Lesezeit ca. 7 Min.

Freund oder Feind ?


Logo von Deine Gesundheit
Deine Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 20.05.2022
Artikelbild für den Artikel "Freund oder Feind ?" aus der Ausgabe 3/2022 von Deine Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deine Gesundheit, Ausgabe 3/2022

Von Bärbel Rockstroh und Sebastian Rockstroh, BuchautorIn sowie HeilpraktikerIn für Psychotherapie und TraumatherapeutIn mit eigener Naturheilpraxis, Münstertal/ Schwarzwald

„Sei kein Weichei! Stell Dich nicht so an! Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Mit solchen Aufforderungen versuchten Eltern in früheren Generationen, ihre Kinder für das Leben zu ertüchtigen. Heutzutage weiß man, wie wichtig ein empathischer Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen für die Entwicklung eines Kindes ist. Zumindest theoretisch. Praktisch hat sich leider nicht allzu viel geändert. Beispiel gefällig? Ein kleiner Junge fällt hin, schlägt sich das Knie auf und läuft weinend zu seiner Mutter. Sie nimmt ihn zwar auf den Schoß, sagt aber: „Alles gut. Nichts passiert.“ Doch, es ist etwas passiert! Der Junge hat Schmerzen und der Schreck ist ihm in die Glieder gefahren. Oder diese Szene: Auf der Autofahrt zum Kindergarten quengelt ein kleines Mädchen vom Rücksitz, es habe schrecklichen Durst. Der Vater beschwichtigt: „Wir sind ja gleich da. Das hältst Du schon noch aus, ist doch nicht so ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Deine Gesundheit. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Dauernd müde und erschöpft ?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Dauernd müde und erschöpft ?
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Wechseljahre. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wechseljahre
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Mit ThetaHealing® zurück zum inneren Frieden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mit ThetaHealing® zurück zum inneren Frieden
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Sodbrennen, Refluxkrankheit – Säurestau im vollen Magen
Vorheriger Artikel
Sodbrennen, Refluxkrankheit – Säurestau im vollen Magen
BÜCHER
Nächster Artikel
BÜCHER
Mehr Lesetipps

... schlimm.“ Doch, es ist schlimm! Das Mädchen hat Durst – ein nicht verhandelbares körperliches Grundbedürfnis. Die Beispiele zeigen den Zwiespalt des Kindes, das widersprüchliche Signale erhält: Da sind auf der einen Seite die reellen Körperempfindungen und Emotionen. Auf der anderen Seite steht die Botschaft „Was Du fühlst ist falsch oder zumindest nicht wichtig.“ So lernen schon die Kleinsten, den eigenen Empfindungen zu misstrauen, sie zu unterdrücken und auszublenden. Sie wollen ja schließlich dem Bild der Eltern als liebes oder tapferes Kind entsprechen und dafür Zuwendung erhalten. In Schule, Studium und Arbeitswelt Deine setztGesundheit sich diese Erfahrung 3/22_20/05 fort. Der Mensch erhält Anerkennung, wenn er verlässlich seine Pflicht erfüllt wie eine gut geölte Maschine. Es gilt als Tugend, körperliches und seelisches Leid klaglos zu ertragen.

So lernen schon die Kleinsten, den eigenen Empfindungen zu misstrauen, sie zu unterdrücken und auszublenden.

Der Umgang mit Symptomen

Erziehung und Grundhaltung der Gesellschaft belohnen also die Gefühllosigkeit, das Taffsein. In der Folge sind wir Menschen häufig durch unsere Körperempfindungen verwirrt und überfordert. Wir spüren zwar die Symptome, lehnen sie aber als lästig oder störend ab. Brav und tapfer wie wir sind, ignorieren wir die Signale des Körpers, indem wir uns ablenken und durchhalten: Wir arbeiten bis zur Erschöpfung und sinken abends fix und fertig aufs Sofa. Dort betäuben wir uns mit Alkohol, Nikotin, Cannabis oder anderen Nervengiften. Sind wir von starken Emotionen aufgewühlt, dann schlucken wir sie nach dringend eine Pause, dann putschen wir uns mit Kaffee oder Cola auf. Laufen uns im wahrsten Sinne des Wortes die Köpfe heiß, die Gedanken kreisen und wir finden keinen Schlaf, dann lassen wir uns vom Fernsehen berieseln.

Entgegen der weitverbreiteten Kräften hinunter und verwenden den Körper wie eine unterirdische Mülldeponie. Fühlen wir uns schlapp und bräuchten Ansicht, die Zeit heile alle Wunden, nehmen die Symptome mit dem Alter zu. Die Beschwerden werden zum Dauerzustand und ab irgendeinem Zeitpunkt ist Ignorieren nicht mehr möglich. Dann erklären wir das Symptom kurzerhand zum Feind, den es zu bekämpfen gilt. Sobald unerwünschte Körperempfindungen wie zum Beispiel Schmerzen auftreten, wird als Erstreflex mit einem symptom-unterdrückenden Pharmaprodukt zurückgeschossen. Mit circa 150 Millionen Packungen jährlich sind Schmerzmittel in Deutschland die am häufigsten verkauften Arzneien. Jede/r Deutsche nimmt im Schnitt circa 50 Stück pro Jahr ein. Hilft auch das nicht, dann kommt die Allzweckwaffe ins Spiel: eine Operation. Sie soll die Beschwerden ganz einfach wegschneiden. Doch auch dieser Kahlschlag löst häufig das unter den Symptomen liegende Problem nicht.

