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Fünf Nachwuchsreiter im Interview: Next GenNeerxattion


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 19.12.2018

Sie sind jung, ausgesprochen talentiert und erfolgreich mit ihren Pferden – die deutschen Nachwuchsreiter. Wie ticken sie? Wie stellen sie sich der Herausforderung „social media“? Welche Werte pflegen sie im Reitsport? Wir haben fünf Reiter der nächsten Generation gefragt. FOTO: S. LAFRENTZ


Artikelbild für den Artikel "Fünf Nachwuchsreiter im Interview: Next GenNeerxattion" aus der Ausgabe 1/2019 von Reiter Revue International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Anna-Christina Abbelen


FOTO: S. LAFRENTZ

Laura K la p h ake


FOTO: S. LAFRENTZ

Gerrit Nieber g


FOTO: S. LAFRENTZ

Marielle Becks


FOTO: S. LAFRENTZ

Calvin Böckmann


FOTO: FN/M. KAUP

Anna-Christina Abbelen

22 Jahre alt, aus Kempen, achtmalige Dressur-Europameisterin im Nachwuchslager, selbst Trainerin, unter anderem von ...

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... Junioren-Europameisterin Romy Allard. Sie ist leidenschaftliche Bloggerin und auf dem besten Weg, Schauspielerin zu werden.

Das denkt Anna Abbelen über …

… Vorbilder

Ich habe meine Vorbilder in meinem eigenen Zirkel und nur wenige darüber hinaus. Ich bin Fan von meinem Trainer Heiner Schiergen, stehe komplett hinter seiner Arbeit. Von daher ist er, was das Reiten angeht, mein Vorbild. Aber ich fixiere mich nie auf eine Person, sondern versuche, mir von mehreren etwas mitzunehmen. Ich denke einfach, dass nicht jeder alles immer perfekt machen kann.

… sich selbst als Vorbild

Ich bin mir bewusst, dass ich für viele ein Vorbild bin und bin das auch gerne. Mir schreiben viele bei Instagram und manchmal sogar Muttis, die meine EMail- Adresse rausgekriegt haben. Das ehrt mich total und gibt mir einen kleinen Push. Ich finde es mega, mega cool, dass viele zu mir aufschauen. Aber ich muss mir immer wieder sagen, „ich habe auch meine Schwächen und das ist okay“. Wenn man als Vorbild angesehen wird, fühlt man sich schnell dahingedrängt, alles perfekt machen zu müssen. Aber man macht nicht alles perfekt. Das finde ich schwierig am „Vorbild-sein“.

… den Druck, als Vorbild zu handeln

Ich lasse mich davon nicht mehr unter Druck setzen. Ich habe auch meine Tage, an denen ich nach einer Prüfung schlecht gelaunt bin. Und das ist dann einfach kein „Vorbild-sein“.

… ihren Weg zu knapp 23.000 Fans bei Instagram

2014 war das Jahr, in dem sich in Sachen Instagram bei mir einiges geändert hat. Da bin ich dreimal Europameisterin geworden und die ersten Leute schrieben mir, „Hey Anna, du bist voll inspirierend“ oder „Voll cool, wie du das alles machst“. Vorher war ich bei Instagram mehr privat, postete Fotos mit Freunden, von Reisen… Als ich dann für mich entschieden habe, das Reiten ist es jetzt, habe ich nur noch Pferdefotos gepostet. Meine beste Freundin fragte schon, „Mensch, Anna, wirklich nur Pferdefotos?“ Aber ich habe einfach festgestellt, dass ich das für mich als Vorteil nutzen kann. Erst mal: Es baut auf, wenn dir Leute positives Feedback geben. Zum Zweiten sind da auch die Sponsoren, die voraussetzen, dass du eine gewisse Präsenz hast.

… private Fotos auf „social media“

Es gibt von mir immer noch private Fotos. Ich bin die Reiterin, die Sportlerin, und als Sportlerin habe ich auch ein Privatleben. Dann hat so ein privates Foto halt mal nur 500 Likes statt 3.000. Aber das bin ich. Ich habe ja viele Facetten.

