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FUCHSJAGD: Riegeln auf Reineke


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 06.02.2020

Kleine Fuchsdrücken bieten nicht nur spannendes Jagen, sie sind auch ein wichtiger Baustein der Niederwildhege. Revierjagdmeister Sascha Schmitt erklärt, worauf Jagdleiter, Treiber und Schützen achten müssen, damit das Unterfangen gelingt.


Artikelbild für den Artikel "FUCHSJAGD: Riegeln auf Reineke" aus der Ausgabe 3/2020 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Rafal Lapinski

Langsam schiebt sich der schmale Fang des roten Freibeuters aus der Brombeerhecke. Schon zeigt sich der Fuchsrüde in seiner ganzen Pracht im gleißenden Licht der Wintersonne. Immer wieder nach hinten sichernd, schnürt er auf dem ausgetretenen Rehwildwechsel auf den ruhig verharrenden Schützen zu. Der sitzt, mit dem Rücken an eine knorrige Eiche ...

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Langsam schiebt sich der schmale Fang des roten Freibeuters aus der Brombeerhecke. Schon zeigt sich der Fuchsrüde in seiner ganzen Pracht im gleißenden Licht der Wintersonne. Immer wieder nach hinten sichernd, schnürt er auf dem ausgetretenen Rehwildwechsel auf den ruhig verharrenden Schützen zu. Der sitzt, mit dem Rücken an eine knorrige Eiche angelehnt, auf seinem Sitzstock und beobachtet Meister Reineke, der sich langsam, aber stetig nähert.

Die anmutigen Bewegungen und die sprichwörtliche Schläue, die dem roten Schleicher ins Gesicht geschrieben steht, sind faszinierend, doch noch ist es zu weit für einen sicheren Schuss. 60, 40, 30 m - jetzt gilt‘s: Erst als der Fuchs im sicheren Schrotschussbereich ist, geht die Flinte an die Schulter. Reineke sieht die Bewegung, versucht zu entkommen, aber die Schrotgarbe wirft ihn ins Eichenlaub.

Flugs wird die Hülse in der Jackentasche verstaut und der Lauf nachgeladen. Er ermahnt sich zur Ruhe, legt die Flinte wieder auf seinen Knien ab und verharrt bewegungslos auf seinem Stand. Noch ist der Treiberbursche nicht in Sicht, und vielleicht steckt noch ein Rotrock in dem sonnendurchfluteten Hang. Erst als der Junge heran ist und ihm ein fröhliches „Waidmannsheil“ zuruft, steht er auf, entlädt die abgegriffene Bockflinte und geht zu seiner Beute. Mit gekonnten Handgriffen bindet er den Roten auf seinen Rucksack. Zu Fuß geht es zum nächsten Treiben.

Diese sonntäglichen Fuchsdrücken gehörten in meiner Kindheit und Jugend im Januar und Februar zum jagdlichen Standardprogramm. Während ich, entweder allein oder von der Deutsch-Drahthaar- Hündin meines jagdlichen Ziehvaters „Onkel“ Rainhard unterstützt, die Treiberwehr bildete, verharrte er am Pass, den der Fuchs voraussichtlich nehmen würde. Mir war es unerklärlich, warum der Plan meistens aufging. Obwohl der Fuchs gefühlte tausend Möglichkeiten hatte, sich aus dem Treiben zu stehlen, saß „Onkel“ Rainhard meist richtig und erbeutete so manchen Rotrock.

Mittlerweile sind klassiche Fuchsriegler genauso aus der Mode gekommen wie die Bezeichnung „Onkel“ für nicht blutsverwandte enge Bekannte eines Kindes. Das gezielte Drücken auf Reineke ist im Gegensatz zu den lauten, hektischen Gesellschaftsjagden des Herbstes und Frühwinters eine besinnliche, entschleunigte Form der Jagd. Denn es ist nicht das Ziel, mit einer kopfstarken Treiberwehr und viel „Hurra“ und „Hopphopp“ das Wild vor die zahlreichen Jäger zu bringen. Vielmehr werden mit einer kleinen, ortskundigen Treiberwehr die außerhalb der Baue ruhenden Füchse vorsichtig angerührt, damit sie den wenigen versierten Schützen passend vor die Läufe kommen.

