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FUCKUP


Startup Valley News - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 22.02.2019

Das Scheitern von heute sind die Erfolge von Morgen


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Bildquelle: Startup Valley News, Ausgabe 2/2019


Warum tun wir uns dann aber persönlich, gesellschaftlich und in Unternehmen so schwer mit dem Umgang mit Scheitern.


Wir leben in einer Zeit dynamischer Veränderungen. Startups, digitale Geschäftsmodelle und neue Technologien sind ein wesentlicher Treiber dieser Prozesse. GrownUps (etablierte, langjährige Unternehmen) versuchen diese Dynamik mit Akronymen wie VUCA zu beschreiben und mit Themen wie Agilität, Industrie 4.0 usw. Rechnung zu tragen.

Entscheidungen fordern uns auf, zwischen zwei oder mehreren Optionen eine Wahl zu treffen, mit der wir zwar ...

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... konkrete Ziele verbinden, deren Ergebnisse jedoch unsicher sind. Wenn Erfolg das Erreichen (persönlicher, selbstgesteckter) Ziele ist, dann ist Scheitern offensichtlich das Gegenteil hiervon, eben das Nicht-Erreichen dieser Ziele.

Niemand entscheidet sich bewusst für Ziele, von denen er bereits zum Zeitpunkt der Entscheidung weiß, dass er sie nicht erreichen wird. Entscheidungen mögen gut oder schlecht überlegt sein, aber hinter jeder Entscheidung stand einmal eine Überzeugung, die dahinterliegenden Ziele auch erreichen zu können. Daher scheitert auch niemand gerne. Das Paradoxon unserer Zeit ist es, dass wir bei vielen Entscheidungen nicht mehr wirklich absehen können, ob die mit ihnen verbundenen Erwartungen und Ziele tatsächlich erreicht werden können oder ob nicht „zufällige“ Veränderungen, disruptive Geschäftsmodelle, neue Technologien, innovative StartUps oder attraktivere Unternehmenskulturen uns einen Strich durch die Rechnung machen. Manches hiervon mag vorhersehbar sein, vieles sicher nicht. Entscheidungen werden nun mal unter Unsicherheit getroffen.

Warum tun wir uns dann aber persönlich, gesellschaftlich und in Unternehmen so schwer mit dem Umgang des Scheiterns. Warum werden Leiter gescheiterter Projekte, Unternehmer und Geschäftsführer mit Insolvenzerfahrungen und Menschen in Privatinsolvenzverfahren immer noch schief angeschaut, stigmatisiert und das Thema allgemein tabuisiert?

In meinem Buch FuckUp – Das Scheitern von heute sind die Erfolge von morgen - berichte ich über meine Erfahrung des Scheiterns. Einerseits geht es mir darum, Scheitern nicht als etwas Abstraktes, Theoretisches zu beschreiben, sondern als das, was es ist, eine zutiefst bewegende und emotionale Erfahrung. Andererseits möchte ich diese persönliche Erfahrung in einem größeren Kontext reflektieren und Erkenntnisse ableiten, die uns individuell, unternehmerisch und gesellschaftlich Anregungen bieten, mit diesem Thema zeitgemäß umzugehen.

Erfolg und Scheitern sind zwei Seiten derselben Medaille. Und so gehört zum Erfolg stets die Möglichkeit des Scheiterns und umgekehrt liegt in der Erfahrung des Scheiterns immer auch eine Möglichkeit zu neuen Erfolgen. Unsere erfolgsorientierte Gesellschaft hat vergessen oder verlernt, mit der anderen Seite der Medaille umzugehen. Viele von uns wissen vor lauter Erfolg nicht mehr, wie sie mit eigenem Scheitern und dem Scheitern anderer umgehen sollen und können, oder sie tun zumindest so, da die erfolgsgewöhnte Gesellschaft sich lieber mit erfolgreichen Menschen umgibt und Versager zwangsläufig uninteressant sein müssen.

Aber mal ehrlich: sind wir nicht alle mal erfolgreich und auch mal Versager? Haben wir nicht alle trotz unserer Erfolgsgeschichten auch unsere Schattenerfahrungen? Und haben alle „Gescheiterten“ nicht irgendwann und irgendwo auch ihre Erfolgsgeschichten gehabt? Wir tabuisieren ein zutiefst menschliches Thema: dass wir Fehler und Erfahrungen des Scheiterns machen, um lernen zu können.

Foto: Fotolia.com - © peshkova


Erfolg und Scheitern sind zwei Seiten derselben Medaille.


Damit wir aus Scheitern lernen können, bedarf es aus meiner Sicht fünf Voraussetzungen:

1. Den eigenen Willen, aus solchen Erfahrungen lernen zu wollen und diese nicht eilig mit vermeintlich neuen Erfolgsgeschichten zu überlagern. Aus Scheitern lernen zu wollen ist eine Entscheidung, die bewusst getroffen werden muss.

2. Sich für die Verarbeitung dieser Erfahrung Zeit zu nehmen und auch vom Umfeld die Zeit für die Verarbeitung zu bekommen. In seinen Studien zeigt Prof. Patzelt von der TU München, dass diese Zeit ein wichtiger Faktor für den Lernerfolg aus gescheiterten Projekten in Unternehmen ist.

3. Die Bereitschaft, über die eigenen Erfahrungen zu berichten, sie mit anderen zu teilen und über sie zu sprechen. Die sogenannten FuckUp -Nights zeigen uns, wie das funktionieren kann. Es bedarf Mut und Vertrauen, sich vor eine Gruppe von Menschen zu stellen und über sein Scheitern zu berichten. Es ist aber auch die einzige Möglichkeit, dass andere von dieser Erfahrung lernen können.

4. Die Vorbereitung, die dabei hilft, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und Erkenntnisse ableiten zu können. Lernen aus Erfahrung passiert nicht von allein und automatisch. Sich bewusst Zeit zu nehmen, zu reflektieren, die eigene Erfahrung in einem größeren Kontext zu sehen: was ist gut gelaufen, wo waren die Fehler, und was war einfach nur „ein schwarzer Schwan“.

5. Last but not least: die eigenen Emotionen wahrzunehmen und anzuerkennen. Scheitern tut weh. Und dieser Schmerz darf sein, wir dürfen ihn fühlen und wir dürfen ihn zum Ausdruck bringen. Unterdrückte Emotionen sind Hypotheken für die Zukunft.

Für Unternehmen bedeutet dies eine Vertrauenskultur zu entwickeln, in der Fehler und Scheitern nicht stigmatisiert werden, sondern als Lernmöglichkeiten gewertet werden, und damit eine Kultur entsteht, in der das viel gewünschte unternehmerische Handeln, im Sinne des Wortes, gelebt und unterstützt wird.