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FÜHL DICH WIE ZU HAUSE!


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 60/2019 vom 20.05.2019

So einTURNIERSTARTist schon eine aufregende Sache: Nicht nur für den Reiter, sondern auch für das Pferd. Daher ist es umso wichtiger, die ungewohnte Situation so stressfrei und angenehm wie möglich für das Pferd zu gestalten. Motto: Eigentlich alles so wie immer – wie das klappt, haben wir hier zusammengetragen


Artikelbild für den Artikel "FÜHL DICH WIE ZU HAUSE!" aus der Ausgabe 60/2019 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Wer auf dem Turnier ein entspanntes und leistungsfähiges Pferd haben möchte, sollte einige Regeln zur Fütterung beachten.


Foto: Wegener/Equitaris

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Foto: Wegener/Equitaris

Meistens dauert der große Auftritt nur fünf Minuten, im Parcours sogar noch weniger. Auf dem Turnier müssen Pferd und Reiter genau im richtigen Moment in der Prüfung „abliefern“. Das klappt nur, wenn beide möglichst konzentriert und optimal vorbereitet an den Start gehen. Und dafür ist wiederum nicht nur die eigene reiterliche Leistung im Sattel entscheidend, sondern mindestens genauso sehr das ganze Drumherum. Wer selbst Turnierreiter ist, weiß nur zu gut: Oft verbringt man den ganzen Tag auf einer Veranstaltung, weil zwischen den Prüfungen einige Stunden Pause sind. Dann kann es schon mal passieren – da sind sich Zweiund Vierbeiner gar nicht so unähnlich –, dass dem Pferd vor lauter Aufregung der Durst vergeht oder es dermaßen unter Spannung steht, dass später unter dem Sattel nichts mehr gelingen will. Ruhe und gute Organisation sind gefragt, damit sich das Pferd auch auf dem Turnier wirklich wohlfühlen kann.

1995 hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihre Ethischen Grundsätze für Pferdefreunde veröffentlicht. Nummer eins lautet: „Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.“ Dieser Grundsatz gewinnt auf dem Turnier noch einmal deutlich an Bedeutung. Anders als bei allen anderen Sportarten, ist das Pferd kein Sportgerät, sondern ein Partner. Es hat Bedürfnisse und Empfindungen, die es auf dem Turnier ebenso zu berücksichtigen gilt, wie im Alltag – genau hierin liegt die Verantwortung des Menschen. Das wird auch im dritten Ethischen Grundsatz noch einmal deutlich:

„Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.“ Sprich: Bei allem Ehrgeiz; vor dem Traum von der goldenen Schleife muss immer das Wohlbefinden des Pferdes an erster Stelle kommen. Auch Tierärztin und Vielseitigkeitsreiterin Dr. Annette Wyrwoll betont: „Für mich ist es eine Unsitte, mein Pferd nach der Prüfung einfach verschwitzt und dreckig wieder auf den Hänger zu stellen – und dann am besten erst einmal selbst zur Pommesbude zu gehen.“ Das Prinzip lautet: Erst das Pferd, dann der Reiter. Das steht zwar nicht in den Ethischen Grundsätzen, sollte aber selbstverständlich sein.

DAS LEIBLICHE WOHL

Je länger ein Turniertag dauert, umso besser muss die Versorgung des Pferdes geplant werden. „Wenn ich nur für eine kurze Prüfung zum Turnier fahre, muss ich mein Pferd nicht unbedingt dort füttern“, so Dr. Wyrwoll. Anders sieht es aus, wenn man schon früh den Hof verlässt und erst im Dunkeln wieder nach Hause kommt. Die wichtigste Regel in diesem Fall lautet: Die Routine beibehalten! „Wenn es möglich ist, sollte man die Fütterung am Turniertag nicht viel verändern“, rät Dr. Wyrwoll. Das gilt sowohl für die Auswahl der Futtermittel als auch für die Futterzeiten. Wenn das Pferd also normalerweise um sieben Uhr morgens sein Heu bekommt und eine Stunde später Kraftfutter, sollten diese Gewohnheiten nicht verändert werden. Natürlich richtet sich der Zeitplan des Veranstalters nicht unbedingt nach den eigenen Futterzeiten. Wenn also schon um acht Uhr die erste Prüfung ansteht, muss das Pferd vorher zu Hause sein Heu bekommen haben. Bei ganz frühen Starts empfiehlt es sich deswegen schon am Abend zuvor eine extra große Portion Heu zu geben, damit eine ausreichende Versorgung mit Raufutter gewährleistet ist. „Im Zweifelsfall kommt das Pferd in der ersten Prüfung auch einmal nur mit Heu aus“, sagt Dr. Wyrwoll.