Der Jagderfolg bei diesen Unterfangen hängt zu einem großen Teil von der passenden Witterung ab: Trockener Frost, einhergehend mit Sonnenschein und wenig Wind, veranlasst die Füchse dazu, den Tag draußen zu verbringen. Sie sonnen sich dann gern in lichtdurchfluteten Althölzern, lückigen Dickungen oder trockenen Schilfflächen. Auch in stillgelegten Weinbergen, mit Brombeerhecken durchzogenen Bruchwäldern und selbst in Zwischenfruchtschlägen sind sie dann aufzufinden. Und genau dort sollte auch gedrückt werden.

Sind die geplanten Treiben klar definiert, gilt es, die Schützenstände sorgfältig zu planen. Leicht angerührte Vor allem bei Waldjagden nimmt der Fuchs gern Schalenwildwechsel an. Diese müssen bekannt sein und je nach Wind abgestellt werden.

Ein Rotrock schnürt auf den Schützen zu, bemerkt eine Bewegung, und ohne Schrecksekunde wirft er sich herum und flüchtet. Deshalb muss der Jäger so lange regungslos verharren, bis der Fuchs auf gute Schrotschussentfernung heran ist.


Vor allem bei Waldjagden nimmt der Fuchs gern Schalenwildwechsel an. Diese müssen bekannt sein und je nach Wind abgestellt werden.


Foto: Jörg Rahn

Füchse versuchen fast immer, das Treiben gedeckt zu verlassen oder bekannte Pässe zu nutzen, und steuern dabei in der Regel den nächsten Deckungskomplex an. Entwässerungsgräben, Heckenstreifen und Wegeböschungen werden dabei gern angenommen, um sich unentdeckt aus der Affäre zu ziehen. Bei seinem geordneten Rückzug versucht Reineke immer, sich gegen den Wind davonzustehlen, was bei Standwahl und Richtung des Treibens beachtet werden muss. Gegen den Wind gedrückt, reicht meist ein Schütze auf dem Rückpass, um die Füchse zu erbeuten, die gegen diese Regel verstoßen wollen.

Im Wald nimmt der Fuchs bevorzugt Schalenwildwechsel an. Große Naturbaue, die sich im oder in der Nähe des geplanten Treibens befinden, müssen durch Schützen gesichert werden, damit Reineke nicht unter Tage verschwinden kann.

Das gemeinsame Fuchsriegeln bietet Spannung, Freude und eine gute Gelegenheit, die verstaubte Flinte aus dem Waffenschrank zu holen.


Foto: Karl-Heinz Volkmar

Da das Sehvermögen des roten Räubers ausgezeichnet ist, sollten die Stände so gewählt werden, dass die Jäger mit dem Rücken an einem Baum oder ähnlicher Deckung sitzen. So werden deren Bewegungen nicht so schnell wahrgenommen.

Bei Frost muss bedacht werden, dass es für die Schützen unmöglich ist, ihren Stand lautlos zu beziehen. Raschelndes Laub oder brechende, gefrorene Äste beim Angehen würden so viel Lärm erzeugen, dass Reineke mit Sicherheit das Treiben frühzeitig verlässt. Deshalb werden die Schützen an Frosttagen grundsätzlich mit ausreichendem Abstand zum Treiben abgestellt.

Es muss immer bedacht werden, dass die Kunst des Fuchsrieglers darin besteht, den Rotrock durch leises, vorsichtiges Durchdrücken auf die Läufe zu bringen, damit er langsam vor die Schützen kommt. Zu viel Druck, unvorsichtiges, zu lautes und hektisches Vorgehen der Treiber führt dazu, dass sich der Fuchs in der Deckung drückt und überlaufen wird. Oder er bricht an einer beliebigen Stelle aus, an der womöglich kein Schütze steht. Deshalb sollte beim klassischen Fuchsdrücken auf frei jagende Hunde verzichtet werden. Mit dem Vierläufer im Nacken hält kein Fuchs den ihm vertrauten Pass, sondern sondern ist bemüht, sich schnellstens aus dem Staub zu machen.

