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FRÜHJAHRS-KARPFEN: FRÜHSTART MIT FINESSE


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 30/2020 vom 07.02.2020

Die ersten Karpfen des Jahres verlangen feine Montagen, kleine Köder – und Erde! Redakteur Florian Pippardt begleitete seinen Kollegen Johannes Radtke an einem warmen Tag im Frühling und ließ sich von seiner ganz speziellen Vorgehensweise überzeugen.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 30/2020

Ein Platz in der Sonne: Wo diese das Flachwasser erwärmt hat, halten sich die Fische auf.


Für die Platzwahl sollte man sich Zeit lassen. Im klaren Frühjahrs-Wasser sieht man oft Fische im Flachen ihre Bahnen ziehen.


Ein Thermometer ist wichtig! Bereits ein oder zwei Grad Temperaturunterschied zwischen Seebereichen machen einen großen Unterschied für ...

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... Karpfen.


Die ersten milden Tage des Jahres ziehen jeden Angler ans Wasser. Schluss mit Montagen binden und Angelvideos gucken – die über Monate angestaute Motivation muss rausgelassen werden! Entsprechend erwartungsvoll verlassen Johannes und ich den Angelladen an diesem außergewöhnlich warmen Februartag. Wir haben Würmer und Maden gekauft – auf Friedfische soll es gehen. Der Vereinsteich, den wir uns ausgesucht haben, beherbergt viele Karpfen. Auch einige Brassen und Schleien schwimmen dort herum, aber vor allem wollen wir unsere ersten Karpfen des Jahres fangen.

Die Fische laufen im zeitigen Frühjahr auf Sparflamme. Wer kann es ihnen verdenken? Schließlich liegt ihre Wohlfühltemperatur bei über 20 Grad, davon sind wir im Februar und März noch weit entfernt. Natürlich nehmen sie Nahrung zu sich, aber nur in kleinen Mengen und auch nicht den ganzen Tag über.

DEZENT, UNAUFFÄLLIG, FEIN

Sie zu fangen, ist also nicht ganz so einfach. Sie zu finden, dagegen schon – die wärmste Ecke des Sees ist die beste. In der Regel ist es die Uferseite, welche von der Sonne am längsten beschienen wird. Finden Sie hier noch einen flachen Bereich, liegen Sie richtig. Trotzdem sollte immer ein Thermometer dabei sein, einfach um auf Nummer sicher zu gehen. Weht nämlich lange Zeit ein kalter Wind auf eine bestimmte Uferseite, kann er kaltes Wasser dorthin drücken – die Fische halten sich dann wahrscheinlich nicht hier auf. Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

An unserem Angeltag weht kein Wind, wir konzentrieren uns also auf die Sonnenseite des Sees. Johannes läuft gerade das Ufer ab und beobachtet die Oberfläche durch seine Polbrille. Die hoch stehende Sonne macht es ihm nicht leicht, aber mit zusammengekniffenen Augen und einer Hand als Blende kann er das flache Wasser ganz gut abscannen. Und tatsächlich, er sieht einen kleinen Satzkarpfen über einem Sandfleck direkt am Schilf schwimmen.

Bevor Sie mit dem Angeln beginnen, sollten Sie eine Runde um den See drehen und das Wasser beobachten. Ist ein Karpfen ausgemacht, sind seine Kollegen nie weit weg. Die Fische stehen jetzt an wenigen Stellen im Gewässer, während andere quasi fischfrei sind.

„Der wird uns wohl auch gesehen haben." Johannes duckt sich und geht vorsichtig ein Stück zurück. Den Angelplatz bauen wir zwanzig Meter vom eigentlichen Futterplatz, der dicht am Ufer liegt, entfernt auf.

Im Frühling ist das Wasser häufig klar und die Fische schreckhaft. Dezent, unauffällig, fein – diese drei Attribute beschreiben die Angelei im Frühjahr: Am Wasser müssen wir mit Bedacht vorgehen, aber auch Montage und Futter erfordern viel Finesse.

MIT ERDE FÜTTERN

Unser Futter muss den Karpfen locken und möglichst lange am Platz halten, darf ihn aber auf keinen Fall sättigen! Johannes schaufelt sich gerade einige Hände feuchte Erde in seinen Futtereimer. Erde als Futter- Basis ist ziemlich schlau – sie bildet eine Wolke unter Wasser und macht die Karpfen neugierig. Beim Fressen wird sie vom Karpfen wieder ausgeblasen, sättigt ihn also nicht. Johannes greift sich eine Tüte Pulver- Additiv und mischt etwas der Erde bei. Welche Geschmacksrichtung das Additiv hat, ist nicht so wichtig. Wir haben gute Erfahrungen mit herzhaften Mischungen wie Käse oder Wurm gemacht. Abgerundet wird die Futtermischung mit ein wenig Grundfutter, einigen zerschnittenen Würmern, Mehlwürmern und Maden. Johannes legt Wert darauf, dass sein Futter unauffällig und dunkel ist. Außß - erdem sollen die Fische sich die kleinen Brocken einzeln aus dem „Erde-Additiv- Groundbait-Teppich“ heraus sammeln. So sind sie lange am Futterplatz beschäftigt und werden nicht so schnell satt. Etwa sechs Futterballen in der Größe eines Tennisballs wirft Johannes ein, während sie zu wirken beginnen, wird montiert: An seine leichte Feederrute schraubt Johannes eine kleine Stationärrolle, bespult mit 0,20er Monofil. Er setzt auf eine simple Schlaufenmontage mit einem drei Gramm schweren Birnenblei. Davor bindet er ein etwa 50 Zentimeter langes 0,18er Vorfach mit einem 14er Haken. Darauf piekst er zwei Maden und einen Mehlwurm. Dezent, unauffällig, fein – da haben wir es wieder!