UNSERE EXPERTIN

DR. ANNETTE WYRWOLL

Foto: Lafrentz

Die Fachtierärztin für Pferde ist zudem Pferdewirtschaftsmeisterin, erfahrene Turnierreiterin und Trägerin des Goldenen Reitabzeichens. 2000 nahm sie an den Olympischen Spielen in Sydney teil, wo sie Platz 19 in der Vielseitigkeit belegte. Heute betreibt sie die Pferdepraxis Neuhof in Bayern und züchtet zudem Trakehner.
www.pferdepraxis-neuhof.de

Erhält das Pferd auf dem Turnier Kraftfutter, muss genug Zeit zum Verdauen bis zur nächsten Prüfung eingeplant werden.


Foto: Wegener/Equitaris

Denn auch für die Kraftfuttergabe sollte man so wenig wie möglich vom Alltag abweichen. Leichte Anpassungen der Uhrzeiten, je nach Prüfungsbeginn, sind aber unproblematisch. Beim Kraftfutter kommt es außerdem darauf an, genügend Zeit zum Fressen und Verdauen einzuplanen. Wer in Dressur oder Springen antritt, sollte spätestens 1 bis 1,5 Stunden vor dem Reiten das letzte Mal füttern. Bei Geländeprüfungen verdoppelt sich diese Zeitspanne, da das Pferd einer größeren körperlichen Anstrengung ausgesetzt ist. Etwa drei Stunden bevor es in den Busch geht, sollte die letzte Kraftfuttergabe erfolgen. Dr. Wyrwoll merkt außerdem an: „Raufutter kann dem Pferd im Prinzip bis zum Aufsitzen angeboten werden – vorausgesetzt es ist daran gewöhnt und schlägt sich nicht übermäßig den Bauch mit Heu voll.“ Alternativ kann man mit dem Pferd auch in der Mittagspause ausgiebig grasen gehen, wenn es ansonsten zu Hause auf der Koppel steht.

Bei der Wahl der Futtermittel gilt ebenfalls: Keine Experimente! Bekommt das Pferd sonst ein bestimmtes Müsli gefüttert, sollte dieses auch auf dem Turnier – in unveränderter Portionsgröße – in der Krippe bzw. in der Schüssel landen. Viele Reiter geben dem Pferd auf dem Turnier gerne Mash. Laut Meinung von Dr. Wyrwoll ist das jedoch nicht unbedingt die beste Lösung: „Ich persönlich füttere Mash eher ungern, da es schwer im Magen liegt. Stellen Sie sich vor, Sie essen vor dem Sport Käsespätzle, das Gefühl ist in etwa vergleichbar.“ Wenn überhaupt, dann sollte das Mash in sehr flüssiger Form gefüttert werden, rät Dr. Wyrwoll. Für sie ist im Zweifelsfall Raufutter immer die erste Wahl, weil es die Motorik des Darms besser in Gang bringt und den Speichelfluss anregt.

Auch das Verladen verursacht bei vielen Pferden Stress. Muss es aber nicht! Wer sein Pferd Schritt für Schritt an das Anhängerfahren gewöhnt, spart auf dem Turnier Zeit und Nerven.


Foto: Sorge

Gelb, rot oder schwarz? Einige Pferde möchten nur aus einem ganz bestimmten Eimer trinken. Das kann schon Zuhause gut geübt werden.


Foto: Sorge

Ein guter TT (Turniertrottel) ist unbezahlbar – und kann dem Pferd Sicherheit vermitteln.


