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Freundinnen fürs Leben


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 08.01.2020

Sie kennen uns besser als alle anderen. Sie sagen uns die Wahrheit,i auch wenn sie unbequem ist. Sie lieben uns, lachen mit uns und sind –i mit ein bisschen Glück – Gefährtinnen für ein ganzes Leben.i Eine Hymne an wahrhaft großartige Menscheni


Meine Lieben! Es bleibt mir noch ein bisschen Zeit, euch diesen Brief zu schreiben. Weil ich heute die Erste bin, die an unserem Tisch beim Italiener sitzt, und mich darauf freue, dass gleich die Tür aufgeht und ihr hereinkommt: Sabine, Nadine, Verena und Küken (ja, auch du heißt Sabine, aber weil du nun mal die Jüngste bist, bleibst du für uns das Küken). Meine ...

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Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 2/2020

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... besten Freundinnen – gefühlt schon immer!

Sabine kenne ich seit der ersten Klasse, der Rest kam auf dem Gymnasium dazu und spätestens seit der Abifahrt sind wir unzertrennlich. Über 20 Jahre ist das jetzt her – und ihr werdet immer wertvoller für mich. Selbstverständlich werdet ihr das, erklärt mir die Schweizer Psychoanalytikerin Prof.

Verena Kast, „weil Freunde umso wichtiger sind, je älter wir werden“. Eigentlich wollte ich mich ganz allgemein über das Thema Freundschaft mit ihr unterhalten. Aber alles, was sie sagte, erinnert mich an euch. Unsere Verbindung ist mit uns erwachsen geworden: Früher haben wir für den Kunstlehrer geschwärmt, unseren Liebeskummer geteilt und sind nachts um die Häuser gezogen. Wir haben auf unseren Hochzeiten getanzt und uns über die Geburten der Kinder gefreut.

Im Pausenfoyer des Münchner Gärtnerplatztheaters treffen sich Margit Tubies (links) und Elisabeth Sedlmair regelmäßig


FOTOS: STEFANIE AUMILLER


„Wir können uns alles sagen“ Elisabeth Sedlmair


Ich weiß nicht mehr, wann aus der unbeschwerten Mädchenbande eine so eingeschworene Gemeinschaft geworden ist. Vielleicht war es auch die Zeit, die uns zusammengeschweißt hat. Der amerikanische Beziehungsforscher Jeff rey A. Hall will das sogar berechnen können: 50 Stunden Gespräche braucht es, damit aus Bekannten Freunde werden. Und noch mal 200 für allerbeste Freunde. Das haben wir längst erreicht. Wir standen zusammen, als Nadines Mama viel zu früh gestorben ist. Wir haben gescheiterte Beziehungen betrauert und unsere Kinder durch die Schule begleitet. Haben uns Gefühle gestanden, für die wir uns vor jedem anderen geniert hätten.

Treffen sind wichtig

Es tut gut, euch regelmäßig zu sehen. Einmal im Monat schaffen wir nicht immer – aber oft. „Man versteht sich anders, wenn man sich persönlich triff t“, bestätigt Verena Kast. „Wer sich gut kennt, hört das aber auch am Telefon“, ergänzt sie. Mir ist dann eingefallen, dass wir manchmal auf dem Heimweg miteinander telefonieren, weil wir noch nicht fertig sind mit Reden. Dass Freundschaften für eine Weile aber auch ganz ohne Treff en auskommen können, haben wir ebenfalls erlebt: Wie viele Kurznachrichten haben wir uns auf dem Handy geschrieben? Und manchmal sogar Briefe. „Die sind besonders wertvoll, weil wir darin der Freundschaft Raum geben. Und uns in Ruhe mit unseren Gefühlen auseinandersetzen“, hat mir Verena Kast erklärt.

Die Ruhe hat uns zwischendurch leider manchmal gefehlt. Weil uns der Job beansprucht hat und dann die Familie vorging. Wir haben es lange Zeit höchstens ein-, zweimal pro Jahr geschaff t, uns alle zu sehen.

