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FREI SEIN: Bella Figura!


South - epaper ⋅ Ausgabe 1/2018 vom 21.03.2018

Es ist ein Klischee, aber es ist auch was dran:Südländische Frauen lieben das Leben, ihren Körper und den Genuss. Und das sieht man ihnen auch an. Zeit, sich davon endlich eine Scheibe abzuschneiden


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Bildquelle: South, Ausgabe 1/2018

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Bellissima! Egal ob Sophia Loren (1, 3, 4, 6, 7 ), Gina Lollobrigida (5 ) oder Monica Bellucci (2 ) – italienische Frauen stehen für Eleganz, Weiblichkeit und vor allem: Selbstbestimmtheit. Sie wissen um ihre Wirkung und trauen sich, sie selbstbewusst zu feiern. Warum auch nicht? Das Leben ist schließlich zu kurz, um in der zweiten Reihe zu stehen!

Das Schöne sehen zu können verleiht dem Leben ...

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Das Schöne sehen zu können verleiht dem Leben Sinn. Damit sind nicht nur Blumen, weite Felder und verschneite Berggipfel gemeint, sondern auch das Gefühl zu sich selbst. Und da, seien wir mal ehrlich, könnte es bei uns deutschen Frauen ein bisschen besser laufen. Irgendwie fehlt uns diese körperliche Selbstverständlichkeit, die südeuropäischen Frauen ganz mühelos zu gelingen scheint.

Nehmen wir zum Beispiel Monica Bellucci, diese menschgewordene Symbiose aus kurviger Sexyness und Selbstbestimmtheit. Wie selbstverständlich bot sie in „Spectre“, dem letzten Bond-Streifen, dem vier Jahre jüngeren Daniel Craig nicht nur schauspielerisch die Stirn. Schon oft hatten die Regisseure der Actionreihe versucht, sie zu einer Rolle als Bond-Girl zu überreden. Ohne Erfolg. Die mindestens so eigenwillige wie erotische Bellucci hatte keine Lust, das nächste liebenswürdige Dummchen zu spielen, das von dem testosterongesteuerten Agenten mit der Lizenz zum Töten verführt wird. Erst als ihre Filmrolle auch ihrem Bild der eigenständigen, intelligenten und trotzdem verführerischen Frau entsprach, willigte sie ein. Und wurde dafür gefeiert. Warum? Weil sie bewies, dass sich Weiblichkeit und Durchsetzungskraft nicht ausschließen. Um als Frau ernst genommen zu werden, sollte es keinen Unterschied machen, ob der Schlitz am Rock einen Zentimeter oder einen Meter lang ist.

Jaaaa, mögen Sie jetzt kritisch einwerfen, wer von der Natur mit solchen Attributen gesegnet wurde wie diese Dame, kann ja eigentlich gar nichts mehr falsch machen. Aber es sind eben nicht nur die Haare, die Lippen und das Dekolleté, die sie so strahlen lassen. Es ist vielmehr die gesamte Art und Weise, wie sie ihre Weiblichkeit präsentiert, ach was, zelebriert. Frauen wie Monica Bellucci oder auch ihre spanische Kollegin Penélope Cruz sehen keinen Widerspruch darin, völlig emanzipiert und gleichzeitig tief dekolletiert zu sein. Sie stehen am Lebensbuffet und nehmen sich, was ihnen schmeckt, woran sie Spaß haben und was ihnen guttut.

Sie sind laut und verschwenderisch mit Gefühlen. Sie lieben ihre Kurven und betonen sie selbstbewusst. Das Leben ist ein Fest, das es bis zum letzten Tropfen Rotwein genüsslich auszukosten gilt. Die Philosophen der Aufklärung hätten an den heutigen Südeuropäerinnen ihre helle Freude gehabt. Für sie galt Schönheit nämlich als Ausdruck „heiterer Gelassenheit“. Leider sind viele von uns davon so weit entfernt wie die Titanic von der Südsee.