Foto: Becker/Equitaris

Und auch zum Thema Heunetz äußert sie sich: „Ich bin kein großer Fan davon, den Pferden während der Fahrt ein Heunetz anzubieten. Meist ist auf dem Anhänger so wenig Platz, dass die Pferde dann die ganze Zeit mit den Nüstern im Heu hängen und eventuell Staub oder Pollen inhalieren. Im schlimmsten Fall führt das zu chronischem Husten oder Allergien.“ Im Optimalfall ist das Pferd sogar so gut erzogen, dass es auf dem Turnier außen am Anhänger angebunden werden kann und dort aus dem Heunetz frisst. Sollten zu dem Thema Fütterung auf dem Turnier grundsätzlich Zweifel oder Fragen bestehen, gilt immer: Rücksprache mit dem Tierarzt halten.

WASSER MARSCH!

Hannoveraner Archibald hat ein Trinkproblem. Oder anders gesagt: Er bekommt auf dem Turnier keinen Tropfen herunter. Das wiederum bringt seine Besitzerin Julia an den Rand der Verzweiflung, weil sie befürchtet, der Wallach könnte gesundheitliche Schäden davontragen. Ab wann wird es gefährlich, wenn das Pferd auf dem Turnier nicht saufen möchte? „Das lässt sich nicht pauschal sagen“, so Dr. Wyrwoll. „Reite ich an einem regnerischen Tag eine A-Dressur, ist das weniger problematisch. Bei zwei Geländepferdeprüfungen an einem windstillen Tag bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius schon eher.“ Dann gilt es, das Pferd bereits im Vorfeld entsprechend zu konditionieren, also auch im heimatlichen Stall das Tränken aus dem Eimer zu üben. Wie wir Menschen, so haben auch Pferde ihre ganz persönlichen Vorlieben. Manche Kandidaten saufen zum Beispiel nicht aus einem schwarzen Eimer, dafür aber aus einem weißen oder roten. „Wenn Zuhause der Lieblingseimer gefunden ist, schreibe ich am besten groß den Namen darauf und reserviere diesen für mein Pferd“, gibt Dr. Wyrwoll mit auf den Weg.

Auch ein guter Tipp, auf den viele internationale Top-Reiter bzw. deren Pfleger setzen: Einen kleinen Schluck Apfelsaft in das Wasser geben. Dieser überdeckt einen eventuellen fremden Geschmack. Selbst wenn das gewohnte Wasser aus dem Heimatstall mitgebracht wird, kann dies manchmal leicht nach Plastik schmecken, je nach Kanister, in dem es transportiert wird. Das reicht bei besonders sensiblen Pferden schon aus, um die Wasseraufnahme zu verweigern. Archibald hat sich übrigens nach langem Üben für einen roten Eimer entschieden. Sollte er aber doch noch einmal auf dem Turnier in alte Muster verfallen, hat sich Julia von ihrem Tierarzt außerdem zeigen lassen, wie sie den Flüssigkeitshaushalt ihres Wallachs überprüfen kann. Dafür bildet man mit der Hand am Hals des Pferdes eine Hautfalte. Braucht diese zehn Sekunden oder länger, um sich wieder zu verstreichen, ist das ein Zeichen dafür, dass das Pferd dehydriert ist.

PINKELPAUSE

Eine weitere Situation, die vielen Turnierreitern bestimmt bestens bekannt ist: Das Pferd kommt in der Prüfung nicht richtig zum Loslassen und fühlt sich klemmig an. Kurz darauf zeigt sich auf dem Hänger, wo das Problem lag: Die Blase hat gedrückt! Viele Pferde verkneifen sich das Pinkeln auf dem Turnier und atmen dann spürbar durch, wenn sie sich später in der heimischen Box oder schon auf dem Anhänger erleichtern können. Für Dr. Wyrwoll ist das weniger ein ge- sundheitliches Problem, als ein sportliches. Denn Pferde laufen meist sehr verspannt und steif, wenn sie eigentlich auf die Toilette müssen. Viele Pferde mögen es nicht, wenn ihnen beim Wasser lassen der Urin gegen die Beine oder an den Bauch spritzt. Dann kann es helfen, ein wenig Stroh mit zum Turnier zu nehmen und dieses dem Pferd unter dem Bauch aufzuschütteln. Auch eine tolle Idee, die schon einige Turniervieranstalter umsetzen: Eine (mobile) Box wird auf dem Gelände bereitgestellt, in der sich alle Pferde erleichtern dürfen. „Ich hatte auch mal ein Pferd, dass auf dem Turnier unter dem Reiter partout nicht äppeln wollte.

