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FSV bald im Oberhaus?


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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 15.09.2022

2. Bundesliga

Artikelbild für den Artikel "FSV bald im Oberhaus?" aus der Ausgabe 5/2022 von FFussball Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
FSV-Berater Chris Punnakkattu Daniel und Mittelfeldspielerin Leonie Kreil.

Vor einem Jahr hat sich der FSV Gütersloh im administrativen Bereich durch einen ausgewiesenen Experten verstärkt. Chris Punnakkattu Daniel fungiert als Strategieberater mit langjähriger Expertise. Ziel ist es nun, den Verein nachhaltig fit zu machen für den Aufstieg und die Etablierung in der Bundesliga.

Herr Punnakkattu Daniel, der FSV hat in den letzten Wochen zahlreiche neue Partner bekanntgegeben. Wie gut sieht sich der Verein infrastrukturell für die neue Saison aufgestellt?

Diese Partner setzen ein sehr wichtiges Zeichen zur Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs beim FSV Gütersloh und somit der gesamten Region Ostwestfalen-Lippe. Die Gewinnung neuer Partner und Sponsoren ist ein ganz wichtiger Baustein, um unseren Weg weiter erfolgreich bestreiten zu können. Der Frauenfußball in Deutschland wird immer weiter professionalisiert. Das ist ein sehr, sehr wichtiger und notwendiger ...

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... Schritt. Zeitgleich bedeutet dies, dass ein reiner Frauenfußballverein wie wir es sind mit der weiter voranschreitenden Professionalisierung, aber auch durch die höheren Ausgaben durch die Coronapandemie, dem Ukraine-Krieg und der Inflation weiter neue finanzielle Rahmenbedingungen schaffen muss, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Wir sind für die neue Saison gut aufgestellt. Doch wir schauen bereits heute perspektivisch weiter in die Zukunft und wissen, dass wir weitere Sponsoren gewinnen müssen, um weiter gute Arbeit leisten zu können und den Standort Gütersloh nachhaltig zu sichern.

Dennoch haben einige Leistungsträgerinnen den Verein verlassen. Was erwarten Sie sich von der neuen Spielzeit?

Das stimmt allerdings. Und auch das gehört zum Sport dazu. Mit Marina Hermes hat unsere langjährige Kapitänin ihre Karriere beendet. Zudem sind mit Annalena Rieke und Noreen Günnewig zwei Leistungsträgerinnen in die FLYERALARM Frauen-Bundesliga gewechselt. Insgesamt haben uns sechs Spielerinnen verlassen und wir haben zur neuen Saison neun neue Akteurinnen im Kader. Es ist also ein spannender Umbruch, den wir nun zur neuen Spielzeit 2022/23 vollziehen. Ein Umbruch ist zugleich eine Chance für die neuen Spielerinnen. Insbesondere die jungen Spielerinnen im Kader. Der FSV hat bereits in der Vergangenheit regelmäßig Talente aus der eigenen Jugend hochgezogen. Wir setzen und vertrauen unseren jungen Spielerinnen, wie wir es auch schon in der Vergangenheit erfolgreich getan haben. Mit Leonie Kreil haben wir zudem neue Qualität und Erfahrung hinzugewonnen, von der die jungen Spielerinnen sehr profitieren werden. Hinzu kommen etablierte Spielerinnen wie Sarah Rolle, Shpresa Aradini, Maren Tellenbröker, Celina Baum und viele weitere. Es ist eine gute Mischung mit spannenden Charakteren, die sich sehr gut verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere neue Mannschaft in der neuen Spielzeit in der 2. Frauen-Bundesliga reifen und wachsen wird.

“ In dieser Saison könnte sogar der Tabellenachte aufsteigen. Das sehe ich problematisch

Der FSV Gütersloh geht auch mit einem umformierten Trainerteam in die neue Saison. Wie würden Sie die Arbeit des neuen Staffs beschreiben?

Das neue Trainerteam mit Britta Hainke und Sammy Messalkhi an der Spitze harmoniert bislang sehr gut. Wir erhoffen uns mit dieser Konstellation eine gute Mischung aus Erfahrung, Fachkompetenz und Kreativität. Britta Hainke sowie Co-Trainerin Kathrin Lückel sind bereits mehrere Jahre im Verein. Sie kennen alle Strukturen und die Spielerinnen. Sammy Messalkhi war in Bocholt als Cheftrainer tätig und bringt neue externe Impulse mit in den Verein. Zudem verstärken mit dem neuen Torwarttrainer Michael Weise und Marcell Rosa zwei weitere Personen den sportlichen Staff. Somit haben wir unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Stärken, die sich gut untereinander sehr gut ergänzen und die bei der Mannschaft sehr gut ankommen.

Viele sehen den FSV aufgrund der zahlreichen Veränderungen als Wundertüte. In welchen Tabellenregionen sehen Sie den Verein?

