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Frieren muss nicht sein: So wird Ihnen schön warm!


Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 05.01.2021

Jetzt im Winter frieren wir häufig, und das nich t nur draußen in der Kälte, sondern oft sogar in der beheizt en Wohnung. Oder abends, wenn wir mit eiskalten Füßen im Bett liegen. Dabei wappnet sich unser Organismus mit sensiblen Regelungssystemen gegen Auskühlung. Gesundheitspädagogin Pepe Peschel zeigt, wie unsere körpereigene Klimaanlage funktioniert, warum wir frieren und wie wir uns selbs t wieder einheizen können.


Artikelbild für den Artikel "Frieren muss nicht sein: So wird Ihnen schön warm!" aus der Ausgabe 1/2021 von Bio - natürlich gesund leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bio - natürlich gesund leben, Ausgabe 1/2021

Durch eine Betriebs- temperatur von 37 Grad Celsius sichert unser Organismus die lebensnotwendigen Funkti- onen innerer Organe. Zwolf Kalte- rezeptoren, Thermosensoren genannt, sitzen in ...

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... jedem Quadrat- zentimeter unserer Haut. Be- sonders dicht sind sie im Gesichts- bereich um Nase und Mund. Melden diese Reizempfanger eine zu kalte Umgebungsluft an den Hypothalamus im Zwischen- hirn - die Steuerzentrale fur die Korpertemperatur wird ein Gegenprogramm gestartet, um trotz Kalte die Blutversorgung vor allem innerer Organe wie Herz, Leber oder Nieren zu ge- wahrleisten. „Kiihlt die Haut unter eine Temperatur von 31 Grad Celsius ab, schlagen die sich in der Lederhaut be- findlichen Kalterezeptoren Alarm, sagt der Hautarzt und Umweltmediziner Dr. med. Erik Senger aus Seligenstadt. Die Blutgefafie ziehen sich zu- sammen und in den Extremi- taten wird die Durchblutung gedrosselt, vor allem in Handen, Fiifien und Beinen, aber auch an Nase und Ohren.

Bis auf ein Fiinftel des Normal- wertes kann sich bei Kalte die Durchblutung der Haut ver- ringern. Das zeigt sich optisch oft durch kreidebleiche Farbe. Viele Stoffwechselreaktionen laufen dann langsamer ab. Wichtige Stoffe werden nicht mehr ausreichend produziert beziehungsweise gelangen auf- grund der herabgesetzten Mikro- zirkulation des Blutes nicht mehr dorthin, wo sie gebraucht werden, wenn die Temperatur in den Zellen sinkt. Intuitiv legen wir die Arme eng an und kauern uns zusammen, um den Energieverlust moglichst gering zu halten. Das grofie Bibbern beginnt.

Frauen frieren schneller, haben aber starke Abwehrkrafte

Bei alledem ist Kalteempfinden ein sehr individuelles Phanomen. Manche Menschen sind sensibler und frieren oft. Sie reagieren dann schneller mit An- und Ver- spannungen. Weitere Einfluss- faktoren sind Rauchen oder Stress, beides beeintrachtigt den Blutfluss. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen haben eine etwa 0,3 Millimeter diinnere Haut, iiber die Warme verlorengeht. AuBerdem friert Frau schneller, weil sie weniger Muskelmasse hat. Beim Mann macht diese rund 40 Prozent der Gesamt- korpermasse aus, bei der Frau sind es gerade einmal 25 Pro - zent. Interessant: Da Muskeln standig Energie verbrauchen, erzeugt mehr Muskelmasse schon in Ruhe mehr Warme - ein guter Grund fur Frauen, Muskeln aufzubauen!

Für alle, die sich zum Joggen im Winter nicht aufraffen können: Auch Wandern oder Spazierengehen macht uns anpassungsfähiger an die Kälte.


Dafiir punktet das weibliche Geschlecht mit einem aktiveren Immunsystem: Die Abwehrkrafte von Frauen reagieren schneller und mit mehr Durchschlagskraft auf Krankheitserreger. Dies lasst sich liber das X-Chromosom er- t klaren, auf dem besonders viele Gene sitzen, die unsere Abwehrpositiv beeinflussen. Und Frauen haben von diesem besonderen X gleich zwei Stiick. Apropos Gene: Es kann durchaus sein, dass die Tendenz zu schnellem Frieren ererbt wurde. Wie beispiels- weise die Kalterezeptoren in der Haut verteilt sind, ist teils genetisch bedingt.