Also bin ich erst einmal 15 Minuten locker geritten, habe das Pferd dann noch einmal abgesattelt und am Anhänger angebunden. Dann klappte es auch mit dem Äppeln und ich konnte anschließend auf ein entspanntes Pferd steigen“, berichtet Dr. Wyrwoll.

Wer mit dem Pferdeanhänger unterwegs ist, muss besonders vorsichtig und vorausschauend fahren.


Foto: Sorge

WAS SONST NOCH WICHTIG IST

Das Thema Verladen bzw. Anhänger fahren treibt vielen Pferdebesitzern Schweißperlen auf die Stirn. Immer wieder beobachtet man auf dem Turnier Situationen, in denen aufgeregte Menschen versuchen, ihr mehr oder minder nervöses Pferd mit den merkwürdigsten Methoden auf den Anhänger zu bugsieren. Unnötiger Stress, wie Dr. Wyrwoll feststellt: „In der Regel weiß ich schon Wochen vorher, ob ein Turnier ansteht. Dann kann ich auch das Verladen ganz in Ruhe üben.“ Besonders mit jungen oder wenig erfahrenen Pferden ist es ratsam, das Anhängerfahren Schritt für Schritt zu trainieren. Einsteigen und wieder runter, beim nächsten Mal kommt die Stange hinzu, dann wird auch mal die Rampe geschlossen und schließlich eine kleine Runde durch das Dorf gedreht, bevor das ganze Prozedere dann an Tag X – womöglich unter Zeitdruck, den man allerdings vermeiden sollte – klappen muss.

Ein weiterer Punkt, der Dr. Wyrwoll sehr am Herzen liegt: Wer mit dem Pferdeanhänger unterwegs ist, sollte unbedingt vorausschauend und vernünftig fahren. Wilde Raserei ist absolut untersagt. Heftiges Bremsen ebenso (Sicherheitsabstand einhalten!). Und wer mit dem Anhänger regelmäßig um die Kurve brettert, muss sich nicht wundern, wenn das Pferd auf dem Anhänger nicht mehr stillstehen oder vielleicht gar nicht erst einsteigen möchte.

Um den Turniertag darüber hinaus so angenehm wie möglich für das Pferd zu gestalten, braucht es neben der richtigen Ausrüstung (siehe Checklisten) vor allem noch eine ganz entscheidende Sache: ein gutes Zeitmanagement! Lieber eine Stunde zu früh auf dem Turnierplatz sein und dafür noch genügend Luft haben, um das Pferd schon einmal an der Hand mit der fremden Umgebung vertraut zu machen. Auch zwischendurch ist es mehr als fair, wenn der vierbeinige Partner sich bei einem Spaziergang über den Turnierplatz oder beim Grasen die Beine vertreten darf, anstatt stundenlang auf dem Anhänger ausharren zu müssen. Nicht nur aus diesem Grund ist es toll, wenn man Unterstützung von Freunden oder Familie hat, die als TT, „Turniertrottel“, oft einen unbezahlbaren Job machen. Gerade zu den ersten Turnieren, wenn die Aufregung noch besonders groß ist, sollte man möglichst eine erfahrene Person mitnehmen, die Ruhe ausstrahlen kann. Wenn die Routine noch fehlt, übertragen sich Anspannung und Nervosität sonst sehr schnell auf das Pferd. Und ansonsten gilt: Turniere sollten in erster Linie Spaß bringen – und zwar für Reiter UND Pferd.