Eine Einschätzung zu diesem Zeitpunkt ist sicherlich nicht ohne weiteres möglich. Der Fußball zeigt uns immer wieder, dass ein Saisonverlauf durch unterschiedliche Faktoren auf und abseits des grünen Rasens beeinflusst wird. Entscheidend wird sein, wie wir in die Saison kommen. Nach den Coronajahren und mit dem großen Umbruch im Team bleiben wir ostwestfälisch bescheiden und realistisch. Unser primäres Ziel ist es, mit der jungen Mannschaft zusammenzuwachsen und zu reifen. Dann kann der FSV auch in der kommenden Saison wieder für eine oder andere Überraschung sorgen.

Mit Potsdam, Köln und Freiburg sind drei Juniorinnenteams von Erstligisten aufgestiegen – damit besteht die Hälfte der Liga aus Erstliga-Zweitvertretungen. Ist das eher ein Vor- oder ein Nachteil für den FSV?

Ich bin kein Freund davon, hierbei von einem Nachteil zu sprechen. Ich sehe darin aus sportlicher Sicht eher eine Herausforderung, an der unsere junge Mannschaft wachsen kann. Wir werden uns mit den Zweitvertretungen der besten Teams Deutschland messen können. Unsere Spielerinnen werden in diesen Partien sicherlich teilweise ans Limit oder darüber hinausgehen müssen und zugleich wertvolle Erfahrungen sammeln.

Aus administrativer Vereinssicht ist es jedoch sicherlich keine einfache Situation, da wir mit so vielen Zweitvertretungen nur schwer den Verlauf der Saison planen können und auch ein Blick in die Saison 2023/24 kaum möglich ist.

Genau genommen könnte also der Tabellenachte in die Bundesliga aufsteigen. Kann das nicht zum Problem werden?

Es kann absolut zu einem Problem werden. Im Worst Case werden wir erst am letzten Spieltag wissen, wer aufsteigen wird. Jeder Verein möchte sportlich erfolgreich sein und aufsteigen. Doch die aktuelle Konstellation macht die Planung für die nachfolgende Spielzeit im Grunde unmöglich und kann eine erhebliche finanzielle Belastung für die kleineren Vereine wie den FSV bedeuten. Vereine die beispielsweise auf Platz 10, 11, 12 oder gar 13 stehen würden normalerweise keinen Lizenzantrag für die oberste Spielklasse beantragen. In dieser Saison kann es jedoch passieren, dass sie trotzdem eine Lizenz beantragen und überspitzt dargestellt am letzten Spieltag doch noch absteigen.

Was sind die langfristigen Ziele des FSV und wie werden diese angegangen?

Der FSV Gütersloh möchte kurz-, mittel- und langfristig den Standort Ostwestfalen-Lippe für den leistungsbezogenen Mädchenund Frauenfußball sichern. Der Verein leistet eine hervorragende Arbeit und wird bundesweit geschätzt. Der FSV hat in seiner noch recht jungen Vergangenheit über 40 deutsche Nationalspielerinnen hervorgebracht und mit unter anderem Lina Magull, Sophia Kleinherne, Sjoeke Nüsken, Anna Aehling, Annlena Rieke oder auch Noreen Günnewig sind diverse Spielerinnen mit FSV-Vergangenheit in der ersten Liga aktiv. Unsere U17 Mannschaft stand im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft und unsere Zweite ist in die Regionalliga West aufgestiegen. Und das alles als reiner Frauensportverein mit limitierten finanziellen Möglichkeiten. Diese Erfolgsgeschichte möchten wir nicht nur fortführen, sondern auch nachhaltig sichern. Unser Ziel ist es, Mädchen und Frauen aus unserer Region langfristig die

Möglichkeit zu geben, auf dem höchsten Niveau Fußball zu spielen. Spitzenfußball darf nicht nur bei den großen Vereinen wie dem FC Bayern, dem VfL Wolfsburg oder Eintracht Frankfurt möglich sein – sondern auch beispielsweise hier in Gütersloh.

Sie selbst sind unter anderem Strategischer Berater des FSV. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich bin nun über zwei Jahrzehnten im Fußball tätig und habe dabei Projekte für Verbände und Profivereine verantwortet. Als mich der FSV vor der Saison 2021/22 gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, den Verein zu unterstützen, musste ich nicht lange überlegen, da ich aus dem ostwestfälischen Versmold stamme und bereits regelmäßig den FSV verfolgt habe. Ich bringe in der Rolle des Strategischen Beraters meine Erfahrungen in den FSV Gütersloh ein. Ich unterstütze den Verein in den unterschiedlichsten Bereichen auf dem Weg in die Professionalität. Hierzu gehören auch Bereiche wie beispielsweise Marketing oder Medienarbeit. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Verein weiter nach vorne zu bringen, den Spielerinnen beste Bedingungen zu bieten, neue Sponsoren und Partner zu gewinnen und den Frauenfußball nachhaltig zu stärken. Diese Aufgabe ist zeit- und kräftezehrend, die aber sehr viel Freude macht, da hier unheimlich viel Potenzial steckt. Hier sind alle Personen ehrenamtlich (!) mit Herzblut dabei und der Begriff „familiär“ trifft hier zu einhundert Prozent zu.

