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Friedhofsgärtnerei Spittel – die nächste Generation


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 17/2018 vom 28.04.2018

Julia Spittel-Dimitrijevic hat in der Friedhofsgärtnerei die Nachfolge ihres im Oktober verstorbenen Vaters angetreten.


Artikelbild für den Artikel "Friedhofsgärtnerei Spittel – die nächste Generation" aus der Ausgabe 17/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 17/2018

Am Ladengeschäft hängt viel Arbeit. Die Deko muss immer tipptopp aussehen.


Gärtnermeister Torsten Jung beim Wässern der eigenproduzierten Geranie.


Strukturiert, verantwortungsbewusst und sehr sympathisch – das sind die Eigenschaften, von denen man sofort eingenommen ist, wenn man Julia Spittel-Dimitrijevic (38) kennenlernt. Seit November vergangenen Jahres ist die Mutter zweier Kinder (vier und acht) Geschäftsführerin der Friedhofsgärtnerei Spittel am katholischen Friedhof in ...

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... Braunschweig. Sie stieg nach dem Tod ihres Vaters in den Pachtvertrag über das Gelände mit der katholischen Kirche ein und übernahm im Oktober die Geschäftsleitung, schneller als sie und die Familie sich das gewünscht hätten.

Nachfolgemodelle in Theorie und Praxis, alles bleibt anders

„Wir hatten vorher schon über die Unternehmensnachfolge gesprochen, aber nie wirklich konkret“, erinnert sich Spittel. Dass sie als Tochter mal weitermache, sei schon klar gewesen, aber wie genau – in welcher Firmierung und Konstellation – das war ungewiss. „Meine Eltern hatten sich die Gärtnerei geteilt. Ich bin allein und kann nicht überall gleichzeitig sein.“ Ihr Mann arbeitet nicht in der Gärtnerei, sondern beim nahegelegenen Autokonzern, ihre Mutter hilft zwar noch mit, will aber auch irgendwann den wohlverdienten Ruhestand genießen.

Alles so machen wie der Vater es gemacht hatte, war für die junge Geschäftsfrau und Mutter absolut unmöglich. Julia Spittel: “Den Tagesablauf meines Vaters könnte ich gar nicht stemmen. Er war täglich ab 7 Uhr in der Gärtnerei und ist im Sommer um 20 Uhr oder später nach Hause gefahren. Selbst im Winter nie vor Ladenschluss. Das kann ich nicht!“ Ihr war und ist extrem wichtig, dass nicht alles allein auf ihren Schultern ruht.

Verschiedene Varianten wurden überlegt und im Geiste durchgespielt. Die Lösung war schließlich die „Gärtnerei Spittel GmbH“ mit einer zweiten Geschäftsführerin - nicht aus der Familie. Katja Werner (32), die bei Spittel als Floristin arbeitet, stieg mit in die Geschäftsleitung ein und ist seit Januar für den gesamten Floristikbereich verantwortlich.

Weder für sie noch für Julia Spittel hat sich das Tätigkeitsspektrum nennenswert verändert: Werner hatte vor neun Jahren bei Spittel angefangen, Julia Spittel arbeitet bereits seit 2003 mit im elterlichen Betrieb. Und doch ist vieles anders, vor allem die Quantität der Arbeit und die Verantwortung.

Die Geschäftsführerinnen Julia Spittel-Dimitrijevic (l), Katja Werner


Fotos: Yasmin-Coralie Berg

Perfekte Organisation, Nachwuchssorgen und Kulturfest

Die Arbeit, auch wenn die Floristik mit Katja Werner selbstständig läuft, ist immer noch gewaltig für eine Person. Die einzige Chance, damit es der Gärtnerei gut geht: eine absolut perfekte Organisation. Und das ist Spittels Stärke. Im Arbeitsalltag wird sie nach Kräften von ihrem Mann unterstützt, der etwa morgens die Töchter versorgt, damit sie früh in die Gärtnerei fahren kann. Auch ihre Mutter steht ihr mit Rat und Tat und jahrzehntelanger Erfahrung zur Seite.