CHECKLISTE FÜR DAS WOHLBEFINDEN

Auf dem Turnier sollte das gewohnte Kraftfutter gefüttert werden – einige extra Leckereien sind natürlich erlaubt.


Foto: Sorge

• Raufutter & Heunetz

• Futter & Futterschüssel

• Wassereimer (evtl. Wasser von zu Hause oder Apfelsaft)

• Belohnung (Leckerli, Möhren, Äpfel …)

• Notfall-Apotheke (Bandagen, Mull, Rivanol, Fieberthermometer, Jodseife, farbloses Desinfektionsspray)

• Fliegenspray

• Besen/Mistboy

TT STEHT FÜR … TURNIERTIPPS

Fotos: Equitaris

Schon zu Hause üben, das richtige Zeitmanagement und ein faires Verhalten gegenüber dem Pferd – so gelingt der Turnierstart.

Vor dem großen Tag: Wenn ein Turnierstart ansteht, kann schon ganz viel im Vorfeld geplant und geübt werden, um die Aufregung für das Pferd so gering wie möglich zu halten. Das fängt beim Verladen an (s. S. 58) und hört bei der Terminplanung für Schmied, Tierarzt oder Zahnarzt noch lange nicht auf. Warum nicht schon mal zu Hause üben, wie das Pferd auf eine Schleife am Kopf (oben links) oder laute Musik bei der Siegerehrung reagiert? So können später gefährliche Situationen vermieden werden.
Zeitmanagement: Wie lange muss ich abreiten, bis mein Pferd locker läuft und sich gut arbeiten lässt, aber noch nicht müde ist? Auch das kann ich bereits vorher feststellen, indem ich im täglichen Training einfach mal die Stoppuhr mitlaufen lasse. Außerdem sollte ich auf dem Turnier stets die Zeit im Blick haben, um unnötigen Stress zu vermeiden. Nicht den Gang an die Meldestelle vergessen! Es ist hilfreich, wenn der TT beim Abreiten auf den Verlauf der Prüfung achtet – oft fallen Reiter-Pferd-Paare aus oder es gibt Verzögerungen.
Nach der Prüfung: Egal wie es gelaufen ist – nach dem Ritt wird das Pferd fair behandelt und ordentlich versorgt! Auch wenn ich enttäuscht über die gezeigte Leistung bin, ist in den seltensten Fällen mein vierbeiniger Partner daran schuld. Ebenfalls selbstverständlich ist es, abzusteigen und mindestens den Sattelgurt zu lockern, wenn ich ich noch längere Zeit auf die Siegerehrung oder meine zweite Prüfung warten muss. Auch das Pferd hat eine Pause verdient!
Zurück im Stall: Wenn das Pferd Stollen trägt, werden diese vor der Fahrt nach Hause ausgedreht (Bild unten links), sonst drohen böse Verletzungen. Ansonsten gilt auch nach der Ankunft im heimatlichen Stall – erst das Pferd versorgen, dann den Rest erledigen. Die Mähne wird ausgeflochten, das Pferd noch einmal abgespritzt bzw. geputzt. Viele Pferde lieben es außerdem, sich nach einem langen Turniertag noch einmal genüsslich wälzen zu können.

PROFI-TIPP VON CHRISTINA MÜLLER

St GEORG Pfleger des Jahres Christina Müller


Christina Müller ist von unseren Lesern im letzten Jahr zur Pflegerin des Jahres gekürt worden. Sie kümmert sich um die Pferde von Familie Balkenhol, die im internationalen Spitzensport und daher auch oft auf Übernachtungsturnieren unterwegs sind. Ihr Ratschlag: „Mit Pferden wie Dablino oder High Five versuche ich so viel Zeit wie möglich gemeinsam zu verbringen. Dann setze ich mich schon mal vor die Box (mit offener Tür) und lese oder alle Pfleger sitzen zusammen. Bei Pferden wie Heuberger gehe ich meist nur nochmal grasen oder spazieren. Er möchte in seiner Box lieber seine Ruhe haben. Das sagt er uns dann auch schon mal deutlich. Natürlich gibt es auf dem Turnier viel mehr Leckerlis in Form von Äpfeln, Bananen, Orangen, Birnen … je nachdem, was die Pferde am liebsten fressen. Dann bekommt jeder von mir abends um halb zehn noch eine Portion Mash (zu Hause bekommen sie zum Spätdienst meist nur Heu) und das fordern sie auch ein. Im Großen und Ganzen halten wir aber die gleichen Rituale wie zu Hause ein. Warum was ändern, wenn es gut zu Hause klappt. Und sie werden zu Hause genauso verwöhnt.“

