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Fünf Überflieger


Traktor Classic - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 02.01.2020

OBERKLASSE_VERGLEICH 50-PS-Schlepper wurden zu Beginn der 1960er-Jahre für landwirtschaftliche Betriebe interessant. Die Hersteller überschlugen sich mit technischen Neuerungen und schufen Schlepper, die heute noch einiges leisten


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Bildquelle: Traktor Classic, Ausgabe 2/2020

Eicher ED310 Sein Motor entstammte einer vergangenen Ära und galt gerade deshalb als attraktiv. Sein ZF-Getriebe war brandneu, als Eichers Mammut Ende 1959 das Licht der Welt erblickte


DeutzD 50 Der Deutz D 50 wurde von 1960 bis 1962 gebaut. Er zählte in Deutschland zu den frühen Vertretern der „leichten 50er“


Die Topschlepper der frühen 1960er der 50 -PS - Klasse

Die 50-PS-Klasse ...

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... entwuchs den Kinderschuhen zu Beginn der 1960er- Jahre auf seltsame Weise: Die Schlepper wurden kleiner. Schwere, vor allem für Zugarbeiten geeignete Kaliber waren passé. Leichtere, handlichere und dank ihrer Ausstattung universellere Konstruktionen überschwemmten den Markt und begegneten dem Wunsch bäuerlicher Betriebe nach mehr Schlagkraft.

Deutz ist überall

Mit rund 14.000 Neuzulassungen im Jahr war Deutz hierzulande unangefochtener Marktführer. Das Angebot reichte von 14 bis 65 PS. Zu den luftgekühlten Motoren des Hauses gab es in den mittleren Leistungsklassen eigene Getriebe. Das größere davon steckt im D 50, der 1960 seine Premiere feierte. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits sechs Jahre alt, aber noch bestens für den Einsatz in der modernen Landwirtschaft gewappnet.

Die bewährte Konstruktion trug zum günstigen Kaufpreis bei. Günstig in Anschaffung und Unterhalt ist der Deutz noch heute. Was das Werk selbst baute, gibt es in großer Stückzahl. Alles andere wurde an Zulieferer vergeben, die ihrerseits stattliche Serien fertigten.

Hirsch aus Mannheim

Einer der ärgsten Deutz-Widersacher im Schleppermarkt war jahrelang die Heinrich Lanz AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet sie ins Trudeln, 1956 sicherte John Deere sich die Reste und internationalisierte das Geschäft. Amerikanische Motoren wurden mit deutschen Getrieben verkuppelt. Heraus kamen zeitgemäße Schlepper. Noch war die alte Welt nicht restlos begeistert, aber es ging bergauf.

Im Spätsommer 1962 wies der John Deere-Lanz 700 den Weg. Er komprimierte die Leistung des vorigen Großbulldogs in ungeahnt kompakter Gestalt und garnierte sie mit neuzeitlichen Optionen wie einer hydraulischen Lenkhilfe und einer Regelhydraulik. In diesem Vergleich war er spät dran, denn seine Lieferung setzte erst im März 1963 ein. Weniger als zwei Jahre danach machte schon die europäisierte Serie 10 den Markt unsicher.

Großkaliber Eicher und Schlüter

Eicher und Schlüter waren in dieser Klasse mit interessanten Übergangstypen vertreten. Deren Motoren taten schon zuvor in mehr als drei Tonnen schweren Großschleppern ihren Dienst. Sie wiegen allein mehr als eine halbe Tonne, schöpfen aus großem Hubraum und wirtschaften dank niedriger Drehzahlen zuzüglich effizienter Direkteinspritzung sparsam.

John Deere-Lanz 700 Der John Deere-Lanz 700 versuchte gar nicht erst, die großen Bulldogs zu beerben. Er kam spät, eröffnete dem Mannheimer Werk aber bald neue Perspektiven


HürlimannD 65 Der Hürlimann D 65 bekam es in seinem Arbeitsleben mit steilen Bergen zu tun. Dabei half ihm sein geringes Eigengewicht von nur anderthalb Tonnen


Schlüter S John Deere-Lanz 700 50 Sein Motor ist aus dem Vollen geschnitzt, das ZF-Getriebe verwaltet die Bärenkräfte gekonnt. Der Schlüter S 50 ist ein kultivierter Haudegen


In beiden Fällen treffen sie auf das ZFGetriebe A-216, das dieser Leistungsklasse ab 1960 ungeheuren Auftrieb verlieh. Bis 1970 wurden über 35.000 Exemplare an mehr als zehn Hersteller geliefert. Im Paket gab es einen hydraulischen Kraftheber. Der findet sich in den meisten Eicher Mammut und Schlüter S 50. Nach Auslaufen der Ferguson-Patente war ab 1962 eine Regelhydraulik erhältlich, die von vielen Kunden bestellt wurde. Damit konnten auch leichtere Schlepper schwere Zugarbeiten bewältigen. Der Schlüter ist in dieser Hinsicht als schwerster dieser Runde mit 2,5 Tonnen Eigengewicht dennoch im Vorteil.

Schweizer Uhrwerk

Ganz andere Ziele verfolgte Hürlimann in der Schweiz. Ab 1958 gab es keine Schlepper unter 45 PS mehr, denn es waren steile Berge zu überwinden. Zu viel Gewicht durfte man dabei nicht mitschleppen, also wiegen die Modelle D 65, D 70 und D 90 je nach Ausführung nur 1.525 bis 1.810 Kilo. Sie werden von einem vorbildlich sparsamen Direkteinspritzmotor angetrieben und bieten ihren Inter - essenten die Aus - wahl vom einfachen bis zum vollwertigen Getriebe. Nebenbei tragen sie eine der ersten Sparzapfwellen zur Schlepperbaugeschichte bei. Beeindruckend, heutzutage aber auch erschwerend ist ihre enorme Fertigungstiefe. Kraftheber, Vorderachse und zeitweise sogar die Hydraulikpumpe stammen aus eigenem Hause. Erschwingliche Teile von der Stange passen vergleichsweise selten an einen Hürlimann. Der besondere Geschmack war eben schon immer etwas teurer. Das gilt nicht zuletzt für den Anschaffungspreis des Eidge - nossen, der dafür auch optisch einen edlen Auftritthinlegt.


Charakterköpfe: Jeder der fünf Kandidaten hat ausgeprägte Stärken


Starkes Quintett

Alle fünf Kandidaten vom behänden Hürlimann bis zum wuchtigen Schlüter eignen sich noch heute vortrefflich für den Arbeitsalltag. Sie bieten genug Leistung und ausreichend fein abgestufte Getriebe, verbrauchen um fünf Liter pro Betriebsstunde und passen in die meisten Scheunen.

Bei der Teileversorgung punkten der Deutz mit den in großer Stückzahl gefertigten Komponenten sowie Eicher und Schlüter mit dem verbreiteten ZF-Getriebe. Der John Deere-Lanz steht ein wenig im Schatten seiner älteren und jüngeren Kollegen. Der Hürlimann hat eine starke Fangemeinde, daher gibt es für ihn vieles, aber kaum etwas billig. Alles kann erstrebenswert sein, das Luxusobjekt ebenso wie der Kraftmeier oder der anspruchslose Begleiter im Alltag. Entscheiden Sie, wer Ihr Favorit ist.

Klaus Tietgens


Fotos: Archiv Klaus Tietgens