Aber obwohl es die Treff en erstaunlich verändert, wenn eine von uns fehlt, funktioniert unsere Freundschaft auch im Kleinen. Jede kann mit jeder. Es gibt Zeiten, da sind sich die einen näher und dann wieder die anderen. Ich schätze uns nicht nur im Team, sondern jede Einzelne von euch.

Sabine, du bist die Vernünftigste von uns. Mit geregeltem Bürojob, geerdet, pünktlich, zuverlässig. Es gab Zeiten, da habe ich mich in deiner Gegenwart unsicher gefühlt, weil du immer alles im Griff hattest – im Gegensatz zu mir. Bis du mir eines Tages gesagt hast, wie sehr du mich um meine Neugierde und Kreativität beneidest. Und ich habe verstanden: Ich muss nicht sein wie du. Du liebst mich, deine flatterhaft chaotische Freundin, auch deshalb, weil ich das Gegenteil von dir bin!

lisabeth ist ruhig, Margit wild. Elisabeth hat zwei Kinder, Margit keine. Die eine liebt Katzen, die andere Hunde. Die Liste der Unterschiede ist lang.

Aber mit über 70 zäh- len die Gemeinsamkeiten doppelt: Beide Frauen kommen aus Passau, beide singen. Sie lernen sich im Gesangsunterricht kennen und studieren an der Musikhochschule München. Auch ihre Männer lernen sie dort kennen: Margit heiratet Bill, Elisabeth ist Trauzeugin. Dann heiratet Elisabeth – und Margit ist nicht eingeladen. „Mein Mann wollte, dass ich meinen Beruf aufgebe.

Margit wollte mich umstimmen. Ich stand dazwischen. Daran ist unsere Freundschaft zerbrochen“, erinnert sich Elisabeth. Drei Jahre ist Funkstille – bis Margit einen Anruf von Elisabeths Mann bekommt.

Seither sehen sich die Freundinnen regelmäßig, auch wenn sie unterschiedliche Leben leben: Margit singt im Opernchor. Elisabeth arbeitet als Grundschullehrerin. „Dabei war sie viel begabter als ich!“, bedauert Margit.

Ihre Freundschaft belastet das nicht mehr: „Wir können uns alles sagen“, erklärt Elisabeth, „auch weil der niederbayerische Humor verbindet. Und die Erinnerungen. Mit Margit fühle ich mich noch immer jung!“


„Sie weiß mehr von mir als mein Mann“Anneliese Däschner


Verena, du wunderbare Meisterin der Improvisation. Du nimmst das Leben leicht und bist trotzdem tiefgründig wie ein Bergsee. Küken, mit dir kann ich Tränen lachen. Weißt du eigentlich, wie sehr ich die Stunde genieße, wenn wir zusammen zu unseren Treff en von München nach Niederbayern fahren?

Nadine, du bist die Ausgeglichenheit in Person, ich habe dich noch nie unfair erlebt. Obwohl wir unterschiedlich sind, haben wir ein Ziel: diese Freundschaft zu bewahren. Theresa sah es irgendwann anders.

Sie war die Sechste in unserer Runde und hat sich nach ihrer Scheidung nicht mehr wohlgefühlt mit uns. Wir, mit Mann und Kindern. Sie, auf einmal wieder Single. Immer öfter sagte sie unsere Treff en ab. Wenn sie doch dabei war, betonte sie, wie gut es ihr ging. Und wir versuchten, ihr zu glauben. Irgendwann kam sie nicht mehr und erklärte uns auch ihre Gründe: „Ich finde euch toll, jede Einzelne, aber in der Gruppe habt ihr eine Dynamik, zu der ich nichts mehr beitragen kann.“ Richtig verstanden habe ich diesen Abschied erst, als ich das neue Buch der evangelischen Theologin Margot Käßmann gelesen habe (s. S. 24): „Wenn eine sich als fünftes Rad am Wagen fühlt, kann das Freundschaft manchmal nicht tragen“, schreibt die Seelsorgerin darin. „Die eine hat ein schlechtes Gewissen, weil es ihr gut geht, die andere möchte nicht zum Objekt von Mitleid werden.“