Winterspeck als Isoliermittel? Ein Mythos!

Unabhangig vom Geschlecht geht auch bei sehr diinnen Menschen mehr Warme nach aufien verloren. Wer fiilliger ist, friert folglich nicht so schnell, weil durch eine im Verhalt- nis zur Korpermasse kleinere Oberflache mehr lebenswichtige Korperwarme gespeichert wird. Dass ubergewichtige Menschen allerdings aufgrund eines hoheren Korperfettanteils nicht so leicht frieren, bleibt ein Mythos. Winterspeck als Isoliermittel funktioniert in der Tier- welt, nicht beim Menschen. Was sich auch dadurch zeigt, dass wir Fettdepots vorrangig in der Korpermitte einlagern, weniger in der Peripherie an Armen, Handen oder Beinen, wo wir als allererstes frieren.

So oder so: Friiher oder spater schlottert jeder, wenn Kalte un- ertraglich wird. Mithilfe des Muskelzitterns schafft es der Korper immerhin, seine Warme- produktion um das Drei- bis Fiinffache zu steigern. Fiihlt man sich aber gleichzeitig schlapp und ermiidet schnell, fehlt dem Korper haufig Eisen. Dr. Senger rat: „Wer standig friert, sollte einen moglichen Eisenmangel wie auch eine Schilddrusen- unterfunktion arztlich abklaren lassen.“ Weitere mogliche organische Ursachen konnen ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) oder eine Arterio- sklerose sein.

Regelmafiig in Bewegung kommen

Eine wichtige Botschaft in diesem ersten Winter mit Corona, in dem wir mehr liiften, ofter rausgehen und rausgehen sollten: Bewegung ist jetzt ein Muss - nicht nur weil dadurch unmittelbar die Korperwarme erhoht wird. Sie sorgt auch fur den Aufbau und das Erhalten moglichst vieler warmender Muskelfasern und regt das Immunsystem zur Bildung neuer Abwehrzellen an. Merke: Ob Wandern, Radfahren oder ein ziigiger Spaziergang - jede korperliche Aktivitat trainiert unsere Anpassungsfahigkeit an Kalte und andere Wetterein- fliisse wie etwa starken Wind.

Ideal ist dreimal wochentlich mindestens fiir 30 bis 40 Minuten Ausdauertraining an der frischen Luft. Dass Outdoorsport im Winter tabu ist, weil die Atem- wege Schaden nehmen konnten, ist falsch, denn auf dem Weg in den Korper erwarmt sich die Luft ausreichend. Dennoch sollte durch die Nase ein- und den Mund ausgeatmet werden, wie es bei Ausdauersportarten ohnehin angeraten ist.

Ausreichend trinken

Eine weitere Grundregel, die im Sommer viele beherzigen, gilt auch jetzt: ausreichend trinken. Fliissigkeitsmangel ist vor allem bei alteren Menschen eine haufige Ursache fur Kaltegefiihle, denn dadurch kann das Blut nicht optimal zirkulieren. Bei normaler Aktivitat sollten es mindestens 1,5 bis zwei Liter taglich sein, die Sie an Krautertees oder Wasser zu sich nehmen.

Warme Getranke heizen gut ein - ob ein Tee, heifie Schokolade oder Zitrone kombiniert mit der warmenden Scharfe des Ingwers. Gliihwein oder ein Grog sind iibrigens weniger geeignet. Zwar weitet der Alkohol die Gefafie und es breitet sich zunachst wohlige Warme aus. Diese ist allerdings trugerisch: Der Korper gibt sie ebenso rasch nach aufien ab und kurz darauf friert man umso mehr.

ZITRONENINGWER- BOOSTER FÜR MEHR WÄRME

Zutaten:

2 Bio-Zitronen

ca. 15 g Ingwer

1 TL Bio-Honig

Zubereitung: Zitronen auspressen, Ingwer in dunne Scheibchen schneiden, Saft und Ingwer in eine groBe Tasse geben (ca. 300 ml). Mit sprudelnd kochendem Wasser aufgieBen. Einige Minuten durchziehen und etwas abkuhlen lassen, bevor der Honig dazugegeben wird. Der Grund: Wird Honig liber 40 Grad erhitzt, gehen wichtige gesundheitsfordernde Inhaltsstoffe wie Enzyme verloren.

