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FRISCHE FRACHTER AUS FERNOST


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 50/2021 vom 16.12.2021

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Mehr als Geschmacksache: Der Hyundai trägt nicht nur äußerlich speziell auf. Nissan: brav ? wie sein Antlitz

Hyundai Staria 2.2 CRDi 177 PS 9,2 l D/100 km* 58 150 Euro

Nissan NV300 dCi 170 170 PS 8,1 l D/100 km* 48 998 Euro

* AUTO BILD-Testverbrauch

BUS FAHREN hat etwas mit stressigen Fahrten, beschlagenen Scheiben, grässlichen Polyestersitzen und Kleingeld beim Einsteigen zu tun. Oder aber mit Luxus, Extravaganz, feinem Fernreisekomfort und natürlich mit ganz selbstbestimmten Stopps nach Lust und Laune. Klar, niemals im ÖPNV. Aber in Typen wie dem recht jungen Hyundai Staria oder seinem japanischen Gegenstück Nissan NV300. Reichlich Platz, starke Motoren, bis zu neun Sitze, belastbar bis zum Knarzen der Achsfedern – wir vergleichen die beiden Busse.

Hyundai – Extravaganz in jeder Sicke: Als 2.2 CRDi Signature mit Allradantrieb, Automatik und 177 PS starkem Diesel verlässt der Staria zwar im Eiltempo die Kleingeld- Zone. Mindestens 58 150 Euro möchte Hyundai gerne dafür haben. Doch es gibt einen ...

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... Ausgleich. In dieser bislang einzigen Ausführung des Staria steckt nahezu alles drin, wovon Pendel-Busfahrer nur träumen dürfen. Die zweite Sitzreihe in außergewöhnlich bequemer Loungesitz-Konfiguration zum Beispiel. Überhaupt sind alle sieben Sitze (letzte Reihe als Dreierbank) angenehm erwachsen und kommod ausgeführt, zudem mit edlem Nappaleder überzogen. Schade: Um in Reihe drei zu gelangen, müssen sich Passagiere mittig durch die beiden vorderen Fondsitze drängeln – das ginge mit Klappsesseln eleganter. Weitere funktionale Schrullen: Die elektrischen Schiebetüren lösen derbe aus, die vorderen Seitenscheiben lassen sich nicht komplett versenken, der Wagen ist aufgrund der stark abfallenden Fronthaube und der hohen Fensterlinie mit breiten Säulen unerwartet unübersichtlich.

Dennoch fühlen sich alle Passagiere mächtig wohl. Der Van wirkt auch ganz hinten luftig, rundum modern, gediegen und exotisch gleichzeitig. Unzäh­ lige (zum Teil riesige) Fächer nehmen den Krimskrams von bis zu sieben Personen auf, der Fahrer peilt auf ein angenehm übersichtliches Cockpit. Schade, die untere Bedieneinheit spiegelt bei Sonne stark, der darüber angesetzte Berühr-Bildschirm saugt fettige Fingerabdrücke nur so auf. Mehr als nur ein Gag: die Totwinkelüberwachung mittels Video -übertragung direkt in das Kombiinstrument – es funktioniert hervorragend. Und: Über eine im Dachhimmel montierte Kamera erfasst der Staria das Geschehen im Fond und gibt die Bilder über das Multimediasystem wieder – so bekommen Eltern mit, wenn der Nachwuchs hinten Blödsinn anstellt. Die Bilder sind auch nachts sehr scharf und hoch aufgelöst – klasse, Hyundai! Außerdem wirkt der Staria sehr sorgfältig montiert und bis auf einige Kunststoffflächen im Cockpit hochwertig.