Sie sind indischer Fußballexperte, richtig? Werden wir bald die erste Inderin in der Bundesliga sehen?

Richtig, ich bin ein Deutscher mit indischen Wurzeln und habe eine besondere Expertise um den indischen Fußball. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir bald eine in Indien geborene Spielerin in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga begrüßen könnten. Die indische Frauen-Nationalmannschaft steht momentan auf Platz 58 der FIFA-Weltrangliste und ich bin der Überzeugung, dass die „Blue Tigresses“ die erste indische A-Nationalmannschaft sein wird, die eine WM spielen wird.

Die Spielerinnen haben eine gewisse Qualität und die eine oder andere Spielerin hat sicherlich das Potenzial hier in der ersten Liga zu spielen. Mit Bala Devi hat die Kapitänin bei Rangers FC in Schottland gespielt und Torhüterin Aditi Chauhan stand bereits bei West Ham United zwischen den Pfosten. Vor wenigen Wochen ist Offensivtalent Manisha Kalayan zu Apollon FC gewechselt und steht davor, die erste indische Spielerin zu werden, die ein Spiel in der UEFA Women’s Champions League bestreiten wird. Was viele nicht wissen ist, dass wir bereits jetzt einen Indienbezug in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga haben. Manjou Wilde vom 1. FC Köln ist indischer Abstammung und ein etabliertes Gesicht in der obersten Spielklasse des deutschen Fußballs.

Im Oktober steht die U17-WM in Indien an. Arbeiten Sie aktuell noch mit dem indischen Verband zusammen?

Die U17 WM wird ein weiteres Highlight für den Fußballsport auf dem Subkontinent. Ich hoffe, dass das Turnier auch tatsächlich in Indien stattfinden kann, da evtl. eine FIFA-Sperre droht. Eine Entscheidung hierzu steht noch aus. Die Verbindung zur All India Football Federation ist regelmäßig vorhanden, da ich in diversen Funktionen für den Verband tätig war – zuletzt im Bereich „Internationale Beziehungen“. Ich bin aktuell in keiner festen Funktion für den AIFF tätig. Jedoch bin ich weiterhin als Schnittstelle zu Vereinen und Verbänden aktiv – insbesondere hier in Deutschland.

Wie haben sie die EM in England erlebt? Glauben Sie, dass das Turnier auch eine Strahlkraft auf die neue Saison haben wird? Besonders in puncto Zuschauerzahlen hat der deutsche Frauen-Vereinsfußball ja arg gelitten?

Die Europameisterschaft war ein großartiges Turnier. Sportlich attraktiv, tolle Stimmung und eine exzellente Werbung für den Fußball im Allgemeinen. Es hat Spaß gemacht, sich die Spiele anzuschauen und unsere DFB-Mädels haben ein richtig starkes Turnier gespielt. Ich kann Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und der Mannschaft zu dieser grandiosen Leistung nur beglückwünschen. Ich hoffe und würde es mir sehr wünschen, dass dieses Turnier eine nachhaltige Wirkung auf den Alltag im Vereinsfußball hat. Denn der Alltag besteht nun mal aus der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, der 2. Frauen-Bundesliga, den restlichen Ligen und dem DFB-Pokal. Ich muss gestehen, dass ich trotz aller Hoffnung und Euphorie etwas vorsichtig bin, was die Strahlkraft anbetrifft. Dies liegt auch darin begründet, dass ich in der heutigen Zeit in allen Bereichen der Gesellschaft eine Schnelllebigkeit sehe. Es entsteht schnell ein Hype, Dinge werden medial – insbesondere auf Social Media – hochgejubelt und zwei Wochen später steht wieder ein neues Thema im Fokus. Sicherlich wird das Eröffnungsspiel der FLYERALARM Frauen-Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern zahlreiche Fans ins Stadion locken. Doch viel wichtiger ist es, dass auch noch mitten in der Saison und am Ende der Saison genauso viele Zuschauer ins Stadion kommen. Auch wir als Zweitligist machen uns sehr große Gedanken, ob und wie man die Leute für einen Besuch begeistern kann. Denn auch in der 2. Frauen-Bundesliga wird ein ansehnlicher Fußball gespielt. Daher müssen wir im Fußball, also der DFB und alle Vereine, diese Euphorie weiter am Leben erhalten und versuchen, im Alltag darauf aufzubauen. Ich sehe zudem die Medien, die Sponsoren und auch die Gesellschaft in der Pflicht, dieser zu Recht entstandenen Euphorie auch ein nachhaltiges Fundament zu geben und im Fokus zu halten. Der Frauenfußball verdient die Wertschätzung und Anerkennung der Gesellschaft. Wenn wir das hinbekommen, können wir eine nachhaltige Veränderung bewirken, da die gesellschaftliche Akzeptanz da sein wird.

“ Es entsteht schnell ein Hype und zwei Wochen später steht wieder ein neues Thema im Fokus.