PEPE PESCHEL

ist Medizin-Journalistin, TV-Moderatorin und Autorin zahlreicher Gesundheitsrat- geber. Die Gesundheitspadagogin mit Zusatzausbildungen in Progressiver Muskelrelaxation, Neurolinguistischem Programmieren, Atemtherapie und Stressbewaltigung widmet sich in ihrer Arbeit ganzheitlichen Therapiemethoden.

Fur warme Fiifie

Bleibt die Frage, ob haufiges Frieren das Erkaltungsrisiko er- hoht? Die Antwort: Nein, denn anders als oft angenommen, hat ein Infekt erst einmal nichts mit Kalte zu tun. Eine Erkaltung ist eine Viruserkrankung. Empfundene Kalte kann jedoch einen schlummernden Infekt indirekt eher zum Ausbruch bringen, weil die Abwehrkrafte insgesamt geschwacht werden. Erik Senger sagt dazu: „Wenn zum Beispiel die Fiifie standig kalt sind, sinkt gleichzeitig die Temperatur auch in anderen Korperbereichen wie im Rachen- raum und der Nasenschleimhaut. Durch die dort herabgesetzte Mikrozirkulation des Blutes sinkt die Aktivitat der Immunzellen und das Risiko fur einen Infekt steigt.“ Um die FiiBe warm zu halten, konnen Sie in Schuhe bei- spielsweise Filz- oder Lammfell- sohlen einlegen beziehungsweise Hausschuhe aus Lammfell oder Filzmaterial tragen. Keinesfalls sollten Sie zu enge Schuhe tragen, da sich darin kein warmendes Luftpolster bilden kann.

Mit etwas Glück lässt sich eine Erkältung durch ein heißes Bad verhindern.


Ab in die Wanne!

Mein personlicher Favorit fur einen langer anhaltenden Schutz gegen das winterliche Zahne- klappern sind regelmafiige Voll- bader, die den ganzen Korper durchwarmen, herrlich ent- spannen und die korpereigenen Selbstheilungskrafte auf natiir- liche Weise ankurbeln. Wer bereits fertig zusammengestellte Erkaltungsbader nutzen mochte, findet bei den Inhaltsstoffen vieler Badezusatze oft atherische Ole. Diese entfalten gesund- heitsfordernde Wirkung, in- dem sie Nasen- und Bronchial- schleimhaute besser befeuchten oder auch ein Abhusten er- leichtern. Dariiber hinaus werden atherische Ole auch iiber die Haut aufgenommen und regen die Durchblutung an.

Eine Erkaltung, die sich mit leichtem Kribbeln in der Nase oder Eisfiifien ankiindigt, lasst sich bei diesen ersten Anzeichen oft friihzeitig abwenden, wenn man sofort handelt: Gonnen Sie sich ein- bis zweimal in der Woche ein heifies Bad, um iiber die intensive Warme- anwendung die lokale Immun- abwehr nachhaltig anzuregen. Die Wassertemperatur sollte 35 bis 38 Grad Celsius nicht iiber- steigen, die perfekte Badedauer betragt 15 bis 20 Minuten. Wer bereits verschnupft ist, hustet oder gar Fieber hat, sollte keinesfalls baden, weil es den Korper stark belasten kann. Aufierdem sollten Schwangere, Sauglinge und Kleinkinder, Asthmatiker, Personen mit Keuchhusten, Blut- hochdruck oder hohem Fieber nicht heifi baden. Menschen mit Herzproblemen, Krampfadern, Venenleiden, Hautverletzungen oder unklaren Hauterkrankungen besprechen sich vorher bitte mit ihrem Arzt.

MIT EISEN GEGEN DIE KÄLTE

Das Spurenelement Eisen wird fiir die Bildung roter Blutkorperchen benotigt und ist als Cofaktor an verschiedenen biochemischen Reaktionen der Energiegewinnung beteiiigt. Weil ein Eisenmangel das Frieren begiinstigt, sollten Betroffene ihren Eisenspiegel testen lassen. Je nach Alter und Geschlecht empfiehlt die Deutsche Gesellschaft fiir Ernahrung, zwischen zehn und 15 Milligramm Eisen taglich zu sich zu nehmen. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Vollkorngetreide, Bohnen und Linsen. Ein Beispiel: Rund 100 Gramm HCilsenfrtichte bringen es auf etwa die Halfte des Tagesbedarfs.


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