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Früh übt sich, wer gesund bleiben will


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2011 vom 04.03.2011

Ohrenschmerzen, Fieber, Husten, Schnupfen und Magen-Darm-Infekte – ständig haben kleine Kinder einen Infekt. Doch das ist ganz normal. Denn das Immunsystem muss erst lernen, mit den Angreifern fertig zu werden.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 2/2011

An häufigen Infekten ist nichts Ungewöhnliches, das erklärt jeder Kinderarzt den besorgten Eltern. Das Immunsystem von kleinen Kindern ist noch nicht fertig ausgebildet. Babys bekommen deshalb schon im Mutterleib Abwehrstoffe über die Plazenta und das Blut der Mutter. Diese Abwehrstoffe greifen jeden Eindringling an. Das ist auch nötig, denn kaum haben die Winzlinge das Licht der Welt erblickt, ...

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... werden sie mit unzähligen Keimen und Fremdstoffen konfrontiert. Der Darmtrakt, der mit seiner Keimbesiedlung für die Immunabwehr eine zentrale Rolle spielt, enthält bei einem ungeborenen Kind zunächst noch gar keine Bakterien. Während einer natürlichen Geburt nimmt das Kind Bakterien aus der Vagina und dem Darmbe- reich der Mutter auf. Die sterile Kaiserschnittgeburt enthält dem Baby diesen Kontakt vor – möglicherweise der Grund dafür, dass Kaiserschnittsäuglinge häufiger Allergien entwickeln.

Nach der Geburt liefert die Muttermilch Abwehrstoffe. Sie schützen das Kind, bis sich sein Immun- und Verdauungssystem entwickelt hat. Bei diesen allgemeinen Schutzmechanismen spricht der Arzt von einer unspezifischen Immunabwehr. Sie stattet den Organismus zwar mit Abwehrkräften aus – allerdings nicht gegen spezielle Erreger. Gegen diese vorzugehen, lernt das Immunsystem in den ersten Lebensjahren. Jedes Mal, wenn es mit unbekannten Viren oder Bakterien konfrontiert wird, muss es sich auseinandersetzen. Deshalb sind kleine Kinder häufig krank. Doch mit der Zeit wird das Immunsystem schlagkräftiger.

Krankheiten sind notwendig

Ein kleiner Trost: Kinder, die häufig Infekte durchmachen, sind gut vor Allergien geschützt. Wenn das Immunsystem viele Infekte abwehren muss, dann ist es bei seiner eigentlichen Aufgabe und gerät nicht so leicht aus dem Gleichgewicht. Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass ein frühes Training des Immunsystems vor späteren Überreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe schützt. Solange Kinder die Infekte gut überstehen und sich normal entwickeln, sind häufige Krankheiten weder ungewöhnlich noch schädlich. 15 Infekte pro Jahr sind für Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren normal.

Das Immunsystem ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Spezialisten, die sich über den gesamten Körper verteilen. Die Abwehrzentralen sind im Knochenmark, in der Milz, den Mandeln und der Thymusdrüse. Eine wichtige Rolle spielt auch das Lymphsystem.

Im Knochenmark entstehen weiße Blutkörperchen. Rund ein Dutzend unterschiedliche weiße Blutkörperchen sind als Körperpolizei für die Immunabwehr zuständig. Im Verbund mit mehr als 50 verschiedenen Signal- und Botenstoffen erkennen und bekämpfen sie krankmachende Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Die Milz befindet sich im linken oberen Bauchraum, sie schüttet Immunzellen aus. Bei starkem Kontakt mit Krankheitserregern, die über Mund und Nase eindringen, werden in den Mandeln viele Lymphozyten gebildet. Sie gehören zu den weißen Blutkörperchen, können Erreger erkennen und mit Antikörpern bekämpfen.

Die handtellergroße Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein über dem Herzen. Bis zur Pubertät ist sie hochaktiv und bildet Abwehrzellen zu Spezialeinheiten aus. Diese bleiben uns ein Leben lang erhalten. Anschließend schrumpft das wichtige Organ. Im Körper eines Erwachsenen ist es kaum noch zu finden. Das Lymphsystem mit seinem dichten Knotennetz ist wie das Blutgefäßsystem ein eigenständiges System zum Transport von Flüssigkeiten. Die Lymphe durchdringt auch Gewebe und sammelt aus sämtlichen Organen Abfallprodukte des Stoffwechsels. An strategisch wichtigen Punkten muss die Lymphflüssigkeit Knoten passieren. Hier wird sie gefiltert und auf gefährliche Überbleibsel kontrolliert. Stimmt etwas nicht, wer- den die in den Lymphknoten wartenden Lymphozyten an die Verteidigungsfront geschickt.

In den ersten Lebensjahren sind Kinder häufig krank, ihr Immunsystem muss erst trainiert werden. Doch mit jedem Infekt lernt der kleine Körper, sich gegen Erreger besser zu wehren.