… Gegenwind in sozialen Medien

Viele kriegen in meiner Story mit, was ich so am Tag schaffe. Bei mir hätte der Tag ja am besten 36 Stunden, hat er aber nicht. Aber ich habe viele um mich herum, die mir helfen, das alles zu ermöglichen: Meine Reitschüler sitzen alle pünktlich auf dem Pferd, wenn ich es mal nicht zur Uni schaffe, helfen mir meine Kommilitonen aus, meine Mama macht mir schon mal die Pferde fertig oder bringt mir was zu essen, weil ich sonst nicht zum Essen käme. Klar gibt es auch Kommentare, wie „du kriegst ja alles hinterhergeworfen“. Das erdet mich und diesen Kritikern antworte ich grundsätzlich immer. Ich erkläre ihnen, dass ich auch was dafür tue. Natürlich sieht mein Leben schön aus, aber es steckt auch ziemlich viel Arbeit dahinter und ich stehe dafür morgens um 4 Uhr auf.

… Smartphone-Pausen

Es gibt Tage, da poste ich, wie viele Pferde ich am Tag geritten bin, nehme das Handy mit auf jedes Pferd und mache einmal ein Foto von oben. Und dann gibt es Tage, an denen ich keinen Bock habe. Da fahre ich zum Stall, lasse mein Handy im Auto und stelle es auf Flugmodus. Ich schlafe auch jede Nacht mit Flugmodus. Ich schlafe meistens schon um 20.30 Uhr ein. Oft schreiben mir da noch Kunden, aber das kriege ich schon gar nicht mehr mit. Diese Pausen brauche ich.

… News aus der Weltgeschichte

Die hole ich mir nicht nur über das Handy. Wenn ich irgendwo hinfliege, lese ich total gerne Zeitung. Wenn wir mal sonntags zu Hause frühstü-cken, lese ich auch gerne Zeitung. Das beruhigt mich selbst ein bisschen, sodass ich denke, ich bin doch noch nicht die Generation, die als zweijähriges Kind schon ein iPad bedienen konnte. Ich habe noch mit Kreide auf der Straße gemalt.

… ihren Glauben im Pferdesport

Mein Glaube ist: Alles was du an Mühe in ein Pferd steckst, bekommst du wieder, in irgendeiner Form, egal wann. Nicht jetzt, nicht morgen, aber es passiert. Ganz sicher.

… die Ausbildung von Pferden

Man muss dem Pferd gegenüber gerecht bleiben. Es gibt Pferde, die können bestimmte Lektionen einfach nicht, weil sie körperlich nicht in der Lage sind. Jedes Pferd hat seine Aufgabe im Leben. Manchmal ist es eine andere, als man selbst für dieses Pferd vorgesehen hat.

… ihre Werte in Sachen Pferdehaltung

Meine Pferde kommen zweimal am Tag raus, einmal auf die Weide, aufs Paddock oder Laufband, einmal zum Reiten. Das finde ich wichtig. Und dass meine Pferde nicht im Mist stehen, da miste ich lieber fünfmal aus. Weil ich so eine große Angst davor habe, dass sich ein Pferd festlegt, haben wir vor Jahren bei uns am Stall aus drei Boxen zwei gemacht. Meine Pferde stehen in „Riesenwohnzimmern“.

… ihr Top-Pferd Henny Hennessy

Henny ist mein Best-Buddy. Der ist so verrückt und cool und unberechenbar und doch immer für mich da.

… ihr Herzenspferd

Mein Herzenspferd ist im Moment Fürst for me, mein fünfjähriger Fuchs, der ein bisschen zu klein geraten ist und an den nicht so viele geglaubt haben.

… Rituale mit Pferden

Ich darf wegen meiner Pferdehaar-Allergie nicht viele Pferde putzen oder mit ihnen tüddeln. Aber wenn ich mich gut fühle, finde ich es ganz wichtig, mit den Pferden zu schmusen, dafür reite ich lieber fünf Minuten weniger. Ich stelle mich auch total gerne einfach an ihre Box und gucke ihnen nur beim Fressen zu. Ich möchte bei ihnen sein.

… ihre Allergie

Ich habe schon alles probiert, genutzt hat nichts. Aber wir wissen ja: Alle sieben Jahre verändert sich der Stoffwechsel. Das wird jetzt meine Lösung. Bestimmt!