Wie alles angefangen hat? „An Silvester vor 40 Jahren“, erzählt Hermine. Ihr Mann ist im Krankenhaus, sie würde zum Jahreswechsel allein bleiben. Da lädt Anneliese sie spontan zur Silvester party ein. Für Anneliese keine große Sache: „Unsere Kinder waren zusammen im Kindergarten. Hermine hat meine Tochter so oft mit nach Hause genommen, wenn ich arbeiten musste. Für mich war sie schon lange vor diesem Silvesterabend meine Freundin.“ Bis heute begrüßen die beiden das neue Jahr gemeinsam und treffen sich mindestens alle zwei Wochen. „Wenn man sich im Dorf zu selten sieht, entstehen schnell Missverständnisse. Schließlich kennt hier jeder jeden.“ Die beiden besprechen Dinge, die ihnen im Magen liegen. „Hermine weiß mehr von mir als mein Mann“, sagt Anneliese. „Themen, mit denen ich ihn nicht belasten will, erzähle ich ihr.“ Gestritten haben die beiden noch nie. „Doch!“, behauptet Anneliese. „Du wolltest meinen Geburtstag verlassen, weil ich dich nicht zum Helfen in die Küche gelassen habe.“ Dass Anneliese viel mit den Enkeln macht, während Hermine sehr in örtlichen Organisationen eingespannt ist, trennt sie nicht. Und sie haben einen Plan: „Wenn wir alt sind, ziehen wir zusammen in eine WG!“


„Ich vertraue ihr blind“ Anita Bauer (52) und Andrea Wering (52)


Diesen Besuch im Baumarkt wird Andrea nicht vergessen: weil sie dort ihre Freundin Anita traf – nach zehn Jahren Pause. Als sie 15 sind, begegnen sich die beiden zum ersten Mal. Sie machen eine Ausbildung zur Bürokauffrau und gehen zur Berufsschule. Sie mögen sich vom ersten Tag an. Sitzen zusammen, lernen zusammen, fahren gemeinsam in Urlaub. Sogar ihre ersten Kinder bekommen sie fast gleichzeitig. Trotzdem bricht der Kontakt irgendwann ab. „Wir wissen nicht, warum. Wir mochten uns sehr, aber wir hatten vielleicht zu wenig Zeit“, vermuten sie. Anita bekommt das zweite und dritte Kind und hat alle Hände voll zu tun im Familienunternehmen. Andrea ist alleinerziehend mit Zwillingen. 30 Kilometer trennen die beiden. Eigentlich nicht viel. Als sie sich im Baumarkt zufällig über den Weg laufen, ist es, als hätte nur mal jemand kurz auf „Pause“ gedrückt. Zwischen den Regalen mit Farbe und Fliesen spulen sie die letzten Jahre herunter, rollen alte Themen auf und fangen neue an. Seitdem sind sie wieder eng verbunden. Sehen sich noch immer viel zu selten, aber dafür ist die Verbindung innig. „Andrea ist die Einzige, der ich alles erzähle“, sagt Anita. „Was wir besprechen, bleibt unter uns.“

Freunde halten gesund

Für mich wart ihr immer die Besten. Meine Therapeutinnen, wenn mir zum Heulen war. Meine Komplizinnen, wenn wir über Ehemänner und Schwiegermütter herzogen. Ihr kennt mich besser als alle anderen. Ihr wisst, wie es mir geht, hört mir zu, fragt nach. Nach unseren Treff en geht es mir immer gut. Menschen mit Freunden fühlen sich weniger gestresst, zeigt eine kanadische Studie. Katerina Johnson von der Uni Oxford hat sogar herausgefunden, dass Freunde ganz ähnlich wirken wie Morphium: Wir halten Schmerz besser aus – körperlich wie seelisch.

Wie sehr vor allem wir Frauen von Freundinnen profitieren, wurde mir so richtig bewusst, als ich die drei Freundinnenpaare für diesen Artikel interviewt habe. Ich war gerührt, wie lange sie schon verbunden sind. Wie schön wäre es, wenn wir das auch schaff en!

Ganz herzlich, Eure Silke