Immunzellen mit Gedächtnis

Das Lymphsystem produziert täglich viele Millionen Lymphozyten. Dringen Krankheitserreger ein, kann die Produktion binnen weniger Stunden auf mehr als das Zehnfache steigen. Weil die Eintrittspforten unseres Körpers – die Schleimhäute von Mund und Nase, Atemwegen, Darm und Haut – besonders gefährdet sind, patrouillieren dort besonders viele Immunzellen. Überwinden Erreger diese erste Hürde, beginnt der Verteidigungskampf. Makrophagen (Fresszellen), das sind ebenfalls weiße Blutkörperchen, greifen die Eindringlinge an. Andere weiße Blutkörperchen, sogenannte Killerzellen, zerstören die virusinfizierten Zellen.

Mit jedem Infekt lernt das Immunsystem, die Krankheitserreger nicht nur zu vernichten, sondern sie beim nächsten Angriff auch wiederzuerkennen. Es kann dann die benötigten spezifischen Antikörper blitzschnell produzieren und gegen die unerwünschten Eindringlinge in Stellung bringen. Dafür verantwortlich sind die Spezialisten, B- und T-Lymphozyten. Sie erkennen die Struktur der Eindringlinge und produzieren maßgeschneiderte Antikörper. Diese Eiweißsubstanzen – Immunglobuline – passen wie ein Schlüssel ins Schloss. Sie heften sich direkt an den Erreger und blockieren ihn in seiner Aktivität. Ist der Feind übermächtig, können die Lymphozyten Botenstoffe aussenden und damit weitere Immuntruppen anfordern. Die Fresszellen erkennen blockierte Erreger und „fressen“ die Eindringlinge. Einige der Lymphozyten entwickeln sich zu Gedächtniszellen, die das Aussehen des Erregers speichern. Sollte er wieder auftauchen, sind sie augenblicklich zur Stelle und produzieren massenweise Antikörper – der Körper ist gegen diesen Erreger immun geworden.

Antibiotika nur, wenn nötig

Damit das kindliche Abwehrsystem aber auch weiß, wogegen es in Zukunft ankämpfen soll, muss es sich mit vielen Erregern auseinandersetzen. Ob es nötig ist, mit Antibiotika dagegen vorzugehen, entscheidet der Kinderarzt individuell. „Bei Infekten, die primär durch Viren verursacht werden, ist die Gabe eines Antibiotikums nutzlos und eher schädlich. So ist zum Beispiel bei vielen Infekten wie Harnblasenentzündung oder Atemwegsinfekten der Einsatz von Antibiotika nicht angebracht“, sagt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Die Medikamente können außerdem die Bakterien der Darmflora schädigen. Es kann unter Umständen Monate dauern, bis sich das System wieder erholt. Problematisch sind auch Anti biotikaresistenzen, verursacht durch falsche Verordnungen.

Bei einer bakteriellen Infektion sind Anbitiotika dagegen wirksame und wichtige Medikamente. „In einigen Fällen kann man auch dann versuchen, ohne Antibiotika zu behandeln. Allerdings ist hier besondere Vorsicht geboten, da bakterielle Erkrankungen im Kindes alter sehr gefährlich werden und bleibende Schäden hinterlassen können“, sagt die Bad Homburger Kinderärztin Barbara Mühlfeld. Eltern müssen sich außerdem darüber klar sein, dass ein Heilungsprozess ohne starke Medikamente unter Umständen länger Zeit braucht. Viele Eltern, bedauert die Medizinerin, zeigten wenig Geduld für ihre kranken Kinder und drängten Ärzte zum Antibiotikum, obwohl es in vielen Fällen auch anders gehen könnte.

Nicht immer hilft eine Oma in der Not

Die ständige Fürsorge für ein krankes Kind und durchwachte Nächte: Erschöpfte Eltern werden selbst häufig Opfer von Viren und Bakterien. In dieser Situation braucht man Hilfe von außen. Glücklich, wer da nach der Oma rufen kann. Doch in vielen Fällen ist dies nicht möglich – weil die Großeltern nicht flexibel oder selbst nicht gesund sind und oftmals auch, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Viele Sozialstationen bieten eine Familienhelferin, wenn gar nichts mehr geht. Erkundigen Sie sich, bevor der Ernstfall eintritt. Berufstätige Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung haben pro Jahr und Elternteil für die Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren (bei manchen Kassen bis 14 Jahren) Anspruch auf zehn Tage Freistellung von der Arbeit. Hat man mehrere Kinder, stehen 25 Tage zur Verfügung. Das gilt auch, wenn der andere Elternteil zwar zu Hause, aber zu krank ist, um die Kinder zu versorgen. Die Krankenkasse zahlt in dieser Zeit Krankengeld. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Tage, bei mehreren Kindern bis zu 50 Tagen.


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