Zugegeben, wir haben es gerade wirklich nicht leicht. Wie soll man auch zwischen Frauenquote, Sexismusdebatte und Kinderzimmer seinen Platz finden? Wir müssen uns entscheiden – entweder Mutti oder Sexbombe, hilflos oder stark, pragmatisch oder romantisch, Fashionista oder Aufsichtsrätin. Glauben wir. Für Südeuropäerinnen sind all diese verschiedenen Rollenbilder jedoch kein Grund zum Klagen oder sich entscheiden zu müssen, sondern ein Beispiel ihrer grenzenlosen Ausdrucksmöglichkeiten. In Italien führen nicht nur „viele Wege nach Rom“, sondern auch zu einem beneidenswert entspannten Frausein.

Wer wissen will, wie man unverkrampft durchs Leben geht und trotzdem bekommt, was man will, dem sei Sophia Loren in „Gestern, heute und morgen“ ans Herz gelegt. Wie sie da im Kittel eine genauso gute Figur macht wie im Abendkleid und dabei den Beweis antritt, dass man sich ein schönes Leben nur aus sich selbst heraus erschaffen kann.

Bis heute haben sich die italienischen Frauen diese wilde, natürlich Lebenssehnsucht bewahrt. Besonders in Kalabrien, dem Zeh des italienischen Stiefels, lässt es sich mühelos in die Leichtigkeit des Lebens abtauchen. Herzlich, überschwänglich, fröhlich, lärmend sitzen die Frauen dort mit ihren langen schwarzen Haaren am Strand oder in den unzähligen Restaurants und Bars, tauchen ihr Brot noch ein weiteres Mal in das kräftig schmeckende Olivenöl, während sie gestikulierend über das Leben diskutieren. Kann denn Genuss Sünde sein? Nein! Die Frauen hier stressen sich nicht, zumindest nicht so sehr wie wir. Und genau diese Entspanntheit ist es, die sie attraktiv wirken lässt. Das Leben wird hier nicht mit Foundations und Make-up verdeckt. Es strahlt einem entgegen und nimmt einen mit. Im weltweiten Vergleich legen italienische Frauen zum Beispiel verhältnismäßig wenig Wert auf Make-up. Sie investieren lieber in gute Cremes.

Kann denn Genuss Sünde sein? Auf keinen Fall!

Viel mehr braucht es dank mediterraner Kost vermutlich auch nicht. Da können einem Pizza, Pasta, Weißbrot, Öl und Rotwein nicht mehr viel anhaben. Vielleicht hilft es zusätzlich, dass die Damen aus dem Süden ihre Speisen nicht in Sahne ertränken oder unter einer zentimeterdicken Käseschicht ersticken. Knackig soll es sein – und hochwertig. Spanierinnen zum Beispiel investieren ein Zehntel ihres Einkommens in Lebensmittel.

Und wenn das Kleid trotzdem mal kneift? Dann bloß keine Crash-Diät. Ein Glas Wein weniger muss fürs Erste reichen. Ansonsten kann man immer noch in Erwägung ziehen, den alten Fummel gegen etwa Neueres einzutauschen. Wer schön sein will, muss schlicht und ergreifend wissen, wer er ist. Es geht dabei vor allem um eine innere Haltung, durch die man nicht gleich ins Wanken gerät, wenn es Probleme gibt. Die Anker für diese innere Einstellung heißen Grazie und Ausstrahlung.

Mit dieser Selbstverständlichkeit geht es sich direkt ganz anders durchs Leben – gefühlvoller, offener und sinnlicher. Da macht es einem auch nicht mehr so viel aus, jedes Jahr älter zu werden. Selbst mit 83 kann man schließlich noch Grazie ausstrahlen. Werfen Sie nur mal einen Blick auf die bereits erwähnte Sophia Loren oder auf all die alten Damen, die in Portugal oder Spanien neben ihren Freundinnen auf der Straße sitzen, mit einem Glas Rotwein oder Kaffee in der Hand. Ganz verwegene Exemplare ziehen sogar genüsslich an einer Zigarette. So lassen sich auch die späteren Jahre des Lebens in vollen Zügen genießen. Im Süden gibt es kein Verfallsdatum für Spaß und Schönheit. Man lebt in dieser wunderbaren Überzeugung, ganz allein bestimmen zu können, wann Schluss ist mit tiefem Dekolleté, wilden Locken und öffentlichen Auftritten. Frauen können immer alles sein – und gerade deshalb immer authentisch.


Foto: picture alliance (7), Text: Yvonne Adamek