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Friedhofsporträt: BESTATTUNGSPYRAMIDEN DES FÜRSTEN PÜCKLERS: Im Reich des Gartenpharaos


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 02.09.2019

Hermann Fürst von Pückler-Muskau hat sich in Branitz eine einzigartige letzte Ruhestätte geschaffen. Er ließ sich dazu von ägyptischen Pyramiden und slawischen Grabhügeln inspirieren.


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Bestattet ist Pückler in der 13 Meter hohen Seepyramide (vorne), im Hintergrund die Landpyramide mit Fahnenmast.


Foto: Veit-Mario Thiede

Er war eine schillernde Persönlichkeit, die als populärer Reiseschriftsteller und herausragender Gartenkünstler in Erinnerung geblieben ist: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 bis 1871). Der „grüne Fürst“ charakterisierte sich so: Ich bin ein Mensch, „der noch ein reines Gefühl und ...

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... lebhaften Enthusiasmus für die Herrlichkeit der Natur, für die erhabene Schönheit aller ihrer unendlichen Werke davongetragen hat.“ Seine Liebe zur Natur feierte er mit begehbaren Landschaftsbildern. Diese lebendigen Kunstwerke, „malte“ er mit echten Wiesen und Blumenbeeten, Bäumen und Sträuchern, windungsreichen Wasserläufen, zu stummen Führern erklärten Wegen und künstlich aufgeschütteten Bergen. Zu Recht erklärte er seinen Alterssitz Branitz bei Cottbus zu seinem Meisterwerk. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist die Pyramidenflur, in der Pücklers Grabstätte aufragt.

Anregungen aus aller Welt

Auf ausgedehnten Touren durch Europa hatte Pückler seinen Horizont erweitert, Material für seine erfolgreichen Reiseromane wie die „Briefe eines Verstorbenen“ (1830/31) und Anregungen für seine Gartenkunst gefunden. Dem in seinen letzten 25 Lebensjahren gestalteten Branitzer Park hat er viele seiner Lebenserinnerungen eingepflanzt. So ließ er unweit des Schlosses auf einem Inselchen im Schwarzen See ein Schwanenhaus im Stil Tiroler Bauernhäuser errichten, wie er sie auf seinen Jugendwanderungen gesehen hatte.

An den Kreuzungen gewundener Pfade liegen Steine, die mit der Aufschrift „Pyramiden“ den Weg zum einzigartigen Totenhain des Gartenreiches weisen. Zunächst ist die über 13 Meter hoch aus Erde aufgeschüttete Landpyramide zu entdecken.

Auf ihr ist die schwarz, gold und blau gestreifte Fahne Fürst Pücklers gehisst. Die 1863 vollendete Sehenswürdigkeit wies ursprünglich zwölf Erdstufen auf. Heute fallen ihre vier von Gräsern, Kräutern und Blumen bewachsenen Seiten steil ab. Das sie bekrönende Ziergitter weist einen Ausspruch des von Pückler geschätzten Dichters Jean Paul auf: „Gräber sind die Bergspitzen einer fernen neuen Welt.“ Zeitweilig hatte Pückler in Erwägung gezogen, seine 1854 verstorbene Lebensgefährtin und ehemalige Gattin Lucie in der Landpyramide bestatten zu lassen, sah dann aber aus unbekannten Gründen davon ab.

Von der einem Hügel aufgesetzten Landpyramide aus entdecken wir die in einem See gelegene zweite Pyramide. Kurvenreiche Pfade und die Ägyptische Brücke führen hinab zur am Seeufer erbauten Ägyptischen Treppe. Sie ist exakt auf die hinter der Wasserfläche ansteigenden 61 Granitstufen ausgerichtet, die zum kleinen oberen Plateau der knapp 13 Meter hohen Seepyramide führen.

Ein Gedenkstein erinnert an den Fürsten Pückler, nach dem auch ein Eis benannt wurde.


Foto: Veit-Mario Thiede

Vorbild der 1856 fertig gestellten Erdaufschüttung ist die große Pyramide von Giseh. Die hatte Pückler bei seiner Orientreise (1834 bis 1840) bestiegen. Er ist zwar nicht der erste europäische Pyramidenerbauer. Aber die seinen sind die einzigen nicht aus Stein, sondern Erde errichteten. Pückler bezeichnete seine Seepyramide gern als „Tumulus“. Das weist auf seine zweite Inspirationsquelle hin: Die vor langer Zeit in der Lausitz aus Erde erbauten slawischen Grabhügel, auch „Tumuli“ genannt.