Wenn die Seele weint und der Mund schweigt, dann spricht der Körper

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass ein großer Teil der Menschen in den Kliniken und Krankenhäusern der westlichen Welt statt der medizinischen Versorgung eigentlich psychische Betreuung bräuchte. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Seele weint und der Mund schweigt, dann a A spricht der Körper. Das kann zu langanhaltenden körperlichen Beschwerden führen, für die es keine nachweisbare Ursache zu geben scheint und die sich trotz teilweise intensiver Behandlung nicht nachhaltig bessern. Falls es für Ihre Symptome keine offensichtliche Erklärung und keine standardisierte Behandlungsmethode gibt, dann wird Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an eine Fachpraxis überweisen. Wenn auch dort kein Ergebnis erzielt werden kann, erfolgt die nächste Untersuchung durch eine noch spezialisiertere Instanz und so geht es weiter. Mit stets kleinerem Blickfeld und teureren Geräten wird nach der einen Ursache für Ihre Erkrankung gesucht. Dabei gerät nicht nur der Mensch als Ganzes immer mehr aus dem Fokus, sondern auch und vor allem psychische Aspekte, die den Beschwerden zu Grunde liegen könnten. Diese für psychotherapiebedürftige Menschen mühsame Odyssee durch die Welt der hochschulwissenschaftlich orientierten Spezialist/innen dauert oftmals mehrere Jahre.

Was will mein Körper mir sagen?

Die gute Nachricht lautet: Wenn Ihre Seele beim Körper anklopft und Sie darauf aufmerksam macht, dass in Ihrem Leben etwas aus der Balance geraten ist, dann gibt es einen alternativen Weg. Statt das Symptom zu bekämpfen haben Sie die Möglichkeit, sich ihm zuzuwenden und seine Botschaft zu entschlüsseln. Das ist zugegebener Maßen nicht immer ganz einfach. Sich den Themen zu öffnen, die häufig schon eine ganze Weile unter der Oberfläche schlummern, erfordert Mut und Überwindung. Es gibt ja schließlich einen triftigen Grund dafür, dass Sie bisher ignoriert haben, was Ihre Seele Ihnen mittels Körper sagen will. Meist ist es die Angst vor Leid und Kummer. Diese Befürchtung ist sicher nicht ganz unberechtigt. Die Auseinandersetzung mit seelischen Belastungen kann schmerzhaft und das Ändern von Gewohnheiten mühsam sein. Vielleicht macht die folgende Geschichte Ihnen Mut, trotzdem diesen Weg zu beschreiten. Die Khoisan im südlichen Afrika, besser bekannt unter der von holländischen Siedlern gewählten Bezeichnung Buschmänner, laufen bei ihrer traditionellen Ausdauerjagd den Tieren so lange hinterher, bis diese erschöpft zusammenbrechen. Beim Weg durch die trockene Savanne kann es schnell geschehen, dass einer der Männer in einen spitzen Dorn tritt, der tief im Fleisch des Fußes stecken bleibt. Lässt er ihn dort, quält er ihn nicht nur bei jedem Schritt, sondern die Wunde würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entzünden, eventuell zum Ver- lust des Fußes oder im schlimmsten Fall des Lebens führen. Deshalb gibt es für den Khoisan nur eine Option: den Dorn so schnell wie möglich entfernen. Wegen der Widerhaken verursacht das Herausziehen einen höllischen Schmerz, aber danach kann die Wunde versorgt werden und dadurch heilen.

Es gilt als Tugend, körperliches und seelisches Leid klaglos zu ertragen.

Buchtipp

Bärbel Rockstroh und Sebastian Rockstroh: Deine Gesundheit „Horch, da klopft die Seele an! Der ganzheitliche Weg zur Gesundheit“, Tredition, ISBN: 978-3-347-18880-8, 14,95 Euro.

Die Symbolkraft der Beschwerden

Auch in unseren Breitengraden kennen wir die Weisheit „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Bezogen auf Ihre Gesundheit bedeutet das im ersten Schritt, die Symbolsprache des Körpers zu entschlüsseln. In einer ganzheitlichen Therapie ist dies bei der Diagnostik die wesentliche n Aufgabe und oft der alles entscheidende Unterschied zu einer r schulmedizinischen Behandlung. Auch Sie selbst können Ursachenforschung in diesem Sinne betreiben. Dabei hilft einerseits der Volksmund, der mit seinen Redewendungen oft wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen von Beschwerden gibt. Andererseits empfiehlt es sich, die Metapher des Symptoms genau unter die Lupe zu nehmen und zur Miss Marple oder zum Sherlock Holmes der eigenen zu werden. Sindkioskdie Indizien gesammelt, dann ist die Symbolik manchmal geradezu offensichtlich, wie diese Beispiele zeigen:

Blasen-und Nierenbeschwerden

Volksmund

Das geht mir an die Nieren.