KLEINE HELFERLEIN

Foto: EQUITANA/Behrendt

Einfach aussteigen

Auf der EQUITANA 2019 gab es bereits den Innovationspreis für easy exit. Die Verladevorrichtung wird an der Anhängerklappe befestigt und schließt bündig mit dem Boden ab. So kann das Pferd ein- und aussteigen, ohne zu rutschen oder zu stolpern.
www.easy-exit.eu

Alles im Griff

Foto: Toffi

Wer beim Einflechten Zeit und Nerven sparen möchte, kann mittlerweile auf Styling-Produkte für das Pferd setzen, die für mehr Griffigkeit im Langhaar sorgen sollen. So gelingt die perfekte Frisur im Nullkommanichts! Immer ein paar Gummibänder in der Tasche haben!

„App“solut online

Das Aufgabenheft liegt zu Hause im Sattelschrank? Kein Problem! Die FN bietet inzwischen eine mobile Version an für Smartphone oder Tablet. Entweder ein gesamtes Regelwerk-Paket mit Aufgabenheft, LPO & Co. im Abonnenment oder einzelne Titel (z.B. Aufgabenheft Reiten 5,99 Euro/Jahr). Auch praktisch: Die kostenlose FN-APP mit Suchmaschine für ADMRSubstanzen und Turnierkalender.
Infos:www.pferd-aktuell.de undwww.fn-regelwerke.de

CHECKLISTEN

Auf dem Turnier sollte unbedingt die gewohnte Ausrüstung beibehalten werden.


Foto: Wegener/ Equitaris

AUSRÜSTUNG

Ein neuer Beschlag direkt vor dem Turnier? Das kann auch mal schief gehen.


Foto: Sorge

• Transportgamaschen

• Abschwitzdecke, Fliegendecke, Regendecke (je nach Wetter!)

• Ersatzhalfter und -strick

• Longe

• … und natürlich alles, was für die Prüfung selbst gebraucht wird: Sattel, Sattelgurt, Trense/ Kandare, Kopfnummern, Sattelunterlage/ Schabracke, Unterlegkissen/Gelpad, Beinschutz, Stollen und Stollenschlüssel, Vorderzeug/Martingal/Hilfszügel, Fliegenhaube

STRESS VERMEIDEN

Auf dem Turnier muss jederzeit der Equidenpass vorgezeigt werden können.


Foto: Lenz

• Equidenpass

• Zeiteinteilung

• Aufgabenheft

• Schlüssel für Auto, Anhänger und Stall

• persönliche Dokumente (Ausweis, Führerschein)

FÜR ZU HAUSE

• Ausschreibung richtig lesen: Darf ich die Prüfung reiten? Welche Aufgabenstellung wird gefordert?

• Auf notwendigen Impfschutz achten (Influenza halbjährlich)

• Termin beim Hufschmied richtig einplanen (ein neuer Beschlag zwei Tage vor dem Turnier kann schief gehen)

• Fütterung und Medikamente kontrollieren (alle Inhaltsstoffe ADMR-konform?, s. S. 61)

PERFEKTER AUFTRITT

Auch wenn vor allem die Leistung zählt, sollte das Pferd ordentlich herausgebracht werden.


Foto: Wegener/Equitaris

• Putzzeug (Striegel, Kardätsche, Wurzelbürste, Hufauskratzer)

• Mähnengummis, Kamm, Nähzeug

• Schweißmesser

• Lappen/Schwamm

• Schweif-, Mähnen- und Fellglanzspray

• Huffett/Huföl