und sie bestätigten mir meinen guten Geschmack – und meine tolle Figur. Und Emilie wurde vom Verkaufspersonal geherzt und mit Kleinigkeiten verwöhnt. Doch wenn das Glücksgefühl dann nachließ, spürte ich jedes Mal Schuld und Reue. Viele Dinge trug ich gar nicht, verschenkte sie oder gab sie in die Kleidersammlung.

„Mama hat sehr geweint. Dann ist sie wieder ins Kaufhaus gegangen“, brachte Emilie eines Tages die Wahrheit auf den Punkt, als sie von ihrem Papa gefragt wurde, was wir denn so gemacht hätten. Hannes zog daraufhin den Kopf ein und schwieg. Er wusste, was er mir antat. Aber er änderte nichts.

Bis eines Tages seine Kreditkarte gesperrt war. „Du ruinierst mich!“, sagte er, als ich ihn zur Rede stellte. Da hatte ich bereits 12 000 Euro verprasst. Hannes, der gut verdiente, hatte dem Treiben wohl nur deshalb zugeschaut, weil er sich schuldig fühlte. Auf sein neues Konto hatte ich keinen Zugriff mehr. Er zahlte die Miete und gab mir Geld für Emilie und mich. Selbst verdientes Geld hatte ich nicht, weil ich meinen Job, in Absprache mit Hannes, damals aufgegeben hatte. Jetzt drohte mir Hannes damit, mir Emilie wegzunehmen. Das rüttelte mich wach. Endlich suchte ich Hilfe …

Heute weiß ich: Kaufsüchtige sind oft sehr einfühlsame und liebenswerte Menschen, die es nicht gelernt haben, auf ihre eigenen Grenzen zu achten. Ich dachte immer, ich darf mich wegen Emilie nicht von Hannes trennen. Damit habe ich mich emotional selbst überfordert, Eigenverantwortung und einen gesunden Egoismus hinten angestellt. Die Kaufsucht war der Versuch, mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Selbsthilfegruppe gibt mir Rückhalt

Hannes wohnt nun bei Sophie, und ich habe die Scheidung eingereicht. Ich will endlich zur Ruhe kommen. Seine emotionalen Verletzungen muss ich nun nicht mehr ertragen. Er wollte uns nicht mehr. Für Emilie haben wir eine gute Besuchsregelung gefunden.

Seit ich eine Therapie mache, weiß ich, wie ich das zwanghafte Kaufverhalten hinauszögern oder wegdrücken kann.

Inzwischen arbeite ich halbtags und bin in einer Selbsthilfegruppe. Hier finde ich Verständnis und Rückhalt. Auch Angela habe ich dort kennengelernt. Sie hat nach dem Tod ihres Mannes Ähnliches durchgemacht und weiß, wie grausam Einsamkeit sein kann. Wir helfen und trösten uns gegenseitig …


Foto: AdobeStock, Pixabay