Dass alles rund läuft, verdankt sie sowohl der Einsatzbereitschaft von Katja Werner als auch allen anderen Mitarbeitern – beispielsweise Gärtnermeister Torsten Jung, der sich um die Produktion kümmert – und nicht zuletzt ihrem Führungsstil. „Bei uns war es schon immer so, dass alle eigenverantwortlich und vorausschauend arbeiten, beispielsweise Kundengespräche führen können oder sich selbst organisieren.“

Das Spittel-Team besteht neben den beiden Geschäftsführerinnen aus zwei Auszubildenden im Laden und einer Auszubildenden in der Friedhofsgärtnerei, einem Meister, zwei im Unternehmen ausgebildeten Friedhofsgärtnern, zwei Zierpflanzengärtnerinnen und einer eingearbeiteten Kraft. Zum Kerngeschäft Grabneuanlage und –pflege kommen eigene Gärtnerei sowie Blumenladen hinzu.

Wie viele Friedhofsgärtnereien, hat auch Spittel heftige Nachwuchssorgen. In der Floristik sieht die Situation etwas besser aus als in der Friedhofsgärtnerei. „Wir haben für dieses Jahr erst eine einzige Bewerbung um eine Ausbildungsstelle.“ Das Interesse am Thema Friedhof sei bei jungen Leuten einfach zu gering. Obwohl die Gärtnerei Spittel viel tut, um dem Friedhof aus seiner ‚Grabesstille‘ herauszuhelfen. Unter anderem findet auch 2018 – am 7. September – die inzwischen legendäre, außergewöhnliche Veranstaltungsreihe „Kultur und Kanapee“ statt, die seit elf Jahren dazu beiträgt, Berührungsängste gegenüber dem Friedhof abzubauen.

Das Ladengeschäft, der Mitbewerb, die Zukunft

Dass zur Friedhofsgärtnerei ein täglich geöffnetes Blumengeschäft mit anspruchsvoller Floristik gehört, ist heutzutage nicht selbstverständlich. Spittel erklärt: „Wir sind mit dem Laden fast schon ein Exot – die meisten Friedhofsgärtnereien haben sich von ihren Endverkaufsgeschäften verabschiedet.“ Auch im Hause Spittel kommt immer wieder die Diskussion auf: Ist das Blumengeschäft wirtschaftlich sinnvoll? Auf der Aufwandsseite stehen hohe Personal- und Unterhaltskosten, die veränderte Mitbewerbssituation durch LEH, Discounter und Baumärkte sowie die Tatsache, dass die Floristik nicht das Kerngeschäft ist, sondern Grabneuanlagen, -überarbeitungen und -pflege eher flankiert. Auf der anderen Seite war und ist der Laden das Aushängeschild des Betriebes. Spittel: „Wir wollen uns im Moment nicht vom Laden trennen. Aber es hängt wirklich viel Arbeit dran.“

Welche Rolle die Floristik für den Gesamtumsatz spielt, ist schwer zu kalkulieren. Spittel erklärt: „Es ist ein schmaler Grat. Wenn es so weiterläuft wie in den letzten zwei Jahren, bleibt das alles so wie es ist. Sollte es mal wieder ein ganz mieses Jahr geben, wird die Diskussion wieder aufflammen: Was investieren wir noch in den Laden?“

Mit ihrer Perspektive als Friedhofsgärtner-Pächterin ist Spittel unterm Strich zufrieden. „Wir jammern auf hohem Niveau. Natürlich hat sich das Bild des Friedhofs in den letzten 20 Jahren stark verändert. Es gibt kleinere Grabstätten und viele Alternativen zum traditionellen Grab. Im letzten Jahr haben wir – noch mit meinem Vater – in Zusammenarbeit mit einem Kollegen den ersten Memoriam-Garten in Braunschweig eingeweiht. So können wir auch eine preislich attraktive Alternative zur klassischen Grabstelle bieten.“