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FÜNFZIG JAHRE RENAULT 5


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Retrowelt - epaper ⋅ Ausgabe 23/2022 vom 15.04.2022

Der Renault 5 zettelt bei seinem Erscheinen 1972 eine echte Revolution an und lässt die Konkurrenz mit einem Schlag uralt aussehen. Mit seinem modernen Design, dem variablen Innenraum, einem Top-Platzangebot auf kleiner Verkehrsfläche und nicht zuletzt mit seinen poppigen Farben markiert er den Beginn der modernen Kompaktklasse. Dass der Umstürzler seinen revolutionären Charakter mit typisch gallischen Ingredienzien wie Charme und Chic würzt, verleiht ihm zusätzlichen Reiz und beschert ihm vom ersten Tag an eine grosse Fangemeinde. Knallbunte Plastik war vor 50 Jahren Pop-Art, und Medien, die diesen Kunststoff-Kult feierten, reisten entweder nach New York, wo das Museum of Modern Art fast alle Protagonisten für eine Vernissage vereinte – oder nach Paris, wo Renault am 28. Januar 1972 die Geheimnisse seines sensationellen Cityflitzers R 5 preisgab.

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Der vom Nachwuchsdesigner Michel Boué gezeichnete ...

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... Renault 5 präsentierte sich als erstes Automobil mit Polyesterschutzschilden statt Chromstoßstangen, dazu poppigen Lackierungen wie Giftgrün und Schock-Orange und ebenso schrillen Interieur-Farben. Vor allem zeigte der Franzose aber ein geniales Kleinwagenkonzept, das viele zu kopieren versuchten, ohne die Originalität des Renault 5 zu erreichen. Sprengte der 3,51 Meter kurze und nur knapp über 700 Kilogramm wiegende Wagen doch traditionelle Fahrzeugkategorien. So startete er als Zweitürer mit großer Heckklappe, obwohl die Grande Nation ihre kleinen Volkshelden damals ausschließlich viertürig kaufte, wie Simca 1000, Citroën 2 CV und der neue Peugeot 104 zeigten. Sogar der als Hochdachkombi gezeichnete R 4 hatte vier Türen, mit ihm teilte sich der kostspieligere dreitürige R 5 aber manche technische Komponente. Allerdings reichte das Typenportfolio für „la Cinq“ vom Sparkönig mit frugalen 34 PS über furiose Alpine-Hot-Hatches bis zum exklusiven Mittelmotor-Renner R 5 Turbo mit 160 PS. So viel Kreativität und Diversität machten aus Nummer 5 eine Erfolgsstory, die es in zwei Generationen und 22 Jahren auf neun Millionen verkaufte Einheiten brachte. Die Fortsetzung soll nun folgen, denn Renault hat unlängst ein elektrisches R-5-Concept gezeigt, das Hoffnungen für das E-Auto-Zeitalter weckt.

Wenn in den statusorientierten 1970ern erfolgreiche Menschen plötzlich anstelle eines stattlichen Mittelklassemodells einen Kleinwagen fuhren, so lag dies auch an dem prägenden Einfluss der Stilikone Renault 5. Als erstes, ebenso praktisches wie pfiffig gestyltes dreitüriges Stadtauto befreite sich der R 5 vom eher negativen Kleinwagenimage, wie es besonders die vielen konservativen Heckmotor-Typen kennzeichnete. So bahnte der moderne französische Fronttriebler den Weg für viele modisch schicke Nachahmer wie Audi 50, VW Polo oder Ford Fiesta.

R5 SPRENGT DAS STATUSVERHALTEN

Sogar der von Journalisten zum „Auto des Jahres 1972“ gekürte Fiat 127 folgte später dem Vorbild des Renault 5 und war mit Heckklappe verfügbar. Auch in der Couture fuhr der von Fachleuten als „Geschenk der Musen“ gepriesene Trendsetter aus Paris dem Turiner Bestseller voraus. Galten doch die Kunststoffstoßfänger des Renault 5, ab 1975 als GTL-Ausstattung auch an den Karosserieflanken, als kühner Futurismus – zu einer Zeit, als sich die modebewusste Dame in bonbonfarbene Lackstiefel gewandete. Mit kecker Polyester-Front sowie großen Scheinwerfern blinzelte der kleine Franzose 1972 in eine Welt, die sich an Mini-und Maxiröcke sowie Hot Pants rasch gewöhnt hatte, aber mit Plastik geschmückte Autos noch eine halbe Dekade lang als Avantgarde empfand. Deshalb wirkte der Renault 5 zehn Jahre nach seinem Debüt immer noch frisch, wozu beitrug, dass erst jetzt endlich die letzten Wettbewerber auf den Trend der Plastikplanken aufsprangen – aber auch die staatstragende Mercedes S-Klasse (W 126) diesen Schmuck anlegte.