Jil-Marielle Becks

21 Jahre alt, aus Senden, Mitglied im Nachwuchskader, 2018 die Senkrechtstarterin im Grand Prix-Sport der U25-Reiter, gewann bei der EM Team- und Einzelgold sowie Kür-Silber mit Damon’s Satelite – ihn reitet sie seit er drei ist. Nebenbei ist sie Züchterin, ihre selbst gezogene HBS Golden Mylight hat sie zum Titel bei den Bundeschampionaten der dreijährigen Ponys geritten.

Das denkt Jil Becks über …

… Klaus Balkenhol, ihren Trainer

Er ist für mich ein großes Vorbild. Wenn man sich umsieht, gibt es nicht viele Menschen, die es geschafft haben, so erfolgreich zu reiten, zu trainieren und auszubilden. Er strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus, die mir gerade bei wichtigen Turnieren hilft, weil dort der Druck und die Erwartungshaltung einfach höher sind. Im Training erklärt er mir alles haargenau. Das finde ich entscheidend, denn nur so verstehe ich es und was ich verstehe, kann ich auch besser anwenden.

… Reiter, die sie inspirieren

Sehr inspirierend finde ich Cathrine Dufour, weil sie mit Cassidy einen ähnlichen Weg gegangen ist, wie ich mit Satelite. Ich mag auch ihren Reitstil. Das ist ein sehr harmonisches, schönes Reiten.

… die Herausforderung, selbst ein gutes Vorbild abzugeben

Ich achte schon darauf, keine Fotos zu posten, in die die Leute etwas hineininterpretieren könnten. Beispielsweise beim Reiten auf dem Abreiteplatz, muss es harmonisch aussehen, beson- ders wenn auch Kinder am Rande stehen. Das ist ja auch meine Aufgabe als Vorbild. Aber im gleichen Moment ist mir auch wichtig, dass ich nicht nur „auf schön“ reite, sondern auch effektiv. Es muss sich die Waage halten.



„Manche haben ein Glücksarmband. Bei mir ist es komplizierter.“
Jil-Marielle Becks


… Kritik

Ich nehme Kritik sehr ernst. Bei anonymer Kritik im Internet bin ich etwas kritisch: Ich lese mir das wohl durch, muss aber sagen, manchmal urteilen die Leute sehr hart und sehr schnell, obwohl sie vielleicht gar nicht den Hintergrund und nur die Momentaufnahme kennen. Wenn jemand auf mich zukommt und mir ehrlich seine Kritik ins Gesicht sagt, rede ich mit demjenigen gerne darüber. Über Kritik muss man nachdenken und jeder muss für sich ausmachen, ob es jetzt Quatsch ist oder was Wahres dran. Manchmal bringt einen Kritik auf ganz neue Ideen und das ist doch toll.

… Lob

Über Lob freut man sich natürlich immer. Das ist Anerkennung. Das ist das, wonach wir alle streben.

… den Reiz der sozialen Medien

Es gibt viele Vorteile. Man kann den Leuten mehr zeigen, wer man ist, man kann mehr eine Marke werden und sich von anderen unterscheiden. Man kann zeigen, wie man was macht, wie man trainiert.
Gerade in meinem Alter muss man bezüglich Sponsoren und Kooperationspartner dankbar sein, wenn man überhaupt welche hat. Denn für junge Leute ist es nicht einfach, Unterstützung zu bekommen. Die sozialen Medien geben uns aber die Möglichkeit, besser an Sponsoren zu kommen. Weil sie wiederum daran interessiert sind, sich über die Reiter zu vermarkten. Das ist für uns Reiter eine Riesenchance.

… ihr Leben auf Instagram und Facebook

Ich nehme die Leute zwar nicht jeden Tag in meiner Instagram-Story mit. Aber ich zeige schon mal gerne Trainingsvideos, um meine Fortschritte zu zeigen und mich zu präsentieren. Das macht mir wirklich Spaß. Ich nehme sie über Instagram mit aufs Turnier oder ich zeige mal meine Ausrüstung. Es gibt gewisse Sponsoren, die sich das auch wünschen. Ich mache das nebenbei, just for fun, wenn ich mal schöne Fotos oder Videos habe. Aber wenn man das richtig aktiv und jeden Tag betreibt, ist das ein enormer Aufwand.