Februarkarpfen fängt man nicht in jedem Jahr. Umso größer ist die Freude, wenn es klappt.


Schon eine halbe Stunde sitzen wir in unseren Stühlen, als die Rute auf einmal vom Rutenständer ins Wasser gezogen wird. Johannes muss hinterher und erwischt sie gerade noch so. Ein offensichtlich sehr agiler Fisch ist ohne Ankündigung losgerast. Mit nassen Füßen und einem Grinsen im Gesicht hält er dagegen. Der Gegner ist stark und holt sich mehrfach Schnur von der Rolle. Nach einigen Minuten liegt endlich der erste Karpfen des Jahres im Kescher – drei Kilo sind für den Anfang nicht schlecht!

Kurzschenklige, gehärtete Haken biegen auch in 14er Größen nicht auf. Legen Sie besonders bei Vorfachschnur und Haken auf Qualität Wert, denn die Fische haben auch im kalten Wasser richtig Power.

Birnenbleie zwischen drei und zehn Gramm kommen – je nach Wind und Wurfweite – zum Einsatz.


Die Schlaufenmontage (hier zur besseren Darstellung mit dicker, bunter Mono geknüpft) ist einfach aufgebaut, verwickelt sich nie und lässt dem Fisch Spiel.


NÄHRTIER-REGEN

Obwohl nichts an der Oberfläche darauf hindeutet, haben sich die Fische am Platz eingefunden: Gleich nachdem die Montage wieder am Platz liegt, wird die Spitze wieder krummgezogen – Schnurschwimmer!

Wahrscheinlich ziehen die Karpfen in Zeitlupe über den Futterplatz und sammeln Maden und Würmer ein. Durch den recht harten Sandboden steigen dennoch keine Gründelblasen auf. Johannes schießt zwei Hände voll Maden und Würmer mit der Schleuder an den Platz: „Diesen dezenten Nährtier- Regen lieben die Fische! Ich füttere aber erst nach, wenn ich entweder einen Fisch gefangen oder mehrere beim Fressen beobachtet habe.“ Schon Minuten nach dem Maden-Regen hakt Johannes den nächsten Fisch, kurz darauf noch einen. Sie werden es verstehen: Auch mir juckt es jetzt in den Fingern. Ich muss meinen ersten Karpfen im neuen Jahr fangen! Das klappt auch sehr schnell, nebenbei beißen auch noch dicke Brassen. Und plötzlich ist die Sonne untergegangen – wir haben die Zeit total vergessen, so gut ist unsere Taktik aufgegangen.


„UNSER FUTTER MUSS DEN KARPFEN LOCKEN UND MÖGLICHST LANG AM PLATZ HALTEN, DARF IHN ABER AUF KEINEN FALL SÄTTIGEN!“


Wieder ist der Kescher nass! Wenn die äußeren Bedingungen stimmen, sind mit der gezeigten Methode auch im Frühjahr Sternstunden möglich.

Als Futterzusatz und Köder dienen Maden, Mehlwürmer und zerschnittene Rotwürmer (oben). Das eigentliche Futter besteht aus einer kräftigen Portion Maulwurfserde, Pulverlockstoff sowie einer dunklen Grundfuttermischung (v.l.n.r)


KLEINE HAPPEN IM ERDE-GRUNDFUTTER-TEPPICH

Die Fische sind im Frühjahr extrem schnell satt, weil ihr Stoffwechsel noch auf niedrigster Stufe läuft. Ziel ist es also, sie anzulocken und lang am Platz zu halten, ohne sie zu sättigen. Deshalb ist geflavourte Maulwurfserde so genial! Ein wenig Grundfutter und einige Maden, Würmer und Mehlwürmer sorgen dafür, dass die Fische lange und ausdauernd nach Futter suchen. Halten Sie den Platz möglichst konzentriert auf engem Raum, so steigt die Chance, dass ein Karpfen den Hakenköder findet. Nachfüttern sollten Sie erst, wenn Sie das Gefühl haben, dass mehrere Fische am Platz sind. Deutliches Zeichen sind Bisse und vor allem Schnurschwimmer.

WICHTIGE KLEINTEILE

Die Karpfen sind bei der Nahrungsaufnahme noch vorsichtig und langsam. Das Wasser ist in der Regel klar. Feine Vorfächer und kleine Haken bringen daher mehr Erfolg als grobes Gerät. Gleichzeitg müssen Vorfach und Haken auch starken Fischen Paroli bieten – Frühjahrskarpfen sind erstaunlich kampfstark! Vorfachstärken zwischen 0,16 und 0,20 Millimeter und gehärtete 12er und 14er Haken halten erstaunlich viel aus.


FOTO: F. PIPPARDT

FOTO: F. PIPPARDT

FOTOS: F. PIPPARDT

FOTO: F. PIPPARDT