Beim Fahren gibt sich der Bus nahezu fehlerfrei. Der Motor arbeitet spürbar, dafür satt gedämmt, brummt im Teillastbetrieb bescheiden-sonor und liefert typische Turbokraft. 380 Newtonmeter stehen im Maximum parat – das ergibt flüssige Überholmanöver. Dazu setzt sich der Hyundai angenehm gelassen in Bewegung, zieht nachdrücklich durch, die Automatik sortiert auf alte Art mit wahrnehmbaren Übergängen, aber herrlich seicht. Grobe Buckel arbeitet die Federung des 2,2 Tonnen schweren Vans sehr verbindlich ab, insgesamt entsteht ein komfortables Fahrgefühl ohne schaukelige Karosseriebewegungen. Für die feinen Kanten einer verwitterten Straße sollte das Fahrwerk aber noch feinfühliger ansprechen – hier prallt der Bus arg kantig an. Insgesamt steht der Hyundai sehr sicher da. Die Ausstattung (z. B. inklusive Online-Vernetzung und Geschwindigkeitsassistenz) ist vollständig, das Fahrverhalten trotz Kopflastigkeit souverän vom ESP gedeckelt. Kurz: Staria fahren ist Bus fahren mit Spaß und Sicherheit.

Fast 10 000 Euro trennen die beiden Busse in diesem Artikel. Also alles entschieden? Wir müssen genauer gucken. Den NV300 rückt Nissan schon für 43 512 Euro raus, doch dann steckt viel weniger Technik, Sicherheit und Komfort im Auto. Beispiele: Der Stauassistent, eine Drei-Zonen-Klimaanlage oder die feine Lederausstattung gibt es ab Werk im Hyundai, bei Nissan ist ein Aufpreis fällig, oder die Extras sind nicht verfügbar. Unter dem Strich kostet ein NV300, in der höchsten Ausstattungslinie Tekna, dann bereits über 48 000 Euro – bei geringerem Ausstattungsumfang und Frontantrieb. Auch sonst steckt weniger Auto im Nissan – im Pkw-Sinne. Denn ein NV trägt mehr Nutzfahrzeug im Herzen als ein Staria. Das Blech gefühlt dünnhäutiger, der Innenraum „abwaschbarer“, die Sitze schlichter – so fühlt sich das gleich viel weniger wohnlich an. Auch die Maschine brummt mit gewerblichem Unterton, läuft speziell bei hohen Geschwindigkeiten ungleich lauter, entwickelt unter Last mehr Vibrationen und läuft nicht so souverän unter Turbodampf. Am Ende fehlen beispielsweise vier Zehntelsekunden im Sprint auf Tempo 100 – obwohl der Nissan das leichtere Auto ist. Gleichfalls federt der Nissan trockener, gelegentlich dringen Stöße durch Löcher einer schlechten Straße bis ins Lenkrad. Gut dagegen: Die Maschine trinkt rund einen Liter Diesel weniger auf 100 Kilometer als der CRDi des Hyundai. Die zusätzliche Unruhe im Aufbau verzeihen wir ihm gerne – dafür bremst er besser als der Koreaner.

Das schlichtere Innenraumkonzept gerät ihm in Teilen übrigens zum Vorteil: Man gelangt viel bequemer in den Fond, der Wagen steckt mehr Zuladung weg. Dazu kommt, dass seine Rückbank sich leicht verrücken lässt oder in gefaltetem Zustand den Platz freigibt – so passen locker mehrere Fahrräder in sein Frachtabteil. Gleichzeitig nimmt er es immer noch mit sechs Erwachsenen auf, in den Staria dürfen bei maximaler Gepäckraumkonfiguration nur vier Menschen in den ersten beiden Reihen mit. So kann er mit robusterem Charakter die derberen Anforderungen meistern. Gewinnen aber nicht. Denn im Hyundai fährt man rundum besser Bus.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

1. 523 Punkte

Hyundai Staria Unkonventioneller Typ, doch beste Manieren. Dazu sehr gut ausgestattet.

So klarer Sieger in diesem Duell.

2. 490 Punkte

Nissan NV300 Hat ganz klar reichlich funktionale Qualitäten. In ihm steckt weniger Luxus, dafür ist er günstiger zu haben.

FAZIT

JAN HORN, MIRKO MENKE

Obwohl beide den typischen Kleinbus mit Platz für Mann und Maus spielen, unterscheiden sich Staria und NV300 stark. Im Nissan steckt deutlich mehr Nutzfahrzeug, im Staria jede Menge Lifestyle-Laster. Weil der Hyundai gleichzeitig aber auch angenehm konventionell kann, gewinnt er hier letztendlich deutlich.