… sich als Follower

Überwiegend folge ich meinen Reiterkollegen. Das finde ich interessant, zum Beispiel bei Dorothee Schneider zu schauen, was sie postet. Da kann ich selbst noch viel lernen. Ich gucke mir auch viel von professionellen Bloggern ab: Wie präsentieren die sich, wie stellen sie sich vor die Kamera, solche Sachen.

… ihre Nahbarkeit durch soziale Medien

Ich glaube, ich achte heute auf Dinge, auf die ich früher nie geachtet habe. Ob das immer gut ist, weiß ich nicht. Manchmal ja, manchmal nicht. Ich kenne Reiter, die kriegen Angst, wenn am Abreiteplatz Leute stehen und Filme machen, obwohl gar nichts ist. Aber sie haben eben Angst vor Momentaufnahmen, die falsch interpretiert werden könnten. Diese Angst habe ich nicht, es gehört für mich heute nun mal dazu. Aber ich präsentiere mich bewusster. Wieviel man letzten Endes von sich preisgibt, muss jeder für sich entscheiden. Insgesamt denke ich aber schon, dass man als Fan näher an die Sportler rankommt als ohne soziale Medien.

… Werte in der Pferdehaltung

Wir züchten ja selbst. Und bei uns haben die Pferde von Anfang an viel Menschenkontakt und ein unheimlich gutes Vertrauensverhältnis. Im Sommer stehen unsere Jungpferde auf einer Weide, ein paar Kilometer von uns entfernt. Dort müssen wir sie jedes Jahr hinfahren. Die jungen Pferde haben da schon so ein Vertrauen, dass sie manchmal von selbst auf den Anhänger gehen.
Das Verhältnis zum Menschen ist das eine, aber ich finde es ebenso wichtig, dass sie viel auf der Weide waren und auch später als Sportpferde rauskommen. Das brauchen sie als Ausgleich.

… Werte in der Pferde-Ausbildung

Ich bin zwar schon ein Freund davon, junge Pferde dreijährig anzureiten, sie dann aber nochmal auf die Wiese zu stellen, damit sie noch wachsen können. Man darf ihnen einfach nicht zu früh ihre Jugend nehmen.
Im Training brauchen die Pferde Abwechslung: mal eine Runde ins Gelände, mal über Trabstangen zwischendurch, sodass man sie körperlich und geistig fördert.

… Rituale

Ich bin super abergläubisch, das ist schon schrecklich! Mein Papa hat ein Glückshemd. Wenn er das anhat, funktioniert es eigentlich immer. Ihm ist das peinlich, weil er so oft im gleichen Hemd rumlaufen muss.
Dann habe ich Handschuhe, die ich bisher sechs Mal benutzt habe und jedes Mal mit den Dingern gewonnen habe. Ich weiß ja selbst, dass das nicht an den Handschuhen liegt und diese Serie nicht ewig hält. Aber an solchen Sachen halte ich mich schon fest. Ein Ritual ist auch, dass Papa die Trense oder Kandare draufmacht und ich die Kinnkette zumache. Ganz normal ist das alles sicherlich nicht. Manche haben ein Glücksarmband, bei mir ist es komplizierter.

Gerrit Nieberg

25 Jahre alt, lebt und trainiert mit seinen Eltern, Lars und Gitta, sowie Bruder Max in Sendenhorst. Ist gelernter Steuerfachangestellter, Pferdewirt und Mitglied im Nachwuchskader, mit Contagio gewann er den Großen Preis von Frankfurt und einen Nationenpreis in Dänemark.

Das denkt Gerrit Nieberg über …

… seinen Vater Lars Nieberg

Er ist unheimlich ehrgeizig, zielstrebig, bleibt immer am Ball, ruht sich nie auf dem Erfolg aus, denkt auch nach einem Erfolg schon an das nächste Turnier. Er guckt immer nach vorn. Das finde ich sehr bewundernswert.

… seine eigene Rolle als Vorbild

Das kriege ich selbst nur wenig mit. Natürlich steht man auf den Turnieren schon in der Öffentlichkeit, deshalb versuche ich, mich vorbildlich zu verhalten, eben im Sinne eines fairen, ehrgeizigen, bodenständigen Sportlers.