EIN ECHTES WE LTAUTO

Entsprechend der sozioökonomischen Positionierung des Renault 5 wurde die Werbung für das Massenmodell emotional aufgeladen und erstmals im Comic-Stil gestaltet. Schon Designer Michel Boué sah sein neues Citycar „als Auto, das soziale Grenzen überschreitet, und in dem die Frau von Welt, der Arzt und der Arbeiter sich vor einer roten Ampel treffen können und jeder sich gleichermaßen wohl fühlt“. Dabei plauderte der orangefarbene „Fünfer“ munter mit seinem Publikum, boxte sich aus engen Parklücken heraus und schlängelte sich frech durch den Verkehr. Der Renault 5 präsentierte sich als gefühlsbetontes Wesen und vorlauter Superstar: „Nie auf den Mund, außer mit ganz Bestimmten!“ stellte er in einer Anzeige klar -und knutschte den Kühlergrill eines Rolls-Royce ab. Dagegen raste der heißblütige Sportler Renault 5 Alpine Turbo ab 1982 auf Plakaten als schnelle „Hexe mit Düsenantrieb" auf einer Art Überschall-Staubsauger durch die Lüfte.

Emotional verlief 1984 auch der Wechsel zum Renault 5 der zweiten Generation: „Adieu monde cruel! (Lebe wohl, grausame Welt!)“, verabschiedete sich der Flitzer im Boué-Design, um seinem vom legendären Lamborghini-und Maserati-Designer Marcello Gandini in Form gebrachten Nachfolger das Feld zu überlassen. Schließlich hatten die Erzrivalen nachgelegt, Fiat mit dem Uno und Peugeot mit dem 205, der plötzlich den Dauerbestseller Renault 5 in den französischen Zulassungscharts überholte. Renault wusste sich 1984 zu wehren. Mit einem neuen Renault 5, dessen Äußeres charmant wie bisher blieb, unter dem die Technik aber dem Zeitgeist folgte. Erstmals nagelten nun Dieselmotoren unter der Motorhaube der laut Marketing „frechsten dreieinhalb Meter der Welt“. Auch Sport konnte der Neue, wie muskulöse 115 PS im Renault 5 GT zeigten. Für umweltbewusste Aktivisten gab es außerdem den Renault 5 GTL als ersten Kleinwagen mit Katalysator im Kampf gegen das Waldsterben, damals noch ein politisches Tagesthema. Nebenbei sanierte der Kleine die mittlerweile maladen Finanzen seines Herstellers. Und blieb so „Der kleine Freund“ für alle Fälle des Lebens, wie Renault seine Nummer Fünf nannte. Also alles wie am Anfang, vor 50 Jahren.

Damals, als in Deutschland noch der VW Käfer die Verkaufscharts bestimmte und Hersteller hierzulande meinten, mit Kleinwagen ließe sich kein Profit erwirtschaften, punktete der Renault 5 durch frühe Gleichteilestrategie mit den bewährten Modellen R 4 und R 6. Zum Gewinner machten den R 5 immer neue Varianten wie sportliche LS/ TS mit kräftigen 64 PS oder eine optionale Getriebeautomatik, die den Komfort luxuriöser Straßenkreuzer bot.

Tatsächlich sorgte der R 5 als „Renault Le Car“ zwischen New York und Los Angeles für Aufsehen, und die Franzosen feierten dies in Europa mit Le-Car-Sondermodellen. Überhaupt war der avantgardistische Kleinwagen ein Weltauto, passte er sich doch leicht an die Vorlieben anderer Kulturen an. So lief er in Spanien als Renault Siete (7) mit Stufenheck und vier Türen vom Band, die es im restlichen Europa inklusive längeren Radstands erst 1979 in Verbindung mit Heckklappe gab.

ER WAR NICHT NUR AUSSERGEWÖHNLICH MODERN UND MUTIG GESTYLT, ER WAR VOR ALLEM PRAK-TISCH. UND LIEBLING DER MASSEN.