Hunde kommen nur dort zum Zug, wo es gilt, ausgedehnte Brombeerfelder, Schilfflächen oder Zwischenfruchtschläge zu bejagen. Zu diesem Zweck eingesetzte Vierläufer sollten mindestens sichtlaut und dornenfest sein sowie über die notwendige Raubwildschärfe verfügen, die es braucht, um einen kranken Fuchs zügig abzutun.

Teckel und Terrier eignen sich für derartige Einsätze nicht, da die Gefahr besteht, dass sie einschliefen und den Fuchs unter Tage verfolgen, was meist in unnötigen Auseinandersetzungen mit dem Raubwild endet.

Dieser Rotrock fährt während des Treibens in den Bau ein. Genau deshalb sollte dort immer ein Schütze postiert werden.


Foto: Jürgen Gauß

Nicht nur an Treiber und Hunde werden beim Fuchsriegler besondere Ansprüche gestellt. Die eingesetzten Jäger müssen sich absolut diszipliniert und besonnen auf dem Stand verhalten, besonders dann, wenn sich Reineke langsam nähert. Unnötige Bewegungen und Geräusche müssen genauso unterbleiben wie ein zu frühes In-Anschlag- Gehen. Einem Fuchs reicht die kleinste Handbewegung, nur das lei-seste Rascheln, und er sucht mit wehender Standarte das Weite. Aus diesem Grund sollten Schützen grundsätzlich während des Treibens auf Sitzstöcken sitzen. So wird ein Umherwandern oder Hin-und-her-Treten der Jäger wirkungsvoll unterbunden. Gleichzeitig verringert sich die menschliche Silhouette, was dem Fuchs erschwert, den Jäger zu erkennen.

Als Bewaffnung empfiehlt sich die vertraute Flinte, die möglichst mit engen Würgebohrungen versehen ist, um auch den Fuchs im Grenzbereich der Schrotgarbe noch sicher erlegen zu können. Kugelwaffen beim Fuchsdrücken führen immer zu einem schlechteren Streckenergebnis. Um einen Fuchs in Bewegung mit der Kugel sauber zu erlegen, bedarf es nicht nur eines hohen Maßes an Schießfertigkeit, sondern die Kugelwaffe weckt in der Hand mancher Jäger schnell die Begehrlichkeit, Schalenwild zu erlegen. Viele Fuchsriegler scheitern, da spätestens nach dem zweiten Treiben der Fokus wieder auf das Schwarzwild gerichtet wird und Reineke maximal noch als Beifang gesehen wird.

Foto: Michael Stadtfeld

Oft ist der Hundeeinsatz beim Fuchsriegeln kontraproduktiv, da Reineke unter Druck die Pässe nicht hält (o.). In dichtem Bewuchs wie im Miscanthus sind raubwildscharfe Hunde aber unabdingbar (u.).


Foto: Werner Kuhn

Das ist nicht nur bedauerlich, sondern zeugt auch von einer nicht angepassten Freigabe: Alles außer Raubwild ist an solchen Tagen nicht freigegeben. Und das muss bereits bei der Ansprache unmissverständlich kundgetan werden.

Versuchen Sie es doch im eigenen Beritt, denn potenzielle Fuchstreiben hat jedes heimische Revier. Mit Liebe zum Detail vorbereitet und diszipliniert durchgeführt, bieten Fuchsriegler eine attraktive Alternative zum einheitlichen Schwarzwild-Alltagstrott, der unser jagdliches Handeln und die Köpfe der Jägerschaft in zunehmendem Maße beherrscht. Kaum eine Jagdart bietet eine bessere Möglichkeit, das eigene jagdliche Tun wieder zu erden, und stellt gleichzeitig derart hohe Ansprüche an die eigenen Fähigkeiten.


Fotos: Michael Stadtfeld