… sich als Follower

Ich folge keinem. Instagram und Co.sind nicht unbedingt meine Welt. Obwohl Instagram für viele mittlerweile bestimmt eine gute Werbeplattform ist. Ich stelle mich selbst aber eher ungern in den Mittelpunkt und versuche, durch gute Leistung aufzufallen.

… Fotos und Filme, die am Abreiteplatz mit dem Handy gemacht werden

Klar, fällt es auf. Da muss man sagen, dass das oft Momentaufnahmen sind. Wenn dann ein Pferd mal zu eng geht, wird das direkt thematisiert, wobei es vielleicht in Wirklichkeit gar nicht so schlimm war. Ich glaube, da wird oft viel hochgepusht. Ich möchte das auch nicht verharmlosen, aber oft wird die Sache größer dargestellt, als sie ist.

… die vergangenen Negativ-Schlagzeilen im Nachwuchs-Springreiterlager

Das wurde in letzter Zeit sehr viel thematisiert. Ich finde es schade, dass durch ein paar Ausnahmen quasi der Springsport im Jugendreiterbereich runtergezogen wird. Es ist schlimm genug, dass das überhaupt passiert ist.

… Partys auf Reitturnieren

Ich bin nicht so der Partygänger. Das war ich noch nie wirklich. Ich fahre zum Turnier und versuche, erfolgreich zu sein und nicht, um nur Spaß auf Partys zu haben. Grundsätzlich bin ich eher der ruhige Typ, aber wir wurden auch so erzogen – mit „wir“ meine ich meinen Bruder Max und mich.

… Ausbildung von Sportpferden

Ich finde es wichtig, ihnen genügend Zeit zu geben und nicht zu schnell zu viel von den Pferden zu verlangen, weil sie vielleicht noch gar nicht dazu in der Lage sind. Langfristig gesehen haben wir dann länger etwas von den Pferden, sie können länger im Sport gehen. Natürlich gibt es da auch Unterschiede: Manche machen es einem in jüngeren Jahren schon relativ einfach und bieten von sich aus viel an, selbst da muss man sehen, dass sie dennoch genug Zeit bekommen. Zu Hause müssen sie in Ruhe reifen können, brauchen gute Haltungsbedingungen, einen guten Boden zum Trainieren.

… sein Herzenspferd

Contagio, mein Top-Pferd ist sicherlich auch mein Herzenspferd. Er ist sehr eigen. Fremde Männer mag er gar nicht. Aus der Box, vom Paddock oder von der Wiese können ihn nur gewisse Leute holen.
Ich kenne ihn schon lang. Wir haben ihn zweijährig gekauft, in Holstein auf der Körung. Zwölfjährig wurde er verkauft und war ziemlich genau ein Jahr weg. Dann hat es nicht mehr so harmoniert mit der neuen Reiterin und glücklicherweise konnten mein Vater und unser Chef Hendrik Snoek ihn zurückkaufen – das ist auch nicht selbstverständlich. Jetzt sind wir seit einem guten Jahr wieder zusammen und konnten relativ schnell wieder an die vorherigen Erfolge anknüpfen. Er ist besonders für mich, mit ihm habe ich einige tolle Erfolge in den letzten Jahren erreichen können. Er hat mir ermöglicht, an Turnieren wie Stuttgart teilnehmen zu können.

Calvin Böckmann

17 Jahre alt, Schüler, aus Lastrup. Als einziger Reiter in zwei Disziplinen im deutschen Kader, nämlich im Springen und in der Vielseitigkeit. Hat in beiden Disziplinen im Pony- und Children-Lager schon bei Europameisterschaften Gold gewonnen und war 2018 bei den Junioren sogar in beiden Disziplinen parallel bei der EM in Fontainebleau am Start.

Das denkt Calvin Böckmann über …

… Vorbilder

Ein Vorbild für mich ist sicherlich Michi Jung. Zum einen, weil er wie ich in der Vielseitigkeit und im Springen erfolgreich ist, zum anderen ist er einfach ein unglaublicher Sportler, sehr ehrgeizig, wie ich auch. Deshalb ist er für mich jemand, an dem ich mich orientieren kann.