Symbolik

Blasenentzündung: brennendes Bedürfnis, Abwasser (seelischen Müll) loszulassen Blasen-und Nierensteine: verhärtete Gefühle; Themen, die zerlegt (= geklärt) werden wollen

Erkältung

Volksmund

jemanden nicht riechen können, die Nase gestrichen voll haben verschnupft sein, jemandem etwas husten,

Symbolik

Schnupfen: etwas ist ins Stocken geraten, will herausgespült werden Husten: etwas will heraus, will ausgesprochen werden

Halsschmerzen: nicht mehr alles schlucken wollen

Gallenbeschwerden

Volksmund

Gift und Galle spucken mir läuft die Galle über

Symbolik

Gallensteine: den Stein des Anstoßes hinaustreiben wollen; Verklemmung mit Nachdruck lösen

Hören Sie auf, ein tapferer Junge oder ein braves Mädchen zu sein.

Herz-und Kreislaufbeschwerden

Volksmund: sich etwas zu Herzen nehmen; das hat mir einen Stich ins Herz versetzt.

Symbolik

Bluthochdruck: sich unter Druck setzen Schwindel: sich im Kreis drehen; das Leben läuft zu schnell

Migräne

Volksmund

sich das Hirn zermartern; mir platzt der Schädel.

Symbolik

viel zu viel im Kopf haben; zu viele Sorgen Überlastung des Gehirns; Körper und Gefühle kommen zu kurz

Rücken-und Nackenbeschwerden

Volksmund

Nackenschläge einstecken; mir sitzt die Angst im Nacken. Ich trage die Last der Welt auf meinen Schultern. Deine Das Leben Gesundheit hat ihn gebeugt.Rutsch mir den Buckel runter.

Symbolik

eine (Be)Last(ung) ist zu groß, zu schwer

Verdauungsbeschwerden

Volksmund

etwas ist auf den Magen geschlagen den Ärger in sich hineinfressen etwas liegt schwer im Magen Schiss haben/die Hosen gestrichen voll haben/sich vor Angst in die Hosen machen

Symbolik

Durchfall: Chancen verstreichen lassen; die Angebote des Lebens nicht annehmen Verstopfung: zu sehr an etwas festhalten; nicht loslassen können Bauchschmerzen: Kloß im Bauch = Angst vor einer Aufgabe, die zu groß ist

Diese wenigen Beispiele sollen Ihnen Mut machen, von der behandelten zur handelnden Person zu werden. Hören Sie auf, ein tapferer Junge oder ein braves Mädchen zu sein. Nehmen Sie Ihren Körper mit seinen Signalen ernst, wenden Sie sich den Symptomen zu und verstehen Sie Ihre Beschwerden als psycho-somatischen Hilferuf. Sie sind keine Feinde, die es zu bekämpfen gilt. Im Gegenteil. Sie sind freundlich gesonnene Helfer, die Sie auf Belastungen in Ihrem Leben aufmerksam machen.

Ganz pragmatisch bedeutet das: Statt des Griffs zur Tablette könnten Sie bei den nächsten Beschwerden innehalten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und fragen Sie sich: Welche Botschaft will mir meine Seele durch die körperlichen Symptome vermitteln? Was belastet mich? Was ärgert mich oder macht mir Angst, Sorgen, Kummer? Was fehlt mir? Wonach sehne ich mich? Was wäre gerade mein größter Wunsch?

Wenn Sie Antworten auf diese Fragen gefunden haben, dann suchen Sie im nächsten Schritt nach Möglichkeiten, die Belastung zu reduzieren, das Bedürfnis zu befriedigen, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Falls es Ihnen gelingt, die Botschaft Ihrer Seele zu entschlüsseln und sich entsprechend zu verhalten, dann können Beschwerden auf nahezu wundersame Weise ebenso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Sie wären jedenfalls nicht der erste Mensch auf der Welt, dessen Erkältungsanflug sich in Wohlgefallen auflöst, nachdem er sein stressiges Wochenendprogramm abgesagt und durch eine Auszeit mit wohltuendem „3 x B“, also Badewanne, Bett und Buch, ersetzt hat.

Bärbel Rockstroh und Sebastian Rockstroh sind HeilpraktikerIn für Psychotherapie und TraumatherapeutIn. Sie arbeiten gemeinsam im Vitarium, ihrer Naturheilpraxis für 360°-Coaching und ganzheitliche Therapie. In der südlich von Freiburg gelegenen Schwarzwald-Idylle haben sie ein Haus der Heilung geschaffen, in dem sie Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf ihrem Weg zur Gesundheit begleiten. Info unter: www.vitarium-rockstroh.de