Die Seepyramide ließ Pückler mit Wildem Wein bepflanzen, dessen grüne Blätter sich im Herbst rot und gelb verfärben. Die Pyramiden des Gartenpharaos bestehen aus dem Erdaushub, der bei der Anlage der sein Branitzer Reich durchziehenden Kanäle und Seen anfiel. Auf ihnen können die Besucher eine Gondelfahrt unternehmen und so der Seepyramide ganz nahe kommen.

Ätzalkalien statt Kremation

Hermann Fürst von Pückler-Muskau entschlief am 4. Februar 1871 friedlich in seinem Branitzer Schloss. Als Todesursache stellten die Ärzte „allgemeine Alterserschöpfung“ fest. Für den Umgang mit seinem Leichnam hatte er eigenwillige Regeln festgelegt. Da ihm die Vorstellung ein Gräuel war, dereinst von Würmern zerfressen zu werden, verfügte er testamentarisch: „Mein Leichnam soll (…) chemisch oder auf andere Weise verbrannt und (…) in den Tumulus des Branitzer Parks eingesetzt werden.“ Doch da die damals noch unübliche Feuerbestattung erhebliche Probleme bereitet hätte, entschieden sich die Ärzte in Absprache mit den Angehörigen des kinderlosen Pückler für den chemischen Weg: Das in eine gläserne Phiole gelegte Herz des Verstorbenen übergossen die Ärzte mit Schwefelsäure, „wodurch es sehr bald in eine dunkelschwarze, formlose Masse umgewandelt wurde. Die Glasphiole wurde in eine kupferne Urne gestellt und diese dann verlöthet“, wie Pücklers Leibarzt Dr. Liersch überliefert. Den Körper aber legten die Ärzte in einen Metallsarg und setzten ihn der Auflösung durch kaustische Alkalien (Natrium-und Kaliumhydroxid) aus. Anschließend betteten sie den Metallsarg in einen Eichensarg.

Keine Grabrede erwünscht

Pückler hatte angeordnet, dass die Beisetzung „ohne allen Prunk und unter Verbittung jeder Leichenrede sowie andern unnützen Ceremonien geschehen“ solle. Er wollte, dass seine sterblichen Überreste von einem Fährmann mit einem an der Ägyptischen Treppe ablegendem Nachen zur Seepyramide übergesetzt werden. Aber es kam anders. Nachdem am 9. Februar entgegen Pücklers Wunsch „im Schlosse eine erhebende Trauerfeierlichkeit stattgehabt hatte“, so Dr. Liersch, wurden die irdischen Überreste des Gartenpharaos zur Seepyramide überführt. Es war ein bitterkalter Tag mit Sturm und Schneegestöber. Da der See mit dünnem Eis bedeckt war, kam nicht der Nachen zum Einsatz, sondern Gärtner und Arbeiter trugen den Sarg und die Herzurne über eine Behelfsbrücke zur Seepyramide und setzten sie in den auf halber Höhe angelegten Grabstollen ein. DerGörlitzer Anzeiger berichtete: „Zuschauer waren äußerst wenige vorhanden, nur einige Landleute trotzten dem unerfreulichen Wetter, ein Begräbniß anstaunend, wie ein solches noch nie gesehen worden ist.“ Seit 1884 ruhen die vom Branitzer Dorffriedhof überführten sterblichen Überreste Lucies neben denen Pücklers. Auf einem Inselchen neben der Seepyramide ruht ein Findling, auf dem die Lebensdaten von Pückler und Lucie verzeichnet sind. Auf ihm ist das Kreuz vom ersten Grab der Fürstin befestigt.

Hermann Fürst von Pückler-Muskau hielt seine Grabstätte für ebenso unvergänglich wie die naturwüchsigen Berge: „Mein Tumulus wird bleiben, solange die Erde steht. Die scharfen Kanten wird der Wind verwehen, nichts weiter.“ Tatsächlich aber bedürfen seine Erdpyramiden sorgsamer Pflege. Veit-Mario Thiede, Kassel

Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Robinienweg 5, Cottbus-Branitz.
Das Besucherzentrum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Informationen:
Tel.: 0355-75150, Internet: www.pueckler-museum.de