… das Gefühl, selbst Vorbild für junge Reiter zu sein

Das macht einen ziemlich stolz. Dafür muss ich ja etwas richtig gemacht haben. Es ist ein gutes Gefühl.

… Lob und Kritik

Klar kriegt man immer mal Kritik. Aber ich bin dankbar für Kritik, weil nur so kann ich mich verbessern. Man muss ja immer weiter an sich arbeiten. Lob habe ich natürlich trotzdem gern.

… Druck als Vorbild

Nein, den Druck spüre ich nicht. Ich denke für mich, ich mache alles richtig. Meine Mutter steht immer dabei und wenn ich irgendwas korrigieren muss, teilt sie mir das mit.

… Herausforderung „social media“

Ich würde sagen, es ist unheimlich wichtig, wenn ich das in dem Sinne verstehe, dass man sich als Vorbild und als Sportler präsentiert. Wenn man auf diesem Niveau reitet, sollte man für andere Vorbild sein, finde ich. Ich mache mir viele Gedanken über all die Sachen, die ich poste, damit ich möglichst wenig Angriffsfläche bieten kann.

… den privaten Calvin auf Instagram und Co.

Ich freue mich schon, wenn ich ein bisschen was Privates mit meinen Fans teilen kann und ich an der Resonanz merke, dass meine Follower sich auch darüber freuen. Aber zu nah lernen sie mich doch nicht kennen.
Ich glaube, das empfindet jeder anders mit seiner Privatsphäre, aber ich denke, dass es mich so auch ein wenig schützt.

… sich als Follower

Ich folge vor allem guten Freunden, die selbst im Reitsport tätig sind, oder Reitern wie Michi Jung oder Ingrid Klimke, bei denen man sich etwas Motivation holen kann. Wenn ich ihre Erfolge sehe und weiß, was möglich ist und dass sich der Aufwand irgendwann lohnt.

… Werte im Umgang mit seinen Pferden

Mir ist unheimlich wichtig, dass es dem Pferd gut geht, sie gut gehalten werden. Unsere Pferde bekommen viel Auslauf, gehen stundenlang auf die Weide, kommen dreimal am Tag raus.

… Ausbildung von Pferden

So viel Erfahrung habe ich in Sachen Ausbildung noch nicht gemacht. Meine Mutter hilft mir zu jeder Zeit unglaublich viel. Zum Beispiel auch mit meinem Vielseitigkeitspferd Altair de la Cense. Wir haben sie damals siebenjährig gekauft und sie konnte noch nicht so viel. Dieses Jahr durfte ich schon an der Europameisterschaft mit ihr teilnehmen, weil mir meine Mutter eben mit ihr geholfen hat.
Ich glaube aber, dass sehr wichtig ist, dass man behutsam in der Ausbildung der Pferde vorgeht, Geduld hat und die Pferde sich entwickeln lässt.

… seine Herzenspferde

Eigentlich habe ich zwei. Auf jeden Fall mein Springpferd Carvella, weil sie einfach unheimlich im Parcours mitkämpft. Jedes Mal, wenn ich aus dem Parcours komme, muss ich lächeln, weil sie sich wieder so viel Mühe gegeben hat. Sie gibt immer 120 Prozent. Und Ali, also Altair de la Cense, kann ich einfach zu 100 Prozent vertrauen und wir haben über die Jahre eine so gute Bindung aufgebaut.

… Verlust von seinem Spitzenpony Camissa Nera im Jahr 2017

Das war ein Unfall in der Führmaschine und mir wurde bewusst, wie schnell den Pferden etwas passieren kann. Obwohl wir wirklich alles dafür tun, die Risiken zu minimieren. Mir wurde sie damals zur Verfügung gestellt und ich habe ihr blind vertraut. Ihr Tod war für mich ein Schock.

… seine Träume

Hmm, meine Ziele sind zumindest mein Abitur nächstes Jahr. Ich würde mir wünschen, wenn ich später meinen Beruf und den Reitsport unter einen Hut bekommen könnte. Irgendwas in Richtung Management würde ich gerne machen. Sportlich träume ich schon davon, irgendwann ganz oben zu reiten.

Laura Klaphake

24 Jahre alt, aus Steinfeld, auf dem Zieleinlauf Richtung Master- Arbeit, Shootingstar im Senioren-Springreiterlager, mit Catch me if you can sorgte sie mit zwei Nullrunden für den Nationenpreis- Sieg in Aachen und gewann Team-Bronze bei den Weltreiterspielen in Tryon. Mit Silverstone wurde sie Deutsche Meisterin. Beide Pferde wurden 2018 verkauft.

Das denkt Laura Klaphake über …


„Es gibt im Leben nicht nur Tage, an denen alles toll ist. Dann ist es schön zu wissen, wie die Menschen hinter einem stehen.“
Laura Klaphake


ihre Eltern Gaby und Joseph Klaphake als Vorbild

Beide bewundere ich für ihren Ehrgeiz, Papa besonders für seine Ruhe und Geduld und Mama für ihre Geschicklichkeit. Mama hat einfach immer eine Lösung, egal, was man für ein Problem hat. Wenn ich denke, „Oh Gott, wie soll ich das alles schaffen?“, hilft Mama mir.

… sich als Vorbild

Jeder hat irgendwie Vorbilder, aber dass ich selbst Vorbild bin, nee, da dachte ich, das passiert nie. Und jetzt ist es doch passiert. Das ist sehr besonders und eine Ehre für mich. Wirklich realisieren kann ich das allerdings nicht.

… private Paparazzi am Abreiteplatz

Die Zeiten haben sich komplett verändert. Als ich in die Szene reinkam, war es schon komisch, dass die Leute mich angeguckt haben, mich gefilmt haben. Aber für mich war einfach nur dieses Interesse komisch. Daran habe ich mich gewöhnt und finde es mittlerweile auch toll, dass dieses Interesse überhaupt da ist.
Heute ist der Abreiteplatz im Prinzip Mitte des Geschehens auf dem Turnier, drumherum werden die Stände angelegt und natürlich steht man im Fokus. Jeder Reiter hat so seinen eigenen Reitstil. Es gibt immer mal Debatten, wenn Leute sagen, „ja, wie reitet der denn?“ Ich muss aber sagen, ich habe kein Problem damit. Ich liebe meine Pferde, ich bin mit ihnen ein Team und insofern habe ich auch nichts zu verbergen. Da können die Leute super gerne zugucken.

… den Umgang mit ihren Pferden

Alles dreht sich um das Pferd und darum, wie es ihm am besten gehen kann. Am Ende müssen die Pferde Spaß an der Sache haben, sonst würden sie für den Reiter nicht so kämpfen. Ich finde es einfach wichtig, dass man viel mit den Pferden macht. Man bringt das Pferd zur Weide, geht mit ihm grasen, putzt es, wie es eben gerade passt. Das erste, wenn ich in den Stall komme, ist, dass ich ihnen eine Möhre oder Zucker gebe. Meine Pflegerin sagt schon immer, „Laura, wenn die Pferde dich sehen, konzentrieren sie sich auf nichts Anderes mehr, weil sie nur den Zucker im Hinterkopf haben.“ Aber ich finde es unglaublich wichtig, dass sie sich über mich freuen. Am Ende kann ich auch nicht in den Pferdekopf reingucken, ich kann nur vieles vermuten und durch die Reaktion von den Pferden ableiten.

….das Aufwachsen in einer pferdeverrückten Familie

Alles, was ich heute weiß, habe ich von meinen Eltern gelernt. Ich habe mein Leben lang mit Mama und Papa trainiert. Gut, jetzt trainiere ich noch zusätzlich mit Franke Sloothaak. Aber meine Mama reitet meine Pferde immer noch, sonst würde ich das mit dem Studium auch gar nicht hinbekommen.

… Rituale auf Turnieren

Vor dem Parcours gebe ich meinem Pferd ein Küsschen auf den Hals, das ist mein Glücksküsschen. Irgendwann habe ich das mal angefangen und nicht mehr aufgehört.

… ihren inneren Konflikt mit Instagram

Bis vor zwei Jahren habe ich noch gesagt: „Nur Fotos posten, nee, das ist nicht meins.“ Ich rücke mich nicht gerne in den Mittelpunkt. Dann wurde es mit dem Reiten mehr und, das Interesse der Leute größer. Also habe ich es ausprobiert. Mittlerweile mache ich das gerne und möchte die Leute teilhaben lassen. Aber wenn dieses Interesse nicht wäre, würde ich es wohl ich nicht machen. Nicht für mich persönlich.

… die Rolle der Sponsoren in den sozialen Medien

Früher konnte man sich gar nicht denken, dass es im Vertrag auch um Social Media geht, aber es ist heute Bestandteil. Was ja auch total verständlich ist.

… ihre Momente für Instagram und Facebook

Wenn ich auf dem Turnier bin, gibt’s mal ein Foto im Stall, oder wenn ich eine tolle Runde hatte, poste ich einen Ausschnitt vom Video. Bei den Weltmeisterschaften gab es einige interessante Themen, die ganze Organisation im Vorfeld, der Flug …. Da habe ich mal ein bisschen mehr gezeigt. Aber ich muss nicht jeden zweiten Tag etwas posten, ich will die Leute ja auch nicht zuspammen und langweilen. Ich will, dass es für sie interessant bleibt.

… das Teilen von traurigen Momenten, zum Beispiel als erst Silverstone und später Catch me if you can verkauft wurden

Das war ziemlich hart für mich. Erst Silverstone und jetzt Catch me. Das macht mich unheimlich traurig. Ich finde die Beziehung zum Pferd unheimlich wichtig, am Ende ist das Pferd für mich mehr als ein Sportpartner, für mich ist es ein Freund oder eine Freundin. Darum war es für mich umso härter, Tschüss zu sagen. Man macht dann in den sozialen Medien vielleicht mal einen Rückblick, was man mit dem Pferd so erlebt hat, um es Revue passieren zu lassen. Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag ein Bild von mir poste, wie traurig ich bin. Was allerdings wirklich positiv war, wie mir die Leute bei der Sache mit Catch me Rückhalt gaben. Es gibt im Leben eben nicht nur Tage, an denen alles toll ist, und dann ist es schön zu wissen, wie die Menschen hinter einem stehen. Das ist etwas Besonderes.

… sich als Follower

Ich folge natürlich meinen Freunden, die stehen an erster Stelle. Aber auch vielen Reiter und anderen Sportlern. Letztens habe ich Serena Williams gefunden. Ist auch mal interessant, wie sie ihren Alltag lebt.

… Kritik im Reitsport

Kritik gibt es immer mal, aber die sehe ich gar nicht als etwas Negatives an. Es ist wie in der Schule, im Sport, an der Uni. Wenn mal etwas nicht so gut läuft oder wenn man mal negativ kritisiert wird, dann sollte man das eigentlich für sich selbst positiv sehen und sagen: Ok, das war nicht so gut, aber jetzt weiß ich das und kann versuchen, es positiv umzusetzen. Man muss ja auch mal ehrlich zu sich selbst sein: Es gibt immer Sachen, die nicht so toll sind.

… Shitstorms

Das ist ein Punkt in den sozialen Medien, der nicht so einfach ist. Ich finde, wenn man etwas sieht, ein Bild zum Beispiel, muss man erst mal hinterfragen: Wie war das? Was ist da gelaufen? Für einen, den so ein Shitstorm betrifft, ist es eine schwere Sache. Plötzlich äußert jeder seine Meinung und es gibt hässliche Aussagen. Die Verbreitung im Netz ist riesengroß und es dauert nicht lange, bis es sehr viele Leute gesehen haben.
Klar gibt es Situationen, die nicht toll gelaufen sind. Aber es gibt auch Momente, in denen der Reiter unschuldig und nur der Moment einfach unglücklich war. Das tut mir dann unheimlich leid. Ich will mich nicht so gerne in diese Lage hineinversetzen.

… handyfreie Zeiten

Das Handy muss immer dabei sein, gerade mit den Pferden möchte ich erreichbar sein. Aber wenn ich am Lernen bin, kann ich mein Handy auch nicht die ganze Zeit aktiv nutzen, sonst komm ich ja zu nichts.
Und die Zeitung übers Handy lesen, mach ich auch nicht, höchstens mal einen einzelnen Artikel. Zu Hause lese ich immer noch gerne die Zeitung aus dem Kreis. So wie früher


FOTOS: S. LAFRENTZ

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